Würde man eine Umfrage zum Thema „Fremdsprachenunterricht“ machen und Fragen zur Gestaltung eines solchen Unterrichts stellen, so würden wohl die meisten darin übereinstimmen, dass das Sprechen eine große, wenn nicht sogar übergeordnete, Rolle spielt. Doch wie würden Lehrer oder Professoren auf diese Umfrage reagieren? Viele Schüler sind der Meinung das eben diese Lehrenden viel zu viel Wert auf Grammatik, Hörverstehen oder Lesekompetenz legen würden, obwohl sie, die Lerner, doch viel lieber frei sprechen lernen wollen. Ist es möglich, fließend Englisch zu sprechen ohne sich je eine Regel der englischen Grammatik angeeignet zu haben? Kann man kommunizieren, ohne entsprechend gute Kompetenzen im Hörverstehen? Welche Auffassung von Sprache liegt dem kommunikativen Ansatz zugrunde? Welche Fähigkeiten werden besonders hervorgehoben? In dieser Arbeit möchte ich versuchen, auf all diese Fragen eine Antwort zu finden. Ob die „kommunikative Methode“ ein Schritt in die richtige Richtung ist, wird sich zeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die kommunikative Methode
3. Das sprachliche System des kommunikativen Ansatzes
4. Sprachliche Handlungskompetenz
4.1 Hörverstehen und Aussprache
4.2 Grammatik
4.3 Gesprächsfähigkeit
5. Kommunikativer Unterricht
5.1 Die Rolle des Schülers
5.2 Rolle des Lehrers
5.2.1 Korrekturverhalten des Lehrers
5.3 Übungen, Materialien und Sozialformen
5.3.1 Video with no sound
5.3.2 What is it?
6. Interkulturalität
7. Kritik am kommunikativen Ansatz
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den kommunikativen Ansatz im Fremdsprachenunterricht, mit einem besonderen Fokus auf den Anfangsunterricht. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen der kommunikativen Methode zu beleuchten, ihre praktische Umsetzung im Unterricht kritisch zu hinterfragen und die Rolle der kommunikativen Kompetenz als zentrales Leitziel zu bewerten.
- Theoretische Verankerung der kommunikativen Didaktik
- Entwicklung von kommunikativer Handlungskompetenz
- Rollenverständnis von Lehrenden und Lernenden
- Methodische Gestaltung von kommunikativem Unterricht
- Interkulturelle Aspekte im Fremdsprachenerwerb
- Kritische Reflexion der Stärken und Schwächen des Ansatzes
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Korrekturverhalten des Lehrers
Wenn Kommunikation im Mittelpunkt des Fremdsprachenunterrichtes steht, dann sollte diesem Schwerpunkt auch die angemessene Bedeutung zukommen. Angenommen der Lehrer fängt folgenden Dialog mit einem Schüler an:
L: Robert, where is your homework?
S: I couldn’t do it. I was by a soccer game in our stadium!
L: Did you play yourself or have you just watched a game?
S: I played.
L: Did you win the game?
S: Yes of course, we are a very good team and shoot a lot of goals.
L: Did you celebrate your victory?
S: Yes, we all go to McDonald’s and eated a lot of hamburgers.
L: What time was it when you came home?
S: At eight or so. At half past eight.
L: I see. Well, do it for tomorrow then, will you?
Obwohl der Schüler einige grammatische Fehler gemacht hat, hat der Lehrer ihn nicht verbessert. In traditionellen Unterrichtsvorstellungen wäre der Dialog nach ein oder zwei Wortwechseln beendet gewesen, da der Lehrende eben diese Fehler zu verbessern gesucht und der Lerner jegliche Lust am Gespräch verloren hätte. Im kommunikativen Unterricht gilt, wie in vielen anderen Ansätzen auch, „message before accuracy“. Das besagt, dass dem Inhalt der Unterhaltung mehr Bedeutung geschenkt wird, als der grammatikalischen Richtigkeit der Aussagen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Fremdsprachenunterrichts ein und stellt die zentrale Frage nach der Gewichtung von Grammatik gegenüber freier Kommunikation.
2. Die kommunikative Methode: Es werden die theoretischen Grundlagen und das Ziel der kommunikativen Methode erläutert, welche die authentische Kommunikation ins Zentrum rückt.
3. Das sprachliche System des kommunikativen Ansatzes: Das Kapitel definiert Sprache als kommunikatives Handeln und grenzt diese Auffassung von rein strukturbasierten Sprachverständnissen ab.
4. Sprachliche Handlungskompetenz: Es wird die Voraussetzung zum kommunikativen Handeln diskutiert und in Lernphasen wie die "Lern-", "Übungs-" und "Transferphase" unterteilt.
5. Kommunikativer Unterricht: Dieser Abschnitt beschreibt die Rollen von Lehrenden und Lernenden sowie spezifische Methoden und Sozialformen für einen interaktiven Unterricht.
6. Interkulturalität: Hier wird der Bedarf an interkultureller Kompetenz im Fremdsprachenunterricht und die Herausforderung durch Englisch als Lingua franca thematisiert.
7. Kritik am kommunikativen Ansatz: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die Schwächen der Methode, insbesondere bezüglich des Grammatikverständnisses und der fehlenden Automatisierung.
Schlüsselwörter
Kommunikativer Ansatz, kommunikative Kompetenz, Fremdsprachenunterricht, Sprachliche Handlungskompetenz, Anfangsunterricht, Sprechakttheorie, Authentizität, Interkulturalität, Lernerorientierung, Grammatikunterricht, Automatisierung, Interaktion, Diskursanalyse, Fremdsprachendidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kommunikativen Methode im Fremdsprachenunterricht und untersucht deren Prinzipien und Anwendung in der Unterrichtspraxis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der kommunikativen Kompetenz, das Rollenverständnis von Lehrer und Schüler sowie die methodische Gestaltung von Unterricht, der authentische Kommunikation fördert.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Sprachkenntnisse durch Kommunikation erworben werden können und ob der kommunikative Ansatz den Anforderungen an einen modernen Fremdsprachenunterricht gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fachdidaktische Analyse, bei der existierende Theorien, Konzepte und Literatur zur kommunikativen Fremdsprachendidaktik zusammengeführt und kritisch bewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des sprachlichen Handelns, die Konzeption sprachlicher Handlungskompetenz, die praktische Gestaltung des Unterrichts und eine kritische Auseinandersetzung mit den Grenzen der Methode.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen kommunikative Methode, kommunikative Kompetenz, Fremdsprachendidaktik und Authentizität.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "Lern-" und "Transferphase" eine so große Rolle?
Die Differenzierung verdeutlicht den Prozess von der Aneignung von Sprachmitteln hin zur freien, inhaltlich motivierten Anwendung der Sprache in realen Situationen.
Welche Kritik übt der Autor konkret am kommunikativen Ansatz?
Kritisiert wird insbesondere die Vernachlässigung der systematischen Grammatikvermittlung sowie die Schwierigkeit, im schulischen Kontext eine echte, von innen heraus motivierte Kommunikation jenseits der "künstlichen" Lernsituation zu erzeugen.
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- Axel Adler (Author), 2002, Kommunikativer Ansatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22954