Die Bachelorarbeit „Krankenhausprivatisierung in Deutschland – Hamburg und Bremen im Vergleich“ greift ein sowohl gesellschaftlich als auch wissenschaftlich bedeutsames Thema auf: Die deutschlandweit grassierende Privatisierungswelle im Krankennaussektor. Diese führt zu beträchtlichen Veränderungen sowohl auf individueller als auch gesamtgesellschaftlicher Ebene. In Deutschland sind hierbei bemerkenswerte Unterschiede hinsichtlich Intensität und Ausprägung festzustellen.
Mit Beantwortung der Frage nach den Ursachen der regional unterschiedlich ausgeprägten Privatisierungsneigung möchte die Arbeit den bisherigen Forschungsstand, um diesen Aspekt erweitern. Aus politikwissenschaftlicher Perspektive interessiert der Einfluss unabhängiger sozioökonomischer, struktureller sowie politisch-institutioneller Variablen auf die abhängige Variable Krankenhausprivatisierung. Für die Datenerhebung wird die Dokumentenanalyse sowohl von Primär-, als auch Sekundärquellen verwendet.
Im ersten Teil beschreibt die Arbeit die Krankenhauspolitik im Nachkriegsdeutschland, um nach der Bestimmung der allgemein gültigen Rahmenbedingungen mit der Erhebung der abhängigen Variable zu enden. Im zweiten Teil folgt auf die theoriegeleitete Bestimmung der unabhängigen Variablen, ein strukturierter und fokussierter Vergleich der beiden Stadtstaaten Hamburg und Bremen. Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Determinanten der Krankenhausprivatisierung in Deutschland
2.1 Wendepunkte der deutschen Krankenhauspolitik nach 1945
2.2 Krankenhäuser zwischen Plan und Wettbewerb
2.3 Krankenhausmarkt im Wandel
3 Ursachen varianter Privatisierungspolitik
4 Krankenhausprivatisierung im kommunalen Vergleich
4.1 Hamburg
4.1.1 Bestandsaufnahme
4.1.2 Der Weg in die Privatisierung
4.1.3 Ursachenforschung
4.2 Bremen
4.2.1 Bestandsaufnahme
4.2.2 Auf halben Weg in die Privatisierung?
4.2.3 Ursachenforschung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht politikwissenschaftlich, welche sozioökonomischen, strukturellen und politisch-institutionellen Faktoren die unterschiedliche Intensität der Krankenhausprivatisierung in deutschen Bundesländern beeinflussen. Hierbei wird der Frage nachgegangen, weshalb sich trotz eines bundesweiten Privatisierungstrends regionale Unterschiede in der Privatisierungspraxis zeigen, wofür ein strukturierter Vergleich der Stadtstaaten Hamburg und Bremen als Fallbeispiele dient.
- Analyse der Rahmenbedingungen und Wendepunkte der deutschen Krankenhauspolitik seit 1945.
- Erforschung der Ursachen für variante Privatisierungspolitik mittels Theorien der Staatstätigkeitsforschung.
- Detaillierter kommunaler Vergleich der Privatisierungsverläufe in Hamburg und Bremen.
- Untersuchung des Einflusses von Haushaltslage, Parteienkonstellationen und Gewerkschaften auf Privatisierungsentscheidungen.
Auszug aus dem Buch
Die Privatisierung in Deutschland hat mittlerweile ein gewisses Ausmaß erreicht
Der Anteil privater Krankenhausbetten ist hierzulande inzwischen höher als in den USA, die gemeinhin als Privatisierungsvorreiter gelten (Braun 2009, S. 124). Auch aus europäischer Perspektive ist der Umfang der Krankenhausprivatisierung einzigartig - kein anderes europäisches Land hat in den letzten Jahren so viele Krankenhäuser privatisiert wie Deutschland (Böhlke/Gerlinger/Mosebach/ Schmucker/Schulten 2009, S. 8). Zu den vorläufigen Höhepunkten der Privatisierungswelle zählen die Übernahme des „Landesbetrieb Krankenhäuser“ (LBK) durch die „Asklepios Kliniken GmbH“ in Hamburg, sowie der Verkauf des „Universitätsklinikums Gießen und Marburg“ an die „Rhön-Klinikum AG“.
In beiden Fällen ist die Größenordnung, in letzterem Fall die deutschlandweit erstmalige Privatisierung eines Universitätsklinikums, ausschlaggebend (vgl. Ries Heidtke/Böhlke 2009; Hanschur/Böhlke 2009).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das kontroverse Thema der Krankenhausprivatisierung und Darlegung der zentralen Forschungsfrage sowie der Relevanz der Arbeit.
2 Determinanten der Krankenhausprivatisierung in Deutschland: Aufarbeitung der historischen Entwicklung der Krankenhauspolitik, des dualen Finanzierungssystems und der strukturellen Faktoren, die den Wandel im Krankenhausmarkt beeinflussen.
3 Ursachen varianter Privatisierungspolitik: Vorstellung theoretischer Erklärungsansätze der Staatstätigkeitsforschung wie der Problemdruck-, Parteidifferenz- und Machtressourcentheorie zur Analyse regionaler Unterschiede.
4 Krankenhausprivatisierung im kommunalen Vergleich: Empirische Untersuchung und gegenüberstellende Analyse der Privatisierungsprozesse und deren Ursachen in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen.
5 Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Einflussfaktoren auf die Krankenhausprivatisierung und Einordnung der Erkenntnisse im Kontext der politischen Steuerung.
Schlüsselwörter
Krankenhausprivatisierung, Krankenhauspolitik, Krankenhausfinanzierung, Kommunaler Vergleich, Hamburg, Bremen, Problemdruckvariable, Parteidifferenztheorie, Machtressourcentheorie, DRG-System, Gesundheitswesen, Privatisierungsneigung, Staatstätigkeitsforschung, Klinikverbund, Daseinsvorsorge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die regional unterschiedliche Privatisierungsintensität von Krankenhäusern in Deutschland und sucht nach den Ursachen für diese Differenzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Krankenhauspolitik, Finanzierungsstrukturen (dual vs. monistisch), Privatisierungsformen sowie der Einfluss politischer und ökonomischer Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, mittels politikwissenschaftlicher Theorien zu erklären, welchen Einfluss sozioökonomische, strukturelle und politisch-institutionelle Variablen auf die Privatisierung von Krankenhäusern ausüben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode des strukturierten und fokussierten Vergleichs in Form eines qualitativen Fallstudiendesigns (Most Similar Systems Design) angewendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Privatisierungsforschung erläutert und anschließend anhand der Fallbeispiele Hamburg und Bremen empirisch überprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Krankenhausprivatisierung, Kommunaler Vergleich, Problemdruckvariable und Parteidifferenztheorie charakterisieren.
Warum wurden gerade Hamburg und Bremen für den Vergleich gewählt?
Die Wahl fiel auf diese Stadtstaaten, da sie bei ähnlichen Rahmenbedingungen (als Stadtstaaten) eine deutliche Varianz auf der abhängigen Variable "Privatisierungsintensität" aufweisen, was sie ideal für einen Vergleich macht.
Welche Rolle spielen die Gewerkschaften bei Privatisierungsvorhaben laut der Arbeit?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Gewerkschaften in den untersuchten Fällen nur eine untergeordnete Rolle spielen und ihr Einfluss nur dann wirksam wird, wenn gleichzeitig linke Parteien an der Regierung beteiligt sind.
- Arbeit zitieren
- Christian Weber (Autor:in), 2013, Krankenhausprivatisierung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229655