Sexualberatung


Hausarbeit, 2003

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Grundlagen der Sexualerziehung

2. Die Sexualität bei Jugendlichen
2.1. Ängste der Jugendlichen

3. Wesen der Sexualberatung

4. Ursachen der Sexualberatung
4.1. Sexualberatung als phasenmäßig ablaufender Beratungsprozess
4.1.1. Beginn des Beratungsgespräches
4.1.2. Situationsanalyse
4.1.3. Definition des Problems
4.1.4. Sammeln von Informationen
4.1.5. Erarbeitung der Lösungsmöglichkeiten

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Grundlagen der Sexualerziehung

Man wird nicht mit sexuellen Problemen geboren, sondern vor allem Erlebnisse oder mangelnde Erfahrungen leiten Fehlentwicklungen ein. Solche Probleme führen nicht nur im umgrenzten sexuellen Bereich zu persönlichen Schwierigkeiten oder Störungen in einer Partnerbeziehung, sie können auch Ursache von zahlreichen seelisch bedingten körperlichen Leiden, wie Herzbeschwerden, Kopfschmerzen und Magenbeschwerden sein.

Die meisten Menschen sind unsicher, wenn es um die Sexualerziehung geht, und sie sind Hinweisen auf sexuelle Phantasien nicht aufgeschlossen. Es befällt sie ein Unbehagen, etwa von ihren Kindern als sexuelle Wesen angesehen zu werden. Die Ursache hierfür ist weitgehend darin zu sehen, dass über das Thema Sex nur bei wenigen Menschen zu Hause, in der Familie oder auch in der Schule gesprochen wird.

Man begegnet dieser Problematik am besten, indem man sich vier Fragen stellt:

- Was ist Sexualität?
- Was bedeutet Sexualität für mich als Erzieher?
- Wohin soll die Sexualerziehung führen, was ist ihr Ziel?
- Wie sieht Sexualerziehung in der Praxis aus?

Unter Sexualität wird von vielen etwas verstanden, was innerhalb der Gesamtpersönlichkeit eines Menschen eine Sonderrolle einnimmt. Es entsteht dann leicht der Eindruck, als handle es sich beim Sexuellen um einen speziellen, besonders selbständigen und unabhängigen Teilbereich innerhalb der Einheit von Leib und Seele. Sexualität ist ein Teil von uns. Sie dient nicht allein der Zeugung eines Kindes und ist nicht beschränkt auf den Bereich der Geschlechtsorgane. Sie bestimmt vielmehr unser gesamtes Fühlen, Denken und Handeln und ist ein wesentlicher Bestandteil zwischenmenschlicher Beziehungen. Sexualität ist zu verstehen als die Liebes- und Lebensfähigkeit schlechthin, als die Fähigkeit zwischenmenschliche Beziehungen aufzunehmen, ja zu sagen zum eigenen Geschlecht und positive Einstellungen zum eigenen Körper zu finden.

Sexualerziehung im Sinne einer besondern Erziehung gibt es nicht. Sie lässt sich nur im Rahmen der Gesamterziehung erreichen. Es geht auch bei ihr nur um eine positive Grundeinstellung, die man einem Kind vermitteln kann und muss. Sexualerziehung will also nicht zum Sexuellen verführen, sondern darauf vorbereiten. Das Kind und der Jugendliche sollen vielmehr lernen, eigene Grundsätze für sein Sexualverhalten zu finden und zu verwirklichen. (vgl. Röhl, M., 1978, S. 9-15)

2. Die Sexualität bei Jugendlichen

Zur Zeit der sexuellen Revolution wurde die Sexualität mit einer solchen Mächtigkeit ausgestattet, dass einige davon überzeugt waren, durch ihre Entfesselung die ganze Gesellschaft stürzen zu können. Andere verklärten die Sexualität zur menschlichen Glücksmöglichkeit schlechthin. Generell sollte sie so früh, so oft, so vielfältig und so intensiv wie nur irgend möglich praktiziert werden. Generativität, Monogamie, Treue, Virginität und Askese waren Inbegriff und Ausfluss der zu bekämpfenden Repression. Das mit der „Befreiung“ erhebliche Fremd- und Selbstzwänge, neue Probleme und alte Ängste einhergingen, wollten die Propagandisten nicht wahrhaben. Sie verlangten Geschlechtsverkehr in der Schule.

Heute ist davon keine Rede mehr. Das, was die Generationen der sexuellen Revolution als Lust, Rausch und Ekstase erlebten oder ersehnten, problematisieren die jüngeren Patienten unter dem Aspekt der Geschlechterdifferenz, der sexuellen Übergriffigkeit, der Missbrauchserfahrungen, der Gewaltanwendungen und der Infektionsgefahr in Folge des Aufkommens der Krankheit AIDS. Diese Themen herrschen in der wissenschaftlichen Diskussion seit den 80er Jahre vor und bezeichnen in empirischen Studien die Themen, die Jugendliche und junge Erwachsene heute beschäftigen.

Geht es um Jugendsexualität, ist die deutsche Sexualwissenschaft empirisch in einer glücklichen Lage, denn seit mehr als drei Jahrzehnten wird vorrangig die Sexualität junger Leute studiert. So wurden beispielsweise 11- bis 16jährige Schüler, 16- und 17jährige Jugendliche, 20- und 21jährige Arbeiter, 19- bis 30jährige Studenten sowie Homosexuelle und Paare mit sexuellen Problemen aus allen Altersgruppen interviewt. Da einige Studien in großen Abständen wiederholt worden sind, ist es möglich, gesicherte Aussagen zu den Veränderungen im Verlauf der letzten Jahrzehnte zu machen.

Ende der 60iger Jahre stellte man fest, dass sich die damals 16- und 17jährigen sexuell so verhielten wie die 19- und 20jährigen zehn Jahre zuvor. Das, was „sexuelle Revolution“ genannt wurde, bestand also hinsichtlich des Verhaltens darin, etwa drei Jahre früher mit Verabredungen, Küssen, Petting und Geschlechtsverkehr zu beginnen. Die traditionellen Wertevorstellungen wurden jedoch nicht in Frage gestellt. Liebe, Treue, Ehe und Familie bestimmen weiterhin die moralischen Vorstellungen der jungen Leute. Sie interpretierten sie aber nicht so eng und vor allem nicht so männerzentriert wie die Generationen davor. Statt einer festen Beziehung vor der Ehe plädierten sie für mehrere Liebesbeziehungen mit gegenseitiger Treue. Wichtig ist, dass damals viele Jugendliche Sexualität als lustvoll und beglückend erlebten und nicht mehr so stark wie ihre Eltern unter Ängsten und Schuldgefühlen litten. Das war historisch etwas wirklich Neues, vor allem für Mädchen und junge Frauen. Neben der allgemeinen sexuellen Liberalisierung in der Gesellschaft hat sicher die Möglichkeit der hormonellen Kontrazeption zu dieser Entspannung beigetragen.

Wie sieht es nun heute aus? Einerseits sehr ähnlich, andererseits recht differenziert. Ähnlich, weil Jugendliche heute mit Dating, Küssen, Petting und Geschlechtsverkehr nicht früher beginnen und auch keine umfangreicheren Erfahrungen machen, als am Ende der 60iger Jahre. Insofern hat sich die „sexuelle Revolution“ nicht fortgesetzt. Berichte in den Medien nach denen die heutige Jugend entweder sexuell enthemmt sei oder sich von der Sexualität ganz verabschiedet habe, gehen gleichermaßen an der Wirklichkeit vorbei.

Nach wie vor haben mit 16 oder 17 Jahren etwa drei Fünftel der Jungen und Mädchen schon einmal genitales Petting und etwa zwei Fünftel schon einmal Geschlechtsverkehr erlebt. Auch die zentralen Wertvorstellungen haben sich nicht wesentlich verändert. Heute binden junge Männer die Sexualität sogar noch stärker an eine feste Liebesbeziehung mit Treue als vor einer Generation. Sie sind zwar noch nicht so romantisch wie junge Frauen, legen aber deutlich größeren Wert auf gegenseitiges Verstehen und Vertrauen. Häufiger als früher gestehen sie ihrer Freundin Gefühle, vor allem die der Liebe. Große Angst haben Jungendliche vor dem Verlassenwerden, vielleicht weil sie als Nachkommen der sexuellen „Revolutionäre“ erfahren mussten, dass Ehen weder heilig noch ewig sind.

Wie in der Gesellschaft insgesamt hat auch für junge Leute die symbolische Bedeutung der Sexualität abgenommen. Sie ist heute selbstverständlicher, ja banaler, wird nicht mehr so stark mystisch überhöht. Weil sie nicht mehr die große Überschreitung ist, kann sie auch unterbleiben. Junge Männer, die sexuell abstinent leben, können sich heute eher dazu bekennen, ohne von ihren Freunden automatisch verhöhnt zu werden. Junge Frauen geben heute seltener an, dass ihre sexuellen Erlebnisse lustvoll und befriedigend waren. Jungen erleben die Pubertät nicht mehr wie früher als den unbeherrschbaren Einbruch des Sexualtriebes. Auch später erleben sie ihre Sexualität nicht mehr als so dranghaft und unaufschiebbar. Dazu passt, dass sie heute weniger Sexualpartnerinnen haben als vor einer Generation. Nur Minderheiten haben im Jugendalter mehr als einen bis maximal drei Sexualpartner. Gleichzeitig sind Selbstbefriedigung und gleichgeschlechtliche Erlebnisse nicht mehr so bedeutungsvoll. Während der Rückgang der Onanie nur gering ist, sind homosexuelle Kontakte inzwischen eine Rarität. Früher machte beinahe jeder fünfte Junge derartige Erfahrungen. Heute sind es nur noch zwei Prozent.

Ging es früher um den Trieb eines Mannes und den Orgasmus einer Frau, geht es heute darum wie junge Frauen und Männer am besten miteinander zurechtkommen. Wichtiger als der sexuelle Akt ist eine feste Beziehung, in der sich die Partner angenommen und aufgehoben fühlen. Zusammengefasst gesagt, ist das der historische Weg von der Wollust zur Wohllust. Beschritten werden konnte er nur, weil Tabus und Geschlechterdifferenzen abgebaut worden sind und sich Jungen allmählich trauen, Gefühle zu zeigen und darüber mit ihrer Freundin zu sprechen, obgleich sie immer noch eher als Mädchen dazu erzogen werden, stark und hart zu sein. Das Heft aber haben die jungen Männer heute nicht mehr unwidersprochen in der Hand. Hier schlägt sich sehr konkret der jahrzehntelange Kampf vieler Frauen um Selbstbestimmung nieder.

Dafür ein Beispiel: Sehr viel häufiger als früher bestimmen heute junge Frauen, was in einer Beziehung geschieht und wie weit sexuell gegangen wird.

Die sexuelle Initiative geht heute deutlich seltener vom Jungen und deutlich häufiger vom Mädchen aus. Das gilt auch für den ersten Geschlechtsverkehr. Ende der Sechziger Jahre willigten beinahe 90 % der Mädchen „dem Jungen zuliebe“ ein. Heute sind es nicht einmal 30 %. (vgl. Röhl, M. 1978, S. 15-19)

2.1. Ängste der Jugendlichen

Recht vernünftig ist auch das Verhütungsverhalten der jungen Leute. Beim ersten Geschlechtsverkehr werden heute rund 80 % ein sicheres Mittel an, etwa doppelt so viele wie vor einer Generation. Später kümmern sich beinahe alle um die Verhütung. Als Mittel nennen rund 70 % der Mädchen und gut 50 % der Jungen die Pille, fast 40 % der Mädchen und fast 60 % der Jungen das Kondom. Zur Akzeptanz des Kondoms bei Jugendlichen haben sicher die AIDS-Präventionskampagnen beigetragen, die dessen Anwendung als erwachsen und verantwortungsbewusst darstellen. Neben die Empfängnisverhütung der Frauen ist die Zeugungsverhütung der Männer getreten.

Obgleich heute das Verhütungsverhalten rational und wirksam ist, gehört die angst vor einer ungewollten Schwangerschaft nach wie vor zu den großen Belastungen des Jugendalters. Über 70 % der jungen Frauen haben schon einmal Angst gehabt möglicherweise schwanger zu sein. Dem gegenüber hat weniger als ein Zehntel der Jugendlichen schon einmal befürchtet sich auf sexuellem Weg mit dem AIDS-Erreger infiziert zu haben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Sexualberatung
Hochschule
Universität Erfurt  (Psychologische Fakultät)
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V22654
ISBN (eBook)
9783638259330
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sexualberatung
Arbeit zitieren
Andreas Reineck (Autor), 2003, Sexualberatung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22654

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