Kartellrecht soll die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs gewährleisten. Dabei kann nur der aktuelle Wissensstand als Grundlage für die Rechtssprechung dienen. Bei der Analyse, ob Microsoft durch gezielten Einsatz wettbewerbsfeindlicher Maßnahmen zum Schaden der Konsumenten gehandelt hat, tauchen einige Fragen auf. Sind die alten Vorschriften des Shermanacts geeignet den Wettbewerb in New Economy Märkten zu schützen bzw. sind sie überhaupt anwendbar? Agiert Microsoft in einem solchen Markt und wie ist dieser zu charakterisieren? Welche konkreten ökonomischen Auswirkungen haben die Strategien der Kopplungsgeschäfte (engl.:Tie-in-Sales) und der exklusiven Verträge im Microsoft Fall? Wirken Microsofts Strategien zum Schutz seines Betriebssystemmonopol nur wettbewerbsschädlich bezogen auf den zweiten Protagonisten in diesem Kartellrechtsprozess, oder auch gesamtwirtschaftlich wohlfahrtsmindernd?
In dieser Arbeit wird versucht durch Fokussierung auf Tying und exklusive Verträge der Beantwortung dieser Fragen ein wenig näher zu kommen und die verschiedenen Standpunkte einander gegenüber zu stellen.
Dazu wird im ersten Teil das Unternehmen Microsoft, der Markt auf dem es agiert und die im Prozess betroffenen Produkte kurz dargestellt. Im zweiten Teil folgen die kartellrechtlichen Grundlagen und eine kurze Beschreibung des Prozessablaufes. Im 3. und 4. Teil werden dann die Details von exklusiven Verträgen und Tying untersucht. Darauf folgt im 5. Teil eine Wohlfahrtsbetrachtung, welche die Grundlage für die in der Schlussbetrachtung getroffenen Aussagen darstellt. Zumindest tendenziell soll an dieser Stelle eine Beurteilung der Ergebnisse des Prozesses vorgenommen werden.
Das Werk zeichnet sich durch die ökonomische Analyse der wettbewerbspolitischen Erwägungen und der juristischen Manifestation in konkretem Wettbewerbsrecht aus, wobei stets auf den Microsoft Fall bezogen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 DAS UNTERNEHMEN UND SEIN UMFELD
1.1 DIE GESCHICHTE VON MICROSOFT
1.2 DIE BETROFFENEN PRODUKTE
2 DER PROZESS
2.1 AMERIKANISCHES ANTITRUSTRECHT
2.1.1 Verfahrensablauf
2.2 ÜBERBLICK ÜBER DIE HAUPTANKLAGEPUNKTE
2.3 WETTBEWERBSRECHTLICHE EINORDNUNG VON TYING UND EXKLUSIVEN VERTRÄGEN
2.4 PROZESSVERLAUF IN DEN USA
2.5 DER VORWURF DER MONOPOLISIERUNG AUS REGIERUNGSSICHT
2.6 DER VORWURF DER MONOPOLISIERUNG AUS MICROSOFTSICHT
2.6.1 Der New Economy Markt
2.6.2 Abgeleitete Folgen für das Kartellrecht
3 TYING
3.1 FAKTISCHES TYING IM MICROSOFT FALL
3.2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN
3.2.1 Kritik der Chicago School
3.2.2 Die Kritik an der Chicago Kritik
3.3 SCHLUSSFOLGERUNGEN FÜR DEN MICROSOFTFALL
4 EXKLUSIVE VERTRÄGE
4.1 EXCLUSIONARY BEHAVIOR
4.1.1 Exklusivverträge mit PC-Herstellern
4.1.2 Exklusivverträge mit ISP
4.1.3 Exklusivverträge mit Internet Content Providern
4.1.4 Exklusivverträge mit Softwareverkäufern
4.1.5 Sonstige effektiv exklusiv wirkende Verträge
4.2 PREDATORY BEHAVIOR
4.2.1 Predatory Pricing
4.2.2 Microsofts Preissetzung
4.3 THEORETISCHE GRUNDLAGEN DER EXKLUSIVERTRÄGE
4.3.1 Theorie der Chicago School
4.3.2 Modifikationen des Grundmodells
5 WOHLFAHRTSEFFEKTE
5.1 KURZFRISTIGE EFFEKTE
5.2 LANGFRISTIGE EFFEKTE
6 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert, ob Microsoft durch Kopplungsgeschäfte (Tying) und exklusive Verträge im Rahmen des Kartellverfahrens wettbewerbsfeindlich gehandelt hat, um seine Monopolstellung zu festigen, und ob diese Strategien gesamtwirtschaftlich wohlfahrtsmindernd wirkten.
- Wettbewerbsrechtliche Bewertung von Tying und exklusiven Verträgen in New Economy Märkten
- Untersuchung der Verdrängungsstrategien Microsofts gegen Wettbewerber wie Netscape
- Theoretische Grundlagen aus Sicht der Chicago School und deren Kritik
- Analyse der Wohlfahrtseffekte von Microsofts Geschäftspraktiken
Auszug aus dem Buch
3.2 Theoretische Grundlagen
In diesem Abschnitt sollen die Theorien vorgestellt werden, um die ökonomischen Hintergründe, die sich hinter Tying verbergen zu verstehen. Da, wie bereits unter 2.3 erwähnt, die wettbewerbsrechtlichen Sichtweisen auf diese Unternehmensstrategie im Zeitablauf z.T. gegensätzliche Positionen einnahmen, wird es nicht überraschen, dass die existierenden Modelle ebenso stark differieren. Ausgehend vom Grundpostulat der Hebeltheorie des Tying kann man die verschiedenen Ansätze in zwei Gruppen teilen: die Chicagokritik am Grundpostulat und die Kritik an der Chicagokritik.
Das Grundpostulat der Hebeltheorie des Tying besagt, dass eine Firma mit Monopolmacht in einem Gut die Hebelkraft dieses Gutes nutzen kann, um auch ein Monopol beim zweiten Gut zu schaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 DAS UNTERNEHMEN UND SEIN UMFELD: Einführung in die Unternehmenshistorie von Microsoft und Darstellung der im Kartellprozess zentralen Produkte wie Windows und Internet Explorer.
2 DER PROZESS: Detaillierte Beschreibung des amerikanischen Antitrustrechts, des Prozessverlaufs sowie der Argumentation der Regierung und von Microsoft.
3 TYING: Untersuchung der Kopplungspraktiken zwischen Betriebssystem und Browser sowie der theoretischen Hintergründe und Kritikansätze zu diesem Phänomen.
4 EXKLUSIVE VERTRÄGE: Analyse der vertraglichen Bindungen mit PC-Herstellern, ISPs und anderen Partnern zur Verdrängung von Wettbewerbern sowie der theoretischen Modellierung dieser Praktiken.
5 WOHLFAHRTSEFFEKTE: Bewertung der kurz- und langfristigen ökonomischen Auswirkungen von Microsofts Strategien auf die Gesamtwohlfahrt.
6 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Beurteilung der Rechtsmittel und der Notwendigkeit einer klaren wettbewerbsrechtlichen Einordnung der Microsoft-Strategien.
Schlüsselwörter
Microsoft, Tying, Exklusivverträge, Kartellrecht, Wettbewerb, Monopol, Chicago School, Netzwerkeffekte, New Economy, Wohlfahrtseffekte, Predatory Pricing, Netscape, Betriebssystem, Browser, Innovationsdruck
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die kartellrechtlichen Vorwürfe gegen Microsoft bezüglich Kopplungsgeschäften (Tying) und exklusiven Verträgen im Kontext des US-Kartellprozesses.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Verdrängungsstrategien Microsofts, die theoretische Fundierung dieser Handlungen durch verschiedene ökonomische Schulen sowie die Bewertung der Wohlfahrtsfolgen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die verschiedenen Standpunkte von Anklage und Verteidigung gegenüberzustellen und zu prüfen, ob die Strategien Microsofts wohlfahrtsmindernd wirkten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse auf Basis ökonomischer Modelle (z. B. der Chicago School) sowie eine Auswertung des Prozessverlaufs und der angewandten Rechtsinstrumente durchgeführt.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Arten von Tying, die Umsetzung exklusiver Verträge mit Partnern und die daraus resultierenden ökonomischen Effekte.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Tying, Exklusivverträge, Monopolmacht, New Economy, Wohlfahrtseffekte und Wettbewerbsbehinderung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Netzwerkeffekten?
Netzwerkeffekte werden als wesentlicher Faktor für Marktzutrittsschranken angesehen, die Microsoft eine dominante Stellung ermöglichen und bei Tying-Strategien eine entscheidende Rolle spielen.
Warum ist eine strukturelle Aufspaltung laut der Arbeit kein ideales Rechtsmittel?
Strukturelle Eingriffe könnten Ineffizienzen verursachen, da die Internalisierung von Investitionsrückflüssen erschwert werden könnte; stattdessen werden Erleichterungen für Privatklagen bevorzugt.
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- Dipl. Kfm. Jörg Krause (Author), 2003, Tying, exklusive Verträge und das Kartellrecht im Fall Microsoft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22511