Die Soziallehre Dantes


Hausarbeit (Hauptseminar), 1996

14 Seiten, Note: zwei (gut)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Die „Vita Nuova“ - das „Neue Leben“
1. Die äußere Form
2. Zum Inhalt der „Vita nuova“
3. Die geistigen Väter des Werks und seine Entstehungszeit
4. Über die Bedeutung der „Vita nuova“

II. Il Convivio - das „Gastmahl“
1. Zur Entstehungsgeschichte
1.1 Die politischen Verhältnisse in Florenz
1.2 Mögliche Vorbilder und literarische Quellen
2. Die äußere Form und die Struktur des „Convivio“
3. Der vierte Traktat
4. Sinn und Zweck des „Gastmahls“
5. Behandelte Themen
6. Die Intention des Autors

III. Die politische Schrift „De Monarchia“
1. Zur Entstehung der „Monarchia“
1.1 Die Intention des Autors
1.2 Sinn und Zweck der Abhandlung
1.3 Zur Datierung der „Monarchia“
2. Die äußere Form
3. Zum Inhalt der „Monarchia“
3.1 Grundlegende Fragestellungen der „Monarchia“
3.2 Vergleich zum „Gastmahl“
3.3 Das dritte Buch der „Monarchia“
3.4 Dantes „Averroismus“
3.5 Zur Rezeption der „Monarchia“

IV. Resumée

I. Die „Vita Nuova“ - das „Neue Leben“

Am Anfang der literarischen Entwicklung Dante Alighieris (1265 - 1319) steht eine Gedichtsammlung zum Lobe von Beatrice dei Bardi aus der Florentiner Familie der Portinari. Zehn Jahre nach der ersten Begegnung mit der neunjährigen Tochter Folco Portinaris faßte Dante die während dieser Zeit verfaßte Liebeslyrik in einer Anthologie zusammen, die er lateinisch „Vita nova“, das „neue Leben“ nannte. Sie entstand nach 1290; d.h. kurz nach Beatrices Tod (8. Juni 1290), der den jungen Dichter in tiefe Verzweiflung stürzte. Die „Vita nuova“ ist noch kein philosophisches, sondern ein poetisch - autobiographisches Jugendwerk Dantes in der Stilform des Sonetts. Es ist eine Gedichtsammlung, in der „der süße neue Stil, in dem frühtoskanische Dichter den Bund des Geistes mit den Sinnen geschlossen hatten“ triumphiert, und in dem sich das Gefühl der neuen italienischen Dichterjugend offenbarte.[1]

1. Die äußere Form

Die „Vita nuova“ besteht aus 31 Gedichten unterschiedlicher Form; d.h. aus fünfundzwanzig Sonetten, vier Kanzonen, einer Ballade und einer isolierten Kanzonenstrophe. Nach dem Vorbild der Liederhandschriften der Provenzalen sind die Gedichte durch einen Prosatext; „razó“ genannt; miteinander verbunden. Weiterhin fügte der Autor seinen Versen einen „ragione“; einen Bericht um die Entstehungsumstände des Werkes bei, das im Wesentlichen aus drei Abschnitten besteht.[2]

2. Zum Inhalt der „Vita nuova“

Im ersten Abschnitt, der die Verse I - XVI umfaßt, beschreibt Dante seine Liebe zu Beatrice als unvollkommen; in den Versen XVII - XXVII erkennt er die wahre Liebe in der selbstlosen Verehrung der Frau; im letzten Abschnitt, der die Verse XXVII - XLII umfaßt, ist Beatrice bereits tot. Nach einer persönlichen Krise gelangt er zu einer Würdigung ihres Wertes und zu dessen Bedeutung für ihn selbst.[3]

3. Die geistigen Väter des Werks und seine Entstehungszeit

Dantes literarische Vorbilder für dieses Werk von „zeitloser Strahlungskraft“[4] waren der Bologneser Guido Guinizelli ( 1240- 1276), den Dante den „Vater der süßen und gefälligen Liebesreime“ nannte und der Mann, der die neue lyrische Form nach Florenz gebracht hatte, Guido Cavalcanti ( 1255 - 1300), der in seinen Versen die Erfahrung eines dramatisch aufgespaltenen Seelenreiches gemacht hatte.

Die Entstehungszeit dieser Anthologie ist nach dem Zeugnis Boccacios und Dantes eigenen Angaben in seinem ersten philosophischen Werk „Il Convivio“ („das Gastmahl“) auf die Jahre 1292/93 zu datieren; also auf etwa zehn Jahre vor seiner Verbannung aus seiner Heimatstadt Florenz.[5]

4. Über die Bedeutung der „Vita nuova“

Das „Neue Leben“ stellt den ersten literarischen Versuch eines jungen Dichters nach einer leidvollen Erfahrung dar. Sie ist eine mystische Liebesvision Dantes mit einem psychologischen Erkenntnisprozeß und der Darstellung einer inneren Entwicklung, wie es sie in der Literatur des Abendlands seit Augustin nicht mehr gegeben hatte.[6] Zum ersten Mal legte ein Dichter hierin Zeugnis seiner ureigensten subjektiven Gefühlswelt ab; erstmals gewährte ein Dichter seinen Lesern Einblick in die geheimnisvolle Welt seines Geist- und Seelenlebens. Die „Vita nuova“ ist das Resultat einer auf lyrischem Wege verarbeiteten, sehr persönlichen Erfahrung; sie ist kein universal gültiges, (sozial-)philosophisches Werk wie das ca. zwölf Jahre später entstandene „Convivio“ oder die noch später verfaßte „Monarchia“; doch ebenso wie auf sein monumentalstes Werk, auf die „Divina Commedia“; weisen die Jugendverse des Dichters Dante Alighieri auch bereits auf den Philosophen Dante Alighieri hin.

So bietet sich in Kapitel XXXV des „Neuen Lebens“ Dante eine „donna gentile“; eine „barm-

herzige Herrin“ mitleidsvoll als Trösterin an. Diese zweite edle Dame soll ihn über den Verlust der geliebten Beatrice hinweghelfen. Bei dieser „barmherzigen Herrin“ handelt es sich bereits um die „donna gentile“ des Gastmahls.

Die Gedichtsammlung schließt in Kapitel XLII mit einer Vision der göttlichen Komödie zur angemessenen Verherrlichung der „benedeiten“ Beatrice:

„Nach diesem Sonett hatte ich eine wunderbare Vision, in der ich Dinge sah, die mich zu dem Entschluß brachten, nichts weiter von dieser Benedeiten zu sagen, bis ich es in einer würdigeren Weise tun könnte.“[7]

Um dieses Vorhaben - die Geliebte in einer „würdigeren Art und Weise“ preisen zu können und auch, um über ihren Tod hinwegzukommen - wendete Dante sich ab 1290 verstärkt dem Studium der Philosophie zu, in der er Trost suchte. Dieses Studium, das er erst in Florenz, später (ab 1302) im Exil; - unter anderem auch in Verona - betrieb, brachte ihn um 1306/07 zum Verfassen seiner ersten philosophischen Schrift; „Il Convivio“; dem „Gastmahl“.

II. Il Convivio - das „Gastmahl“

1. Zur Entstehungsgeschichte

In den ersten unsteten Wanderjahren seines Aufenthalts im Exil - in der Romagna, in Verona, in der Lunigiana und im Casentino - entstand in den Jahren 1306 /1307 Dante Alighieris erstes philosophisches Werk, das er „Il Convivio“; „das Gastmahl“ nannte. Diese Abhandlung bildet quasi den Abschluß von Dantes Jugenderfahrungen und -spekulationen. Nach intensiven philosophischen und theologischen Studien sowie den - überwiegend negativen - Erfahrungen, die er als Florentiner Politiker gesammelt hatte (er stand vom 16. Juni bis zum 15. August 1300 als einer der zwölf Prioren an der Spitze des Stadtregiments) entwarf er im „Convivio“ ein erstes Konzept von Sinn und Ziel des Menschengeschlechts und seiner gesellschaftlichen Ordnung. Das politische Chaos, das in seiner Heimatstadt Florenz herrschte, hatte ihn zu ersten Überlegungen für eine potentielle Friedensherrschaft zum Wohle aller Menschen geführt.

1.1 Die politischen Verhältnisse in Florenz

Um die Intention Dantes für die Niederschrift des „Convivio“ aufzuzeigen, ist es notwen- dig, die politischen Verhältnisse in Florenz vor seiner Verbannung kurz zu skizzieren.

Nachdem im Jahre 1260 in der Schlacht von Montaperti die kaisertreuen Gibellinen den Sieg davongetragen hatten, brachte sechs Jahre später die Schlacht von Benevent die papsttreue Partei der Guelfen an die Macht. Der bereits 1216 ausgebrochene Konflikt zwischen diesen beiden Adelsparteien spaltete die florentinische Oligarchie für nahezu zweihundert Jahre in feindliche Lager; führte zu zahlreichen Morden und zur öffentlich ausgetragenen Blutrache; der Vendetta. Dante Alighieri, der aufgrund seiner Herkunft zwischen Guelfen und Gibellinen stand, ergriff für keine der beiden miteinander verfeindeten Gruppen Partei. Hinzu trat der Streit zwischen den Magnatenfamilien der Cerchi, den sog. „Bianchi“ (= den Weißen) und den Donati, den sog. „Neri“(= den Schwarzen), die ebenfalls Unterstützung bei Kaiser- und Papsttum suchten. Als Corso Donati, der auf Papst Bonifaz VIII. und dessen Expansionspläne vertraut hatte, im November 1301 an die Macht kam, wurde Dante, der seiner Herkunft nach den Cerchi und der Bewegung der Popularen näher stand, zu Beginn des Jahres 1302 aus Florenz verbannt.

Neben den Auseinandersetzungen innerhalb der toskanischen Aristokratie schwelte in Florenz noch der Konflikt zwischen der sich vorwiegend aus Handwerkern zusammensetzenden Bevölkerungsschicht des „Popolo“ und der sog. „Oligarchie“ der Stadt, die aus einer älteren bürgerlichen Eliteschicht, dem niederen Adel und dem zugewanderten Feudaladel sowie Juristen und Intellektuellen bestand. Dante Alighieri, der der Partei der Popularen näher stand, hatte vor seiner Verbannung versucht, zwischen diesen beiden Gruppen zu vermitteln.

Insbesondere sah er jedoch in dem mehr psychologisch bedingten Streit der Aristokratie, dessen Ursache er dem moralischen Verfall der Stadt zuschrieb, den Grund für den Ruin von Florenz und für den Niedergang Italiens insgesamt. Diese einschneidenden Erlebnisse und negativen Erfahrungen, die er als Beobachter jener Vorgänge machen mußte - darunter auch diejenige, selbst als Prior der seit dem Jahre 1300 herrschenden Vendetta keinen Einhalt gebieten zu können - führten ihn zu Überlegungen und Spekulationen darüber, wie eine Weltordnung auszusehen habe, die allen Menschen ein friedliches Zusammenleben ermöglichte, worüber er sich erstmals im „Convivio“ äußerte.[8] Dante Alighieris Weltbild war demnach geprägt vom Studium der zeitgenössischen Theologie und Philosophie (welches er als Laie betrieb) einerseits und seinen politischen Erfahrungen andererseits.[9]

[...]


[1] Vgl. dazu: Laaths, Erwin: Geschichte der Weltliteratur. Bindlach 1988. S. 262.

[2] Vgl. dazu: Elwert, Wilhelm Theodor: Die italienische Literatur des Mittelalters. Dante/ Petrarca/ Boccacio. München 1980. S. 104.

[3] Ebd, S. 105.

[4] Vgl. dazu: Laaths, Erwin: Geschichte der Weltliteratur. S.262.

[5] Elwert, S. 107.

[6] Ebd, S. 107.

[7] Vgl. dazu: Laaths, Erwin: Geschichte der Weltliteratur. S. 263.

[8] Vgl. dazu: Herde, Peter: Dante als Sozialphilosoph. (Schriften zur Rechts- und Sozialstaatsphilosophie. Hg. v. Michael Fischer, Erhard Mock u. Helmut Schreier. Frankfurt 1990.) S. 88.

[9] Vgl. dazu: Herde, Peter: Dante als Florentiner Politiker. ( Frankfurter historische Vorträge. Heft 3).Wies- baden 1976. S. 1.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Soziallehre Dantes
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für mittelalterliche Geschichte)
Veranstaltung
HS Politische und soziale Ideen des späten dreizehnten und des vierzehnten Jahrhunderts
Note
zwei (gut)
Autor
Jahr
1996
Seiten
14
Katalognummer
V22714
ISBN (eBook)
9783638259873
ISBN (Buch)
9783638781756
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Inhaltlich gut, kleinere formale Mängel in der Interpunktion (Flüchtigkeitsfehler)
Schlagworte
Soziallehre, Dantes, Politische, Ideen, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Stefanie Metzger (Autor), 1996, Die Soziallehre Dantes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22714

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