Die Entdeckung des Individuums - Porträtmalerei und Biographik in der Renaissance


Hausarbeit, 2000

11 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Entdeckung des Individuums

2. Porträtmalerei
2.1. Begriffsbestimmung: Porträt bzw. Bildnis
2.2. Die Geschichte der Porträtmalerei - Von der Antike bis zur Renaissance
2.3. Die Porträtmalerei in der Renaissance

3. Biographik
3.1. Begriffsbestimmung: Biographie
3.2. Die Geschichte der Biographie - Von der Antike bis zur Renaissance
3.3. Die Biographie in der Renaissance

4. Biographie und Porträtmalerei heute - ein Ausblick

5. Literaturverzeichnis

1. Die Entdeckung des Individuums

“Diesen Sinn für das Individuelle kann überhaupt nur derjenige haben, welcher selbst [...] zum Individuum geworden ist.“1, schrieb Jakob Burckhardt über die Biographen der Renaissance. In dieser Zeit wird sich der Mensch über sich selbst bewußt, über seinen Wert, und über das, was er zu leisten im Stande ist. Dies alles schließt auch die Entdeckung der Verantwortung für das eigene Glück oder Unglück mit ein, ebenso die Erkenntnis, daß das irdische Leben nicht ewig währt und man die Zeit, die man auf Erden weilt, entsprechend nutzen sollte. In Verbindung mit diesem neuerlangten Selbstbewußtsein sind auch die Porträtmalerei und die Biographik in der Renaissance zu betrachten. Sowohl individuelle Bildnisse, als auch die Aufzeichnung der Lebensgeschichte einer Person dienen einerseits dem Zweck, zu Lebzeiten den Ruhm des geschilderten Menschen zu mehren, andererseits wird dem Verlangen Rechnung getragen, dieses Ansehen über den Tod hinaus zu bewahren und damit selbst der Endlichkeit des Lebens entgegenzutreten.

Im Folgenden werde ich sowohl die Porträtmalerei, als auch die Biographik der Renaissance, ausgehend von der jeweiligen Begriffsbestimmung und einem kurzen geschichtlichen Überblick, beleuchten.

2. Porträtmalerei

2.1. Begriffsklärung Porträt bzw. Bildnis

Porträt, die ältere Form des Begriffes Bildnis, abgeleitet vom lateinischen protrahere (hervorziehen) und vom französischen portrait (Bild), meint die künstlerische Darstellung eines bestimmten Menschen. “Obwohl bereits das mittelalterliche „Konterfei“ einen Bezug zwischen Abbild und Modell herstellt, entstand die Idee, einen Menschen in einem Bild in seiner Identität zu erfassen erst im 15. Jahrhundert.“2 Entscheidend ist eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Modell, bzw. die Erkennbarkeit der abgebildeten Person aufgrund der dargestellten physischen Merkmale oder aber der gesellschaftlichen oder politischen Funktion des Modells anhand von Attributen und Symbolen wie z.B. Wappen, Zepter, Krone usf..

Die Porträtmalerei umfaßt drei Gattungen: das Einzelbildnis, das Gruppenbildnis und das seltenere Doppelbildnis, das meist zwei zueinander in Beziehung stehende Menschen z.B. Ehepaare oder Freunde zeigt.

2.2. Geschichte der Porträtmalerei - Von der Antike bis zur Renaissance

Mit der Übernahme des Brauches der Mumifizierung Verstorbener durch in Ägypten lebende Griechen und Römer hielt auch die Porträtmalerei in die antike Kultur Einzug. “Oft wurde der Mumie eine dreidimensionale Maske des Toten aufgelegt; an deren Stelle traten im Laufe des 1. Jh. s. n. Chr. gemalte Porträts, [...].“3

[Dieser Wandel vom plastischen zum flächigen Abbild ist] dem Einfluß des

Judenchristentums (in Oberägypten) zugeschrieben worden, dessen ältere

jüdische Siedlungen nach der Zerstörung Jerusalems Hunderttausende von

Flüchtlingen aufgenommen hatten ; das dritte Gebot verbietet nämlich

ausdrücklich das plastische Bildnis, nicht aber das flächige, ein Unterschied,

den deutsche Bibelübersetzungen zumeist übergehen. Folgt man dem

Argument, so können die Mumienporträts im christlichen Sinn als

Auferstehungsbilder gedeutet werden.4

Die Totenmasken dienten vermutlich auch als Vorbilder für

die seit der griechischen Klassik geübte Praxis, verdienstvollen Männern

öffentliche Ehrenstatuen zu errichten, die bereits im 4. Jahrhundert v. Chr.

ganzfigurige, idealisierte Porträtstatuen lebender oder verstorbener

Personen hervorbrachte. Die Römer bevorzugten dagegen die skulptierte

Büste deren auf Kopf - und Schulteransatz beschränkte Form die

Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Physiognomie konzentrierte. In

diesen Gesichtern entwickelte sich ein detaillierter Realismus, eine

schonungslose Wiedergabe aller Merkmale des Alters, der Häßlichkeit und

Deformation, mit denen das Modell behaftet war.5

[...]


1 J.Burckhardt, Die Kultur der Renaissance in Italien,. Ein Versuch, 10. Auflage, Leipzig,1908, 48

2 Brockhaus - Die Bibliothek, Hg. Brockhaus - Redaktion, Bd. 4, Der Glanz der Residenzen: Renaissance und Barock in Europa, Schwarzafrika und Altamerika, Leipzig; Mannheim, 1998, 308

3 T. Krämer, Porträtmalerei. Arbeitsheft für die Oberstufe des Gymnasiums, Stuttgart,1989, 11

4 Krämer, 1989, 5

5 Brockhaus, 1998, 309 - 310

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Entdeckung des Individuums - Porträtmalerei und Biographik in der Renaissance
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Romanistik)
Note
1.3
Autor
Jahr
2000
Seiten
11
Katalognummer
V22981
ISBN (eBook)
9783638261937
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entdeckung, Individuums, Porträtmalerei, Biographik, Renaissance
Arbeit zitieren
Nadin Meyer (Autor), 2000, Die Entdeckung des Individuums - Porträtmalerei und Biographik in der Renaissance, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22981

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