Verbreitung des Controlling in der Praxis


Seminararbeit, 2003
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufgaben und Notwendigkeit des Controlling

3. Begriffsklärung und Erscheinungsformen der Industrie

4. Historische Entwicklung des Controlling aus der Industrie

5. Controlling in der Praxis der Industrie
5.1 Controlling- Effizienz
5.2 Anforderungsentwicklungen des Controlling
5.2.1 Persönliche und Fachliche Anforderungen
5.2.2 Instrumentelle Anforderungen
5.3 Defizite und Lösungsansätze

6. Fazit und Zukunftsaussichten

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Verbreitung des Controlling 1

Controllingtypologische Zusammenhänge 1

Controller- Anzeigen nach Branchen 1

Wandel der Controller- Aufgaben 1

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Umfeldbedingungen für Unternehmen werden immer schwieriger, weil die Dy- namik der Märkte genauso wie die Produktvielfalt und somit auch die Komplexität stetig zunehmen, eine höhere Unsicherheit herrscht und der Konkurrenzkampf immer härter wird1. Als Beispiele für die verändernden Umfeldbedingungen seien hier kurz die immer länger werdenden Entwicklungszyklen in Verbindung mit gleichzeitig kürzer werdenden Produktlebenszyklen, neuen Wirtschaftsmodellen (E - Commerce und M - Commerce) und immer weitreichenderen Unternehmensgrenzen durch Out- sourcing, Kooperationen und durch immer umfangreichere Netzwerke angeführt. Durch die Veränderung der Konsumgütermärkte von Verkäufer- zu Käufermärkten fand im Laufe der Zeit ein zunehmender Verdrängungswettbewerb zwischen den einzelnen Anbietern statt, der inzwischen auch als „Hypercompetition“ bezeichnet wird2. Alle diese Veränderungen, welche sich über einen langen Zeitraum erstrecken, führen dazu, dass auch das Controlling mit seinen Aufgaben und Zielen einen Wan- del durchlebt hat. So teilt Zünd diese Entwicklung des Controlling in drei Phasen ein, die er bezeichnet als „Controller als Registrator“, „Controller als Navigator“ und „Controller als Innovator“3. Bei diesen Bezeichnungen wird deutlich, dass das Cont- rolling eine immer größere Verantwortung und Bedeutung erlangt hat.

Da es aber trotz alle dem noch keine einheitlich theoretisch fundierte Definition gibt, wie folgendes Zitat von Anthony belegt: „ In practice, people with the title of cont- roller have functions that are, at one extreme, little more than bookkeeping and, at the other extreme, de facto general management “, gilt das nächste Kapitel der Klä- rung des Begriffes Controlling und seiner Notwendigkeit4. Im dritten Kapitel soll der Begriff Industrie näher betrachtet werden. Anschließend folgt die historische Ent- wicklung des Controlling. Im Rahmen des Hauptteils dieser Arbeit soll das Control- lingniveau industrieller Unternehmen aus der Praxis, in Abhängigkeit externer und interner Kontextfaktoren, wie z.B. Branchenabhängigkeit und wirtschaftlicher Situa- tion veranschaulicht werden, sowie die Anforderungsentwicklungen des Controlling dargestellt werden. Abschließend folgen ein Fazit und ein Ausblick wie sich das Controlling weiterhin entwickeln könnte.

Ziel dieser Arbeit ist es den Verbreitungsgrad von Controlling- Konzeptionen in der industriellen Praxis vorzustellen, sowie Verbesserungspotentiale aufzudecken.

2. Aufgaben und Notwendigkeit des Controlling

Da, wie eben angeführt, kein einheitliches Controlling- Verständnis in der Literatur gegeben ist, soll an dieser Stelle vorerst eine Controlling Definition vorgestellt wer- den, wie es Controlling im Rahmen dieser Arbeit zu verstehen gilt. Controlling soll verstanden werden als „ Einsatz und Verbesserung von Planungs- , Kontroll- und Informationssystemen zur Erhöhung der Führungseffizienz sowie Integration dieser Systeme untereinander und mit anderen Führungssystemen. “ 5 Das Controlling leistet vorwiegend eine Führungsunterstützungsfunktion sowie eine Mitführungsfunktion für das Management6. Auf der einen Seite kann die Unterstützungsfunktion darin bestehen, dass durch das Controlling die entscheidungsrelevanten Informationen für das Management bereitgestellt werden, und auf der anderen Seite kann die Mitfüh- rungsfunktion darin bestehen, dass geeignete Methoden und Instrumente zur Erfas- sung dieser Informationen gestaltet werden. Die verbesserte Führungseffizienz kommt durch die Managemententlastung zur Geltung, da gewisse Gehaltsdifferenzen zwischen der Unternehmensleitung und dem Controlling bestehen und weil sich das Management anderen strategischen Aufgaben intensiver widmen kann7. Auch besser fundierte Entscheidungen, die ein geringeres Fehlschlagsrisiko enthalten erhöhen die Führungseffizienz.

Es lässt sich also festhalten, dass Controlling den Management- Prozess beeinflusst und somit Mitverantwortung für die Zielerreichung zu tragen hat8. Die Notwendigkeit des Controlling ergibt sich aus den eingangs erwähnten - starkem Wandel unterliegenden - Umfeldbedingungen. Durch die immer dynamischer werdenden Märkte folgen stetig steigende Anforderungen an das Unternehmen, denen es sich anzupassen gilt9. Um diese Harmonisationsaufgabe so gut wie möglich zu bewältigen muss das Planungs- , Kontroll- und Informationssystem stetig verbessert werden, was eine der Hauptaufgaben des Controlling darstellt.

3. Begriffsklärung und Erscheinungsformen der Industrie

Da Controlling aus der industriellen Entwicklung heraus entstanden ist, gilt es vorerst die Begrifflichkeit zu klären.

Industrie soll hier verstanden werden als „ die gewerbliche Gewinnung von Rohstoffen sowie die Be- bzw. Verarbeitung von Rohstoffen und Halbfabrikaten. Merkmale der Industrie sind Arbeitsteilung und Spezialisierung, Mechanisierung und Rationa lisierung der Produktion “ 10.

Zur Industrie zählt neben dem verarbeitenden Gewerbe auch das Baugewerbe, der Bergbau sowie die Energie- und Wasserversorgung. Ein weiteres Merkmal der Industrie ist der große Kapitalbedarf11.

Der Großteil der Industriebetriebe in Deutschland sind mittelständische Betriebe mit weniger als einhundert Mitarbeitern12. Nur 1,7 % der deutschen Industriebetriebe sind Großunternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten. Dies sollte allerdings nicht zu dem Fehlschluss verleiten, dass den Großunternehmen in der Industrie eine gerin- ge Bedeutung beigemessen wird. Denn diese 1,7 % der deutschen Industriebetriebe erwirtschaften rund 40% des Gesamtumsatzes der deutschen Industrie.

Es ist zu beobachten, dass die Bruttowertschöpfung der Industrie zugunsten der des öffentlichen und privaten Dienstleistungssektors abgeflaut ist.

4. Historische Entwicklung des Controlling aus der Industrie

Im Gegensatz zur Definition des Begriffes Controlling, herrscht bezüglich der Histo- rischen Entwicklung bzw. Entstehung des Controlling weitgehender Konsens in der Literatur.

Die ersten Controllerstellen (damals als Countroller bezeichnet) sind im 15. Jh. am englischen Königshof im staatlichen Bereich entstanden13. In USA entstand 1778 die Stelle des „Comptroller“, der das Gleichgewicht zwischen Staatsausgaben und Staatsbudget zu gewährleisten hatte14. Controlling im heutigen Sinne als Aufgaben- gebiet basiert auf der industriellen Entwicklung in den USA15. Die erste Controller Stelle (noch als Comptroller bezeichnet) im privatwirtschaftlichen Bereich entstand in der Eisenbahngesellschaft „Atchision, Ropeka & Santa Fe Railway System“, die eine Art Vorreiterrolle übernahm. Im Jahr 1892 entstand die erste institutionalisierte Controller Stelle in einem Industrieunternehmen namens „General Electric Compa- ny“16. Die Weltwirtschaftskrise, der fehlende Aufsichtsrat im amerikanischen Corpo- rations- Gesetz und die spätere Gründung der Berufsorganisation „Controllers’s Insti- tute of America“, 1962 umbenannt in „Financial Executive Institute“, haben maß- geblich zur Etablierung des Controlling in den USA beigetragen. In Deutschland stieß das Controlling Konzept zunächst auf große Skepsis, das durch folgendes Zitat von Goosens untermauert wird: „ Der Controller ist also ein Mann, der seine eigenen Pläne aufstellt, koordiniert und auch nochüberwacht! Damit nicht genug hat er … außerdem noch die gesamte Organisation und Revision, die Ferti- gungskontrolle, Betriebsabrechnung, Buchhaltung, Bilanz und Steuer in seiner Hand. Damit wird der Controller praktisch zum Chef des Unternehmens, ohne allerdings nach außen hin als Chef in Erscheinung zu treten und auch die damit verbundene Gesamtverantwortung zuübernehmen “ .17 Controllerstellen gab es seit 1954 in Deutschland allerdings erst bei deutschen Tochterunternehmen von amerikanischen Konzernmüttern18. Eine rasante Verbreitung des Controlling fand dann Mitte der 70er Jahre in Deutschland statt, wie eine Studie von McKinsey beweist. Demnach verfügten deutsche Großunternehmen bereits 1973 zu 90% über ein institutionalisier- tes Controlling, während 1960 lediglich 40% der Großunternehmen eine extra Cont- rollerposition vorsahen19. Folgende Abbildung zeigt das Ergebnis einer Umfrage aus dem Jahr 1988:

Verbreitung des Controlling 120

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5. Controlling- Praxis der Industrie

Es erfolgt eine zunehmende Dezentralisierung der Controllingeinrichtungen in Groß- unternehmen21. Dies geschieht in solchen Bereichen, die laufende Teilaufgaben ent- halten, welche eine unmittelbare Nähe zum Geschehen voraussetzen. Die Sub - Controller der einzelnen Bereiche sind in der Praxis meist nach dem so genannten „dotted line- Prinzip“ organisatorisch verankert, d.h. sie sind fachlich dem Zentral- controller und disziplinarisch dem Bereichsleiter zugeordnet. Auf die unterschiedli- chen Controlling- Bereiche soll in dieser Arbeit nicht näher eingegangen werden.

5.1 Controlling- Effizienz

Amshoff hat anhand einer empirischen Untersuchung das Controllingniveau in Ab- hängigkeit von verschiedenen Faktoren in der Praxis untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchung sollen hier kurz vorgestellt werden, da ein Großteil der untersuchten Unternehmen dem Industriezweig zuzuordnen sind22. Um die Vielzahl der unterschiedlichen Controllingausprägungen in übersichtlicher Form zu erfassen, hat Amshoff die Daten zu verschiedenen Controlling- Typologien verdichtet.

Das Ergebnis bzw. die Zusammenhänge dieser Untersuchung können folgendem Schaubild entnommen werden:

Controllingtypologische Zusammenhänge 123

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die vorwiegenden Ziele des Controlling in der Praxis bestehen als erstes in der Kon- trollsicherung (47%), gefolgt von dem Ziel die Qualität von Entscheidungen zu si- chern (21,8%), was durch fundierte Informationsbereitstellung erreicht werden kann. Auf Platz drei befindet sich eine Kombination aus Planungs- und Harmonisationssi- cherung (16,1%) während die Verknüpfung von Kontroll- und Entscheidungssiche- rung (15,1%) das Schlusslicht bildet24.

[...]


1 Vgl. Link/Gerth/Voßbeck (2000), S. 1; auch Fischer/Fischer (2001), S. 29 f.

2 Siehe Adelt/Ruf (2002), S. 646

3 Vgl. Link/Gerth/Voßbeck (2000), S. 11

4 Matschke (2001), S. 368; gewissermaßen Küpper (2001), S. 1

5 Link/Gerth/Voßbeck (2000), S. 10

6 Siehe Hahn (1996), S. 175; ähnlich Link (1996), S. 188

7 Vgl. Weber/Schäffer/Prenzler; auch Weber (2002), S. 49

8 Vgl. im Einzelnen IGC

9 Link/Gerth/Voßbeck (2000), S. 1

10 Siehe Meyers Lexikonverlag (1995)

11 Siehe Kaufmännische Schulen Waldshut (2001)

12 Vgl. hierzu und im Folgenden Die Industrie und ihre Produkte (1997)

13 Siehe Weber (2002), S. 5 f.

14 Vgl. Hochschule Niederrhein 2000; auch Horváth (2001), S. 28f;

15 Vgl. Hahn (1996), S. 177; ähnlich Unister

16 Vgl. Horváth (2001), S. 28; auch Hahn (1996), S. 177; und Peemöller (2002), S. 28

17 Weber (2002), S. 9

18 Vgl. Joos- Sachse (2002), S. 2; auch Controller- Kongress 2002

19 Siehe Ossadnik (2003), S. 8; auch Horváth (2001), S. 57

20 Vgl. Küpper (2001), S. 1

21 Vgl. Horváth (2001), S. 841 ff.; gleichsam Fickert/Meyer (1996), S. 192 f.

22 Siehe Amshoff (1993), S. 393

23 Siehe Amshoff (1993), S. 459

24 Vgl. Amshoff (1993), S. 229ff.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Verbreitung des Controlling in der Praxis
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Grundprobleme des Controlling
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V22842
ISBN (eBook)
9783638260893
Dateigröße
730 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verbreitung, Controlling, Praxis, Grundprobleme
Arbeit zitieren
Michael Dall (Autor), 2003, Verbreitung des Controlling in der Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22842

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Verbreitung des Controlling in der Praxis


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden