Möglichkeiten des Geschichtsunterricht in Klasse 9 - Zugänge,
Wege, Fragen und Formen
Unterricht zu Beginn des 3. Jahrsiebts
Die Zeit des 14./15. Lebensjahrs öffnet für den Schüler neue Welten und Sichten. Es ist, als würden Hüllen aufgerissen, als fände eine Art Neugeburt statt. Enorme Veränderungen gehen mit und in ihm vor, der Prozeß der Geschlechtsreife wird erlebt(1), der Leib wandelt und streckt sich, wird zunächst im Wortsinne als Fremdkörper empfunden, die erlebten Wandlungen lösen Unbehagen aus. Zu diesem inneren, körperlichen Unwohlsein gesellt sich eine oft schroffe Ablehnung der
äußeren Welt(2). Der Jugendliche entwickelt zunehmend seinen eigenen Standpunkt, er ist nicht mehr in der unbewußten Selbstverständ-lichkeit seiner bisherigen Lebenswelt umfangen und bewahrt. Eigene Ideale, die gerade entdeckten Ideen, die frisch gewonnenen Überzeugungen und Wunschvorstellungen stehen in scharfer
Konfrontation zu den scheinbar deutlich zu Tage tretenden "Mängeln" und sogenannten Sachzwängen des Erwachsenenlebens. Zum Elternhaus, zur Schule wird eine skeptische Distanz eingenommen. Im Unterrichtsgeschehen selbst entwickelt der junge Mensch immer mehr kritische Fragen und Haltungen3. Auf das eigene Tun hin werden Reaktionen erwartet und diese aufmerksam geprüft. Das wache
Interesse will gepackt werden, die Schüler erwarten klare Positionen, eindeutige Aussagen und wirklich überzeugende Antworten.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Möglichkeiten des Geschichtsunterricht in Klasse 9 - Zugänge, Wege, Fragen und Formen
1.1 Unterricht zu Beginn des 3. Jahrsiebts
1.2 Das Beispiel einer projektorientierten Epochenunterrrichts (III. Reich)
1.2.1 Zum geschichtlichen Hintergrund
2. Schlußbetrachtung
3. Anmerkungen
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, wie Geschichtsunterricht in der 9. Klasse so gestaltet werden kann, dass er die spezifische menschenkundliche Situation Jugendlicher anspricht und ein tieferes Verständnis für historische Zusammenhänge sowie eine Verbindung zur Gegenwart ermöglicht. Dabei steht der projektorientierte Unterricht am Beispiel des Nationalsozialismus im Fokus, um kognitives Lernen mit emotionaler Betroffenheit zu verknüpfen.
- Entwicklung eines projektorientierten Zugangs zum Geschichtsunterricht.
- Analyse der entwicklungspsychologischen Bedürfnisse von Jugendlichen im 3. Jahrsiebt.
- Methodische Verknüpfung von kognitiver Sachanalyse und emotionaler Auseinandersetzung.
- Durchführung von historischer Feldforschung zur NS-Zeit auf regionaler Ebene.
- Reflexion über die Rolle des Lehrers bei der Vermittlung historischer Prozesse.
Auszug aus dem Buch
Das Beispiel einer projektorientierten Epochenunterrrichts (III. Reich)
Zum geschichtlichen Hintergrund: Die Republik von Weimar war der erste, zunächst erfolgreiche Versuch, in Deutschland freiheitliche und demokratische Strukturen auf der Basis der Ideen von 1848 zu etablieren. Diese erste deutsche Demokratie hatte gewiß ihre Schwächen, war aber stark genug, die Krisen der Anfangsjahre 1918 bis 1923 (einschließlich Hitlerputsch) zu meistern und eine gewisse Blüte entstehen zu lassen ( die sogenannten "Goldenen Zwanziger"). Allein das "Glück" stand einzig auf dem papierenen Fundament amerikanischer Kredite, die Weltwirtschaftskrise von 1929 ff. stürzte die Republik in eine tiefes Chaos.
Wider Erwarten schien eine Konsolidierung der Finanzen und ein Abbau der Arbeitslosenzahlen im Endjahr 1932 noch möglich. Doch vor dem Ziel einer Gesundung ließ der Reichspräsident seine Kanzler fallen und scheitern. Ohne Blick für die Realitäten, senil und vergreist, öffnete der ehemalige kaiserliche Generalfeldmarschall und Kriegsdiktator Hindenburg einem gewissen Gefreiten Adolf Hitler den Weg zur Macht. Dieser, der Totengräber der Demokratie, sprach alsbald vom nationalen Verrat der "Novemberverbrecher", die "vierzehn Jahre lang das deutsche Volk geknechtet" hätten - Freiheit oder Knechtschaft? Das III. Reich kannte als Antwort nur Unterdrückung und Gewalt - Deutschland ging seinem Untergang entgegen.
Zusammenfassung der Kapitel
Möglichkeiten des Geschichtsunterricht in Klasse 9 - Zugänge, Wege, Fragen und Formen: Dieses Kapitel erläutert die psychologische Situation von Schülern im 14./15. Lebensjahr und leitet daraus die Notwendigkeit ab, den Geschichtsunterricht für diese Altersgruppe lebendig und fordernd zu gestalten.
Schlußbetrachtung: Der Autor resümiert, dass projektorientierter Unterricht historisches Denken und Verständnis nachhaltig fördern kann, sofern er methodisch fundiert an die spezifischen Altersbedürfnisse angepasst bleibt.
Anmerkungen: In diesem Abschnitt werden sämtliche Quellenangaben und weiterführende Literaturhinweise zu den im Text genannten Belegen gesammelt.
Schlüsselwörter
Geschichtsunterricht, 9. Klasse, Projektunterricht, Nationalsozialismus, Weimarer Republik, Historisches Lernen, Menschheitsentwicklung, Zeitzeugenbefragung, Ideologiekritik, NS-Propaganda, Erinnerungskultur, Pädagogik, Historische Bildung, Epochenunterricht, Drittes Reich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert Möglichkeiten und Methoden der Gestaltung eines Geschichtsunterrichts für Schüler der 9. Klasse, der über die reine Wissensvermittlung hinausgeht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die entwicklungspsychologischen Besonderheiten Jugendlicher, die Vermittlung der Zeit des Nationalsozialismus sowie die Umsetzung projektorientierter Arbeit im Geschichtsunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Schülern einen lebendigen, aktiven Zugang zur Geschichte zu ermöglichen, der ihre emotionale Ebene erreicht und sie zur selbstständigen historischen Auseinandersetzung befähigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine pädagogisch-didaktische Herangehensweise, die Elemente der Waldorf-Pädagogik mit projektorientierter historischer Feldforschung kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Planung und Durchführung einer Unterrichtseinheit zum "III. Reich", inklusive der Anleitung zur regionalen historischen Recherche durch die Schüler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind projektorientierter Unterricht, Geschichtsvermittlung, NS-Zeit, historische Identitätsbildung und die Rolle des Lehrers als Begleiter.
Warum ist die Arbeit mit Zeitzeugen für die 9. Klasse besonders wertvoll?
Sie ermöglicht den Schülern, Geschichte nicht nur als abstraktes Konstrukt, sondern als von Menschen gestaltete und erlebte Realität zu erfahren, was die emotionale Betroffenheit und das Interesse steigert.
Wie reagierten die Schüler auf die Konfrontation mit der NS-Ideologie?
Die Schüler zeigten sich betroffen, kritisch und diskussionsfreudig, was den Übergang von einer emotionalen Wahrnehmung zu einer kognitiven Sachklärung ermöglichte.
- Quote paper
- Heiger Ostertag, Dr. (Author), 1996, Möglichkeiten des Geschichtsunterricht in Klasse 9 - Zugänge, Wege, Fragen und Formen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2281