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"Ein Grund von Gegenteil". Die Bereitung synthetischen Potentials in Rilkes Vierter Duineser Elegie

Title: "Ein Grund von Gegenteil". Die Bereitung synthetischen Potentials in Rilkes Vierter Duineser Elegie

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 43 Pages , Grade: 1,0 (sehr gut)

Autor:in: Sandra Kluwe (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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Entgegen der Forschungsmeinung, dass Rilkes Dichtung in erster Linie selbstreferentiell sei, wird an der Position der älteren Forschung festgehalten, dass Rilke dem poetischen Wort - über seine Erkenntnis-, Darstellungs-, Kommunikations- und Symptomfunktion hinaus - sinnstiftende Funktion zuweist. Als Träger einer Sinnstiftung par excellence, als Antwort auf den zeitgenössischen Nihilismus konzipiert Rilke die 'Duineser Elegien'. Ulrich Fülleborn nennt das Ziel dieser Antwort eine 'universale Ontodizee'. Dies zu leisten: Rechtfertigung des Seins, Sinnbegründung angesichts unbegründbarer Negativität, ist die in zahlreichen Briefen dokumentierte Intention der 'Duineser Elegien'. Die Arbeit entfaltet das Theorem einer Sinnstruktur, wonach der über das Kunstsystem hinausweisende Sinn dasjenige Prinzip darstellt, nach dem die Aufschichtung (Strukturierung) der Elegien erfolgt. Ist die Ontodizee der Grund-Satz der Sinnstruktur, so wird seine Umsetzung durch ein Verfahren geleistet, das als 'Synthese' bezeichnet und anhand einer detailorientierten Interpretation der Vierten Duineser Elegie textanalytisch verankert wird. Ein Ausblick gilt der Synthese von Sein und Nicht-Sein, Klage und Rühmung in Rilkes Achter und Zehnter Duineser Elegie.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. METHODOLOGISCHE VORBEMERKUNGEN

II. INTERPRETATION

1. Nicht-einig-Sein

1.1 Anders-Sein

2. Grund von Gegenteil

2.1 Kontur des Fühlens

3. Bühne des Scheins

3.1 Abschied vom Sein

3.2 Schein-Schauspiel

3.2.1 Tänzer-Maske und Bürger-Leere

3.2.2 Puppen-Aussehn

4. Schicksal

5. Seins-Schauspiel

5.1 Engel und Puppe

5.2 Vorwand des Leistens

6. Reiner Vorgang

6.1 Kindertod

7. Zu poetologischen Deutungsansätzen

III. AUSBLICK: Das Leisten von Synthese

1. „Niemals nirgends ohne Nicht“ - ein Grund von Sein

2. „Nicht, weil Glück ist“ - „die Quelle der Freude“

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht Rilkes „Vierte Duineser Elegie“ im Hinblick auf das poetische Verfahren der Synthese und hinterfragt, ob die in den Elegien geleistete Einheit ein bloßes Strukturmoment selbstreferentieller Sprache darstellt oder als ein vom Dichter intendiertes Sinnprinzip zu begreifen ist.

  • Analyse des „Grundes von Gegenteil“ als Kontrastprinzip in Rilkes Lyrik.
  • Untersuchung der Bühnen- und Puppenmetaphorik im Kontext des menschlichen Ich-Spaltens.
  • Kritische Auseinandersetzung mit systemtheoretischen Interpretationsansätzen zur Rilke-Forschung.
  • Erörterung der Ontodizee und der Suche nach einer „Quelle der Freude“ angesichts existentieller Sinnkrisen.
  • Vergleich der Bedeutung von Kindheit, Tod und der Figur des Engels für den Prozess der Sinnstiftung.

Auszug aus dem Buch

2. Grund von Gegenteil (I, 453)

„Da wird für eines Augenblickes Zeichnung ein Grund von Gegenteil bereitet, mühsam, daß wir ihn sähen, denn man ist sehr deutlich mit uns.“

Die Metapher der Zeichnung verbildlicht hier, was in den Poèmes Francais - in eher humoristischem Kontext - als „la sainte loi du contraste“ bezeichnet wird [„das heilige Gesetz des Gegensatzes“, Übersetzung von mir]. Dieses Gesetz muß „deutlich“ formuliert sein, um einsichtig zu werden. Käte Hamburger weist nicht zu unrecht darauf hin, daß wir im allgemeinen die Zeichnung selbst betrachten, ohne auf ihren Untergrund zu sehen. Andererseits ist der Kontrast die Voraussetzung dafür, daß überhaupt etwas wahrgenommen werden kann. Die attributive Bestimmung „von Gegenteil“ muß also genauer betrachtet werden. Zum einen scheint sie die Funktion eines Ablativus qualitatis zu haben, kann also adjektivisch formuliert werden als gegenteiliger Grund, als Grund, dessen Bestimmung darin liegt, gegenteilig zu sein.

Zusammenfassung der Kapitel

I. METHODOLOGISCHE VORBEMERKUNGEN: Die Einleitung beleuchtet neuere systemtheoretische Ansätze in der Rilke-Forschung und stellt die Frage, ob die poetische Synthese als bloßes Strukturmoment oder als Sinnstiftung zu verstehen ist.

II. INTERPRETATION: Dieser Hauptteil analysiert die „Vierte Duineser Elegie“ detailliert anhand zentraler Motive wie dem Nicht-einig-Sein, der Puppensymbolik und dem Engel als Figur höchster Seinsstufe.

III. AUSBLICK: Das Leisten von Synthese: Der Ausblick führt die Ergebnisse zusammen und diskutiert die „Quelle der Freude“ als Zielpunkt einer Synthese, die das Leben und den Tod ohne Negation in einer großen Einheit versöhnt.

Schlüsselwörter

Rainer Maria Rilke, Vierte Duineser Elegie, Ontodizee, Synthese, Kontrastprinzip, Selbstreflexivität, Puppen-Metaphorik, Existentialismus, Sinnstiftung, Poetologie, Bewusstsein, Weltinnenraum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit widmet sich einer eingehenden Interpretation der „Vierten Duineser Elegie“ von Rainer Maria Rilke und untersucht, wie Rilke durch ein poetisches Verfahren, das als Synthese bezeichnet wird, versucht, eine Sinnbegründung für die menschliche Existenz zu leisten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Zerissenheit des menschlichen Ich, die Bedeutung von Kontrasten für die Wahrnehmung, die Rolle von Kunstfiguren wie Puppen und Engeln sowie die Suche nach einer ontologischen Rechtfertigung des Seins.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die in den Elegien vollzogene Synthese lediglich ein Nebenprodukt sprachlicher Selbstreflexion ist oder ob Rilke gezielt ein Sinnprinzip stiftet, um dem zeitgenössischen Nihilismus zu begegnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung setzt sich kritisch mit neostrukturalistischen und systemtheoretischen Ansätzen (u.a. von Eckel und Kaiser) auseinander und kontrastiert diese mit einer werkimmanenten Analyse, die den Sinngehalt des Textes in den Vordergrund stellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zentrale Begriffe der Elegie interpretiert, insbesondere der „Grund von Gegenteil“, das „Schein-Schauspiel“ der Marionetten bzw. Puppen sowie die vermittelnde Rolle des Engels, der das „unendliche Bewusstsein“ mit der Endlichkeit des Menschen in Verbindung bringt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Rilke, Ontodizee, Synthese, Kontur des Fühlens, Kindertod, Weltinnenraum und die Problematik der Subjektivität.

Wie unterscheidet sich die Rolle des „Kindes“ von der des „Erwachsenen“ im Text?

Das Kind erscheint in Rilkes Text als eine Figur, die noch „zwischen Welt und Spielzeug“ steht und den Tod als natürlichen Übergang begreift, ohne die für Erwachsene typische Zerissenheit und das „Nicht-einig-Sein“ zu erfahren.

Welche Bedeutung kommt der Puppe in der „Vierten Duineser Elegie“ zu?

Die Puppe dient als Gegenentwurf zur leeren Maske; sie ist „voll“ und „seiend“, was es dem lyrischen Ich ermöglicht, seine eigene Projektion auf die Bühne zu bringen und durch diese „fremde“ Präsenz die eigene Authentizität in Frage zu stellen.

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Details

Title
"Ein Grund von Gegenteil". Die Bereitung synthetischen Potentials in Rilkes Vierter Duineser Elegie
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
Hauptseminar 'Rilke'
Grade
1,0 (sehr gut)
Author
Sandra Kluwe (Author)
Publication Year
1999
Pages
43
Catalog Number
V22575
ISBN (eBook)
9783638258692
ISBN (Book)
9783638701402
Language
German
Tags
Grund Gegenteil Bereitung Potentials Rilkes Vierter Duineser Elegie Hauptseminar Rilke
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sandra Kluwe (Author), 1999, "Ein Grund von Gegenteil". Die Bereitung synthetischen Potentials in Rilkes Vierter Duineser Elegie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22575
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