Die Wirtschaftsberichterstattung in Wirtschaftsmagazinen und Tageszeitungen im Vergleich


Diplomarbeit, 2003

106 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Wirtschaftsjournalismus?

3. Die Zielgruppe der Wirtschaftsjournalisten
3.1 Veränderungen am Markt und in der Zielgruppe

4. Wirtschaftspublizistik im Wandel der Zeit
4.1 Anforderungen früher und heute

5. Kritik an der Entwicklung des Wirtschaftsjournalismus

6. Vorstellung der untersuchten Publikationen
6.1 Tageszeitungen
6.1.1 Die Welt
6.1.2 Die Märkische Oderzeitung
6.2 Wirtschaftsmagazine
6.2.1 Die WirtschaftsWoche
6.2.2 impulse

7. Aufbau und Zusammensetzung der untersuchten Publikationen
7.1 Inhaltsanalyse
7.1.1 Inhalte der Wirtschaftsrubrik der Tageszeitungen
7.1.2 Inhalte der Wirtschaftsmagazine
7.1.3 Vergleich der Inhalte
7.2 Textsorten
7.2.1 Klassifikationsmodelle
7.2.2 Vorherrschende Textsorten in der Presse
7.2.3 Textsorten in der Wirtschaftsrubrik der Tageszeitungen
7.2.4 Textsorten in den Wirtschaftsmagazinen
7.2.5 Vergleich der Verwendung der Textsorten
7.3 Gestaltung
7.3.1 Gestaltungsmittel
7.3.2 Gestaltung der Wirtschaftsrubrik der Tageszeitungen
7.3.3 Gestaltung der Wirtschaftsmagazine
7.3.4 Vergleich der Gestaltung

8. Sprachliche Merkmale der Wirtschaftsberichterstattung
8.1 Syntax
8.1.1 Die Satzlänge
8.1.1.1 Satzlängen in der Wirtschaftsrubrik der Tageszeitungen
8.1.1.2 Satzlängen in den Wirtschaftsmagazinen
8.1.1.3 Vergleich der Satzlängen
8.1.2 Die Satzstruktur
8.1.2.1 Satzstrukturen in der Wirtschaftsrubrik der Tages- zeitungen
8.1.2.2 Satzstrukturen in den Wirtschaftsmagazinen
8.1.2.3 Vergleich der Satzstrukturen
8.2 Lexik
8.2.1 Fachsprache
8.2.1.1 Bestimmung des Begriffs ‚Fachsprache’
8.2.1.2 Der Anglizismus
8.2.1.3 Anglizismen in der Wirtschaftsrubrik der Tageszeitungen
8.2.1.4 Anglizismen in den Wirtschaftsmagazinen
8.2.1.5 Vergleich der Verwendung von Anglizismen
8.2.2 Bildhafte Sprache
8.2.2.1 Metapher, Phraseologismus, Personifizierung – Definitionen
8.2.2.2 Bildhafte Sprache in der Wirtschaftsrubrik der Tages-zeitungen
8.2.2.3 Bildhafte Sprache in den Wirtschaftsmagazinen
8.2.2.4 Vergleich der Verwendung bildhafter Sprache
8.2.3 Nominalstil
8.2.3.1 Formen des Nominalstils
8.2.3.2 Nominalstil in der Wirtschaftsrubrik der Tageszeitungen
8.2.3.3 Nominalstil in den Wirtschaftsmagazinen
8.2.3.4 Vergleich des Nominalstils
8.2.4 Verbstruktur
8.2.4.1 Vollverben – verbale Gefüge
8.2.4.2 Das Passiv der Verben
8.2.4.3 Der Konjunktiv der Verben
8.2.4.4 Verbale Gefüge, Passiv und Konjunktiv in der Wirtschafts-rubrik der Tageszeitungen
8.2.4.5 Verbale Gefüge, Passiv und Konjunktiv in den Wirtschaftsmagazinen
8.2.4.6 Vergleich der Verwendung verbaler Gefüge, des Passivs und des Konjunktivs

9. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Häufigkeit der Textsorten

Abbildung 2: Satzlängen

Abbildung 3: Satzstrukturen

Abbildung 4: Anteil der Anglizismen am Gesamtwortschatz

Abbildung 5: Anteil der Teil- und Vollsubstitutionen an den Anglizismen

Abbildung 6: Anteil der Passiv- und Konjunktivkonstruktionen an den Verben

1. Einleitung

Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Wirtschaftsjournalismus. Dabei geht es sowohl um das Berufsfeld des Wirtschaftsjournalisten, seine Pflichten und Aufgaben als auch um die Ergebnisse wirtschaftsjournalistischer Arbeit – Artikel und Beiträge in Tageszeitungen und Magazinen.

Beschäftigt man sich mit Wirtschaftsjournalismus ist es zunächst einmal wichtig zu definieren, was darunter im Allgemeinen und auch im Speziellen in dieser Arbeit verstanden wird. Dazu soll das erste Kapitel dienen. Das zweite Kapitel gibt wichtige Informationen über die Zielgruppe der Wirtschaftsjournalisten und stellt Veränderungen in den letzten Jahrzehnten heraus.

Es ist von großer Bedeutung, auch auf die zeitliche Entwicklung dieses Berufs-feldes und seiner Rezeption einzugehen. Dies zeigt auf, dass Wirtschafts-journalismus nicht statisch oder festgelegt ist, sondern sich immer bestimmten Tendenzen entsprechend bewegt und weiterentwickelt. Darauf wird insbeson-dere im vierten Kapitel eingegangen.

Nicht zu vernachlässigen ist an dieser Stelle, dass Veränderungen, Entwick-lungen und Neuerungen nicht immer positiver Art sein müssen. Daher findet auch Kritik an diesen Punkten in der vorliegenden Arbeit Erwähnung. Kritik ist mitunter subjektiv, sobald sie aber den Eindruck mehrerer Menschen und Grup-pen widerspiegelt, sollte sie jedoch ernst genommen und eingehender untersucht werden.

Die bereits erwähnten Punkte stellen eine Wissensgrundlage dar, die nötig ist, um die nächsten Kapitel verstehen und bewerten zu können. Es sollen nun die verschiedenen Merkmale von Wirtschaftsberichterstattung dargestellt werden. Dabei wurden Wirtschaftsmedien unter drei Gesichtspunkten analysiert: Inhalt, Textlinguistik und Lexik. Diese Betrachtung ist ohne Wissen über Wirtschafts-journalismus allgemein nur wenig aussagekräftig oder gar nicht möglich.

Zunächst werden die einzelnen Publikationen der Wirtschaftsmedien, die hin-sichtlich der oben erwähnten Aspekte untersucht wurden, vorgestellt. Sie stehen exemplarisch für bestimmte Formen der Wirtschaftsberichterstattung und kom-men zum einen aus dem Bereich der Tageszeitungen, genauer gesagt handelt es sich hierbei um die Wirtschaftsrubrik regionaler und überregionaler Tages-zeitungen, und zum anderen aus dem Bereich der Magazine, im Speziellen der Wirtschaftsmagazine. Diese Unterscheidung ist insofern wichtig, da sie auch die Basis für den in dieser Arbeit angestrebten Vergleich bildet.

Im Rahmen dieses Vergleiches werden in jedem Kapitel einleitende Bemer-kungen gemacht, Definitionsfragen geklärt und Wissensgrundlagen gelegt. Erst dann werden die verschiedenen Publikationen untersucht und deren Merkmale zunächst einzeln dargestellt. Nach diesen einzelnen und voneinander unab-hängigen Betrachtungen werden die unterschiedlichen Medien gegenüber-gestellt. Diese Vorgehensweise gewährleistet die Bereitstellung umfangreichen Wissens in Verbindung mit einem direkten Bezug zur Praxis.

Den Anfang bilden Untersuchungen über den Aufbau und die Zusammen-setzung der verschiedenen Publikationen. Dabei wird neben dem Inhalt der ent-sprechenden Medien die Gestaltung und auch die Verwendung verschiedener Textsorten betrachtet. An dieser Stelle beschränken sich die Betrachtungen zu-nächst, auf das Layout, die Themen und äußere Form der Berichterstattung.

Weiterführend folgen Untersuchungen zur Sprache der Wirtschaftsjournalisten. Diese Untersuchungen sind ein wichtiger Aspekt dieser Arbeit und wurden unterteilt in Betrachtungen zur Syntax und Betrachtungen zur Lexik. In der Syntax spielen vor allem die Satzlänge und die verschiedenen Satzstrukturen eine bedeutende Rolle. Hat man den Gebrauch dieser analysiert, kann man aus-sagekräftige Schlussfolgerungen über die jeweiligen Publikationen ziehen.

Bei den Betrachtungen zur Lexik in Kapitel acht wurden neben der Fachsprache auch die bildhafte Sprache, der Nominalstil und die Verbstruktur berücksichtigt. Diese sprachlichen Besonderheiten prägen den Wirtschaftsjournalismus und dürfen demzufolge in einer Arbeit zu diesem Thema nicht vernachlässigt werden. Die verschiedenen Ausprägungen werden beschrieben, mit Beispielen belegt und verglichen. Beispiele sind an dieser Stelle von besonderer Bedeu-tung, da sie das Gesagte wirkungsvoll unterstreichen und illustrieren.

Ziel dieser Arbeit ist die Gegenüberstellung der Wirtschaftsberichterstattung in Tageszeitungen und in Magazinen. Sowohl Unterschiede als auch Gemeinsam-keiten sollen herausgestellt und begründet werden. Dazu werden am Ende alle betrachteten Aspekte in Zusammenhang gebracht und beleuchtet.

2. Was ist Wirtschaftsjournalismus?

Journalismus allgemein ist Kommunikation, ist die Vermittlung von Bedeu-tungen und Informationen auf verbaler Ebene. Er umfasst sämtliche „Tätig-keiten, durch die aktuelle Informationen für die Öffentlichkeit inhaltlich gestaltet werden“ (Brockhaus 1994: 231). Einerseits bezeichnet der Begriff das gesamte Zeitungswesen im Allgemeinen, andererseits, so führt der Brockhaus weiter aus, kann man darunter im engeren Sinne einschränkend das Berufsfeld der Journalisten verstehen. Die Tätigkeit der Journalisten beeinflusst das Denken und Handeln der Menschen mitunter beträchtlich, weshalb der Journa-lismus eine bedeutende Rolle im Leben Vieler spielt.

Ein Teilgebiet des Journalismus ist der Wirtschaftsjournalismus, der auch als Wirtschaftspublizistik bezeichnet wird. Darunter versteht man die „Gesamtheit der Berichterstattung und Kommentierung von Wirtschaftsfragen in Print-medien (Wirtschaftspresse) u. a. Massenmedien“ (Brockhaus 1994: 265). Möchte man noch weiter differenzieren, so kann man zwischen der Bericht-erstattung in den Wirtschaftszeitschriften und den allgemeinen Tageszeitungen unterscheiden. Ersteres ist laut Brockhaus die sogenannte Wirtschaftspublizis-tik im engeren Sinne, die Wirtschaftsrubrik in Tageszeitungen gehört dagegen zum Wirtschaftsjournalismmus im weiteren Sinne.

In Vahlens Wirtschaftslexikon wird über diese Definition noch hinausgegangen und Wirtschaftspublizistik als „Kollektivbegriff für alle öffentlichen Prozesse der Her- und Bereitstellung sowie der An- und Aufnahme medienkommunika-tiver Mitteilungen zum Thema Wirtschaft“ (1987: 965) bezeichnet. Zum einen gehört dazu die Wirtschaftspublizistik gegen Entgelt, d.h. Wirtschaftszeitungen und –zeitschriften sowie die Wirtschaftsteile der Wochen-, Tages- und Sonn-tagszeitungen. Zum anderen beinhaltet der Begriff aber auch die in erster Linie auf Public Relations ausgerichtete Publizistik der Industrie- und Handels-kammern. Einerseits bieten Pressestellen von Unternehmen und Wirtschafts-verbänden der Presse Informationen, andererseits verfügen sie teilweise auch über eigene Publikationen.

Diese Arbeit beschäftigt sich nur am Rande mit dem Zeitungswesen allgemein. Im Fokus dagegen stehen mehr die Ergebnisse journalistischer Tätigkeiten - die Publikationen mit ihren Artikeln. Hinsichtlich der Wirtschaftspublizistik wird in dieser Arbeit von der im Brockhaus beschriebenen Wirtschaftsberichterstattung im weiteren Sinne ausgegangen, da die entsprechenden Charakteristika sowohl durch Beispiele aus regionalen und überregionalen Tageszeitungen als auch durch Beispiele aus Wirtschaftsmagazinen illustriert werden sollen. Zieht man die Definition aus Vahlens Wirtschaftslexikon heran, wird in dieser Arbeit nur die Wirtschaftspublizistik gegen Entgelt betrachtet.

Der Wirtschaftsjournalist sieht seine primäre Aufgabe darin, „über das immer in Bewegung befindliche, meist in nüchterne Indikatoren und Zahlen gefasste Wirtschaftsgeschehen zu informieren. […] Man könnte dies das ‚Monitoring‘ des Wirtschaftsablaufs nennen“ (Klaue 1991: 39). Dieses ‚Monitoring‘ nimmt den größten Raum der Wirtschaftsteile von Zeitungen und der Wirtschafts-magazine ein und lässt dem kundigen und interessierten Leser einen großen Spielraum für eigene Interpretationen und Urteile.

Ein weitere Aufgabe der Wirtschaftsjournalisten ist es, wirtschaftliche Zusam-menhänge zu erklären und zu reflektieren. Dabei wendet er sich eher an den wissbegierigen, aber noch unerfahrenen Leser. In diese Art von erklärendem Journalismus können durchaus subjektive Wertungen einfließen. Formen dieser Berichterstattung sind unter anderem Meldungen, Kommentare oder auch Berichte (vgl. Klaue 1991: 40).

Die Aufgabenfelder der Wirtschaftsjournalisten werden durch eine gewisse Kontrollfunktion ergänzt. „Wie jeder andere Journalist ist auch der Wirtschafts-journalist angetreten, die ihm zugänglichen Abläufe auf Fehlentwicklungen hin zu prüfen […] und zu markieren” (Klaue 1991: 41). Mit dieser Kontrollfunktion ist eine große Verantwortung von Seiten der Journalisten den Lesern und der Wirtschaft gegenüber verbunden. Ihr muss daher besondere Aufmerksamkeit und Behandlung zukommen.

3. Die Zielgruppe der Wirtschaftsjournalisten

Betrachtet man die Zielgruppen der verschiedenen Printmedien, die sich mit den Wirtschaftsthemen auseinandersetzen, so stellt man fest, dass es diesbezüglich einige Unterschiede gibt. Der Begriff ‚Zielgruppe’ stammt aus dem Marketing und „bezeichnet diejenigen potentiellen und/oder tatsächlichen Nutzer eines journalistischen Angebotes, die ein bestimmtes Kriterium erfüllen“ (Mast 2003: 126). Die Zielgruppe stellt folglich die potentielle Leserschaft einer Zeitung oder Zeitschrift dar, die angesprochen werden soll.

Die Zielgruppen der Wirtschaftsmagazine und der Wirtschaftsrubriken der Tageszeitungen gleichen sich zunehmend an. Die Unterschiede sind heute nicht mehr so deutlich wie noch vor einigen Jahrzehnten. Doch gibt es bestimmte Leserkreise, die Magazine eher erreichen wollen als regionale oder über-regionale Tageszeitungen.

Heinrich hat zur Veranschaulichung dieser Frage eine Einteilung vorgenommen. Ihm zufolge werden folgende funktionale und personelle Zielorientierungen unterschieden: eine Wirtschaftsberichterstattung für Führungskräfte in Wirt-schaft und Verwaltung wie sie die Magazine impulse und WirtschaftsWoche an-streben, eine Wirtschaftsberichterstattung für den gesellschaftspolitisch interes-sierten Staatsbürger wie etwa in der Welt, eine Wirtschaftsberichterstattung für Spezialinteressen wie beispielsweise in der Börsen-Zeitung oder eine Wirt-schaftsberichterstattung für die tägliche Bewältigung ökonomischer Standard-rollen der Rezipienten als Arbeitnehmer, Konsumenten, Kreditnehmer, Sparer, Steuerzahler oder Transferempfänger wie sie in den regionalen Tageszeitungen praktiziert werden sollte (vgl. 1990: 263-264). Sich nach den Rezipienten und deren Vorstellungen zu orientieren ist eine der wichtigsten Aufgaben der Re-daktionen von Zeitungen und Zeitschriften. Um im Journalismus erfolgreich zu sein, muss diese Rezipientenorientierung durch entsprechende Redaktions-konzepte umgesetzt werden.

Wirtschaftsmagazine wenden sich somit in hohem Maβe an ‚Entscheider’ in der Wirtschaft - an Unternehmer, Vorstände, leitende Angestellte, Freiberufler, Politiker und höhere Beamte. Der Wirtschaftsteil überregionaler Tageszeitungen zielt durchaus auch auf diesen Leserkreis ab, kann aber auf Grund eines be-grenzten Platzangebotes nicht ausreichend auf die entsprechenden Themen ein-gehen und bietet diesem Publikum somit nur einen Überblick über das Wirt-schaftsgeschehen in Deutschland und der Welt. Die Wirtschaftsrubrik regionaler Tageszeitungen dient den deutschlandweiten und globalen Entscheidern kaum als Informationsquelle. Wohl aber kann sie für regionale Unternehmen und deren Entscheidungen von groβer Bedeutung sein. Ein örtlich orientiertes Mittelstandsunternehmen hat andere Interessen als ein weltweit operierender Konzern. Für Ersteres ist es wichtig, lokale Informationen zu erhalten und ihre eigenen Informationen über das Unternehmen an das Publikum vor Ort weiter-zugeben. Regionale Tageszeitungen stellen somit Öffentlichkeit in ihrem be-grenzten Verbreitungsgebiet her. So hat jede Form – ob Magazin, regionale oder überregionale Tageszeitung - sein eigenes Publikum, seine eigenen Funktionen und seine Daseinsberechtigung.

Allgemein wird die Tendenz beobachtet, dass mehr und mehr die breite Öffent-lichkeit als Zielgruppe der Wirtschaftsberichterstattung in Betracht gezogen und berücksichtigt werden muss. Die Situation auf dem Markt des Wirtschafts-journalismus stellt sich heute wie folgt dar: Laut der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse 2003 erreicht die Wirtschaftspresse heute in Deutschland ca. 5 Millionen Leser (vgl. www.awa-online.de 2003). Neben den Wirtschafts-teilen der Zeitungen wurden in dieser Untersuchung zwei täglich erscheinende Wirtschaftszeitungen, sechs wöchentliche, drei 14-tägige und sechs monatliche Wirtschaftsmagazine mit jeweils einer verkauften Auflage von mehr als 100.000 Exemplaren miteinbezogen.

Solch ein hohes Interesse an Wirtschaftsinformationen war jedoch nicht immer vorhanden. Die Verschiebungen hinsichtlich des Leserkreises der betreffenden Publikationen und Gründe für diese Veränderungen werden im nächsten Ab-schnitt betrachtet.

3.1 Veränderungen am Markt und in der Zielgruppe

Wie oben bereits angedeutet, hat sich das Interesse an der Wirtschaft in der Be-völkerung in den letzten Jahren grundlegend verändert. Dazu führt das Infratest-Institut seit den 60er Jahren Trenduntersuchungen unter dem Titel „Massen-kommunikation“ durch. Das Ergebnis stellt sich wie folgt dar: 1964 gaben nur 16% der Befragten an, den Wirtschaftsteils einer beliebigen Tageszeitung regel-mäßig zu nutzen. 1974 stieg die Zahl auf 21%, 1984 lag sie schon etwas höher, bei 23%. 1990 schätzten Experten, dass immerhin 33% der Bevölkerung die Wirtschaftsberichterstattung verfolgen (vgl. Kalt 1990: 9). Durch diese Ver-änderungen wandelte sich auch die Zielgruppe, an der sich die Wirtschafts-journalisten der verschiedenen Zeitungen und Magazine orientieren müssen. Die oben aufgeführte Untersuchung macht nicht nur deutlich, dass der Wirtschafts-teil einer Tageszeitung heute mehr Interesse findet als früher, sondern auch, dass der Markt für Wirtschaftsberichterstattung allgemein größer geworden ist. Somit konnte sich auch der Markt der Wirtschaftsmagazine stark ausweiten.

Wurde früher noch für die sehr eingegrenzte und genau definierbare Zielgruppe der Experten, Führungskräfte in der Wirtschaft oder der zumindest wirtschaft-lich sehr erfahrenen und interessierten Leser geschrieben, so muss heute auch die breite Öffentlichkeit erreicht werden. Der Leser des Wirtschaftsteils oder auch des Wirtschaftsmagazins kann heute aus jeder Altersschicht und jedem be-liebigen Berufsfeld kommen, was die genaue Bestimmung der Zielgruppe und die Ausrichtung der jeweiligen Publikation auf diese erheblich erschwert. Somit besteht die große Herausforderung der Wirtschaftsjournalisten darin, sowohl den Laien zu unterrichten als auch den Experten anzusprechen und von ihm ernst genommen zu werden.

Die starke Ausweitung der Zielgruppe liegt darin begründet, dass immer mehr Menschen von wirtschaftlichen Umwälzungen direkt betroffen sind - „als Arbeitnehmer von der Globalisierung, als Anleger von Börsenblasen, als Nutzer der Entwicklungen der so genannten New Economy“ (Thomsen 2001). Deutsche Haushalte verfügen heute über mehr Geld als früher, die Menschen müssen sich daher verstärkt mit Themen der Geldanlage befassen. Doch gute Geldanlagen erkennt nur jemand, der sich mit Wirtschaft beschäftigt. Weiterhin gibt es die Tendenz, dass künftig verstärkt privat für das Alter vorgesorgt werden muss. Viele Bürger tun dies durch Investitionen in Aktien und Fonds an der Börse.

Die Vermögensbildung allgemein konzentriert sich heute an der Börse, auch für den Privatanleger. Ein groβer Anteil der Bevölkerung finanziert sein Haus über Hypotheken - folglich wird die Zinsentwicklung für die Betroffenen interessant. Jeder will Steuern sparen und sucht dafür Rat. Das Berufsleben erfordert heute mehr Flexibilität und Branchen entwickeln sich sehr unterschiedlich (vgl. Kalt 1990: 9). Wo gibt es da die besten Möglichkeiten, sich selbst zu postieren?

Wirtschaftliche Probleme, Arbeitslosigkeit und Rente stehen an erster Stelle, wenn man danach fragt, was die Bevölkerung heute bewegt. Hierbei verknüpfen sich Wirtschaft und Politik. Viele Menschen lesen Wirtschaftsnachrichten, weil sie denken, dass es für ihre Zukunft entscheidend ist. „Wirtschaft war früher weit weg, heute betrifft sie jeden. Allein aus der Arbeitsplatzsituation heraus hat jeder das Gefühl, dass er etwas über Wirtschaft wissen muss“ (Mast 1999: 34). Dem Interesse des Lesers steht dabei aber oftmals ein hoher Grad an Nicht-Wissen gegenüber. Das muss der Wirtschaftsjournalist beachten und dem auch gerecht werden.

4. Wirtschaftspublizistik im Wandel der Zeit

Wirtschaft und Wirtschaftsjournalismus haben sich in den letzten Jahrzehnten nicht grundsätzlich gewandelt. Experten sind sich darüber einig, dass sich die grundlegenden Beurteilungen der Wirtschaftsmechanismen in Deutschland kaum verändern oder verändert haben. Dies spricht sowohl für unser Wirt-schaftssystem als auch für den grundsätzlichen Konsens in Fragen der Wirtschaftsordnung. Weiterhin ist man sich darüber im Klaren, dass Wirt-schaftsberichterstattung und Marktwirtschaft untrennbar miteinander verbunden sind.

Der Wandel zeigt sich dagegen eher in den Inhalten und deren Präsentation, in der formalen Darstellung und der Sprache. Diese Entwicklung wurde vor allem durch die neuen Informationsgewohnheiten der Bevölkerung, die neue publizis-tische Konkurrenzsituation auf dem Markt, die neuen technischen Darstellungs- und Übermittlungsmöglichkeiten von Informationen und einem neues Selbst-verständnis der Wirtschaftsredakteure hervorgerufen und gefördert (vgl. Ratzke 1990: 217).

Nach den turbulenten Zeiten um die Jahrtausendwende scheint sich die Situa-tion auf dem Markt der Wirtschaftsmedien nun wieder zu beruhigen. Bis zum Jahre 2000 zeichnete sich eine stetige Entwicklung im Wirtschaftsjournalismus ab. Mit dem weltweiten Boom an den Börsen schien ein Boom der Wirtschafts-medien einherzugehen. Neue Magazine und Zeitungen kamen auf den Markt, besonders gefragt waren hierbei Börsen- und Finanzzeitschriften. Bereits exis-tierende Blätter konnten ihre Auflagen um ein Vielfaches steigern.

Nachdem die Aktienmärkte jedoch zusammengebrochen waren, kehrte sich die Entwicklung um. Sinkende Kurse führten zu sinkendem Interesse an Wirt-schaftsnachrichten und folglich zu sinkenden Auflagen. Die altbekannte Presse-regel ‚Bad news are good news‘ gilt seither zumindest für die Wirtschafts-berichterstattung nicht mehr uneingeschränkt (vgl. Mast 2003: 72-73). Die Kon-kurrenz zwischen den Wirtschaftsmedien nahm zu, was zu der heutigen Spezia-lisierung der Blätter führte. Sie müssen sich voneinander unterscheiden und für ganz bestimmte Zielgruppen interessant sein. Nur so können sie ein bestimmtes Marktsegment belegen und auf dem Markt überleben.

4.1 Anforderungen früher und heute

Die Anforderungen an den Wirtschaftsjournalismus haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Die Journalisten reagierten auf die Veränderungen bezüglich der Zielgruppe und auf das wechselnde Wirtschaftsinteresse allge-mein. Die Medien hängen von der Zuwendung des Publikums zu den jeweiligen Angeboten ab, da sie sich nur durch Werbung, Anzeigen und Verkauf finan-zieren können, wenn ihr Publikum ihnen treu bleibt oder gar neue Leser hinzu gewonnen werden können. Die Konkurrenz auf dem Markt ist groß - da können selbst renommierte Blätter nicht auf Veränderungen und Neuerungen ver-zichten.

Die Vermittlung von zuverlässigen Informationen aus der Wirtschaft war früher und ist auch heute noch unumstritten das Hauptziel des Wirtschaftsjournalis-mus. Dabei sollte faire und objektive Berichterstattung das oberste Ziel der Journalisten sein. Nachrichten müssen von ihnen gewichtet und ausgewählt, Vorgänge präzise und aufmerksam aufgearbeitet werden.

Dies geschah früher noch auf sehr trockene und nüchterne Art und Weise. Fach-jargon prägte die Wirtschaftsseiten, da man davon ausgehen konnte, dass der Leser ein gewisses Vorwissen mitbringt. Für ein weniger wirtschaftlich ge-bildetes Publikum waren die Seiten von geringem Interesse und auch schwieriger zu verstehen. Berichterstattungen über Pressekonferenzen, Veran-staltungen und Vorträge dominierten neben ausgewählten Unternehmens-meldungen, Statistiken, Finanzdaten, Raten und Indikatoren das Bild (vgl. Schuster 2002: 3). Diese trockene Darstellung der Wirtschaft mit ihren Wechselwirkungen konnte kaum die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich ziehen und war wenig hilfreich, ihr Interesse daran zu wecken.

Heute sind die Leser nicht mehr damit zufrieden, nur den „reinen Rohstoff Nachricht zu bekommen. Die wollen die handelnden Personen kennenlernen, mehr Chronologie, mehr Einordnung“ (Wagener). Der Servicegedanke rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Die Printmedien können hinsichtlich der Aktualität und der ständigen Abrufbarkeit von Informationen aus der ganzen Welt nicht mit den Online-Medien mithalten und müssen daher, um ihre Leser nicht an diese zu verlieren, einen gewissen Zusatzservice anbieten. Dabei kann es sich um Verweise auf Internetlinks, um einen Faxabrufservice, Telefon-Hotlines oder auch um eine so genannte ‚Broker-Line‘, wie es sie bei der Welt gibt, zum Abfragen von Kursen in Echtzeit, handeln. Durch diese Angebote er-höhen die Printmedien ihre Attraktivität und erweitern ihren potentiellen Leser-kreis.

Ebenfalls in einigen Tageszeitungen und Wirtschaftsmagazinen vorhanden sind Beiträge aus einem Wirtschaftslexikon, in denen kurz und knapp die Termino-logie der Wirtschaftsseiten erläutert wird. Dies ist vor allem für das unerfahrene Publikum oder für Leser, die aktiv ihr Wissen erweitern wollen, eine große Hilfe. Eine weitere Möglichkeit, den Leser zu fordern, weiterzubilden und auch aktiv mit einzubeziehen sind Exkurse in die englische Sprache, wie sie bei-spielsweise die WirtschaftsWoche anbietet. Dies scheint besonders hinsichtlich des Einflusses des Englischen auf die Wirtschaftssprache ausgesprochen sinn-voll.

Mittlerweile verfügen fast alle Wirtschaftsmagazine und Tageszeitungen auch über Online-Ausgaben. In diesen werden teilweise Zusatzinformationen zu den Themen der Ausgaben gegeben, teilweise handelt es sich aber auch nur um eine 1:1 Wiedergabe des gedruckten Heftes. Letzteres ist vor allem bei regionalen Tageszeitungen zu beobachten. Vorteil der Online-Ausgaben ist wiederum die Möglichkeit, in der Aktualität mit anderen Medien konkurrieren zu können. Artikel können ergänzt, aktuelle Beiträge geschrieben und der direkte Kontakt mit den Lesern gepflegt werden.

Auch die Themen der Wirtschaftsberichterstattung sind heute vielfältiger. Die Mittelstandsberichterstattung spielt eine große Rolle. Es soll eine „verbraucher-orientierte Brücke zum Alltag geschlagen und weniger Zahlen heruntergebetet werden“ (Mohr 2002). Aktien, Optionsscheine und Investmentfonds, der Handel mit ihnen, Finanz- und Anlagemöglichkeiten gewinnen an Bedeutung.

Relativ neue Publikationen wie Euro am Sonntag oder Magazine wie Börse Online haben diese Marktlücke entdeckt und davon profitiert. Mit Themen wie Arbeitsmarkt, Job und Karriere werden junge Berufseinsteiger angesprochen. Altersvorsorge, Recht und Steuern - das sind Themen, die heute jeden persön-lich betreffen und über die das Publikum sich informieren will. Dies spiegelt sich in den Berichten und Analysen aller Zeitungen und Magazine wider. Auch Berichte über Telekommunikation, neue Medien und EDV werden nun ver-mehrt integriert (Mast 1999: 34). Dagegen tritt die klassische Berichterstattung über Pressekonferenzen, Vorträge und Veranstaltungen mehr und mehr in den Hintergrund.

„Nicht der Nachrichtenwert, der – perzipierte - Nutzwert der Nachrichten be-stimmt nunmehr deren Gewicht“ (Schuster 2002: 4). Die Journalisten bereiten die Nachrichten nicht mehr nur auf und präsentieren sie, sondern müssen sie auch in konkrete Handlungsanweisungen umwandeln, damit die Leser sie umsetzen können. Es gibt großen Erklärungsbedarf beim Publikum, was die Wirtschaftsjournalisten dazu verpflichtet, mehr Hintergrundinformationen zur Verfügung zu stellen. Informationen sollen hinterfragt und in komplizierte Zu-sammenhänge eingeordnet werden. In Kommentaren können Hintergründe weiter ausgeleuchtet und ausgewogene Urteile gefällt werden. Der Leser will nicht nur gut informiert werden, sondern auch „konkrete Hinweise für sein täg-liches Handeln bekommen“ (Mohr 2002).

Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Wirtschaftsberichterstattung mei-nungsfreudiger geworden ist. Neben den informierenden Darstellungsformen wie Meldung und Bericht werden gehäuft auch kommentierende und interpre-tierende Formen gewählt. Dies entspricht dem wachsenden Bedarf des Publi-kums nach Orientierung. „Man muss zupackend kommentieren, klar Stellung beziehen, sagen was richtig oder falsch ist“ (Mast 1999: 36).

Ein weiterer Trend der letzten Jahre ist die sogenannte „Glokalisierung - ein Kunstwort aus Globalisierung und dem deshalb wachsenden Bedürfnis nach Lokalität“ (Mast 2000: 23). Dies äußert sich in Tageszeitungen darin, dass sich beispielsweise der US-Notenbankpräsident neben dem Anlageberater der ört-lichen Sparkasse äußert. Obwohl die Globalisierung unaufhaltsam fortschreitet, jeder Mensch davon betroffen ist und deshalb auch ein Mindestinteresse für die damit verbundenen Nachrichten mitbringt, hat jeder Leser immer auch das Be-dürfnis über Ereignisse vor Ort Bescheid zu wissen. Man identifiziert sich mit seiner Heimat und will diese auch in den Tageszeitungen antreffen. Daher gilt es besonders für die regionalen Tageszeitungen, diesem Bedürfnis gerecht zu werden und dem Leser eine ausgewogene Mischung aus internationalen, natio-nalen und regionalen Nachrichten zu bieten.

Um den Leser mit einzubeziehen und ihn anzusprechen, wird in der Bericht-erstattung auf Emotionalisierung durch Personalisierung gesetzt. Über Personen, deren Statements und Handlungen sollen Fakten transportiert werden. Die Per-sonalisierung wird mit Hilfe von Interviews, Porträts, Zitaten und Reportagen umgesetzt und erhöht die Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit. Der Leser verlässt sich eher auf das Urteil eines namentlich erwähnten oder photogra-phisch dargestellten Experten als auf reine gedankliche Abhandlungen eines Journalisten. Durch die Personen erhalten die Nachrichten und Geschichten Farbe und Leben, erhöht sich ihre Glaubwürdigkeit. Wirtschaft ist eben ein „People‘s Business“, wie es der Chefredakteur von impulse, Thomas Voigt, auf den Punkt bringt (zit. n. Mast 1999: 35). Mit dieser Strategie kann man unter Umständen ein Publikum erreichen, das sich sonst kaum mit Wirtschaftsthemen befasst und der Wirtschaft und ihren Abläufen nicht traut.

Ein relativ neues Phänomen im Wirtschaftsjournalismus hat das Handelsblatt bei seinen Lesern entdeckt, das sich sicherlich auch auf andere Publikationen dieses Ressorts beziehen lässt: das Bedürfnis der Rezipienten nach Lesespaß (vgl. Wagener). Insbesondere die Sprache berücksichtigt dies, da sich Lesespaß am besten durch sie realisieren lässt: Die Sprache ist farbiger, populärer, les-barer - einfach magazinischer geworden. Dies allerdings im Rahmen der Möglichkeiten der Wirtschaftsberichterstattung.

5. Kritik an der Entwicklung des Wirtschaftsjournalismus

Auf Grund der neuen Konstellationen, die im vorangehenden Kapitel be-schrieben worden sind, ist der Wirtschaftsjournalismus auch neuen Gefahren ausgesetzt. Die sich verändernde Zielgruppe und die neuen Anforderungen an die Journalisten lassen den Informationsgedanken, der eigentlich immer noch Vorrang im Journalismus haben sollte, in den Hintergrund rücken. Die Aufgabe, „aus kritischer Distanz zum Wirtschaftsgeschehen zur öffentlichen Meinungs-bildung beizutragen“ (Schuster 2002: 15), könnte vernachlässigt werden. Dazu tragen vor allem die meinungsbetonten Textsorten und der zunehmend in den Vordergrund rückende Servicegedanke bei.

Vielfach wird der Vorwurf laut, Meinung gehe im Journalismus mittlerweile vor Sachlichkeit. Es ist unumstritten, dass in einer Demokratie unabhängiger Jour-nalismus eine Komponente ist, auf die nicht verzichtet werden kann und die sogar eine Art Voraussetzung für die Kontrolle der Regierenden darstellt. Jedoch sollte diesen Aufgaben mit besonderer Sorgfalt nachgegangen werden. Denn „die gern so genannte ‚Vierte Gewalt’ – die Presse – verlangt auch Demut vor der Verantwortung“ (Stihl 1990: 13). Es wird nicht kritisiert, dass Mei-nungen geäußert werden, sondern vielmehr gefordert, dass diese als solche ein-deutig kenntlich gemacht werden. Ist das nicht der Fall, ist die unabhängige Meinungsbildung des Lesers nicht mehr uneingeschränkt möglich.

Aber auch der Zwang, die Wirtschaft verwerten und einen gewissen Nutzen aus der Berichterstattung ziehen zu müssen, unterstützt die Tendenz zu einer meinungsorientierten Berichterstattung. Diese Ausrichtung auf den Nutzwert hat zur Folge, dass nicht die objektiven Ereignisse selbst im Mittelpunkt der Be-richterstattung stehen, sondern die Folgen, die solche Ereignisse für das Publi-kum mit sich bringen können. Der Journalist wird sozusagen mehr und mehr zu einem Dienstleister (vgl. Mast 2003: 140). Dies bringt eine andere Form der Verantwortung mit sich, der sich der Journalist stellen muss. Um dem Leser die Chance zu geben, sich zwischen nutzwertorientierten Artikeln und Beiträgen, die die Ereignisse an sich vermitteln, zu entscheiden, sollten beide Formen je nach Zielgruppe der jeweiligen Publikation in ausgewogenem Verhältnis prä-sentiert werden.

Ein weiteres, wenn auch völlig anders geartetes Problem, dem sich viele Blätter stellen müssen, ist der zunehmende Mangel an kompetenten Journalisten. Insbe-sondere im Wirtschaftsjournalismus ist dieser Mangel gravierend. Journalisten mit entsprechendem Wissen und Erfahrung werden heftig umworben. Gut be-zahlende Wirtschaftsmagazine werben sie häufig von kleineren Regional-zeitungen ab. Deren Berichterstattung leidet darunter und demzufolge auch die Informationsweitergabe an den Leser. In regionalen und teilweise auch über-regionalen Tageszeitungen schreiben Journalisten mitunter für mehrere Rubri-ken. Eine Spezialisierung auf einem Gebiet ist somit nicht möglich.

Weiterhin stellt die hohe Fluktuation von Wirtschaftsredakteuren die Kommuni-kation zwischen Unternehmen und Redaktionen vor neue Probleme. „Gute Unternehmenskommunikation lebt von der Stabilität und Verlässlichkeit der professionellen Kontakte. Wie soll ein Unternehmen eine sinnvolle und nach-haltige Kommunikationsarbeit leisten, wenn die Ansprechpartner auf der anderen Seite des Schreibtisches häufig wechseln“ (Quandt 2001)?

Die wachsende Bedeutung der Wirtschaft in allen Bereichen des Lebens und dementsprechend auch ihre Wechselwirkung mit anderen Ressorts der Zei-tungen wie beispielsweise Politik, Soziales und Kultur hat dazu geführt, dass Wirtschaftsthemen in den verschiedenen Redaktionen verstärkt von Journalisten behandelt werden, „die im Allgemeinen nicht wie Wirtschaftsredakteure über die notwendigen Sachkenntnisse verfügen und weder willens noch kompetent sind, Meldungen zu recherchieren und fachlich zu bewerten“ (Stihl 1990: 13). Diese Sicht der Dinge scheint zum einen etwas einseitig, da bei vielen Redak-tionen einfach das Geld und die Zeit fehlt, alle Journalisten auf dem Gebiet der Wirtschaft weiterzubilden. Auch ein aktiver Diskurs zwischen den einzelnen Ressorts und der Wirtschaftsredaktion kommt oft zu kurz. Zum anderen ist diese Kritik durchaus auch nachvollziehbar, insbesondere da sie von einem Ver-treter des Industrie- und Handelstages hervorgebracht wurde, der schließlich direkt von der Wirtschaftsberichterstattung in den Medien betroffen und in gewisser Weise sogar abhängig von ihr ist.

Besorgnis erregt weiterhin die zunehmende Präsenz der Börsenanalysten in den Medien. „Journalisten sollten im Hinterkopf behalten, dass diese Experten in der Regel für Investoren arbeiten und damit auch eigene Interessen verfolgen“ (www.efinance.de 2001). Der Journalist muss mit den Quellen kritisch um-gehen, darf sie nicht ohne zu hinterfragen einfach übernehmen. Die Aufgabe des Journalisten ist es, ein angemessenes Bild der Wirtschaft herzustellen.

Wirtschaftsjournalisten sollten sich auf ihre Kernkompetenzen und Primär-tugenden zurückbesinnen. „Das Beratungsgeschäft sollte man Beratern über-lassen.[…] Journalisten hingegen sollten ihrer Chronisten-Pflicht nachkommen: Informationen ausgraben, aufarbeiten und kritisch hinterfragen, um damit Öffentlichkeit herzustellen“ (Schuster 2002: 16).

6. Vorstellung der untersuchten Publikationen

Nachdem allgemein in den Wirtschaftsjournalismus eingeführt und ein Über-blick über dieses Themengebiet gegeben wurde, sollen nun die untersuchten Publikationen hinsichtlich ihrer Geschichte, ihrer Reichweite und Bedeutung für die Bevölkerung und ihrem redaktionellen Konzept kurz vorgestellt werden. Diese Printmedien werden für den Vergleich der Wirtschaftsberichterstattung in Tageszeitungen und Magazinen herangezogen, da sie repräsentativ für eine ganz bestimmte Kategorie sind. Sie bilden die Textgrundlage für alle Unter-suchungen im Rahmen dieser Arbeit und stellen die Beispiele, die die Betrach-tungen stützen und illustrieren sollen.

6.1 Tageszeitungen

6.1.1 Die Welt

Die Welt wurde für diese Arbeit als Vertreter der überregionalen deutschen Tageszeitungen ausgewählt. Sie gilt als eine der führenden meinungsbildenden Tageszeitungen, womit sie im Gegensatz zu der anschlieβend noch vorzu-stellenden Märkischen Oderzeitung steht. Somit stellen die beiden Tages-zeitungen einen guten Vergleichsgegenstand dar.

Zunächst erschien Die Welt als britische Zonenzeitung mit der ersten Ausgabe im Jahr 1946. Sieben Jahre später wurde sie an den Verleger Axel Springer ver-kauft und schlug einen zunehmend rechtskonservativen Kurs ein. In den sieb-ziger Jahren wurde sie zu einem entscheidenden publizistischen Organ und Gegner der sozialliberalen Bundesregierung und deren Politik. Seit den Siebzi-gern konnte Die Welt ihre Auflage von 200.000 bis 240.000 Exemplaren nicht entscheidend steigern. Sie erreicht jeden Tag durchschnittlich etwa 910.000 Leser (vgl. Wilke 1999: 310).

1998 gelang der Tageszeitung eine umfassende Umstrukturierung, in der Jour-nalistensprache auch ‚Relaunch‘ genannt. Ein neues redaktionelles Konzept wurde ausgearbeitet, die Gestaltung aufgefrischt und ihr Auftritt im Internet ge-startet. Heute erscheint Die Welt in 130 Ländern (vgl. www.welt.de). Besondere Vorteile zieht Die Welt aus ihrem Redaktionssitz in Berlin, wo sie unmittelbar mit Vertretern der Politik und Wirtschaft in Kontakt kommt.

Die Welt ist in vier Bücher aufgeteilt. Das erste beschäftigt sich in Form von Meldungen, Berichten und Reportagen, Kommentaren, Leitartikeln und Inter-views mit Themen der Innen- und Auβenpolitik. Das zweite Buch informiert über das somit zweitwichtigste Thema: die Wirtschaft. Hierbei wird sowohl auf die nationale und internationale Wirtschaft als auch auf Mikro- und Makro-ökonomie eingegangen. Das darauffolgende Buch beschäftigt sich mit den globalen Finanz- und Aktienmärkten, die untrennbar mit der wirtschaftlichen Entwicklung auf der Welt verknüpft sind. Das ist auch der Grund, weshalb dieser Teil hier in die Betrachtung der Wirtschaftsberichterstattung der Presse mit einbezogen wird. Weiterhin besteht Die Welt aus einem Sportteil und der Rubrik Kunst und Kultur als viertes Buch.

6.1.2 Die Märkische Oderzeitung

Die Märkische Oderzeitung (MOZ) wurde für diese Untersuchung als zweiter Vertreter der Tagespresse ausgesucht. Entscheidender Unterschied zwischen der Welt und der MOZ: Die Welt ist eine überregionale und die MOZ eine regionale Tageszeitung. Dies ermöglicht zum einen den Vergleich der Berichterstattung in der Wirtschaftsrubrik in Tageszeitungen mit der Berichterstattung in Wirt-schaftsmagazinen und bietet zum anderen noch zusätzlich die Möglichkeit re-gionale und überregionale Tagespresse in Ansätzen gegenüberzustellen. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf ersterem Vergleich

Herausgeber der MOZ ist das Märkische Verlags- und Druckhaus, dessen Gesellschafter je zur Hälfte die Neue Pressegesellschaft Ulm und die Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft Eberle sind. Die MOZ ist mit einer täglichen Auf-lage von 114.000 Exemplaren die gröβte Regionalzeitung Ostbrandenburgs und erreicht ca. 330.000 Leser. Etwa 95 Prozent der Exemplare werden über Abon-nements verkauft. Der Verkauf in Geschäften dagegen spielt nur eine kleine Rolle bei der Verbreitung der Zeitung, was durchaus typisch für eine regionale Tageszeitung ist. Die MOZ erscheint insgesamt mit elf Regionalausgaben. Den Titel trägt die Zeitung seit ihrer Gründung 1990 (vgl. www.moz.de 2000).

Die MOZ besteht aus zwei Büchern, die sich mit den verschiedenen Themen beschäftigen. Das erste Buch informiert über Politik, Brandenburg und Berlin allgemein, Wirtschaft und Sport. Das zweite Buch beinhaltet den jeweiligen Regionalteil und berichtet anschlieβend über Medien und Neuigkeiten aus aller Welt.

Das Verbreitungsgebiet der MOZ verläuft entlang der deutsch-polnischen Grenze, weshalb die Berichterstattung über die polnischen Nachbarn, die wirt-schaftliche und politische Entwicklung Osteuropas sowie über die Euro-Regionen ein wichtiger Bestandteil der Zeitung ist. Weiterhin versteht sie sich als „Stimme Ostbrandenburgs“ (www.moz.de 2000) und versucht die Interessen ihrer Leser dementsprechend zu berücksichtigen und zu vertreten.

6.2 Wirtschaftsmagazine

6.2.1 Die WirtschaftsWoche

Für den in dieser Arbeit angestrebten Vergleich wurde als einer der Vertreter der Wirtschaftsmagazine die WirtschaftsWoche (WiWo) ausgewählt. Dieses Magazin richtet sich gezielt an Leser, die direkt am Wirtschaftsleben beteiligt sind und ein interessiertes Fachpublikum darstellen. „Nichts ist spannender als Wirtschaft“ – dies ist der Slogan der WiWo, mit dem sie ihr Publikum an-sprechen will und dem die Zeitschrift in ihrer Berichterstattung gerecht werden möchte.

Die WiWo ging 1970 aus der Zeitschrift Der deutsche Volkswirt hervor, die seit 1926 auf dem Markt vertreten war. Zunächst handelte es sich bei der Bezeich-nung ‚WirtschaftsWoche‘ nur um einen Untertitel der Zeitschrift, der sich dann aber zum Haupttitel entwickelte. In dieser Zeit gelang dem Blatt auch die Wandlung von einer eher wissenschaftlichen Fachzeitschrift zu einem aktuellen Nachrichtenmagazin für die Wirtschaft. Seit 1974 gehört das Blatt zur Verlags-gruppe Handelsblatt des Holtzbrinck-Konzerns (vgl. Wilke 1999: 323).

Seit einer erfolgreichen Umstrukturierung und ihrem Relaunch 1996 konnte die WiWo stetig ihre Auflage steigern. Laut der Allensbacher Markt- und Werbe-trägeranalyse 2003 (AWA) beträgt die Auflage der WiWo 190.000 Exemplare, mit der insgesamt ca. 800.000 Leser erreicht werden. 55% der Exemplare werden über Abonnements verkauft, 8% in Geschäften, 10% an Lesezirkel und 23% der Hefte sind Bordexemplare, die an Luftfahrtgesellschaften zu beson-deren Konditionen geliefert werden (vgl. www.gwp.de 2003). Zielgruppen dieser Bordexemplare sind Urlaubs- und Geschäftsreisende, wobei Letztere für die WiWo von größerer Bedeutung sind.

Im Mittelpunkt des redaktionellen Konzepts der WiWo steht die globale Unter-nehmensberichterstattung. Die dafür notwendige weltweite Präsenz gewähr-leistet das gut ausgebaute Korrespondentennetz der WiWo mit Büros in London, Paris, Brüssel und New York. „Von Unternehmen über Wirtschaftspolitik, Management, Technologie und Erfolg bis hin zur privaten Geldanlage bietet die WirtschaftsWoche die ganze Bandbreite der ökonomischen Themen, die jeden Entscheider interessieren“ (www.gwp.de 2003). Dies spiegelt sich auch in den Rubriken des Magazins wieder, die dementsprechend über Namen in der Wirt-schaft, Politik, Unternehmen, Management, Technologie, Erfolg, Leben und Geld informieren.

Die Stärken der WiWo liegen vor allem in der Berichterstattung zur Wirtschafts-politik. Mit fundierten Hintergrundberichten und zum Teil recht scharfen Kom-mentaren zeigt die Zeitschrift Profil (vgl. Turi 1990: 208). Eine Ergänzung zum wöchentlichen Magazin stellt das Internetangebot der WiWo dar. Hier können aktuelle Nachrichten und Termine abgefragt werden, die in der Wirtschaft von groβer Bedeutung sind.

6.2.2 impulse

Als zweiter Vertreter der Wirtschaftmagazine wird hier impulse aufgeführt. impulse ist ein führendes Unternehmermagazin und seit mehr als zwanzig Jahren ein Sprachrohr des innovativen Mittelstandes. Es erscheint seit 1980 bei Gruner + Jahr in Köln.

Die Zeitschrift gibt Tipps und Informationen und will als konkrete Entschei-dungshilfe angesehen werden. Im Gegensatz zur WiWo, die wöchentlich er-scheint, ist impulse eine Monatszeitschrift. Dies hat eine Verschiebung der Themenschwerpunkte zur Folge und beeinflusst auch die Art und Weise der Berichterstattung. Durch eine konsequente Personalisierung versucht das Ma-gazin seinen Lesern den Zugang zu seinen Themen zu erleichtern. „Das Blatt ist durch und durch positiv, will Mut machen für ein offensives und offenes Unter-nehmertum“ (Turi 1990: 207).

impulse hat eine Auflage von ca. 140.000 Exemplaren (vgl. www.awa-online.de 2003) und erreicht monatlich damit etwa 330.000 Leser. Fast die Hälfte aller Exemplare, nämlich 47%, werden über Abonnements vertrieben, nur 2,4% gehen im Einzelverkauf über den Ladentisch, 10,7% werden an Lesezirkel ver-kauft und 31,5% werden anderweitig verteilt, z. B. als Bordexemplare. impulse wird vorwiegend von Unternehmern und Top-Entscheidern in der mittelstän-dischen Wirtschaft gelesen (vgl. www.gujmedia.de 2003). Demzufolge hat das Magazin eine recht eingeschränkte Zielgruppe, die allerdings eine hohe Kauf-kraft besitzt.

Durch eine gezielte Themenauswahl geht impulse auf diese Leserschaft ein. Am Anfang jeder Ausgabe werden zunächst zwei ‚Macher des Monats’ vorgestellt. Dies ist ein wichtiger Bestandteil von impulse, nimmt er doch direkten Bezug auf die Zielgruppe des Magazins. Wichtige Themen des Monats dominieren daraufhin die ersten Seiten. Allgemeine ‚news to use’, wie die einzelnen Artikel zu den Themenbereichen Neugeschäft, Management, @profit, Steuer, Finanzen und Politik von impulse selbst übertitelt werden, folgen daraufhin und bilden den Hauptteil der Zeitschrift.

7. Aufbau und Zusammensetzung der untersuchten Publikationen

Für die Analyse der Wirtschaftsberichterstattung in Tageszeitungen und Maga-zinen wurden für alle untersuchten Kriterien, sowohl den Aufbau und die Zusammensetzung als auch die sprachlichen Merkmale betreffend, jeweils zwei Ausgaben der bereits vorgestellten Publikationen ausgewertet. Dabei handelt es sich bei der Welt um die Ausgaben vom 17.04.03 und 01.08.03, bei der MOZ um die vom 26./27.07.03 und 30.07.03. Von impulse liegen die Ausgaben 06/03 und 08/03 vor, von der WiWo die vom 28.08.03 und 04.09.03.

Teilweise wurde in die Untersuchungen der gesamte Textkorpus aller Ausgaben mit einbezogen, wie z. B. bei der Inhaltsanalyse. Bei anderen Punkten dagegen, wie z. B. bei der Analyse der Verbstruktur, wurde nur ein Ausschnitt gewählt, der seinem Umfang nach jedoch repräsentativ für die gesamte Publikation ist. Nähere Angaben zur genauen Vorgehensweise werden in den jeweiligen Ka-piteln gemacht.

7.1 Inhaltsanalyse

Die Inhaltsanalyse der vorgestellten Publikationen ist der erste Schritt in der Gegenüberstellung der Wirtschaftsberichterstattung in Zeitungen und Zeit-schriften. Medieninhalt als Begriff kann sich hierbei sowohl auf die physischen Botschaften, d.h. in unserem Fall die Artikel der Zeitschriften und Zeitungen, als auch auf die symbolischen Bedeutungen, die mit Hilfe dieser materiellen Zeichenträger im Kommunikationsprozess übermittelt werden, beziehen (vgl. Bonfadelli 2002:12).

Auf Grund ihrer weiten Verbreitung, ihrer großen Bedeutung und der damit ver-bundenen hohen Wirkungsvermutung stehen die Massenmedien allgemein im Zentrum der Publizistikwissenschaft und der kritischen Öffentlichkeit (vgl. McQuail 2001: 304ff). Hinzu kommt, dass sie direkt sichtbar, speicherbar und leicht zugänglich sind. Ziel der Medieninhaltsforschung ist es, „Medieninhalte zu analysieren, d.h. erstens die Medienrealität zu beschreiben, und zweitens zu erklären, wieso die Medienrealität so ist, wie sie ist“ (Bonfadelli 2002: 14).

Auf dem Gebiet der Medienaussagen, beschäftigt sich die so genannte ‚Gate-keeperforschung‘ damit, wie die Medien Ereignisse auswählen, über die sie berichten. Dabei spielen vier Sphären eine Rolle: die Subjektsphäre, die Profes-sionssphäre, die Institutionssphäre und die Gesellschaftssphäre (vgl. Donsbach 1987: 112). Betrachtet man die Subjektsphäre, so steht das Individuum mit seiner persönlichen Werthaltung, politischen Einstellung, seinem Berufsrollen-verständnis und seiner Soziodemographie (Alter, Geschlecht, soziale Herkunft) im Mittelpunkt. Diese Faktoren sind subjektiv und für die Gatekeeping-Prozesse von Bedeutung. Die Professionssphäre rückt Gemeinsamkeiten und strukturelle Ähnlichkeiten bei der Selektion in den Vordergrund. Primäres Selektions-kriterium ist der Nachrichtenwert. Auf der Ebene der Institutionssphäre sind die vorhandenen ökonomischen Ressourcen und der für die Nachrichten zur Ver-fügung stehende Raum neben Aspekten wie der Druck von Interessengruppen, Einfluss der Werbung oder verschiedenen Zuliefersysteme entscheidende Faktoren für die Auswahl der Themen. Da Medien immer in einem bestimmten gesellschaftlichen und politischen Umfeld agieren, darf die Gesellschaftssphäre hier nicht vergessen werden. Die Rahmenbedingungen beeinflussen mitunter entscheidend den jeweiligen Medieninhalt.

Die Inhaltsanalyse an sich ist in der Publizistikwissenschaft „eine empirische Methode zur systematischen, intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen“ (Früh 2001: 25). In dieser Arbeit soll dazu die „Themenfrequenzanalyse“ (Bonfadelli 2002: 80) herangezogen werden. Dabei wird die Häufigkeit des Vorkommens von Themen untersucht und somit Rückschlüsse auf die Themenschwerpunkte und Auswahlkriterien der jeweiligen Publikation gezogen.

7.1.1 Inhalte der Wirtschaftsrubrik der Tageszeitungen

Der Inhalt der Wirtschaftsseiten in Tageszeitungen ist durchaus vielfältig. Weit-gehend ist er natürlich auch vom aktuellen Geschehen und der aktuellen Diskussion in der Öffentlichkeit abhängig. Daher wurde auch versucht, Aus-gaben der Tageszeitungen zu verwenden, die ungefähr im gleichen Zeitraum veröffentlicht wurden. Dies sichert eine bessere Vergleichbarkeit der Ergeb-nisse.

Das Augenmerk der Welt liegt auf der Berichterstattung über Firmen und Kon-zerne und deren wirtschaftliche Lage - die so genannte Unternehmensbericht-erstattung. Dabei werden nationale und internationale Unternehmen vorgestellt, ihre Stellung an der Börse dargelegt und ihre Bedeutung für den deutschen Markt und die Anleger dargestellt. Weitere wichtige Themen sind der Mittel-stand und das Bankwesen. Der Mittelstand ist eine wichtige Zielgruppe der Wirtschaftsrubrik in Tageszeitungen und muss daher berücksichtigt werden. Er prägt das wirtschaftliche Leben in Deutschland entscheidend. Auf die Bericht-erstattung über Deutschland als Standort allgemein kann ebenfalls nicht ver-zichtet werden.

Auch auf die Energiebranche wird vielfach als Thema zurückgegriffen, ebenso wird über die IT-Branche berichtet - teilweise durch die vorgestellten Unter-nehmen, teilweise aber auch firmenübergreifend. Die Auswirkungen der Politik auf die Wirtschaft werden ebenso deutlich dargelegt. So erfährt man beispiels-weise, welche Bedeutung das Hartz-Konzept und die LKW-Maut für die Wirtschaft haben und wie sie die Entwicklung in Deutschland beeinflussen könnten.

Die Beschreibung von Entwicklungen einzelner Börsenkurse und weltweiter Börsenindexe gehört selbstverständlich auch zur Wirtschaftsberichterstattung in der Welt - einerseits geschieht dies in Tabellenform, andererseits aber auch in Artikeln. Ein besonderer thematischer Aspekt in der Welt ist die Ausrichtung auf Namen und Menschen. Personen, die die Wirtschaft prägen und beein-flussen, die hinter den verschiedenen Unternehmen und Entscheidungen stehen, werden vorgestellt und somit der Emotionalisierung durch Personalisierung Rechnung getragen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 106 Seiten

Details

Titel
Die Wirtschaftsberichterstattung in Wirtschaftsmagazinen und Tageszeitungen im Vergleich
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut fuer Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
106
Katalognummer
V22931
ISBN (eBook)
9783638261555
ISBN (Buch)
9783638788786
Dateigröße
835 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Sprache der Wirtschaftsberichterstattung in Magazinen und Zeitungen wird vergleichend gegenuebergestellt, Eigenschaften herausgearbeitet und statistisch belegt
Schlagworte
Wirtschaftsberichterstattung, Wirtschaftsmagazinen, Tageszeitungen, Vergleich
Arbeit zitieren
Sybille Zahn (Autor), 2003, Die Wirtschaftsberichterstattung in Wirtschaftsmagazinen und Tageszeitungen im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22931

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