Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Romance Studies - Spanish Studies

Die Don Juan-Figur in der Tradition des Mythos

Ein Vergleich der Werke des 17. bis 20. Jahrhunderts

Title: Die Don Juan-Figur in der Tradition des Mythos

Seminar Paper , 2008 , 33 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: B.A. Viktoria Heitz (Author)

Romance Studies - Spanish Studies
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details


Im allgemeinen Sprachgebrauch verbindet man mit Don Juan trotz der Vielzahl unterschiedlicher Deutungen einen Mann mit ausgeprägtem Sexualtrieb, einen Frauenhelden, Schürzenjäger und Verführer, der sich auf mehrere Frauen einlässt und der Treue keineswegs viel Beachtung schenkt.
Er ist ein Bild, das zwar immer wieder erscheint, aber nie Gestalt und Konsistenz gewinnt, ein Individuum, das sich immerfort bildet, dennoch niemals fertig wird. Kierkegaard betitelt ihn als Betrüger. Seiner Meinung nach muss man als Verführer eine gewisse Reflexion und Bewusstheit mitbringen. Nur wenn diese vorhanden ist, mag es angebracht sein, von Schlauheit, Ränken und listigen Anläufen zu sprechen. An diesem Bewusstsein aber fehlt es Don Juan. Demnach verführt er nicht. Er begehrt, und diese Begierde wirkt verführend; insofern verführt er. Sobald er die Befriedigung der Begierde genossen hat, sucht er einen neuen Gegenstand. Daher betrügt er zwar, jedoch plant er seinen Betrug nicht im Voraus; es ist vielmehr die eigene Macht der Sinnlichkeit, welche die Verführten betrügt. Zum Verführer fehlt ihm die Zeit davor, in der er seinen Plan fasst, und die Zeit danach, in der er sich seiner Handlung bewusst wird. Ein Verführer muss daher im Besitz einer Macht sein, die Don Juan nicht hat, so gut er im Übrigen ausgerüstet sein mag – die Macht des Wortes.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Begriffs Mythos

3. Die Problematik des Typs

4. Die Don Juan-Figur im Wandel

4.1 Tirso de Molinas El burlador de Sevilla y convidado de piedra

4.2 Molières Dom Juan ou le festin de pierre

4.3 Mozarts und Da Pontes Don Giovanni

4.4 Grabbes Don Juan und Faust

4.5 José Zorillas Don Juan Tenorio

5. Ein Vergleich zwischen dem traditionellen und dem Don Juan von Max Frisch

5.1 Lebenseinstellung

5.2 Verführungsstrategien

5.3 Sein Umfeld

5.4 Die Höllenfahrt

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Dekonstruktion des Don-Juan-Mythos anhand ausgewählter Werke vom 17. bis zum 20. Jahrhundert, um zu klären, ob der moderne Don Juan bei Max Frisch eine bloße Dekonstruktion darstellt oder der Mythos in veränderter Form fortbesteht.

  • Analyse der historischen Wandlung der Don-Juan-Figur von den Ursprüngen bei Tirso de Molina bis zur Moderne.
  • Vergleich der verschiedenen Verführungsstrategien, sozialen Umfelder und Höllenfahrt-Szenarien.
  • Untersuchung der psychologischen und mythologischen Deutungsansätze des Don-Juan-Typs.
  • Kontrastierung traditioneller Don-Juan-Darstellungen mit der intellektuellen, geometrie-affinen Figur bei Max Frisch.

Auszug aus dem Buch

4.1 Tirso de Molinas El burlador de Sevilla y convidado de piedra

Tirso de Molina schrieb 1613 mit El burlador de Sevilla y convidado de piedra die Urfassung des Don Juan und brachte damit die Vorlage aller nachfolgenden Varianten dieses Typs in das Theater. Alle bedeutenden Figuren und deren Konstellationen sowie die ,für den Stoff relevanten Motive’ sind hierin geschaffen. Don Juan wird als Verführer und Spötter betitelt, der durch seinen Charakter und seine Handlungen die Rache der Gesellschaft und des christlichen Gottes herausfordert. Molinas comedia setzt auf die strengen moralischen Ansichten des Christentums, da nur eine Gesellschaft, die Sexualität taburisiert, den sinnlichen und erotischen Genuss als Vergehen gegen das göttliche Gebot betrachtet. Don Juan wird als Rebell dargestellt, der durch seinen Existenzentwurf selbst die Anschauungen und Normen der Gesellschaft infragestellt. Schon der Titel enthält die funktionale Besonderheit der Figur: „der ,Burlador de Sevilla’ in direkter Opposition zum ,Convidado de piedra’” . Diese Kombination legt sich wie eine Klammer um die comedia und erklärt ihre einzelnen Aspekte.

Im 17. Jahrhundert wurden in Dramen häufig Ehrenkonflikte dargestellt. Es ist zu unterscheiden zwischen der Ehre der Frau und des Mannes. Die erstere ist vor der Ehe auf einen makellosen Ruf reduziert. Nur eine Heirat oder ein Verführer können diesen zerstören. Die letztere ist neben allen möglichen Gefahren auch der Gefahr ausgesetzt, die er selbst nicht beeinflussen kann: die Untreue seiner Frau. Diese Thematik griff Molina in seinem Don Juan ebenfalls auf. Mit Vorliebe verführt er die Verlobten oder Bräute, so dass er ihre Ehre und auch die des Verlobten oder des Bräutigams verletzt. Ihm geht es ausschließlich um den schnellen Sieg und den Reiz der Eroberns. Schon am Anfang, als er auf die Frage “Quién eres?”, “Un hombre y una mujer” antwortet, lässt sich erkennen, dass die Frau für Don Juan durch Anonymität geprägt ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Don-Juan-Figur ein, beleuchtet zentrale Deutungen wie die von Kierkegaard und erläutert die Zielsetzung der Analyse der Werke von Molina bis Frisch.

2. Definition des Begriffs Mythos: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Grundlage zur Definition des Mythos und beschreibt dessen Funktion als Fiktion, die gesellschaftliche Verhaltensnormen und Weltbilder prägt.

3. Die Problematik des Typs: Hier wird die literaturwissenschaftliche und psychologische Komplexität erörtert, warum der Don-Juan-Typ nicht als homogene, historische Figur zu fassen, sondern ein wandelbarer literarischer Stoff ist.

4. Die Don Juan-Figur im Wandel: Dieses Hauptkapitel analysiert chronologisch die Entwicklung der Figur in den Werken von Molina, Molière, Mozart/Da Ponte, Grabbe und Zorrilla.

5. Ein Vergleich zwischen dem traditionellen und dem Don Juan von Max Frisch: In diesem Kapitel wird der Kontrast zwischen den klassischen Inszenierungen der Figur und der intellektuellen, geisteswissenschaftlich-distanzierten Interpretation von Max Frisch herausgearbeitet.

6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz individueller Variationen die Grundmotive wie die Rolle des Toten und die Unbeständigkeit des Verführers als strukturgebende Elemente des Mythos bestehen bleiben.

Schlüsselwörter

Don Juan, Mythos, Verführung, Literaturgeschichte, Theater, Tirso de Molina, Molière, Max Frisch, Dekonstruktion, Libertinage, Ehre, Höllenfahrt, Don Giovanni, Faust, Stoffgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entwicklung der literarischen Figur Don Juan von ihrer Entstehung im 17. Jahrhundert bis hin zur modernen Bearbeitung durch Max Frisch im 20. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Wandlung des Verführertums, die Bedeutung des Mythosbegriffs, die Rolle des Dieners, das Motiv der Höllenfahrt und die moralischen sowie sozialen Konflikte in den Werken.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll geklärt werden, ob Max Frischs Darstellung von Don Juan eine vollständige Dekonstruktion des Mythos bedeutet oder ob sie den Kern des Mythos trotz inhaltlicher Brüche beibehält.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparatistische Literaturanalyse, um die verschiedenen Werkfassungen miteinander zu vergleichen und auf Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in Struktur, Motivik und Charakterzeichnung zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den verschiedenen Dramen und Opern, von Tirso de Molina bis Zorrilla, und vergleicht diese spezifisch mit dem Werk von Max Frisch.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben Don Juan als zentraler Figur sind Begriffe wie Mythos, Verführung, Dekonstruktion, Libertinage und die Höllenfahrt maßgeblich für das Verständnis der Arbeit.

Wie unterscheidet sich der Don Juan bei Max Frisch von den traditionellen Figuren?

Während die traditionellen Figuren durch sinnliches Verlangen und Eroberungsdrang motiviert sind, ist Frischs Don Juan ein intellektueller Typus, der die Geometrie der Liebe vorzieht und sich bewusst den Verführungskonventionen entzieht.

Welche Rolle spielt die „Höllenfahrt“ in den verschiedenen Epochen?

Das Motiv der Höllenfahrt wandelt sich von der göttlichen Bestrafung bei Molina über das atheistische Verschwinden bei Molière bis hin zur inszenierten, komödiantischen Flucht vor der Rolle des Verführers bei Max Frisch.

Wie wird das Verhältnis von Don Juan zu seinen Dienern dargestellt?

Diener wie Catalinón, Saganarelle oder Leporello dienen meist als parodistisches oder ängstliches Korrektiv, das den Lebenswandel des Herrn kommentiert und dessen Isolation sowie dessen Status als "Jäger" betont.

Warum ist das Element der Verkleidung so wichtig für den Don-Juan-Stoff?

Die Verkleidung fungiert als zentrales Werkzeug des Betrugs und der Verwechslung, das es Don Juan ermöglicht, gesellschaftliche Normen zu unterlaufen, Identitäten zu täuschen und Eroberungen in verschiedenen sozialen Milieus zu erzielen.

Excerpt out of 33 pages  - scroll top

Details

Title
Die Don Juan-Figur in der Tradition des Mythos
Subtitle
Ein Vergleich der Werke des 17. bis 20. Jahrhunderts
College
University of Heidelberg
Grade
1,3
Author
B.A. Viktoria Heitz (Author)
Publication Year
2008
Pages
33
Catalog Number
V229908
ISBN (eBook)
9783656453031
ISBN (Book)
9783656453307
Language
German
Tags
juan-figur tradition mythos vergleich werke jahrhunderts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Viktoria Heitz (Author), 2008, Die Don Juan-Figur in der Tradition des Mythos , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229908
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  33  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint