Trotz ihres relativ kleinen Anteils von ca. 0,11% an der Weltmeeresfläche werden auf
der Ostsee fast 7% aller Weltseetransporte durchgeführt. Dies ist ein erstes Indiz für die
große Bedeutung, die der Seehandel für die neun Anrainerstaaten hat.
Im Jahr 2000 betrug der weltweite seewärtige Handel 5.508 Mio. t. Eisenerz, Kohle und
Getreide stellten als Teil der Major Bulks mit zusammen ca. 23% fast ein Viertel aller
über See transportierten Güter1 und sind als Energiequelle, Basis vieler Industrien oder
Nahrungsmittel. Sie bestimmen das Leben der Menschen, und die gesellschaftliche und
ökonomische Entwicklung der Menschheit bestimmt die Bedeutung dieser Produkte.
Der Zusammenbruch der ehemals planwirtschaftlich orientierten Länder Ende der 80er
Jahre des letzten Jahrhunderts hat vor allem im Osten des Baltischen Meeres erhebliche
Transformationsprozesse in Gang gesetzt, die auch Einfluß auf den Markt der hier
behandelten Güter und deren Transport ausgeübt haben. Aus ehemals sechs
Ostseeanrainern wurden neun Staaten mit eigenen Interessen und Möglichkeiten. Neue
Produktionsverhältnisse in Industie und Landwirtschaft in den Transformationsländern
haben das Angebot und die Nachfrage nach Eisenerz, Kohle und Getreide und deren
Warenströme verändert und stellen neue Herausforderungen für die Stationen und
Mittel des Verkehrs dar.
Vor diesem Hintergrund ist es das Anliegen dieser Arbeit, die Schüttguthäfen des
Ostseeraums vorzustellen. Dabei sollen die Bedeutung der Schüttgüter innerhalb der
Umschlagsportfolios der Häfen und deren Ansprüche an Infra- und Suprastruktur
herausgearbeitet werden. Außerdem sind Entwicklungen bezüglich des Ladungsaufkommens
der einzelnen Schüttgutarten aufzuzeigen und diese mit denen auf dem
Weltmarkt zu vergleichen.
Ein weiterer Punkt ist die Untersuchung der Seetransporte von Eisenerzen, Kohlen und
Getreide.
Der Focus liegt hier auf der Darstellung von seewärtigen Güterströmen und deren Realisierung durch entsprechende Seetransportmittel. Auch hier sollen Besonderheiten
im Vergleich mit den Weltseetransporten herausgearbeitet werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Zielstellung und Methodik
1.1 Zielstellung
1.2 Methodik
2 Schüttgüter
2.1 Eisenerz
2.1.1 Klassifizierung
2.1.2 Nutzung
2.1.3 Quellen und Senken
2.2 Kohle
2.2.1 Klassifizierung
2.2.2 Nutzung
2.2.3 Quellen und Senken
2.3 Getreide
2.3.1 Klassifizierung und Nutzung
2.3.2 Quellen und Senken
3 Seehäfen
3.1 Definition und Klassifizierung
3.2 Funktionen
3.3 Aufbau und technologische Charakteristik von Schüttguthäfen
3.3.1 Anlagen für die Seetransportmittel
3.3.2 Anlagen für den Güterumschlag
3.3.3 Lageranlagen
3.3.4 Anlagen für Binnentransportmittel und Ladungsbehandlung
3.4 Wettbewerbsfaktoren für Seehäfen
4 Seetransporte
4.1 Definition und Klassifizierung
4.2 Charakteristik von Seeschiffen für den Schüttgutseetransport
4.3 Kenngrößen von Seeschiffen
5 Analyse des Untersuchungsraums
5.1 Abgrenzungsmöglichkeiten und Einführung
5.2 Die Ostsee
6 Die Ostseeanrainer und ihre Schüttguthäfen
6.1 Kriterien zur Untersuchung der Schüttguthäfen
6.2 Dänemark
6.2.1 Hafen Kopenhagen/Malmö
6.2.2 Häfen von Kalundborg
6.2.3 Hafen Enstedverket
6.2.4 Hafen Studstrupverket
6.3 Deutschland
6.3.1 Hafen Rostock
6.3.2 Hafen Wolgast
6.4 Polen
6.4.1 Der Hafenkomplex Szczecin – Swinoujscie
6.4.2 Hafen Gdynia
6.4.3 Hafen Gdansk
6.5 Litauen
6.5.1 Hafen Klaipeda
6.6 Lettland
6.6.1 Hafen Ventspils
6.6.2 Hafen Riga
6.7 Estland
6.7.1 Hafen Tallinn
6.8 Rußland
6.8.1 Hafen St. Petersburg
6.8.2 Hafen Kaliningrad
6.8.3 Hafen Vysotsk
6.9 Finnland
6.9.1 Hafen Naantali
6.9.2 Hafen Pori
6.9.3 Häfen von Raahe
6.10 Schweden
6.10.1 Hafen Lulea
6.10.2 Hafen Oxelösund
6.10.3 Hafen Norrköping
6.11 Zusammenfassung und Vergleich der Schüttguthäfen
6.11.1 Häfen mit Eisenerzumschlag
6.11.2 Häfen mit Kohleumschlag
6.11.3 Häfen mit Getreideumschlag
7 Schüttgutseetransporte im Ostseeraum
7.1 Kriterien zur Untersuchung der Seetransporte
7.2 Eisenerztransporte im Ostseeraum
7.3 Kohletransporte im Ostseeraum
7.3.1 Kohletransporte nach dänischen Häfen
7.3.2 Kohletransporte nach schwedischen Häfen
7.3.3 Kohletransporte nach finnischen Häfen
7.3.4 Kohletransporte nach Häfen Mecklenburg-Vorpommerns
7.4 Getreideseetransporte von Häfen Mecklenburg Vorpommerns
8 Schlußbetrachtungen
8.1 Arbeitsergebnis und Ausblick
8.2 Weiterführende Untersuchungsansätze
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Diplomarbeit analysiert die Rolle der Schüttguthäfen im Ostseeraum und untersucht deren Bedeutung im Kontext der globalen Warenströme von Eisenerz, Kohle und Getreide. Ziel ist es, die Infrastrukturanforderungen, die Ladungsaufkommensentwicklungen und die logistischen Rahmenbedingungen in den verschiedenen Anrainerstaaten zu beleuchten und mit globalen Marktdaten zu vergleichen.
- Analyse der Bedeutung von Schüttgütern in den Umschlagsportfolios der Ostseehäfen.
- Untersuchung der technologischen Anforderungen und Hafeninfrastrukturen für Schüttgut.
- Vergleich des Ladungsaufkommens in den Ostseeanrainerstaaten mit dem Weltmarkt.
- Darstellung der relevanten Seetransportrouten und der eingesetzten Schiffstypen.
- Evaluation der Wettbewerbsfaktoren für Seehäfen im Ostseeraum.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Anlagen für die Seetransportmittel
Als Anlagen für die Seetransportmittel kann man die Reede, die Seezufahrt und Hafeneinfahrt, Seeschleusen bzw. Dockanlagen, Wendeplätze, Hafenbecken bzw. Pieranlagen sowie Kaikonstruktionen einschließlich ihrer schiffahrtstechnischen Ausrüstungen zusammenfassen.
Die Reede ist ein, meist vor dem Hafen gelegener, geschützter Liegeplatz für Schiffe. Kapazitiv gibt es hier in der Regel kaum Beschränkungen. Von Einfluß auf die Leistungsfähigkeit des Hafens ist allerdings die Entfernung vom Hafen, also die Länge der Seezufahrt und Hafeneinfahrt, und die Geschwindigkeitsbeschränkungen während der Revierfahrt. Hier, wie auch bei Schleusen, Brückendurchfahrten während der Revierfahrt, Wende- und Liegeplätzen in den Hafenbecken, sind des weiteren die Restriktionen für die Größe der Seefahrzeuge relevant. Neben Längen-, Breiten- und Höhenbeschränkungen ist in den meisten Fällen der maximal mögliche Tiefgang der limitierende Faktor.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zielstellung und Methodik: Einleitung in die Bedeutung der Ostsee für den Welthandel sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise bei der Untersuchung der Hafeninfrastruktur und der Seetransporte.
2 Schüttgüter: Definition und Klassifizierung der für die Arbeit zentralen Massengüter Eisenerz, Kohle und Getreide unter Berücksichtigung ihrer technischen Transport- und Lagereigenschaften.
3 Seehäfen: Klassifizierung der Seehäfen nach verschiedenen Kriterien sowie detaillierte Erläuterung der technologischen Ausstattung und Anforderungen an Schüttguthäfen.
4 Seetransporte: Erläuterung der Betriebssysteme im Seeverkehr sowie eine Charakterisierung der für den Schüttgutseetransport eingesetzten Seeschiffe und ihrer technischen Kenngrößen.
5 Analyse des Untersuchungsraums: Abgrenzung des Untersuchungsgebietes Ostseeraum und kurze Einführung in die nautischen und geographischen Rahmenbedingungen der Ostsee.
6 Die Ostseeanrainer und ihre Schüttguthäfen: Umfangreiche länderweise Analyse der Schüttguthäfen in Dänemark, Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Rußland, Finnland und Schweden.
7 Schüttgutseetransporte im Ostseeraum: Untersuchung der konkreten Güterströme von Eisenerz, Kohle und Getreide im Ostseeraum inklusive Analysen zu spezifischen Routen und eingesetzten Fahrzeugtypen.
8 Schlußbetrachtungen: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Schüttgutumschlag und Ableitung weiterführender Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Schüttgut, Seehafen, Ostsee, Eisenerz, Kohle, Getreide, Seetransport, Umschlagstechnik, Hafeninfrastruktur, Logistik, Transportlogistik, Bulkcarrier, Welthandel, Hafenkapazität, Nord-Ostsee-Kanal.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung von Schüttguthäfen im Ostseeraum und untersucht, wie Eisenerz, Kohle und Getreide über diese Verkehrsstationen umgeschlagen und per See transportiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Handhabung von Schüttgütern, die technologische Ausstattung und Funktionen von Seehäfen sowie die Charakterisierung der Seetransporte und der entsprechenden Schiffstypen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Schüttguthäfen im Ostseeraum vorzustellen, deren Bedeutung innerhalb der Umschlagsportfolios herauszuarbeiten und die Entwicklungen des Ladungsaufkommens mit dem Weltmarkt zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die theoretische Fundierung basiert auf der Literaturanalyse der verkehrswirtschaftlichen Basiselemente. Die praktische Analyse nutzt Statistiken nationaler und internationaler Verbände, Fragebögen an Hafenbetreiber sowie persönliche Interviews mit Akteuren der Branche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte länderweise Analyse der Häfen an der Ostsee sowie in eine Untersuchung der tatsächlichen Güterströme und Transportlogistik für Eisenerz, Kohle und Getreide.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Schüttgut, Seehafen, Ostsee, Eisenerz, Kohle, Getreide, Seetransport und Hafeninfrastruktur.
Wie beeinflussen nautische Faktoren die Hafenwahl in der Ostsee?
Nautische Faktoren wie begrenzte Wassertiefen in Zugängen wie dem Nord-Ostsee-Kanal oder den Dänischen Straßen wirken als limitierende Faktoren für die Schiffsgrößen und beeinflussen somit die Auswahl der angelaufenen Häfen.
Warum ist die Anbindung an Binnentransportnetze für Schüttguthäfen so wichtig?
Da Schüttgüter oft geringwertige Massengüter sind, sind kostengünstige Vor- und Nachläufe via Bahn oder Binnenschiff entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit eines Hafens gegenüber anderen Standorten.
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- Dipl. Kfm. Götz Strahl (Author), 2003, Schüttguthäfen und Schüttgutseetransporte im Ostseeraum - untersucht am Beispiel von Eisenerz, Kohle und Getreide, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22987