Die oben genannten Definitionsansätze des Begriffs „Bewusstsein“ sind nur ein kleiner Auszug aus der mannigfaltigen Bandbreite, welche nahezu jede Wissenschaft heutzutage für dieses Phänomen zu bieten hat. Termini wie Wahrnehmung, Entscheidung, Zeit und das Selbst bzw. Ich sind in nahezu jedem Versuch eine allgemeingültige und gleichwohl exakt umgrenzte und definierte Erklärung für das Bewusste zu geben enthalten; diese einzelnen Mosaikteilchen jedoch zu einem kohärenten Bild zusammen zu setzen ist zum jetzigen Zeitpunkt bisher schlichtweg nicht möglich.
Bereits die Herkunft des Bewusstseins zu ermitteln scheint der endlosen Arbeit des Sisyphos zu gleichen, da sich aufgrund verschiedener Belege und Hinweise gefasste Aussagen, wie zum Beispiel die naturwissenschaftliche These: „Das Bewusstsein des Menschen ist eine Eigenschaft seines Gehirns“, interdisziplinär nicht durchsetzten können. Denn ungeachtet theologischer Einwände auf dessen Ursprung im Übersinnlichen lässt sich auch physikalisch weder erklären noch vermuten, wie bloße Materie diesen psychischen Zustand erzeugt. Auch die Fähigkeit der Medizin diesen speziellen Teil unseres Ichs anatomisch zu lokalisieren muss negiert werden, sodass der Versuch des Materialismus diesen unsagbar schweren Stein zum Gipfel zu stemmen durch das Eingreifen der Physik und der Medizin verhindern wird.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
Vergleich verschiedener Definitionen
Einführung
II. Das Bewusstsein und die Evolution:
Einleitung
Evolutive Kausalität
III. Prä- und postnatale Veränderungen
Operative Eingriffe
Kurzzeitige Dysfunktion
IV. Historischer Wandel des Unbewussten
Antike und Fallbeispiel des Sokrates
Die romantische Peripetie
V. Sigmund Freud
Erste Topik
Zweite Topik
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen dem menschlichen Bewusstsein und dem Unbewussten. Ziel ist es, die evolutionsbiologischen Grundlagen des Bewusstseins zu beleuchten, den historischen Wandel des Unbewussten nachzuvollziehen und die psychoanalytischen Konzepte von Sigmund Freud kritisch im Kontext moderner Erkenntnisse darzustellen.
- Evolutionäre Hintergründe des menschlichen Bewusstseins
- Neurobiologische Perspektiven und Fallbeispiele wie Split-Brain
- Historische Entwicklung des Unbewusstenbegriffs von der Antike bis zur Romantik
- Freuds Drei-Instanzen-Modell und das erste topische Schema
- Kritische Reflexion über die Rolle von Intuition und unbewussten Entscheidungsprozessen
Auszug aus dem Buch
Evolutive Kausalität:
Unser Bewusstsein, sofern es sich auf einen gemeinsamen menschlichen Nenner bringen lässt, bedingt zugleich mehrere vorteilhafte Eigenschaften, wobei sich der weitere Verlauf dieser Facharbeit ausschließlich auf den humanen und nicht den animalischen Typus, welcher ebenfalls weiter differenziert werden muss, begrenzt. In seiner Abhandlung „Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehenes“ beschreibt Sigmund Freud wie sich das Bewusstsein aufgrund von äußerer Notwendigkeit ausgebildet hat, um den Ansprüchen und Anforderungen der Umwelt trotzen zu können.
Zu Beginn seiner Existenz bestand die Psyche des Menschen ausschließlich aus unbewussten Prozessen und wurde vorwiegend nach dem Lust-Unlust-Prinzip gesteuert. Dessen einziges Ziel war die Gewinnung und Sicherung von Lust, während Vorgänge und Handlungen, die diesem Ziel hinderlich waren und somit Unlust schaffen würden, vermieden und verdrängt wurden.
Diesen Naturzustand erleben auch wir trotz unseres ausgebildeten und intakten Bewusstseins jede Nacht im Traum, in dem aufgrund einer psychischen Ruhephase des Bewussten das Unbewusste seine frühere Macht zurückgewinnt. Da unser Erleben im Schlaf nicht physikalischen oder logischen Gesetzen unterworfen ist, werden unsere Wünsche und Bedürfnisse frei von jeglichen Restriktion durch Simulation befriedigt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die mannigfaltigen Definitionsversuche des Bewusstseins ein und thematisiert die Schwierigkeit, eine interdisziplinär konsensfähige Erklärung für das "Mysterium Mensch" zu finden.
II. Das Bewusstsein und die Evolution: Das Kapitel betrachtet das Bewusstsein als evolutionäres Phänomen, welches essenziell für die zeitliche Orientierung und das Überleben in komplexen Umwelten ist.
III. Prä- und postnatale Veränderungen: Hier werden klinische Beobachtungen wie Split-Brain-Phänomene und der Wada-Test genutzt, um die enge Abhängigkeit der Psyche von neuroanatomischen Strukturen zu belegen.
IV. Historischer Wandel des Unbewussten: Dieses Kapitel zeichnet die gesellschaftliche Wahrnehmung des Unbewussten nach, beginnend mit dem antiken "Daimonion" des Sokrates bis hin zur romantischen Gegenbewegung zur Aufklärung.
V. Sigmund Freud: Abschließend werden die psychologischen Modelle Freuds, insbesondere die Erste und Zweite Topik, vorgestellt, um die Dynamik zwischen Bewusstem, Vorbewusstem und Unbewusstem zu erläutern.
Schlüsselwörter
Bewusstsein, Unbewusstes, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Evolution, Realitätsprinzip, Lustprinzip, Split-Brain, Neurochirurgie, Sokrates, Daimonion, Erste Topik, Zweite Topik, psychische Instanz, Selbstreflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Konzepte des Bewussten und Unbewussten aus psychologischer, historischer und biologischer Perspektive.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Evolution des Bewusstseins, klinische Neurochirurgie, die Philosophie der Antike und die psychoanalytischen Theorien Sigmund Freuds.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Interaktion zwischen bewussten Entscheidungen und unbewussten psychischen Mechanismen zu schaffen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich interdisziplinärer wissenschaftlicher Thesen sowie der Auswertung neurologischer Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die evolutive Notwendigkeit des Bewusstseins, die Auswirkungen von Hirnveränderungen auf die Psyche sowie die historische und freudianische Systematisierung des Unbewussten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Bewusstsein, Unbewusstes, Psychoanalyse, Realitätsprinzip und Evolution.
Was ist das "Daimonion" bei Sokrates?
Es wird als eine innere, immanente Stimme beschrieben, die Sokrates vor moralischen Fehltritten warnte, ohne ihn jedoch aktiv zu Handlungen aufzufordern.
Warum spielt die Zeit für das Bewusstsein eine wichtige Rolle?
Das Bewusstsein ermöglicht die Unterscheidung von Vergangenheit und Zukunft, was für die menschliche Vorstellungskraft, Sprachfähigkeit und gezielte Zukunftsplanung unerlässlich ist.
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- Moritz Elsaeßer (Author), 2011, Bewusstsein und Unbewusstes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229681