Online Social Networks (OSN) sind heutzutage aus dem Alltag vieler Menschen und auch aus den Medien nicht mehr wegzudenken. Alleine der weltweite Marktführer Facebook hat circa eine Milliarde aktive Nutzer und brachte es nur in Deutschland auf etwa 30 Milliarden Seitenaufrufe im Jahr 2011. Der Börsengang des Eigentümers Facebook Inc. am 18. Mai 2012 hatte ein Volumen von 16 Milliarden Dollar. Insgesamt handelte es sich um den drittgrößten Börsengang in der Geschichte der USA.
Die Bereitschaft von Investoren eine derart große Summe aufzuwenden wirft unweigerlich die Frage auf, woraus eigentlich das Geschäftskonzept und worin der Nutzen dieser Webdienste besteht. Arbeiten zu der Frage, wie Unternehmen mit Facebook oder anderen Sozialen Netzwerken Geld verdienen oder bspw. den Bekanntheitsgrad ihrer Marke steigern, gibt es reichlich. Diese Arbeit soll jedoch einen anderen Ansatz verfolgen und untersuchen, welchen Mehrwert die Deutsche Postbank AG (kurz: Postbank) durch die Nutzung von OSN im Rahmen des Personalbeschaffungsprozesses generieren kann.
Sie ist aufgeteilt in zwei verschiedene Teile. Der erste widmet sich der Theorie der im Titel der Arbeit genannten Themengebiete "Personalgewinnung" und "soziale Netzwerke". Aufbauend hierauf ist die Anwendung dieser Theorie auf die betriebliche Praxis das Thema des zweiten Teils dieser Arbeit.
Der erste Teil der Arbeit fokussiert sich zunächst auf die theoretische Aufarbeitung der Personalarbeit. Hierbei soll der Bogen von der Personalwirtschaft im Allgemeinen zur Personalgewinnung im Speziellen geschlagen werden und dem geneigten Leser eine Einführung in ihre verschiedenen Instrumente gegeben werden.
Im Anschluss betrachten wir die Entstehungsgeschichte der OSN ausgehend von realen sozialen Netzwerken. Was waren die ersten erwähnenswerten Dienste? Was machte sie erfolgreich und konnten sie ihren Erfolg bestätigen? Außerdem soll ein kurzer Eindruck davon entstehen, welche verschiedenen Ausprägungen von OSN es mittlerweile gibt und wie OSN auch andere Webdienste beeinflusst haben.
Danach beschäftigt sich dieser Teil der Arbeit mit der Fragestellung, was ein OSN überhaupt ausmacht. Gibt es eine genaue und allgemeingültige Definition? Oder gelten alle sogenannten Web 2.0 Angebote, die ihre Nutzer stärker als andere Webseiten partizipieren lassen, um mit wenig Aufwand Inhalte zu generieren, als OSN? [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition der Personalwirtschaftslehre und der Personalbeschaffung
2.1 Eingliederung der Personalbeschaffung innerhalb der Aufgaben der Personalwirtschaft
2.2 Aufgaben der Personalbeschaffung
2.3 Methoden der Personalbeschaffung
2.3.1 Interne Personalbeschaffung und ihre Instrumente
2.3.2 Externe Personalbeschaffung und ihre Instrumente
3. Von sozialen Netzwerken zu Online Social Networks
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Struktur und Eigenschaften
4. Mehrwertpotenziale von Online Social Networks
4.1 Mögliche Hindernisse
4.1.1 Erfolgskritische Faktoren
4.1.2 Datenschutz
5. Praktische Anwendung
5.1 Status Quo in der Deutsche Postbank AG
5.2 Empirische Untersuchung
5.2.1 Hypothesen
5.3 Beschreibung des Fragebogens und der Stichprobe
5.4 Ergebnisse des Fragebogens
5.5 Überprüfung der Hypothesen
5.5.1 Qualitative Auswertung von Hypothese 1
5.5.2 Qualitative Auswertung von Hypothese 2
5.5.3 Qualitative Auswertung von Hypothese 3
5.6 Reichweite von OSN für das Employer Branding
5.6.1 Ergebnis der Erhebung zum Employer Branding – Teil 1
5.6.2 Ergebnis der Erhebung zum Employer Branding – Teil 2
6. Handlungsempfehlungen
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welchen konkreten Mehrwert die Deutsche Postbank AG durch die Nutzung von Online Social Networks (OSN) im Personalbeschaffungsprozess generieren kann und inwieweit eine systematische Integration dieser Kanäle in die Unternehmenspraxis sinnvoll ist.
- Theoretische Grundlagen der Personalbeschaffung und des Personalmarketings
- Struktur, Eigenschaften und Erfolgsfaktoren von Online Social Networks
- Analyse von Mehrwertpotenzialen (Talentpools, Employer Branding, Kostenreduktion)
- Empirische Untersuchung zum Nutzungsverhalten von OSN für die Stellensuche
- Status-Quo-Analyse der Aktivitäten der Deutschen Postbank AG in sozialen Netzwerken
Auszug aus dem Buch
3.2 Struktur und Eigenschaften
Strukturell betrachtet, lässt sich das Beziehungsgeflecht eines OSN als Graph mit einer abgegrenzten Menge von Knoten (Nutzer) und einer Menge von Kanten (Beziehungen) zwischen diesen Knoten modellieren. Die Kanten bilden ab, wer mit wem in Verbindung steht, und beschreiben soziale Interaktionen oder Beziehungen zwischen den Akteuren.70 Die folgende Abbildung illustriert beispielhaft ein solches Netzwerk.
Hier werden besonders die so genannten Hubs, also Nutzer mit besonders vielen Verbindungen zu anderen Nutzern, sichtbar. Die IT-gestützte Vernetzung der einzelnen Akteure ermöglicht eine wesentlich höhere Transparenz des Beziehungsgeflechts als in realen sozialen Netzwerken. Eine Tatsache, die sich viele OSN bei der Visualisierung von Netzwerken zu Nutze machen.71
Die Erforschung der OSN ist naturgemäß erst mit ihrer gestiegenen Popularität in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Hier bestätigen sich allerdings Erkenntnisse der Netzwerkforschung, die bereits vor Jahrzehnten getroffen wurden. Bereits im Jahr 1967 kam der amerikanische Psychologe Stanley Milgram im Rahmen einer Untersuchung zu der Feststellung, dass jeder Mensch auf der Welt mit jedem anderen Menschen über Durchschnittlich „sechs Ecken“ bekannt ist. 72 Er spricht hierbei unter anderem vom „small world phenomenon“.73 Diese Hypothese wurde unter anderem im Jahr 2008 durch Leskovec und Horvitz in einer Analyse umfassend bestätigt. Sie untersuchten hierfür 240 Millionen Accounts von Instant Messenger Diensten. Mit dem Ergebnis, dass jeder jeden über „6,6 Ecken“ kennt.74 Ursächlich hierfür ist, dass sich bei sozialen Netzwerken und damit auch bei OSN um skalenfreie Netzwerke handelt, in denen die Verbindungen nicht gleich über alle Nutzer verteilt sind. Vielmehr gibt es viele Nutzer mit relativ wenigen Verbindungen (in Abb. 1 z.B. Akteur D) und einige wenige Nutzer (in Abb. 1 z.B. Akteur C), die dafür umso stärker vernetzt sind.75
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung und der Zielsetzung der Arbeit, die sich auf das Potenzial von Online Social Networks für die Personalgewinnung bei der Postbank konzentriert.
2. Definition der Personalwirtschaftslehre und der Personalbeschaffung: Theoretische Einordnung der Personalbeschaffung innerhalb des Personalwesens sowie Erläuterung interner und externer Beschaffungswege.
3. Von sozialen Netzwerken zu Online Social Networks: Erläuterung der Entwicklung und Definition von OSN, ergänzt um strukturelle Aspekte und netzwerktheoretische Grundlagen.
4. Mehrwertpotenziale von Online Social Networks: Analyse der Chancen durch Profiling, Visualisierung von Verbindungen und Kostensenkung bei der Kandidatensuche.
5. Praktische Anwendung: Analyse des Status Quo bei der Postbank, gefolgt von einer umfangreichen empirischen Untersuchung des Nutzerverhaltens.
6. Handlungsempfehlungen: Ableitung von Empfehlungen für die Postbank basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen zur Wirksamkeit von OSN als Beschaffungsinstrument.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflexion des Einsatzes von OSN im Personalbeschaffungsprozess.
Schlüsselwörter
Personalbeschaffung, Online Social Networks, Personalgewinnung, Employer Branding, Deutsche Postbank AG, Soziale Netzwerke, Personalmarketing, Empirische Untersuchung, Personalmanagement, Networking, Talentpool, Xing, LinkedIn, Facebook, Datenschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Eignung sozialer Netzwerke im Internet als Instrument für die Personalgewinnung und das Employer Branding, am Beispiel der Deutschen Postbank AG.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Neben der theoretischen Fundierung der Personalbeschaffung fokussiert sich die Arbeit auf die Strukturen von Online Social Networks (OSN) und deren praktischen Mehrwert für Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll herausgefunden werden, ob und wie die Postbank theoretische Nutzenpotenziale von OSN für ihre eigene Personalbeschaffung erfolgreich in die Praxis umsetzen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse zu personalwirtschaftlichen und netzwerktheoretischen Grundlagen mit einer empirischen Online-Umfrage unter 483 Nutzern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung von Beschaffungsmethoden, eine Analyse von OSN-Mehrwerten, eine Ist-Analyse der Postbank-Profile und eine empirische Datenauswertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Personalbeschaffung, Employer Branding, Online Social Networks, Personalmarketing und das Nutzungsverhalten in beruflichen sowie privaten Netzwerken.
Welche Rolle spielt die Privatsphäre der Nutzer in der Studie?
Die Studie zeigt, dass der Großteil der Nutzer den Zugriff auf ihre Profile einschränkt, was die Effektivität von OSN als Instrument zur aktiven Kandidatensuche erheblich beeinträchtigt.
Welches Fazit zieht der Autor für die Postbank?
Eine ausschließlich auf OSN basierende Personalbeschaffung wird nicht empfohlen; die Netzwerke sollten lediglich als gezielte Ergänzung zu bestehenden Instrumenten genutzt werden.
- Citation du texte
- Moritz Bremer (Auteur), 2013, Möglichkeiten der Nutzung sozialer Netzwerke zur Personalgewinnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229408