Diese Hausarbeit diskutiert die Frage, ob das "Erdbeben von Chili" als Katastrophe oder Rettung angesehen werden kann. Diese Frage wird aus verschiedenen Perspektiven/Figuren in der Novelle reflektiert.
Die ersten Kapitel dieser Arbeit stellen allgemeine Informationen zur Apokalypse und ihrer Geschichte dar. Des Weiteren wird die Sonderform der "kupierten" Apokalypse von Klaus Vondung präsentiert.
Auch die Narrationsformen in der Apokalypse des "Erdbeben von Chili" werden differenziert dargestellt und interpretiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Apokalypse
2.1 Die Apokalypse in Kleist Werk: „Das Erdbeben in Chili“
3. Klaus Vondung: „Die kupierte Apokalypse“
4. Narration der Apokalypse in Kleists Novelle
5. Kann die Novelle „Das Erdbeben in Chili“ als kupierte Apokalypse gedeutet werden?
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion apokalyptischer Motive in Heinrich von Kleists Novelle „Das Erdbeben in Chili“. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob der Ausgang der Erzählung eher als Rettung der Protagonisten oder als gesellschaftliche Katastrophe zu werten ist und inwiefern sich das Werk in das Konzept der „kupierten Apokalypse“ nach Klaus Vondung einordnen lässt.
- Analyse des Begriffs der Apokalypse im Spannungsfeld zwischen klassischer Theologie und Moderne.
- Untersuchung des Konzepts der „kupierten Apokalypse“ nach Klaus Vondung als theoretischer Rahmen.
- Interpretation der narrativen Struktur von Kleists „Das Erdbeben in Chili“ im Hinblick auf apokalyptische Topoi.
- Erörterung der ambivalenten Darstellung von Glück und Unglück sowie individueller vs. gesellschaftlicher Perspektiven.
- Evaluierung der Schlusssequenz der Novelle hinsichtlich einer möglichen Utopie oder deren Destruktion.
Auszug aus dem Buch
Die Apokalypse
Ist im heutigem Zeitalter die Rede von Apokalypse, wird dieser Begriff häufig negativ assoziiert. Automatisch wird das Wort Apokalypse mit Zerstörung, Weltuntergang oder Naturkatastrophen in Verbindung gebracht. Aber entspricht unsere heutige Vorstellung auch dem ursprünglichen, theologischen Sinn der Apokalypse?
Das Wort Apokalypse stammt aus dem griechischen und ist ein Verbund aus dem Wort „kalyptein“ (=verbergen) und dem Präfix „apo“ (=von,weg,-ent). Zusammengesetzt ergibt sich somit die Bedeutung: Entbehrung, Enthüllung oder auch Offenbarung (vgl. Kaiser, S.11).
Die Johannes Apokalypse, welche als Buch der Bibel repräsentiert wird, ist eine der wichtigsten Paradebeispiele für die literarische Umsetzung apokalyptischer Visionen. Gleichzeitig ist dieses theologische Werk noch bis heute Leitbild für apokalyptische Texte. Nach Dieter Gutzen sind alle literarischen Schriftstücke apokalyptisch geprägt, die im religiösem Sinn die Hoffnung auf eine vollkommene Welt haben. Diese zukünftig, vollkommene Welt kann nur durch die Zerstörung der gegenwärtigen Welt erfahren werden. Somit wird der Untergang der Welt als göttliche Offenbarung oder als eine Entbehrung der göttlichen Geheimnisse über den Geschichtsverlauf des Planeten angesehen. Dieser Offenbarung entspringen viele Aphorismen für die Gesamtheit der Menschen(vgl. Gutzen, S.40).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Apokalypse ein, stellt die Forschungsfrage zur Kleist-Novelle und skizziert das methodische Vorgehen der Untersuchung.
2. Die Apokalypse: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Apokalypse, unterscheidet zwischen klassischer und moderner Interpretation und begründet die theoretische Relevanz für literarische Analysen.
2.1 Die Apokalypse in Kleist Werk: „Das Erdbeben in Chili“: Hier wird der inhaltliche Bezug zwischen dem Katastrophenszenario der Novelle und den erarbeiteten Begriffsdefinitionen hergestellt.
3. Klaus Vondung: „Die kupierte Apokalypse“: Das Kapitel erläutert das theoretische Modell der „kupierten Apokalypse“ als eine moderne Form des Untergangsszenarios ohne Hoffnung auf Erlösung.
4. Narration der Apokalypse in Kleists Novelle: Hier wird untersucht, wie Kleist durch kompositorische Mittel und sprachliche Gestaltung die apokalyptische Stimmung narrativ umsetzt.
5. Kann die Novelle „Das Erdbeben in Chili“ als kupierte Apokalypse gedeutet werden?: Dieses Kapitel führt eine kritische Diskussion der Handlungsausgänge aus drei verschiedenen Perspektiven durch.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Novelle als komplexe Mischform zwischen klassischer und kupierter Apokalypse zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Heinrich von Kleist, Das Erdbeben in Chili, Apokalypse, kupierte Apokalypse, Klaus Vondung, Katastrophe, Rettung, Narrationsstruktur, literarische Analyse, Utopie, Weltuntergang, göttliche Offenbarung, Moderne, theologische Interpretation, gesellschaftliche Ordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die apokalyptische Motivik in Heinrich von Kleists Novelle „Das Erdbeben in Chili“ unter Berücksichtigung literaturwissenschaftlicher Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition der Apokalypse, die Analyse von Untergangsszenarien in der Literatur sowie die Untersuchung von gesellschaftlichen und individuellen Katastrophen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu klären, ob der Ausgang der Novelle als Rettung oder Katastrophe zu werten ist und wie das Werk in Bezug auf das Konzept der „kupierten Apokalypse“ einzuordnen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte (insbesondere Klaus Vondung) auf den Primärtext anwendet und durch eine nähere Textuntersuchung ergänzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Begriff der Apokalypse, stellt das Modell der kupierten Apokalypse vor, untersucht die erzählerische Gestaltung bei Kleist und reflektiert den Novellenausgang aus verschiedenen Perspektiven.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Heinrich von Kleist, Apokalypse, kupierte Apokalypse, Katastrophe, Rettung, Narrationsstruktur und Utopie.
Inwiefern spielt das Konzept der „kupierten Apokalypse“ für das Ende der Novelle eine Rolle?
Das Konzept hilft zu verstehen, warum die Hoffnung auf ein „neues Reich“ in der Moderne oft durch Hoffnungslosigkeit oder soziale Destruktion ersetzt wird, was auf das Ende der Novelle übertragen wird.
Warum wird der Begriff „kupierte Apokalypse“ nach Vondung verwendet?
Vondungs Modell dient dazu, moderne apokalyptische Visionen von klassischen theologischen Offenbarungen abzugrenzen, da sie den Fokus stärker auf Zerstörung und Verunsicherung legen.
- Arbeit zitieren
- Janine Tyzak (Autor:in), 2013, Apokalyptische Motivik in Kleists "Das Erdbeben in Chili". Rettung oder Katastrophe?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229696