Zeitungsdebatten werden nirgends derart heftig geführt wie in Deutschland - das zeigten z.B. die Fischer-Kontroverse, der Historikerstreit oder die Diskussion um Thilo Sarrazin. Die Masterarbeit "Was debattiert wird" nimmt sich der Zeitungsdebatte um das israelkritische Gedicht "Was gesagt werden muss" von Günter Grass an und versucht, in Form einer Diskursanalyse, den Wortstreit in den überregionalen deutschen und österreichischen Tages- und Wochenzeitungen aufzuschlüsseln. Welche Akteure nehmen für Grass Partei, welche Akteure lehnen sein Gedicht ab? Welche Position nehmen die einzelnen Qualitätszeitungen ein, und welche Erkenntnisse werden offengelegt bezüglich der deutschen Debattenkultur?
Newspaper debates are most vehemently carried on in Germany. This is displayed e.g. by the Fischer controversy, the Historikerstreit or the discussion about Thilo Sarrazin. The master thesis "Was dabattiert wird" (What is being debated) focuses on the newspaper debate triggered off by Günter Grass and his critical poem about Israel "Was gesagt werden muss" (What needs to be said), published in the Süddeutsche Zeitung in 2012. The controversy in the German and Austrian supra-regional daily and weekly newspaper will be itemized and appraised with the help of a discourse analysis. Who sides with Grass and his poem? Which position is taken up by the quality papers and what will the result of the analysis disclose about German culture of debate in general?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Gliederung und Vorbemerkung
1.3 Forschungsinteresse
1.4 Der Debatten-Grass - ein Forschungsüberblick
2. Kontextuelle Einführung
2.1 Publizistische Debatten in Deutschland
2.2 Die Person Günter Grass
2.2.1 Sein Leben: Der Aktivist und Nobelpreisträger Grass
2.2.2 Sein Schaffen: Von der Danziger Trilogie bis „Eintagsfliegen“
2.3 Der Debattenanstoß: „Was gesagt werden muss“
2.4 Exkurs: Die Geschichte Israels
2.4.1 Der Weg zur Staatsgründung
2.4.2 Israel und die Konfliktregion Naher Osten
2.4.3 Benjamin Netanjahus Israel
3. Methodik der Untersuchung
3.1 Der Diskurs
3.1.1 Diskursbegriff, Diskurstheorien
3.1.2 Macht und Herrschaft im Diskurs
3.1.3 Die Diskursanalyse
3.2 Auswahl der Medien
3.2.1 Die Tageszeitung (als meinungsbildenes Medium)
3.2.2 Die Profile der untersuchten Tageszeitungen
3.3 Korpusbildung
4. Die Debatte
4.1 Artikelübersicht und diskursive Ereignisse
4.1.1 Grass' Stellungnahme
4.1.2 Israels Einreiseverbot: Grass als Persona non grata
4.1.3 Grass' Stellungnahme zum Einreiseverbot
4.2 Themen im Diskurs
4.2.1 Die Person Günter Grass
4.2.2 Grass und seine SS-Vergangenheit
4.2.3 Israel
4.2.4 Israelkritik und Antisemitismus-Vorwurf
4.2.5 Die Debatte bzw. Debattenkultur in Deutschland
4.2.6 Die literarische Qualität des Gedichts
4.3 Akteure
4.3.1 Redakteure
4.3.2 Personen der Zeitungs- und Literaturbranche
4.3.3 Angehörige des Judentums
4.3.4 Wissenschaftler
4.3.5 Die Leser(briefe)
5. Interpretation
5.1 Die Positionen der Zeitungen
5.1.1 Die Süddeutsche Zeitung
5.1.2 Die Frankfurter Allgemeine Zeitung
5.1.3 Die Welt
5.1.4 Die Tageszeitung
5.1.5 Die Zeit
5.1.6 Der Standard und Die Presse: Die Debatte in Österreich
5.2 Die Akteure der Debatte
5.3 Erkenntnisse der Debatte: Was debattiert wird
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit analysiert die publizistische Debatte, die durch die Veröffentlichung von Günter Grass' Gedicht „Was gesagt werden muss“ am 4. April 2012 ausgelöst wurde. Das primäre Ziel ist es, die Berichterstattung überregionaler Qualitätszeitungen in Deutschland und Österreich zu untersuchen, um die Positionen verschiedener Akteure sowie thematische Schwerpunkte und Wertungsmuster innerhalb dieser Debatte zu dekonstruieren.
- Analyse der diskursiven Dynamik rund um das Grass-Gedicht
- Untersuchung der Akteursgruppen (Redakteure, Literaturbranche, Wissenschaft, Leser)
- Vergleich der medialen Positionierung in Deutschland und Österreich
- Deutung der Debattenkultur im Kontext aktueller politischer Spannungen (Israel/Iran)
- Methodische Anwendung der kritischen Diskursanalyse
Auszug aus dem Buch
2.3 Der Debattenanstoß: „Was gesagt werden muss“
Vorlage für die Diskussionen und somit Grundlage dieser Arbeit war jedoch die ursprüngliche Fassung des Gedichts „Was gesagt werden muss“. Das von Grass verfasste Poem wurde am 4. April 2012 in der SZ-Ausgabe der Seite 11 in der Rubrik „München, Deutschland, Bayern“ veröffentlicht. Es sollte ursprünglich in der Wochenzeitung Die Zeit erscheinen, die Redaktion entschied sich jedoch kurzerhand gegen eine Veröffentlichung. Chefredakteur di Lorenzo bemerkt dazu:
Wir haben dann schon das Bedürfnis, den Autor gegen mögliche Kritik ein Stück weit in Schutz nehmen zu können. Und das erschien uns (...) unmöglich. Und wir wollten es auch nicht in Kombination abdrucken, dass wir uns dann ganz furchtbar davon distanzieren, aber es trotzdem drucken.
Die SZ-Chefredaktion hingegen stimmt dem Abdruck zu. Heribert Prantl, Chef des Innenpolitik-Ressorts, begründete die Entscheidung mit dem Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit: "(...) die Freiheit es zu drucken, ist eine wichtige Freiheit und die Freiheit über ein solches Gedicht, über eine solche Meinung zu diskutieren ist eine wertvolle Freiheit."
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Begründung des Forschungsinteresses und Überblick über die Relevanz der Debatte um Günter Grass' SS-Vergangenheit und sein Gedicht.
2. Kontextuelle Einführung: Darstellung der deutschen Debattenkultur, der Person Günter Grass sowie ein historischer Abriss der Geschichte Israels.
3. Methodik der Untersuchung: Theoretische Herleitung der Diskursanalyse, Definition des Korpus und Erläuterung der Kriterien zur Artikelauswahl.
4. Die Debatte: Quantitative und qualitative Analyse der diskursiven Ereignisse, Themenfelder und der beteiligten Akteure.
5. Interpretation: Auswertung der Positionen einzelner Zeitungen und Zusammenführung der Erkenntnisse darüber, was in der Debatte tatsächlich verhandelt wurde.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung der Ergebnisse und Reflexion über die Rolle der Medien bei der Skandalisierung von Debatten.
Schlüsselwörter
Günter Grass, Was gesagt werden muss, Diskursanalyse, Israel, Antisemitismus, Pressefreiheit, deutsche Debattenkultur, Qualitätsjournalismus, SS-Vergangenheit, Nahostkonflikt, Mediale Skandalisierung, öffentliche Debatte, Meinungsbildung, Deutungshoheit, Medienkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die publizistische Auseinandersetzung in überregionalen Zeitungen nach der Veröffentlichung von Günter Grass' Gedicht „Was gesagt werden muss“ im April 2012.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Kritik an Israel, die Person Günter Grass und seine SS-Vergangenheit, das Thema Antisemitismus sowie die Struktur der deutschen Debattenkultur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Berichterstattung und die eingenommenen Positionen der Qualitätszeitungen in Deutschland und Österreich zu entschlüsseln und zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt die kritische Diskursanalyse in Kombination mit einer qualitativen Inhaltsanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Fundierung, die detaillierte Analyse der Artikel und Ereignisse sowie die Interpretation der Akteursgruppen und Zeitungsprofile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Diskursanalyse, Antisemitismus-Vorwurf, Israelkritik, journalistische Debattenkultur und die mediale Inszenierung von Skandalen.
Warum spielt die Person Günter Grass für die Debatte eine so zentrale Rolle?
Die Debatte wird stark durch die vorbelastete Biografie von Grass und sein späteres Bekenntnis zur SS geprägt, was von vielen Kritikern als Diskreditierung seiner politischen Wortmeldungen genutzt wurde.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der „Was gesagt werden muss“-Debatte?
Die Debatte war stark von persönlichen Angriffen auf Grass und einer boulevardesken Skandalisierung geprägt, während die eigentlichen Sachthemen (Atompolitik) oft in den Hintergrund traten.
- Citation du texte
- Marian Wehmeier (Auteur), 2013, Was debattiert wird, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229709