Das Instrument der Planinsolvenzen ist noch sehr jung. Erst mit der Einführung des Insolvenzrechtes 1999 werden für insolvente Unternehmen Alternativen zur Liquidation geschaffen.
Nach vierzehn Jahren des Bestehens der Insolvenzordnung ist die Planinsolvenz immer noch Neuland für die Wirtschaft, so dass die Gefahr besteht, dass weiterhin eigentlich gesunde Unternehmen liquidiert werden. Ein Umdenken vollzieht sich nur schleppend, was einerseits daran liegt, dass die neue Insolvenzordnung immer noch vom Gesetzgeber angepasst wird und andererseits noch relativ wenig Literatur darüber erhältlich ist.
Das Ziel dieser Arbeit ist es in einem ersten Schritt, nach einer allgemeinen Übersicht über das Insolvenzrecht, eine tragfähige Grundlage zur neuen Insolvenzordnung darzustellen, die nicht bloß dadurch erreicht werden kann, indem die Insolvenzordnung zitiert wird. Viel mehr müssen die gesetzlichen Definitionen interpretiert und in Einklang mit den anderen, teilweise ja über einhundert Jahre alten schuldrechtlichen Bestimmungen gebracht werden.
Des Weiteren soll ausführlich auf das Herzstück der Planinsolvenz, den Insolvenzplan, eingegangen werden, weil dieser den Aktionsrahmen jedes Beteiligten vorgibt, sofern dieser Plan angenommen wird.
Der zweite Schritt liefert zu den theoretischen Voraussetzungen erste Erfahrungen aus der Praxis. Hier wird gezeigt, wie in der Verwirklichung die insolvenzrechtlichen Regelungen interpretiert und - zum Teil - auch umgangen werden.
Es werden Probleme aufgezeigt, die bei der Umsetzung der theoretischen Vorgaben auftreten.
Der praktische Teil wird in eine dreistufige Zeitschiene unterteilt. Mit einer solchen Schiene kann die Entwicklung des insolventen Unternehmens von dem Zeitraum vor Antragsstellung bis zum Zeitraum nach Abschluss des Plans übersichtlich und detailliert mitverfolgt werden.
Am Ende des praktischen Teils sollte man eine Einschätzung dafür bekommen haben, ab wann ein insolventes Unternehmen geeignet zur Sanierung durch die Planinsolvenz ist, welche Hürden zu leisten sind und was am Ende übrig bleibt.
Da die Erfahrungen sich nicht auf alle Unternehmen abbilden lassen, werden im darauf folgenden Teil einige bekannte Planinsolvenzfälle mit ihren ganz besonderen Eigenschaften vorgestellt.
Am Ende der Arbeit sollten Chancen, Risiken und Vorgehensweisen bei der Sanierung über den Insolvenzplan bekannt sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Unternehmensfortführung trotz Insolvenz
1.2 Zur Bedeutung der Planinsolvenz in Eigenverwaltung – Motivation der Themenwahl
1.3 Aufbau und Ziel der Arbeit
2 Allgemein insolvenzrechtliche Grundlagen
2.1 Das neue Insolvenzrecht
2.2 Die Insolvenz
2.3 Insolvenzfähige Unternehmensformen
2.4 Die Gläubiger
2.5 Zuständigkeit des Gerichts
2.6 Sicherungs- und Zwangsmaßnahmen
2.7 Der Insolvenzverwalter mit seinen Aufgaben und Befugnissen
2.8 Kosten des Verfahrens
2.9 Folgen einer Abweisung des Antrages mangels Masse
3 Erweiterte insolvenzrechtliche Grundlagen
3.1 Rechtliche Grundlagen für das Insolvenzplanverfahren
3.2 Voraussetzungen für eine Planinsolvenz
3.3 Der Insolvenzplan in seinen Teilen
3.4 Die Eigenverwaltung
3.5 Der Sachwalter
3.6 Die Gläubigerversammlung, der Gläubigerausschuss
3.7 Rechtliche „Schwergewichte“ zum Schutz der Gläubiger
3.8 Aufrechnung nach der Insolvenzordnung
3.9 Insolvenzgeld
3.10 Rechtsbehelfe
4 Wirtschaftliche Umsetzung des Ablaufs der Planinsolvenz aus der Praxis-Erfahrung
4.1 Akt 1: Die Vorinsolvenzzeit
4.2 Akt 2: Das Insolvenzeröffnungsverfahren
4.2.1 Informationspolitik
4.2.2 Die Akteure
4.3 Akt 3: Das Insolvenzverfahren
4.3.1 Masseunzulänglichkeit
4.3.2 Neue Anforderungen
4.3.3 Die Akteure
4.3.4 Der Investor und sein Sanierungsgewinn
4.3.5 Die Darstellung der Insolvenztabelle
4.3.6 Die Gläubigerversammlung
4.3.7 Die Restschuldbefreiung
5 Besonderheiten von Planinsolvenzen bekannter deutscher Firmen
5.1 Gebr. Märklin & Cie. GmbH, Göppingen
5.2 Wilhelm Schimmel Pianofortefabrik GmbH, Braunschweig
5.3 Deutsche Woolworth GmbH & Co. OHG, Frankfurt am Main
5.4 Wilhelm Karmann GmbH, Osnabrück
6 Zusammenfassung und Ausblick
6.1 Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse
6.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Sanierung mittelständischer Unternehmen mittels Planinsolvenz in Theorie und Praxis. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine strategisch geplante Insolvenz trotz schwieriger finanzieller Lage eine Unternehmensfortführung und Arbeitsplatzerhaltung erreicht werden kann, wobei der Fokus auf den gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie den operativen Abläufen aus der Perspektive eines Unternehmensleiters liegt.
- Rechtliche Grundlagen und Voraussetzungen der Planinsolvenz nach der Insolvenzordnung.
- Operative Umsetzung in drei Akten: Vorinsolvenzzeit, Eröffnungsverfahren und Insolvenzverfahren.
- Rolle und Strategien der Akteure sowie Bedeutung von Sanierungsexperten und Investoren.
- Analyse von Fallbeispielen bekannter deutscher Unternehmen zur Veranschaulichung der Praxiserfolge.
Auszug aus dem Buch
4.1 Akt 1: Die Vorinsolvenzzeit
Dass es dem Unternehmen schlecht geht, ist in der Regel kein plötzlicher Zustand sondern vielmehr ein schleichender Prozess. Die Liquiditätsreserven werden von der einen Betrachtungsperiode zu der anderen schlechter.
Die Ursachen dafür können Vielfältig sein, selbst dann wenn beispielsweise das Unternehmen ein innovatives und konkurrenzfähiges Produkt anbietet. Denn bis es auf dem Markt eingeführt ist, ist nicht nur Eigenkapital sondern auch viel Fremdkapital investiert worden.
Die Kosten für das Fremdkapital zehren den Gewinn auf. Die Lieferanten liefern vorsichtiger, wenn die Summe der Außenstände anwächst. In der Belegschaft sickern Hinweise, vielleicht sogar hervorgerufen von verspäteten Lohnzahlungen, über Zahlungsschwierigkeiten durch. Ein mancher Mitarbeiter fängt an, seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt einzuschätzen.
Aus der monatlichen Liquiditätsplanung ist eine wöchentliche oder bereits eine tägliche geworden. Die Dringlichkeit der Rechnungen wird mittlerweile in einer Einzelbetrachtung beurteilt. Unter Umständen beginnt der große „Marathon“ des „Schiebens“ der Rechnungen. Lebenswichtige Hauptlieferanten werden dafür kontaktiert und Abschläge mit Zahlungszielen vereinbart. Die Buchhaltung verzweifelt über die steigende Belastung durch Eingangsmahnungen, und bei den telefonischen Nachfragen der Lieferanten, gehen den Mitarbeitern die Ausreden aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtet die Problematik der Unternehmensinsolvenz und die Motivation, das Thema Planinsolvenz wissenschaftlich aufzuarbeiten.
2 Allgemein insolvenzrechtliche Grundlagen: Erläutert die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Insolvenzrechts, Verfahrensgründe und die Rollen der Beteiligten.
3 Erweiterte insolvenzrechtliche Grundlagen: Detaillierte Darstellung des Insolvenzplanverfahrens, der Eigenverwaltung und der verschiedenen Gläubigergruppen.
4 Wirtschaftliche Umsetzung des Ablaufs der Planinsolvenz aus der Praxis-Erfahrung: Praxisorientierte Analyse des Insolvenzablaufs, unterteilt in Vorinsolvenzzeit, Eröffnungsverfahren und das eigentliche Verfahren.
5 Besonderheiten von Planinsolvenzen bekannter deutscher Firmen: Untersuchung von Praxisfällen wie Märklin, Schimmel, Woolworth und Karmann zur Veranschaulichung des Sanierungserfolgs.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Ergebnisse und Diskussion möglicher zukünftiger Reformschritte im Insolvenzrecht.
Schlüsselwörter
Planinsolvenz, Eigenverwaltung, Insolvenzplan, Sanierung, Gläubigerversammlung, Insolvenzmasse, Unternehmensfortführung, Insolvenzverwalter, Zahlungsunfähigkeit, Insolvenzordnung, Sanierungsgewinn, Insolvenzgründe, Restschuldbefreiung, Liquidität, Wirtschaftliche Krise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Diplomarbeit behandelt die Sanierung mittelständischer Unternehmen unter Anwendung des Instruments der Planinsolvenz, sowohl auf theoretischer Basis als auch anhand konkreter Praxiserfahrungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit fokussiert sich auf die rechtlichen Strukturen des Insolvenzplanverfahrens, die notwendigen Voraussetzungen für eine Sanierung und die operative Durchführung des gesamten Prozesses.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen, die grundsätzlich überlebensfähig sind, durch eine Planinsolvenz von Altlasten befreit und langfristig fortgeführt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus einer fundierten Auswertung der rechtlichen Grundlagen sowie der praxisnahen Schilderung und Analyse von Fallbeispielen bei bekannten deutschen Firmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der Grundlagen und eine praxisorientierte Schilderung der drei Akte eines Insolvenzplanverfahrens (Vorinsolvenz, Eröffnung, laufendes Verfahren).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Planinsolvenz, Eigenverwaltung, Sanierung, Insolvenzplan sowie die Rolle der Gläubiger und des Insolvenzverwalters.
Wie kann ein Unternehmen in der Eigenverwaltung seine Motivation zur frühzeitigen Antragsstellung steigern?
Die Eigenverwaltung bietet laut Autor den Anreiz, dass der Schuldner selbst Einfluss auf den Prozess behält und die Kosten des Verfahrens durch die Übernahme von Verwalteraufgaben gesenkt werden können.
Welche Rolle spielt der Sanierungsexperte im Verfahren?
Der Sanierungsexperte agiert als Fachkraft, die das Vertrauen der Gläubiger stärkt, bei der Erstellung des Insolvenzplans unterstützt und die Kommunikation zwischen Unternehmensführung, Gläubigern und dem Gericht koordiniert.
- Citation du texte
- Bernhard Ohmann (Auteur), 2013, Die Sanierung eines mittelständigen Unternehmens mittels Planinsolvenz in Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229749