Sallusts Frauenbild

Sempronia und Fulvia. Zwei Frauenbilder in Sallusts Werk "Die Verschwörung des Catilina"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Sempronia und Fulvia. Zwei Frauenbilder in Sallusts Werk: Die Verschwörung des Catilina
II.1 Sallusts Darstellung zweier Frauenbilder in seinem Werk
II.2 Sempronia und Fulvia im Vergleich
II.3 Wer waren Sempronia und Fulvia
II.4 Die idealisierten Tugenden einer römischen Matrone
II.5 Die rechtliche Stellung der Frau
II.6 Der politische Einfluss der römischen Frau
II.7 Waren Sempronia und Fulvia Prostituierte
II.8 Aus welchem Grund erwähnt Sallust Sempronia und Fulvia in seinem Werk

III. Zusammenfassung

IV. Forschungsstand

V. Fazit

Literaturnachweis

I. Einleitung

In seinem Werk ,,Die Verschwörung des Catilina“ gibt Sallust zwei Frauen Raum, Sempronia und Fulvia, die stellvertretend stehen für eine lange Reihe von Frauen, die historisch ungenannt blieben.[1] Warum wählte Sallust gerade diese beiden Frauen für sein Werk aus? Dieser Frage soll in der nachfolgenden Arbeit nachgegangen werden.

Beide Frauen gehören dem Adelsstand und familiär bedingt der führenden Gesell-schaftsschicht an. Ihr Lebenswandel entspricht jedoch keineswegs dem, was von einer Frau von Stand erwartet wird. Beide Frauen führen einen, dem Sittenkodex entgegen gesetzten liederlichen Lebenswandel.

Wer die beiden Frauen waren, ist historisch nicht korrekt nachzuweisen. Unter Umständen sind sie nur als literarische Figuren zu betrachten und nicht als Prototypen weiblichen Handelns.[2]

Darf man in beiden Frauen, insbesondere aber in Sempronia, die weiblichen Gegenstücke des zur Verderbtheit herabgesunkenen Catilina sehen? Stehen sie alle symbolisch für die Verkommenheit des einst so tugendhaften und edlen Rom? Warum erwähnt Sallust trotz der Verkommenheit die guten und edlen Anlagen in den Personen?

II.1 Sallusts Darstellung zweier Frauenbilder in seinem Werk

In dem Werk erwähnt Sallust zwei Frauen: Sempronia und Fulvia. Sempronia würdigt er mit einem voll ausgemalten Portrait. [3]

,,Unter ihnen aber befand sich Sempronia, die gar manche Untat von männlicher Verwegenheit begangen hatte. Diese Frau war in Herkunft und Schönheit, dazu in Mann und Kindern recht vom Glück begünstigt, war in griechischer und lateinischer Bildung unterrichtet, spielte Zither, tanzte besser, als es für eine anständige Frau nötig ist, besaß vieles noch, was Mittel des Wohllebens sind. Ihr aber war immer alles andere wertvoller als ihr Ansehen und ihre Keuschheit; ob sie ihr Geld oder ihren Ruf weniger schonte, hätte man nicht leicht entscheiden können; ihre Sinnlichkeit war so entzündet, daß sie häufiger selber die Männer aufsuchte als aufgesucht wurde. Sie hatte vordem zu vielen Malen ihr Wort gebrochen, Schulden abgeschworen, von Mord gewusst und war durch Verschwendung und Mittellosigkeit in den Abgrund geraten. Aber ihre Gaben waren nicht verkehrt: sie konnte Verse machen, scherzen, sich bald zurückhaltend, bald sanft, bald frech unterhalten; kurz: sie besaß viel Witz und viel Anmut.“[4]

Fulvia beschreibt er als eine Frau, die mit einem Anhänger der catilinarischen Verschwörung, einem Quintus Curius liiert ist. Quintus Curius beschreibt Sallust als einen Mann aus niederem Stand, mit liederlichem Lebenswandel und mit der Neigung zu verbrecherischen Umtrieben, aufgrund dessen er aus dem Senat ausgeschlossen wurde.[5] Curius erhofft sich bereichern zu können, durch die Anteilnahme an der Verschwörung. ,,Er hatte mit Fulvia, einer Frau aus dem Adel, ein altes ehebrecherisches Verhältnis. Als er ihr minder genehm war, weil er seiner Armut wegen weniger reichlich schenken konnte, begann er plötzlich, sich zu brüsten, Meere und Berge zu versprechen und ab und an mit dem Schwert zu drohen, wenn sie ihm nicht willfährig sei, schließlich sich wilder zu gebärden als gewöhnlich. Fulvia aber hielt, als sie den Grund für des Curius ungewöhnliches Betragen erfahren hatte, diese so große Gefahr für den Staat nicht verborgen, sondern erzählte ohne Namensnennung mehreren von der Verschwörung Catilinas, was und wie sie es gehört hatte.“[6] Die Verschwörer planen, Cicero hinterhältig zu ermorden. ,,Als Curius merkte, welch große Gefahr dem Konsul drohte, lässt er eilends durch Fulvia Cicero den heimtückischen Anschlag, der vorbereitet wurde, melden.“ [7]

Sallusts Schilderung nach scheint Fulvia ohne Zwang oder Druckausübung zu Cicero zu gehen, um ihn vor dem Mordanschlag zu bewahren.

II.2 Sempronia und Fulvia im Vergleich

Vergleicht man diese beiden Frauenbilder miteinander, so ist zu bemerken, dass beide Damen dem Adelsstand angehören und einen verwerflichen, dem römischen Idealbild einer Ehefrau und Mutter entgegengesetzten Lebenswandel führen. Beiden Frauen schreibt Sallust männliche Eigenschaften zu, die ihr Handeln prägen. Im Gegensatz zu Sempronia greift Fulvia aktiv in das politische Geschehen ein, indem sie, zwar ohne Namensnennung, aber sehr direkt über die Verschwörung und ihre Anhänger ihr

Wissen kund tut und nicht davor zurückschreckt, Cicero die Verschwörung zu verraten. Damit rettet sie ihm das Leben und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Verschwörung scheitert. Sempronias Verhalten ist dagegen vergleichsweise defensiv. Es kommt nicht klar heraus, ob Sempronia aktive Teilnehmerin an der Verschwörung war. Sie soll zwar Catilina und seinen Anhängern Hilfe geleistet haben,[8] ein aktives

Mitarbeiten an der Verschwörung ist jedoch nicht erkennbar. Dass sie Mitwisserin ist, steht dagegen außer Frage. Syme sagt dazu, dass sie ihr Haus ein einziges Mal den Verschwörern für ein Treffen zur Verfügung gestellt hat.[9] Auch R. A. Baumann[10] vertritt wie Syme die These, dass Sempronia ihr Haus als Treffpunkt für die Verschwörer mit der Abordnung der Allobroger zur Verfügung stellt. Diese Überzeugung wird gestützt durch die Aussage Sallusts, dass die Allobroger in das Haus des zur Zeit abwesenden Decimus Brutus, welches nahe dem Forum stand, geführt wurden, um sie für die Verschwörung zu gewinnen.[11]

Vergleicht man die Art und Weise, wie Sallust über die beiden Damen schreibt, so wird deutlich, dass Sallust zwar die moralische Verwerflichkeit ihrer Lebensform an-prangert, gleichzeitig jedoch auch versucht, ihre Vorzüge hervorzuheben. Von Sempronia scheint verglichen mit Fulvia eine gewisse weibliche Faszination auszu-gehen, die Sallust beeindruckt. ,,Eine Frau in höchster Stellung, energisch, mit allen Vorzügen geistiger und körperlicher Bildung versehen, dabei aber sittlich haltlos und bis zum Verbrechen abgesunken – und doch, oder gerade deshalb, unendlich anzie-hend.“[12] Es könnte vermutet werden, dass Sallust Sempronia gekannt hat.[13]

II.3 Wer waren Sempronia und Fulvia

Über die Personen der Sempronia und der Fulvia[14] ist historisch sehr wenig bekannt, denn das Anliegen antiker Schriftsteller war es nicht, das Leben der Frauen, ihre Gedanken und Gefühle den nachfolgenden Generationen zu übermitteln.[15] Aber aufgrund der Ansprüche und Erwartungen an die Frauen, wie sie zu sein und welche gesellschaftlichen und familiären Werte sie zu vertreten hatten, ist der Nachwelt doch einiges überliefert worden.[16] Geburts- oder Sterbedaten sind nicht bekannt. Auch Sallusts Angaben über Sempronia und Fulvia sind sehr ungenau und vermutlich mit schriftstellerischen Freiheiten ausgeschmückt. Folglich ist der historische Wahrheits-gehalt anzuzweifeln. Es gibt zwar Vermutungen über die Herkunft beider Damen, aber ein gesichertes Wissen gibt es nicht. Von Sempronia wird einerseits angenom-

men, dass sie die Ehefrau des schon aus dem Amt geschiedenen Konsuls D. Junius Brutus gewesen sei.[17] Folglich wäre sie dann schon eine betagte Dame zu der Zeit gewesen, in der Sallust sie beschreibt. Das passt nicht zu Sallusts Beschreibung ihrer verführerischen Reize und gepflegten Anmut.[18] Andererseits gibt es die Vermutung, dass sie eine Schwester der Frau des Marcus Fulvius Bambalio[19] gewesen sei.

[...]


[1] Hartmann, Elke: Frauen in der Antike. Weibliche Lebenswelten von Sappho bis Theodora. München 2007, S. 8.

[2] Ebenda.

[3] Syme, Ronald: Sallust. Übersetzt von Udo W. Scholz, Darmstadt 1975, S. 129.

[4] Sallust: De coniuratione Catilinae. Die Verschwörung des Catilina. Lateinisch/Deutsch. Übers. u. hg. von Karl Büchner. Stuttgart 2004, S. 37-39.

[5] Ebenda: S. 35.

[6] Ebenda.

[7] Ebenda: S. 41.

[8] Syme, Ronald: S. 24

[9] Ebenda: S. 60.

[10] Baumann, R. A.: Woman and Politics in Acient Rome. In: Der Neue Pauly Band 11, Encyklopädie der Antike, hrsgg. von Hubert Cancik und Helmut Schneider, Stuttgart-Weimar 1998, Spalte 384.

[11] Sallust: S. 57.

[12] Schuller, Wolfgang: Frauen in der römischen Geschichte. Konstanz 1987, S. 48.

[13] Syme, Ronald: S. 24.

[14] Vergl. Eisenhut, Werner, Josef Lindauer: Sallust. Lateinisch und deutsch. 3. Aufl., Regensburg 2006, S. 487. Fulvia, sonst unbekannte Geliebte des Q. Curius .

[15] Hartmann, Elke: S. 7.

[16] Ebenda.

[17] Syme, Ronald: S. 24

[18] Ebenda.

[19] Marcus Fulvius entstammte dem römischen Adelsgeschlecht der Fulvier. Den Spottnamen Bambalio (der Stammler) erhielt er, weil er stotterte. Vergl. Münzer, Friedrich: Fulvius. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Band VII, Stuttgart 1910, Spalte 235.

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Details

Titel
Sallusts Frauenbild
Untertitel
Sempronia und Fulvia. Zwei Frauenbilder in Sallusts Werk "Die Verschwörung des Catilina"
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V229403
ISBN (eBook)
9783656455028
ISBN (Buch)
9783656456285
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sallusts, frauenbild, sempronia, fulvia, zwei, frauenbilder, werk, verschwörung, catilina
Arbeit zitieren
Christa Maria Petersen (Autor:in), 2010, Sallusts Frauenbild, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229403

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