[...] Als Beispiele für die verändernden Umfeldbedingungen seien hier kurz
die immer länger werdenden Entwicklungszyklen in Verbindung mit gleichzeitig
kürzer werdenden Produktlebenszyklen, neuen Wirtschaftsmodellen (E – Commerce
und M – Commerce) und immer weitreichenderen Unternehmensgrenzen durch Outsourcing,
Kooperationen und durch immer umfangreichere Netzwerke angeführt.
Durch die Veränderung der Konsumgütermärkte von Verkäufer- zu Käufermärkten
fand im Laufe der Zeit ein zunehmender Verdrängungswettbewerb zwischen den
einzelnen Anbietern statt, der inzwischen auch als „Hypercompetition“ bezeichnet
wird2. Alle diese Veränderungen, welche sich über einen langen Zeitraum erstrecken,
führen dazu, dass auch das Controlling mit seinen Aufgaben und Zielen einen Wandel
durchlebt hat. So teilt Zünd diese Entwicklung des Controlling in drei Phasen ein,
die er bezeichnet als „Controller als Registrator“, „Controller als Navigator“ und
„Controller als Innovator“3. Bei diesen Bezeichnungen wird deutlich, dass das Controlling
eine immer größere Verantwortung und Bedeutung erlangt hat.
Da es aber trotz alle dem noch keine einheitlich theoretisch fundierte Definition gibt,
wie folgendes Zitat von Anthony belegt: „In practice, people with the title of controller
have functions that are, at one extreme, little more than bookkeeping and, at
the other extreme, de facto general management“, gilt das nächste Kapitel der Klärung
des Begriffes Controlling und seiner Notwendigkeit4. Im dritten Kapitel soll der
Begriff Industrie näher betrachtet werden. Anschließend folgt die historische Entwicklung
des Controlling. Im Rahmen des Hauptteils dieser Arbeit soll das Controllingniveau
industrieller Unternehmen aus der Praxis, in Abhängigkeit externer und
interner Kontextfaktoren, wie z.B. Branchenabhängigkeit und wirtschaftlicher Situation
veranschaulicht werden, sowie die Anforderungsentwicklungen des Controlling
dargestellt werden. Abschließend folgen ein Fazit und ein Ausblick wie sich das
Controlling weiterhin entwickeln könnte.
Ziel dieser Arbeit ist es den Verbreitungsgrad von Controlling-Konzeptionen in der
industriellen Praxis vorzustellen, sowie Verbesserungspotentiale aufzudecken.
2 Siehe Adelt/Ruf (2002), S. 646
3 Vgl. Link/Gerth/Voßbeck (2000), S. 11
4 Matschke (2001), S. 368; gewissermaßen Küpper (2001), S. 1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufgaben und Notwendigkeit des Controlling
3. Begriffsklärung und Erscheinungsformen der Industrie
4. Historische Entwicklung des Controlling aus der Industrie
5. Controlling in der Praxis der Industrie
5.1 Controlling-Effizienz
5.2 Anforderungsentwicklungen des Controlling
5.2.1 Persönliche und Fachliche Anforderungen
5.2.2 Instrumentelle Anforderungen
5.3 Defizite und Lösungsansätze
6. Fazit und Zukunftsaussichten
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Verbreitungsgrad von Controlling-Konzeptionen in der industriellen Praxis. Ziel ist es, den aktuellen Stand des Controllings in Abhängigkeit von internen und externen Kontextfaktoren aufzuzeigen sowie bestehende Verbesserungspotentiale zu identifizieren.
- Analyse der historischen Entwicklung und Definition von Controlling
- Untersuchung der Controlling-Effizienz in der industriellen Praxis
- Darstellung von Anforderungsentwicklungen an Controller (fachlich/instrumentell)
- Identifikation von Defiziten und Ableitung von Lösungsansätzen
- Betrachtung von Zukunfts- und Entwicklungstendenzen
Auszug aus dem Buch
5.2.2 Instrumentelle Anforderungen
Auch die instrumentellen Anforderungen sind gestiegen, denen viele Unternehmen mit traditionellem Controlling nicht gerecht werden41. Es ist ein klarer Trend in Richtung Prozessorientierung und Wertmanagement bzw. Shareholder Value Orientierung zu erkennen42. Damit die zukünftigen Herausforderungen bewältigt werden können, ist es notwendig neue Instrumente zu implementieren. Für eine wertorientierte Unternehmenssteuerung sind Kennzahlen bzw. Steuerungsgrößen wie z.B. CVA (Cash Value Added), CFROI (Cash Flow Return on Investment) oder EVA (Economic Value Added) geeignet, die Aufschluss über den Unternehmenswert geben ohne sich von täglichen Aktienkursschwankungen beeinflussen zu lassen43. Aufgabe des wertorientierten Controlling besteht darin, alle Aktivitäten des Unternehmens auf das Wertziel auszurichten. Die BSC (Balanced Scorecard) scheint ein geeignetes Instrument zu sein um diese Aufgabe zu erfüllen, da alle wichtigen Steuerungsgrößen (auch qualitative) aus unterschiedlichen Bereichen Berücksichtigung finden44.
Ein weiteres Instrument ist das so genannte Drei–Horizonte–Modell, das sich durch seine Früherkennungsfunktion auszeichnet45. Ziel ist es, das Gesamtunternehmensportfolio abzustimmen.
Außerdem besteht die Möglichkeit die BSC mit dem Drei–Horizonte-Modell zu verknüpfen, wodurch die dynamisierte BSC entsteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Komplexität und Unsicherheit der Märkte ein, die einen Wandel der Controlling-Aufgaben erforderlich machen, und definiert das Ziel der Arbeit.
2. Aufgaben und Notwendigkeit des Controlling: Das Kapitel erläutert das Controlling als Instrument zur Erhöhung der Führungseffizienz durch die Bereitstellung entscheidungsrelevanter Informationen und Managemententlastung.
3. Begriffsklärung und Erscheinungsformen der Industrie: Es erfolgt eine Definition des Industriebegriffs und dessen Bedeutung für den Kapitalbedarf sowie die Struktur der Unternehmensgrößen in der deutschen Industrie.
4. Historische Entwicklung des Controlling aus der Industrie: Dieses Kapitel zeichnet den Werdegang des Controllings von ersten Ansätzen am englischen Königshof bis zur Institutionalisierung in amerikanischen Industriebetrieben und der Ausbreitung in Deutschland nach.
5. Controlling in der Praxis der Industrie: Hier werden die praktische Umsetzung, Effizienzunterschiede, Anforderungsentwicklungen an Controller und identifizierte Defizite in Industriebetrieben detailliert analysiert.
6. Fazit und Zukunftsaussichten: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und zukünftige Trends, wie die zunehmende Bedeutung von Wertmanagement, Prozessorientierung und virtueller Organisation, diskutiert.
Schlüsselwörter
Controlling, Industrie, Führungseffizienz, Controlling-Effizienz, Wertorientierung, Prozessorientierung, Balanced Scorecard, Früherkennungssystem, Risikomanagement, Unternehmenssteuerung, KonTraG, Controller-Aufgaben, Dezentralisierung, Unternehmensgröße.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Verbreitung und den praktischen Anforderungen des Controllings in der deutschen Industrie vor dem Hintergrund sich wandelnder Umfeldbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit thematisiert die historischen Entwicklungslinien, die instrumentellen Anforderungen an moderne Controller, die Effizienz des Controllings sowie Lösungsansätze für bestehende Defizite.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, den Verbreitungsgrad verschiedener Controlling-Konzeptionen in der industriellen Praxis darzustellen und aufzuzeigen, wie Verbesserungspotentiale genutzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung empirischer Untersuchungen, um Zusammenhänge zwischen Kontextfaktoren und Controlling-Effizienz zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Controlling-Niveau in Abhängigkeit von Unternehmensgröße und Branche, Anforderungen an Controller sowie die Implementierung neuer Steuerungsinstrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Controlling, Industrie, Wertorientierung, Balanced Scorecard, Prozessorientierung, Früherkennungssysteme und Effizienzsteigerung.
Welche Rolle spielt die Unternehmensgröße für das Controlling?
Größere Unternehmen institutionalisieren das Controlling stärker und weisen tendenziell ein höheres Controlling-Niveau auf als kleine oder mittelständische Unternehmen.
Warum ist laut der Arbeit ein Risikomanagement wichtig?
Aufgrund der Marktdynamik und gesetzlicher Vorgaben (KonTraG) ist ein Früherkennungssystem unabdingbar geworden, um die Unternehmensexistenz zu sichern.
- Quote paper
- Michael Dall (Author), 2003, Verbreitung des Controlling in der Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22842