Der Fluch des Öls in Nigeria

Ein Land zwischen Reichtum und bitterer Armut


Hausarbeit, 2013
23 Seiten, Note: 1,0
Caroline Lange (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nigeria - das größte Land Afrikas
a. Geschichte und Entwicklung Nigerias
b. Korruption
c. Politische Lage
3. Der Kampf ums Öl
a. Der Ressourcenfluch und seine wirtschaftlichen und politischen Folgen
b. Die Rolle und Bedeutung von Shell in Nigeria

4. Wie geht es weiter mit Nigeria? - ein Ausblick und Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den deutschen Medien, hört man selten etwas von Nigeria. Ab und zu ist die Rede von Anschlägen oder Entführungen, doch auch diese Berichte sind eher selten in den großen Zeitungen und Nachrichten zu finden. Gibt man jedoch beispielsweise bei Google News1 Nigeria in Verbindung mit Anschlägen, Tote oder Gewalt ein, kommt eine Vielzahl von Meldungen, sucht man dazu noch auf Englisch werden noch viele weitere Ergebnisse angezeigt. In Deutschland scheint also nur ein geringes Interesse an Nigeria zu bestehen, dabei ist es einer der größten Öl-Exporteure der Welt und viele deutsche wie auch internationale Firmen sind in Nigeria ansässig und beuten das Land und die vorhandenen Rohstoffe aus.

Ich selbst habe fünf Jahre lang in Nigeria gelebt und habe deshalb auch ein besonderes Interesse an dem Land und seiner Entwicklung. Mein Vater hat im Auftrag einer großen deutschen Baufirma von 2002 bis 2007 in Nigeria gearbeitet und mit seiner Familie dort gelebt. Insgesamt beschäftigt die Firma ca. 700 Personen in Nigeria, für die eigens ein kleines, abgegrenztes und gut gesichertes Camp errichtet wurde. Man kann sich dies quasi als kleines deutsches Dorf mitten in der nigerianischen Hauptstadt Abuja vorstellen. Es gab eine deutsche Schule, die ich besuchte, und Lebensmittel wurden extra für die Camp-Bewohner aus Deutschland per Schiff eingeführt. Man lebte dort in seiner eigenen kleinen Welt und bekam von den vielen Konflikten, Gewalttaten und der Korruption gut wie nichts mit. Erst mit zunehmendem Alter begann ich mich für das Land und seine Leute zu interessieren und die Einblicke die man dort gewinnen konnte, prägen einen das ganze Leben lang.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Land Nigeria und besonderes der Ausbeutung des Rohstoffes Öl. Zunächst wird das Land vorgestellt und Konfliktherde wie Korruption oder die politische Lage, werden angesprochen. Im zweiten Teil wird genauer auf das Problemfeld Öl eingegangen, dazu wird auf ein mögliches Konzept (Ressourcenfluch), dass die scheinbar paradoxe Beziehung zwischen Rohstoffreichtum und bitterer Armut in der Bevölkerung beschreibt, eingegangen. Im weiteren Verlauf wird die Rolle von Shell im Ölkonflikt und besonders im Nigerdelat betrachtet. Zum Schluss wird versucht, einen kurzen Ausblick über die weitere Entwicklung des Landes zu geben.

2. Nigeria - das größte Land Afrikas

Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas mit gut 170 Mio. Einwohner2 3 und einer Fläche von rund 924.000 qm23, bezeichnet sich selbst gerne als politische und wirtschaftliche Führungsmacht in Afrika. Doch kann ein Land das immer wieder von Konflikten, gewaltsamen Auseinandersetzungen, Korruption und starker Umweltverschmutzung geprägt ist, eine solche Führungsrolle überhaupt einnehmen? Und welche Rolle spielt dabei das große Erdölvorkommen im Land?

a. Geschichte und Entwicklung Nigerias

Schon vor dem Beginn der Kolonialzeit gab es Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Clans und Stämmen auf dem Gebiet des heutigen Nigerias. Dabei ging es vor allem um Landbesitz und damit einhergehend um die Verteilung der Machtverhältnisse. Im Laufe der Kolonialisierung und der Besiedelung durch die Engländer und die willkürliche Grenzziehung der Kolonialherren wurden diese Auseinandersetzungen zu immer größeren Problemen und Konflikten. Allerdings wurden diese zumeist von den Kolonialherren brutal und gewaltsam unterdrückt und kommen erst wieder seit der Unabhängigkeit 1960 offen zu Tage. Im heutigen Nigeria leben so, je nach ethnischer Zählweise zwischen 200 und 400 verschiedene Ethnien. Am größten sind dabei die Hausa und Fulnai im Norden des Landes, sie machen ca. 29% der gesamt Bevölkerung aus. Im Südwesten des Landes sind die Yourba mit 21% vertreten und die Ibo mit 18% im Süden4. Zu den vielen verschieden, und berechtigten, ethnischen Problemen birgt auch eine Nord-Süd Spaltung der Religionen ein großes Konfliktpotenzial: Der Norden des Landes ist eher dem Islam zugewandt, die Bevölkerung im Süden neigt zum Christentum. Nach der Unabhängigkeit erfuhr der Norden politische und soziale Stagnation, während der Süden, der durch die Christianisierung der britischen Kolonialherren eher europäisch geprägt war, eine wirtschaftliche Förderung. Die vorkolonialen Spannungen eskalieren so schließlich immer wieder in gewaltsamen Ausbrüchen, Militärputschen und Diktaturen.

Als Nigeria durch den Ölboom in den 1970er Jahren der größte Erdölexporteuer Afrikas wurde und noch heute unter den zehn größten Exporteuren weltweit rangiert5, hätte man denken können, das Land würde einen wirtschaftlichen sowie sozialen Aufstieg erleben. Doch der Ölreichtum kam vor allem der korrupten Regierung und den internationalen (Öl-)Firmen im Land zugute6. Zwar machte dieser Reichtum den Bau eines weitreichenden Straßennetzes möglich, das heute alle größeren Städte des Landes miteinander verbindet und so mit zu den besten Infrastruktur in Afrika zählt,7 doch wurde der Aufbau eines funktionierenden Sozialsystems vernachlässigt. Und so ist Nigeria noch heute ein Land im Chaos und Armut. Im Human Development Index, kurz HDI, rangiert es auf den hinteren Plätzen: Platz 156 von 187. Der HDI kann als ein erster guter Faktor zur Einschätzung eines Landes betratet werden, da er nicht nur die wirtschaftliche Lage beachtet, sondern auch soziale Faktoren mit einbezieht. So werden zur Bildung des HDI u.a. die Lebenserwartung bei der Geburt (Nigeria: 51,9 Jahre), die erfolgte Schulbildung als Mittelwert in Anzahl der Jahre (Nigeria: 5 Jahre) und das BNE pro Einwohner (Nigeria: 2.069 US-Dollar) herangezogen. Im Vergleich zu Deutschland (Platz 9; Lebenserwartung: 80,4 Jahre; Schulbildung: 12,2 Jahre; BNE: 34.854 US-Dollar) zeigen sich deutliche Unterschiede und lassen negative Schlüsse für die Gesundheitsfürsorge, Ernährung und Hygiene, sowie das Bildungsniveau und -system zu.8

Aber auch in alltäglichen Dingen bietet Nigeria seinen Bürgern (zumindest denjenigen, die es sich leisten können) wenig: die Stromversorgung, selbst in der Hauptstadt Abuja, ist unzureichend. Wer einen Generator besitzt und selbst ein wenig Strom erzeugen kann, kann sich glücklich schätzen. Denn der nationale Stromversorger „NEP “ wird im Volksmund auch häufig mit „never expect power again“ (also: erwarte den Strom nicht wieder) betitelt. Er trägt den Beinamen zu Recht, teilweise bricht das Stromnetzt stundenlang zusammen und das über Wochen hinweg.9

Das 1999 in Kraft getretene präsidiale Regierungssystem und auch die verschiedenen Regierungen und Militärdiktaturen davor setzten seit dem Ölboom verstärkt auf die Erdölforderung und ließen andere wirtschaftliche Zweige und Sektoren vollkommen außer Acht, der Anteil der Ölindustrie lag 1980 bei über 90% des gesamten BIP des Landes. So kommt es, dass das Land nahezu vollkommen abhängig vom Erdölexport ist und bei Einbrüchen des Ölpreises kollabiert, so wie es auch 1986 der Fall war und Kredite von Industrieländern aufnehmen musste und zum Teil noch immer nehmen muss. Der Ölboom brachte somit nicht die erhoffte Wende im Land, sondern stürzte Nigeria nur tiefer in politische und soziale Machtkämpfe und in die Abhängigkeit von internationalen Geldgebern und Förderern.10

b. Korruption

Doch wie kann es sein, dass ein scheinbar so reich gewordenes Land wie Nigeria es nicht schafft, eine Demokratie mit einem funktionierendem Schul-, Bildungs- und Sozialsystem aufzubauen? Die naheliegendste und auch plausibelste Erklärung scheint die Korruption zu sein. Nach dem Bundeskriminalamt ist Korruption bzw. eine korrupte Handlung:

„Missbrauch eines öffentlichen Amtes, einer Funktion in der Wirtschaft oder eines politischen Mandats zugunsten eines Anderen, auf dessen Veranlassung oder Eigeninitiative, zur Erlangung eines Vorteils für sich oder einen Dritten, mit Eintritt oder in Erwartung des Eintritts eines Schadens oder Nachteils für die Allgemeinheit (in amtlicher oder politischer Funktion) oder für ein Unternehmen (betreffend Täter als Funktionsträger in der Wirtschaft)“.11

Die meisten ehemaligen Kolonialländer und sogenannten Entwicklungsländer zeigen ein verstärktes Problem mit Korruption. Nach Transparency International, der größten NGO (non- governmental organisation) gegen Korruption, weißt Nigeria -auf einem Index von 0 sehr korrupt bis 100 überhaupt nicht korrupt- einen Wert von 27 auf. Zum Vergleich liegt der tiefste Wert bei 8 in Somalia, Nord-Korea und Afghanistan, am besten schnitten Dänemark, Finnland und Neuseeland mit einem Wert von 90 ab.12 Korrupte Handlungen sind aber nur die eine Seite der Medaille; Korruption kann und ist mitverantwortlich für sie schlechte soziale Lage im Land. Doch es gibt noch unzählige weitere Faktoren, wie z. B. das Interesse von internationalen Unternehmen Konflikte am Laufen zu halten um günstig Rohstoffe ausbeuten zu können, die dazu beitragen können. Eine komplexe Struktur von Kriterien spielt eine Rolle bei der Analyse von Nigerias sozialer Lage, doch Korruption scheint eines der Hauptprobleme zu sein und deshalb wird im Folgenden ein kurzer Überblick über die Situation im Land gegeben.

Die nachfolgenden Ausführungen stellen nur einen kleinen persönlichen Eindruck Korruptionsmachenschaften in Nigeria dar und zeigen längst nicht die gesamte komplexe Struktur, dennoch können sie wohlmöglich dazu beitragen, einen ersten Einblick zu gewähren.

Ist man in Nigeria mit dem Auto unterwegs, fragt man sich immer wieder wo man denn eigentlich gelandet sei! Unfälle und Zusammenstöße mit anderen Verkehrsteilnehmern oder auch mit Tieren sind an der Tagesordnung und man erhält den Eindruck das jeder so fahren kann und darf wie er gerade möchte. Aus einer einspurigen Fahrbahn werden im Handumdrehen drei gemacht und die Autos und Lastwagen werden bis zum beinahe Zusammenbruch vollbeladen. Rücksichtsvolles Fahren sucht man vergeblich und die wenigen funktionierenden Ampelanlagen -meist auch nur in den größeren Städten zu finden- werden zum großen Teil nicht beachtet. Die Polizei scheint dies alles wenig zu interessieren, vor allem da sie sich selbst an diesem Verkehrschaos beteiligt. Aber wehe der Polizei bzw. den Polizisten mangelt es an Geld: Dann wird jeder noch so kleine Verkehrsdelikt geahndet und ist grade kein Fehler zu finden, denkt man sich eben einen aus. Ich selbst habe mehrere solcher angeblichen Fehler hautnah miterlebt, da hat man angeblich nicht geblinkt als man um die Ecke fahren wollte und war zu schnell unterwegs auf Straßen die es dank unzähliger Schlaglöcher unmöglich machten schnell zu fahren. Doch Diskussionen waren zwecklos, dass einzige was Half war Geld. Kaum steckte man den Polizisten unter der Hand ein paar tausend Naira (die einheimische Währung) zu, war die Sache erledigt, vorher ließen sie einen sowieso nicht gehen. Weigert man sich zu zahlen, konnte es durchaus passieren, dass man verhaftet wurde.

Dieses Vergehen der Polizei ist im Gegensatz zu anderen korrupten Handlungen noch vergleichsweise „harmlos“. Nach einer Schätzung der nationalen Menschenrechtskommission, werden jährlich ohne Gerichtsverfahren mindestens 2.500 Nigerianer von der Polizei erschossen.13 Doch mit genügend Geld und Einfluss kann man sich von jedem noch so schweren Vergehen (Mord, Vergewaltigung, Menschenhandel etc.) freikaufen.

Nicht nur die Polizei ist korrupt, auch zahlreiche Regierungsmitglieder und einflussreiche Personen nutzen die Instabilität des Landes zu ihren Gunsten aus. So sind die immensen Einnahmen vom Ölreichtum nicht im Land geblieben, sondern werden nach Schätzungen von Transparency International auf ausländische Konten geschafft; so sind bis zum Jahr 1996 mindestens 170 bis 340 Milliarden Dollar verschwunden. Solange internationale Firmen und Regierungsmitglieder am Ölreichtum teilhaben können, besteht kaum ein Interesse die Macht teilen zu wollen.

[...]


1 Siehe http://news.google.de/

2 Vgl. (CIA, 2013)

3 Vgl. (Auswertiges Amt, 2012)

4 Vgl. (CIA, 2013)

5 (Statista, 2011)

6 Gießler, 2006, S. 72 -75

7 Vgl. Bergstresser, 2010

8 UN, 2012

9 Vgl. dazu auch Mättig, 2011

10 Gießler, 2006, S. 76 - 83

11 BKA, 2013

12 Vgl. Transparency International, 2012

13 Vgl. Mättig, 2012

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Fluch des Öls in Nigeria
Untertitel
Ein Land zwischen Reichtum und bitterer Armut
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V229786
ISBN (eBook)
9783656453574
ISBN (Buch)
9783656454168
Dateigröße
953 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fluch, nigeria, land, reichtum, armut
Arbeit zitieren
Caroline Lange (Autor), 2013, Der Fluch des Öls in Nigeria, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229786

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