EINLEITUNG
„Erkennen heißt nicht zerlegen und
auch nicht erklären.
Es heißt Zugang zur Schau finden.
Aber um zu schauen, muß man teilnehmen.
Das ist eine harte Lehre.“
(A. de Saint-Exupéry, Flug nach Arras)(1)
Übertragen auf das Thema dieser Diplomarbeit, deutet das Zitat darauf hin, daß ohne praktisch erworbene Erfahrung, und ohne eine konkrete Auseinandersetzung mit dem Medium Internet, eine ausgewogene Beurteilung nicht möglich ist.
Viele Menschen haben ihr Bild und ihre Vorstellungen vom Internet aber nicht durch direkte Beschäftigung mit dem Medium erworben. Sie beziehen sich bei ihrer Meinungsbildung auf Informationen, die sie aus ihrem sozialen Umfeld und vermittelt durch andere Medien, erhalten haben. Das erklärt auch die weitverbreiteten Vorstellungen von einem fremden und geheimnisvollen, fast schon mystischen Medium, welche oft Berührungsängste hervorrufen.
Diese Entwicklungen sind jedoch nicht außergewöhnlich. Die Einführung des Radios bspw., hat ebenfalls Ängste und Hoffnungen in übertriebenem Maße geweckt. Erst wenn das Internet zu einem allgemeinen „Gebrauchsgegenstand“ geworden ist, und alle sozialen Schichten erreicht hat, wird es nicht mehr diese exponierte Stellung unter den Medien einnehmen. Diesen Prozeß voranzutreiben
und im Fluß zu halten, ist auch Aufgabe von (Medien-)Pädagogen. Doch finden sich auch hier die gleichen Vorstellungen und Ängste wieder.
Den teilweise irrationalen Ängsten und übertriebenen Hoffnungen eine
nüchterne Betrachtungsweise entgegenzustellen, ist ein Ziel dieser Diplomarbeit.
Das zweite Ziel ist, dem Leser, neben der Einführung in das Thema, konkrete Hilfestellungen und Empfehlungen für die Konzeptionierung eines pädagogisch orientierten Internetangebotes zur Verfügung zu stellen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DAS INTERNET - WAS VERBIRGT SICH HINTER DIESEM SCHLAGWORT ?
2.1. DIE GESCHICHTE DES INTERNET
2.2. AUFBAU UND STRUKTUR DES INTERNET
2.3. DIENSTE DES INTERNETS
2.3.1. E-Mail
2.3.2. File Transfer Protocol (FTP)
2.3.3. Telnet
2.3.4. News
2.3.5. Internet Relay Chat (IRC)
2.3.6. Multi User Dungeon (MUD)
2.3.7. World Wide Web (WWW)
2.4. VERWALTUNG IM INTERNET
3. KOMMUNIKATION VIA INTERNET ... UND DIE FOLGEN
3.1. PSYCHOLOGISCHE THEORIEN ZU COMPUTERVERMITTELTER KOMMUNIKATION (COMPUTER MEDIATED COMMUNICATION (CMC))
3.1.1. Kanalreduktionsmodell
3.1.2. Herausfiltern sozialer Hinweisreize
3.1.3. Rationale Medienwahl
3.1.4. Normative Medienwahl
3.1.5. Soziale Informationsverarbeitung
3.1.6. Simulation
3.1.7. Imagination
3.2. ZUSAMMENFASSUNG
3.3. SELBSTDARSTELLUNG, IDENTITÄT , BEZIEHUNGEN UND GEMEINSCHAFTEN IM INTERNET
3.3.1. Identität und Selbstdarstellung im Internet
3.3.2. Beziehungen im Internet
3.3.3. Gemeinschaften im Internet – virtuelle Gemeinschaften
3.4. DEMOKRATISIERUNG ODER KOMMERZIALISIERUNG ?
4. MEDIENKOMPETENZ
4.1. INHALTSBEREICHE VON MEDIENKOMPETENZ
4.1.1. Dimension A: Orientierungs- und Strukturwissen
4.1.2. Dimension B: Kritische Reflexivität
4.1.3. Dimension C: Fähigkeit und Fertigkeit des Handelns
4.1.4. Dimension D: Soziale, kreative Interaktion
4.2. REALISATIONSMÖGLICHKEITEN
5. DIE UMSETZUNG IN DIE PRAXIS
5.1. KURZVORSTELLUNGEN DER EINRICHTUNGEN
5.1.1. LogIn Essen
5.1.2. zakk in Düsseldorf – Café Internezzo
5.1.3. VHS-Oldenburg – Senioren im Internet
5.1.4. BAJ e.V. Bielefeld - Netcafé @ Tor 6
5.2. DIE METHODE DES LEITFADENINTERVIEWS
5.2.1. Persönliche Einschätzung und Stellungnahme zu den durchgeführten Interviews
6. HILFESTELLUNGEN ZUR KONZEPTION EINES INTERNETANGEBOTES
6.1.1. Kompetenzen der Mitarbeiter
6.1.2. Lebenswirklichkeit des Klientels zugrunde legen
6.1.3. Unterschiedliche pädagogische Begleitformen
6.1.4. Kritische Reflexion fördern (Medienkompetenz)
6.1.5. Pornographie und Gewalt im Netz
6.1.6. Vernetzung mit anderen Bereichen und Aktivitäten des Hauses
6.1.7. Der Faktor Zeit – alles braucht seine Zeit
6.1.8. Überlegungen zur Reglementierung der Nutzungszeiten
6.1.9. Aspekte der Raumgestaltung
6.2. BEMERKUNGEN ZU DIESEM KAPITEL
7. SCHLUßBETRACHTUNG (ODER: EINE AUFFORDERUNG ZUM HANDELN)
8. ANHANG
8.1. GLOSSAR
8.2. INTERVIEWS (VOLLTEXTE)
8.2.1. BAJ Bielefeld
8.2.2. LogIn Essen
8.2.3. VHS Oldenburg
8.2.4. zakk Düsseldorf
9. LITERATURANGABEN
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, pädagogischen Fachkräften eine fundierte theoretische Einordnung sowie konkrete praxisbezogene Empfehlungen für die Planung und Konzeption von pädagogisch orientierten Internetangeboten an die Hand zu geben.
- Grundlagen zur Struktur und den Diensten des Internets
- Sozialpsychologische Auswirkungen der computervermittelten Kommunikation
- Bedeutung und Vermittlung von Medienkompetenz
- Praktische Fallbeispiele für Internetprojekte in pädagogischen Einrichtungen
- Analyse von Konzeptions- und Planungsaspekten für die pädagogische Arbeit
Auszug aus dem Buch
6.1.1. KOMPETENZEN DER MITARBEITER
„Das zweite, was also ganz wichtig ist, viel wichtiger als die technische Ausstattung ist sozusagen die Kompetenz, die die Menschen haben, die damit umgehen, bzw. die das anderen Menschen vermitteln. Und das ist nicht nur eine Kompetenz im Programmbereich oder im Auskennen mit Programmen, sondern es ist eine Kompetenz im Zusammenhang mit allgemeinen sozialen Fähigkeiten. Also man muß jemandem das erklären können, man muß bereit sein, sich eben auch auf dumme Fragen einzulassen und ich würde da, also die Technikbegeisterung ist da eher so ein Negativpunkt. Das ist ein bißchen kraß formuliert. Aber das andere ist wichtig. Die pädagogische oder einfach die Fähigkeit, mit Leuten eben umzugehen, das ist ganz wichtig.“ (Interview zakk)
Diese Aussage macht deutlich, daß man sich bei der Planung nicht zu sehr auf die technischen Belange versteifen darf. Diese sind zwar wichtig und sollten auch entsprechend erörtert werden. Was sich in der Praxis aber als ebenso, wenn nicht sogar wichtiger erweist, ist die pädagogische bzw. soziale Kompetenz der Mitarbeiter. Das Angebot sollte während der gesamten Zeit durch, in beiden Gebieten qualifizierte, Mitarbeiter betreut werden. Diese Qualifikationen müssen nicht zwingend in einer Person vereint sein. Es können sich auch Mitarbeiter verschiedener Professionen ergänzen, dennoch ist ein pädagogisch-einfühlsames Verhalten im Team abzusprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der pädagogischen Arbeit mit dem Medium Internet und Darstellung der Zielsetzung der Diplomarbeit.
2. DAS INTERNET - WAS VERBIRGT SICH HINTER DIESEM SCHLAGWORT ?: Vermittlung technischer Grundlagen sowie Erläuterung der Geschichte, Dienste und Verwaltungsstrukturen des Internets.
3. KOMMUNIKATION VIA INTERNET ... UND DIE FOLGEN: Diskussion sozialpsychologischer Theorien zur computervermittelten Kommunikation und deren Auswirkungen auf Identität, Gemeinschaften und gesellschaftliche Systeme.
4. MEDIENKOMPETENZ: Definition des Medienkompetenz-Konzepts und Einordnung in vier Inhaltsbereiche bzw. Dimensionen zur Vermittlung in der pädagogischen Praxis.
5. DIE UMSETZUNG IN DIE PRAXIS: Vorstellung von vier konkreten Einrichtungen und Erläuterung der Methode der Leitfadeninterviews zur Gewinnung praxisnaher Erkenntnisse.
6. HILFESTELLUNGEN ZUR KONZEPTION EINES INTERNETANGEBOTES: Ableitung von neun zentralen Handlungsfeldern und Denkanstößen für die Konzeption pädagogischer Internetangebote basierend auf den Experteninterviews.
7. SCHLUßBETRACHTUNG (ODER: EINE AUFFORDERUNG ZUM HANDELN): Fazit der Arbeit mit der Aufforderung, das Internet aktiv und reflektiert als pädagogisches Werkzeug einzusetzen.
Schlüsselwörter
Medienkompetenz, Pädagogik, Internetangebot, Computervermittelte Kommunikation, Soziale Kompetenz, Internet-Konzeption, Jugendarbeit, virtuelle Gemeinschaften, Medienpädagogik, Internetcafé, Leitfadeninterviews, Identitätsbildung, Online-Sozialisation, Projektentwicklung, gesellschaftliche Partizipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit behandelt die Integration des Internets in die pädagogische Arbeit und bietet eine Hilfestellung bei der Konzeption pädagogisch intendierter Internetangebote.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den technischen Grundlagen des Internets, den psychologischen Folgen der computervermittelten Kommunikation, dem Konzept der Medienkompetenz und der praktischen Umsetzung in verschiedenen sozialen Einrichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Lesern eine sachliche Orientierung zu bieten und konkrete Empfehlungen für die Planung und den Betrieb eines pädagogisch orientierten Internetangebotes zur Verfügung zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt qualitative Experteninterviews mit Vertretern verschiedener Einrichtungen durch, um praxisnahe Konzepte und Erfahrungen zu erheben und aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Modelle zur Kommunikation im Netz analysiert, der Begriff Medienkompetenz aus medienpädagogischer Sicht bestimmt und daraus praktische Konzeptionshilfen entwickelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Medienkompetenz, Internet, Pädagogik, Kommunikation, Sozialpädagogik, Konzeption und digitale Identität stehen im Zentrum der Arbeit.
Wie unterscheidet sich diese Arbeit von rein technischen Leitfäden?
Im Gegensatz zu reinen Technik-Handbüchern fokussiert diese Arbeit explizit auf die sozialpädagogischen Anforderungen, die Bedeutung menschlicher Interaktion und die pädagogische Begleitung der Nutzer.
Warum ist laut Autor soziale Kompetenz für das Personal so wichtig?
Der Autor betont, dass für die pädagogische Begleitung im Internet mehr als technisches Know-how nötig ist; soziale Fähigkeiten und die Fähigkeit, komplexe technische Sachverhalte verständlich zu vermitteln, sind essenziell für ein erfolgreiches Angebot.
Wie geht die Arbeit mit dem Thema Pornografie und Gewalt im Netz um?
Der Autor plädiert für einen offensiven und pädagogischen Umgang statt restriktiver Filterlösungen, um Jugendliche aufzuklären und durch soziale Kontrolle ein Lernklima zu schaffen.
- Quote paper
- Jörn Grevenstein (Author), 2000, Das Internet in der Pädagogischen Arbeit - Hilfestellung zur Planung eines Internetcafes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/224