Die Embodied Cognition Theorie folgt der Annahme, dass die mentalen Repräsentationen von Objekten in engem Zusammenhang mit den damit verbundenen Interaktions- und Handlungsmöglichkeiten stehen. Die mentalen Repräsentationen eines Konzeptes sind demnach modalitätsspezifisch lokalisierbar und an körperliche Zustände gebunden. Unter der Annahme des Embodied Cognition Ansatzes sollte durch die sensomotorische Interaktion, wie beispielsweise der Blickrichtung, eine Wolke, die sich zumeist im oberen Sichtfeld befindet, auch mental oben repräsentiert werden, wobei eine Pfütze, die sich vornehmlich im unteren Bereich des Sichtfeldes befindet, eher unten repräsentiert werden sollte. In Experimenten wurden Kongruenzeffekte zwischen der prototypischen Lage eines Objektes und der Richtung der Ant-wortreaktion beobachtet. Aus neueren Untersuchungen lässt sich die Annahme ableiten, dass sich der mentale vertikale Raum durch räumlich variierte auditive Hinweis-reize automatisch aktivieren lässt. Hierzu beurteilten die Probanden in der vorliegenden Untersuchung die Sinnhaftigkeit von dargebotenen Wörtern mit Bezug nach oben oder unten, nachdem ihnen ein auditiver Hinweisreiz von oben oder unten präsentiert wurde. Die vertikale Position der Hinweisreize und Wörter war für die Aufgabenbearbeitung irrelevant. Die Ergebnisse zeigen keinen Kongruenzeffekt und unterstützen damit nicht die Annahme, dass sich die automatische Aktivierung des mentalen vertikalen Raums bei der Wortverarbeitung durch die Darbietung auditiver Hinweisreize beeinflussen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
3. Methoden
3.1 Stichprobe
3.2 Apparatur und Stimuli
3.3 Prozedur und Design
4. Ergebnisse
5. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Hypothese, ob auditive, räumlich variierte Hinweisreize automatisch die vertikale Raumdimension aktivieren und somit die semantische Verarbeitung von Wörtern mit einem räumlichen Bezug nach oben oder unten erleichtern oder beeinflussen.
- Embodied Cognition Theorie und mentale Repräsentationen
- Einfluss auditiver Hinweisreize auf die Aufmerksamkeit
- Automatische Aktivierung der vertikalen Raumdimension
- Experimentelle Untersuchung mittels lexikalischer Entscheidungsaufgabe
Auszug aus dem Buch
Der Embodied Cognition Ansatz
Der Embodied Cognition Ansatz geht davon aus, dass die mentalen Repräsentationen von Objekten und Konzepten auf denjenigen Hirnzuständen beruhen, welche bereits während der Wahrnehmung oder Interaktion des Objektes oder Konzeptes mit dem Individuum aktiv waren (Barsalou, 1999). In seinem Ansatz der Perceptual Symbol Systems nimmt Barsalou (1999) an, dass die Interaktion zwischen Individuum und Umwelt zu einer Aktivierung der assoziierten sensomotorischen Areale im Gehirn führt und dieselben Hirnareale bei der Aktivierung der mentalen Repräsentation erneut aktiviert werden. Diese perzeptuellen Codes beinhalten somit individuelle handlungsbezogene Informationen über die jeweiligen Objekte und Konzepte. Barsalou (1999) betont die Interaktion eines Individuums mit der Umwelt und nimmt an, dass mentale Repräsentationen eines Konzepts modalitätsspezifisch lokalisierbar und „embodied“, d. h. an körperliche Zustände gebunden, sind. Eine Teilmenge der neuronalen und körperlichen Aktivierung wird demnach extrahiert und in Form von Symbolen oder Bildern im Gedächtnis gespeichert, welche eine Analogie der dazugehörigen Wahrnehmung darstellen und damit auch die räumliche Fundierung des Objektes oder Konzeptes widerspiegeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage, ob Wörter mit räumlichem Bezug automatisch eine vertikale mentale Raumdimension aktivieren.
2. Theoretischer Hintergrund: Darstellung der Embodied Cognition Theorie und des Forschungsstandes zur Interaktion zwischen Sprache, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit.
3. Methoden: Beschreibung des experimentellen Designs, der Stichprobe und des eingesetzten Wortmaterials zur Untersuchung der Hypothese.
4. Ergebnisse: Präsentation der statistischen Auswertungen der Reaktionszeiten und Fehlerraten der Probanden im Go/No-Go-Experiment.
5. Diskussion: Interpretation der Ergebnisse vor dem Hintergrund der aufgestellten Hypothesen sowie methodische Einordnung und Ausblick auf zukünftige Forschung.
Schlüsselwörter
Embodied Cognition, Mentale Repräsentation, Vertikale Raumdimension, Auditive Hinweisreize, Lexikalische Entscheidungsaufgabe, Sprachverarbeitung, Aufmerksamkeit, Sensomotorik, Kongruenzeffekt, Raumkognition, Reaktionszeit, Wahrnehmung, Konzepte, Prototypische Lokalisation, Experimentelle Psychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Verarbeitung von Wörtern, die einen räumlichen Bezug nach oben oder unten haben, automatisch eine vertikale mentale Raumdimension aktiviert, wenn sie durch auditive räumliche Hinweisreize eingeleitet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Embodied Cognition, die automatische Aktivierung von Raumkonzepten durch Sprache sowie die Interaktion zwischen auditiven Hinweisreizen und visueller Wortverarbeitung.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das primäre Ziel ist zu prüfen, ob ein auditiver Ton von oben oder unten die Aufmerksamkeit derart lenkt, dass die nachfolgende semantische Beurteilung von kongruenten Wörtern (z.B. "Wolke" bei Ton von oben) beschleunigt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein experimentelles Labor-Design (Go/No-Go-Experiment) mit 29 Probanden angewandt, in dem Reaktionszeiten und Fehlerraten bei einer lexikalischen Entscheidungsaufgabe gemessen wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der theoretische Rahmen der Embodied Cognition, der Versuchsaufbau inklusive Stimuluskontrolle sowie die statistische Auswertung der Daten mittels Varianzanalysen dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind u.a. Embodied Cognition, mentale Repräsentation, vertikale Raumdimension, auditive Hinweisreize und lexikalische Entscheidungsaufgabe.
Warum konnte kein Kongruenzeffekt nachgewiesen werden?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die vertikale Dimension für die konkrete Aufgabe (semantische Beurteilung der Wortbedeutung) nicht relevant war und die Probanden die Hinweisreize möglicherweise aufgrund der Aufgabenstellung ignorierten.
Welche Rolle spielt das verwendete Stimulusmaterial?
Das Stimulusmaterial bestand aus Wörtern mit etabliertem vertikalen Bezug (z.B. "Dach" für oben, "Wurzel" für unten), deren Kongruenz mit den Hinweisreizen auf Reaktionszeitvorteile geprüft werden sollte.
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- Lisa Frank (Author), 2012, Effekte auditiver Hinweisreize auf räumliche mentale Repräsentationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229865