Lernfelddidaktik: Politische Bildung an Berufsschulen. Ein Vorbild für den allgemeinbildenden Bereich?


Referat (Ausarbeitung), 2013
11 Seiten

Leseprobe

Gliederung

1. Was ist die Lernfelddidaktik?

2. Theoretische Konzeption einer lenfelddidaktischen Unterrichtseinheit

3. Unterrichtsbeispiel

4. Einbindung des Unterrichtsfaches Politische Bildung in die Lernfelddidaktik

5. Literatur

1. Was ist die Lernfelddidaktik?

Die Lernfelddidaktik ist ein Konzept, welches 1995 von der Kultusministerkonferenz beschlossen wurde und einen Paradigmenwechsel an der Berufsschule darstellt, wobei sich das Lernen der Schülerinnen und Schüler (in der Folge als SuS abgekürzt) von der wissenschaftlichen Fachlogik – also der Vermittlung reines Faktenwissens – hin zur beruflichen Handlungslogik wandelte.

Unterstützer des neuen Konzepts argumentierten, dass berufliche Bildungsgänge auf ganzheitliche Handlungsanforderungen des Berufes vorbereiten müssen – also die Erfahrung aller betrieblichen Abläufe und deren Interaktion -, wobei die traditionelle Aufteilung in unterschiedliche Schulfächer ein Hindernis dafür darstellt, da die Fächer nur einzelne Kenntnisse auf Grundlage ihres Curriculums vermitteln. Somit würden die SuS nur einzelne Abschnitte des Betriebsablaufes kennenlernen und müssten sich die jeweilig erworbenen Kenntnisse zu einem stimmigen Gesamtbild konstruieren, was schwierig sei und nur ungenügend vorgenommen werden könne. Im Lernfeldkonzept hingegen werden die traditionellen Fächerstrukturen aufgehoben und Lernfelder geschaffen, die durch fächerübergreifende Lehrpläne in der Lage sind Betriebsabläufe detailliert darzustellen. Durch die Orientierung an die betriebliche Wirklichkeit sind die SuS ebenfalls in der Lage handlungsorientierte Lernprozesse zu durchlaufen, da der aktive Umgang mit den Betriebsprozessen nach dem Prinzip "Verstehen durch eigenes Handeln beziehungsweise Lernen wird durch Handeln unterstützt" die Ausbildung der Handlungskompetenz unterstützt. Die Handlungskompetenz als zentrales Ziel der Berufsschulpädagogik ist "[...] die Bereitschaft und Befähigung des Einzelnen, sich in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen sachgerecht durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten." [1] . Weiterhin werden die Lehrpläne nicht mehr detailliert vorgegeben und bewusst offen gehalten sind, sodass das Lehrpersonal die didaktische Ausgestaltung der Lernfelder anhand weniger Kernprobleme frei gestalten kann. Dadurch wird die Möglichkeit eröffnet "[...] aktuelle, regionale und subjektive Veränderungen [...]" [2] in den Lehrplan einzubeziehen und somit den Unterricht näher an der Lebenswelt der SuS zu gestalten. Das Lehrpersonal nimmt innerhalb der Lernfelddidaktik die Rolle als "Lernhelfer und Lernprozessbegleitern" [3] ein, das die Voraussetzungen schaffen muss, damit die SuS selbstständig Wissen erschließen können. Weiterhin sollen Sinn und Zweck von Lehrinhalten aus einem Handlungszusammenhang heraus erkennbar sein und nicht vom Lehrkörper an die SuS herangetragen werden.[4] Außerdem wird die Lernfelddidaktik als Antwort auf sich verändernde Bedingungen der Arbeitswelt verstanden, wo nicht mehr "Befehlsempfänger", sondern eigenständige MitarbeiterInnen ausgebildet werden sollen, die mit Hilfe von Teams die Unternehmensziele erreichen sollen.[5] In der sich wandelnden Arbeitswelt sollen die MitarbeiterInnen "[...] selbstständig Sachverhalte erkennen, im Team arbeiten können, Problemlösungsstrategien besitzen, an ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung gearbeitet haben, entscheidungsfreudig [sein], Verantwortung für ihr Tun übernehmen [...]" [6] . Diese Anforderungen sollen durch die Vermittlung der Handlungskompetenz erreicht werden, wodurch die SuS in der Lage sein sollen ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten.

2. Theoretische Konzeption einer lenfelddidaktischen Unterrichtseinheit

Der Unterrichtsgestaltung innerhalb der Lernfelddidaktik geht ein langer Planungs- und Konzeptionsvorgang voraus, da wie oben erwähnt die Lehrpläne relativ offen gestaltet worden sind und die Lehrenden somit für die inhaltliche Ausgestaltung verantwortlich sind. Die folgenden Phasen der Konzeptionierung einer Unterrichtseinheit sind dem Fachbeitrag von Hannelore Wuster-Wäbs & Kordula Schneider aus dem Heft 1 des Magazins "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis" entnommen[7].

So wird vom Lehrkörper in der ersten Phase (Klärungsphase) eine Bestandsaufnahme der Gegebenheiten vorgenommen, wobei die zu fördernden Kompetenzen, gemeinsame Ziele, Vereinbarungen über Teamarbeit, Arbeitszeiten der SuS und des Lehrkörpers, Belegpläne der Räume und der Einsatz von Materialien besprochen werden. In der zweiten Phase (Vorbereitungsphase) soll der Lehrende mit den SuS eine angenehme Arbeitsatmosphäre herstellen, Interessen und Wünsche wecken, gemeinsame Ziele der Unterrichtseinheit entwickeln und eine logische Struktur des Unterrichts erarbeiten. Darüber hinaus sollen bereits hier in die inhaltlichen Arbeitsschritte, Verfahrensstrukturen und die Organisation der Unterrichtseinheit geklärt werden. In der dritten Phase (Produktionsphase) werden Informationen zur Erreichung der Ziele beschafft und ausgewertet, erste Problemlösungsansätze erstellt und Handlungsalternativen entwickelt. Im nächsten Schritt soll eine begründete Entscheidung für eine Handlungsalternative getroffen werden und diese im Plenum vorgestellt werden. In der folgenden vierten Phase (Auswertungsphase) werden die Ergebnisse besprochen, der Lernprozess reflektiert und die Unterrichtseinheit evaluiert, um Verbesserungen an zukünftigen Unterrichtseinheiten vornehmen zu können. Die letzte Phase (Abschlussphase) wird erneut nur vom Lehrkörper durchlaufen, wobei intern unter Berücksichtigung der Auswertungsphase die Teamarbeit während der Unterrichtseinheit diskutiert wird, um Konsequenzen für die nächsten Lernprozesse ziehen zu können.

[...]


[1] Kultusministerkonferenz, Die Berufsschule – Zusammenfassende Darstellung einschlägiger Beschlüsse der Kultusminsiterkonferenz, Bonn, 2007, S.4, Unter: http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2007/2007_07_20-Zusammenf-Beschluesse-Berufsschule.pdf, Letzter Zugriff: 16.02.2013, 10:16.

[2] Hannelore Wuster-Wäbs & Kordula Schneider, Umsetzung des Lernfeldkonzepts am Beipsiel der handlungstheoretischen Aneignungsdidaktik, In: BWP Heft 1, Bonn, 2001, S,45.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Wuster-Wäbs & Schneider, Umsetzung des Lernfeldkonzepts, S,44.

[6] Ebd.

[7] Verfügbar unter: www.bibb.de/veroeffentlichungen/en/publication/download/id/566, S.48.

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Details

Titel
Lernfelddidaktik: Politische Bildung an Berufsschulen. Ein Vorbild für den allgemeinbildenden Bereich?
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Soziologie)
Veranstaltung
Didaktik der Sozialwissenschaften
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V229806
ISBN (eBook)
9783656460138
ISBN (Buch)
9783656460244
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Sozialwissenschaften, Didaktik, Lernfeld, Politische Bildung
Arbeit zitieren
Sascha Pliske (Autor), 2013, Lernfelddidaktik: Politische Bildung an Berufsschulen. Ein Vorbild für den allgemeinbildenden Bereich? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229806

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