Satirische Überformung in polemischen Texten der Reformationszeit

Am Beispiel von Willibald Pirckheimers "Eckius dedolatus"


Hausarbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Historischer Kontext

2. Hauptteil
2.1. Die Satire
2.1.1. Die Satire als Gattung
2.1.2. Die Satire im 16. Jahrhundert
2.2. Der Vergleich von Satire und Realität anhand des Eckius dedolatus
2.2.1. Biografie Johannes Ecks und der Vergleich mit der Figur

3. Schluss
3.1. Fazit
3.2. Ausblick

4. Bibliografie
4.1. Primärliteratur
4.2. Quellen
4.3. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Eine der eindrucksvollsten und wirksamsten Formen der literarischen Polemik und politischen Meinungsäußerung ist die Satire. Insbesondere zeigte sich dies im 16. Jahrhundert, welches als das satirische Jahrhundert überhaupt bezeichnet werden kann. Einer der signifikantesten Vertreter dieser literarischen Gattung ist der Eckius dedolatus, der 1520 vermutlich von dem Nürnberger Humanisten Willibald Pirckheimer veröffentlicht wurde. Dieses Werk gilt es in dieser Arbeit genauer zu beleuchten.

Zunächst wird ein grober Abriss des historischen Kontextes dargelegt, um den Fokus der Untersuchung genauer einzugrenzen. Im zweiten Teil, dem Hauptteil der Arbeit, wird erst allgemein auf die Satire als Gattung und des Weiteren konkreter auf die Satire im 16. Jahrhundert eingegangen. Daraufhin folgt die eigentliche Arbeit am Text, worin der im Eckius dedolatus dargestellte Johannes Eck mit der realen historischen Person des Theologen und Humanisten Johannes Ecks verglichen werden soll, um darzustellen, wie er satirisch überformt wurde.

Im dritten Teil, dem Schlussteil der Arbeit, wird ein kurzes Fazit aus der in Teil zwei behandelten Fragestellung gezogen. Des Weiteren wird ein kurzer Ausblick für weitere Forschungsmöglichkeiten an diesem Text zur Verfügung gestellt.

1.1. Historischer Kontext

In dieser Arbeit, in der es im Besonderen um den Vergleich von Realität und Fiktion geht, ist es ungemein wichtig, die Zeitverhältnisse zu beschreiben, in denen sich die zu betrachtenden Figuren bewegen. Der Fokus der Untersuchung liegt auf dem reformatorischen 16. Jahrhundert in Deutschland.

Am 31. Oktober des Jahres 1517, genau zur Mittagsstunde, ging der Augustinermönch Martin Luther zur Schlosskirche von Wittenberg, um an deren Pforte 95 Thesen gegen den Ablasshandel Johann Tetzels anzuschlagen. In einer Legende wird behauptet, man habe die kräftigen Schläge des Hammers noch 25 Kilometer entfernt auf der Burg des Fürsten Friedrich III. gehört. Ob dieses Ereignis, das unter den Historikern als der „Bastillesturm der Protestanten“ bezeichnet wird, nun tatsächlich so stattgefunden hat ist fragwürdig. Jedoch war mit diesem Stichtag eine reformatorische Welle losgebrochen, die die gesamte Kirchenwelt revolutionieren sollte. Es entwickelten sich zum ersten Mal in der Geschichte Parteien, die den absoluten Heilsanspruch der römischen Kirche in Frage stellten. Schließlich mündeten die Auseinandersetzungen ein Jahrhundert später in den Dreißigjährigen Krieg.[1]

Im Zuge dieser Arbeit wird es immer wieder nötig sein, einige historische Begebenheiten im Einzelnen zu beleuchten.

2. Hauptteil

2.1. Die Satire

In diesem Kapitel soll nun darauf eingegangen werden, was die Satire als literarische Gattung, sofern sie denn eine ist, charakterisiert, welche Merkmale sie aufweist und inwiefern sie in der frühen Neuzeit, vor allem in Zeiten der Reformation, ein Faktor war für literarische Polemik und öffentliche Meinungsäußerung.

2.1.1. Die Satire als Gattung

Spricht man von dem Begriff Satire so ist nicht automatisch geklärt, was hiermit im Eigentlichen ausgedrückt werden soll, denn obwohl das Wort jedermann geläufig ist, existiert in der Literaturwissenschaft keine Regel, diesen Terminus eindeutig zu definieren.

In seiner ursprünglichen Wortbedeutung leitet sich der Begriff „Satire“ von dem lateinischen Wort „Satura“ ab, was so viel bedeutet wie „buntes Gemengsel“, „mit unterschiedlichen Früchten gefüllte Schüssel“ oder „Potpourri“. Seit dem römischen Dichter Ennius wird damit auch eine Dichtungsart bezeichnet, die verschiedene Inhalte und mannigfache Versformen verwendet.

Der deutsche Regelpoet Martin Opitz kategorisiert die „Satyra“ in seinem Buch von der deutschen Poeterey aus dem Jahre 1624 wie folgt:

Zue einer Satyra gehören zwey dinge: die lehre von gueten sitten vnd ehrbaren wandel / vnd höffliche reden vnd schertzworte. Ihr vornemstes aber vnd gleichsam als die seele ist / die harte verweisung der laster vnd anmahnung zue der tugend: welches zue vollbringen sie mit allerley stachligen vnd spitzfindigen reden / wie mit scharffen pfeilen / vmb sich scheußt.[2]

Die Unsicherheit über den Terminus Satire beschäftigt auch Barbara Becker-Cantarino, die feststellt, dass die Satire sowohl ein einzelnes Werk, als auch eine Gattung, eine Empfindungsweise, eine Absicht oder die Schreibart eines Autors bezeichnen könne. Und ausgehend von der Satire als literarische Gattung trete sie wiederum in allen Formen, wie Dichtung, Drama, Prosa, Essay, Tragikomödie, Allegorie oder Groteske auf.[3]

Wenn also die Satire in so vielen mannigfaltigen Formen existieren kann, und man sie trotzdem noch als eine solche erkennt, muss es etwas geben, das sie als solche signifikant erkennbar macht und somit bei all diesen Formen gemeinsam ist. Barbara Könneker versucht deshalb in ihrem Werk Satire im 16. Jahrhundert solch ein einheitsstiftendes Element, das derartigen Texten zugrunde liegt, zu finden. Es zeigt sich, dass der Gegenstand einer Satire stets etwas sein müsse, das den Autor, konkret herausgefordert, gereizt, beleidigt, empört oder bedroht habe, worauf dieser nun mithilfe aggressiven Sprechens als Waffe reagiere.[4] Dabei müsse der Angriff der Satire stets ein Objekt haben und Wirklichkeitsbezug beziehungsweise Aktualität aufweisen.[5] Dieser Gegenwartsbezug würde somit zum unabdingbaren Kennzeichnen der Satire.[6] Könneker kommt also zu dem Schluss, dass der Satiriker ein Kritiker seiner Zeit sei, der negative Erscheinungen aufzeige, um diese zu tadeln, zu verurteilen oder zu verspotten.[7]

Der Kontakt zwischen Autor und Publikum ist in einer Satire enger als in anderen literarischen Gattungen. Aus diesem Grund ergeben sich, ausgehend von Jörg Schönert und vor allem Ulrich Gaier, der in seinem Entwurf einer Definition der Satire festlegt, dass die Satire auch immer den Leser mit einbeziehen solle,[8] vier neue Kategorien für die Einordnung einer Satire: Die „nennende“ und die „darstellende“, die Schönert definiert,[9] sowie die „gelenkte“ und die „ungelenkte“ Satire nach Gaier.[10] Diese Kategorien fasst Barbara Könneker folgendermaßen zusammen:

Im ersten Fall, der nennenden Satire, sei der Leser der direkte Ansprechpartner des Autors, der ihn von seiner Meinung überzeugen und zu bessern versuche.

In der darstellenden Satire werde der Leser nicht direkt angesprochen, sondern mittels der mimischen Technik aufgefordert selbst seine Lehre zu finden.

In der gelenkten Satire sei der Leser selbst das Ziel des Angriffs und solle zur Korrektur seines Verhaltens aufgefordert werden.

Im letzten Fall, der ungelenkten Satire, versuche der Autor den Leser für seine Partei zu gewinnen und ihn gegen einen gemeinsamen Feind einzuschwören.[11]

Um im Leser den gewünschten Prozess auszulösen, ob Selbsterkenntnis oder Emotionen, dürfe der Satiriker die Wirklichkeit nicht so darstellen, wie sie ist. Man müsse vielmehr alles Negative des anzugreifenden Objektes wie in einem speziell dafür präparierten Spiegel in ein bestimmtes Licht setzen, um somit den gewünschten Effekt zu erzielen.[12] Dabei ist es besonders wichtig, dass der Leser sich nicht wie in einem Illusionstheater in das Dargestellte mitfühlend hineinversetzt. In der darstellenden Satire, ähnlich wie im epischen Theater Bertolt Brechts, erfordert es deshalb bestimmter „Rückübersetzungssignale“[13], wie dem Wechsel des Tons oder eines unpassenden Wortes, um die Illusion zu brechen und zu verhindern, dass der Leser sich derselben hingebe.

Die nennende oder gelenkte Satire hingegen bedient sich vieler rhetorischer Stilmittel, wie der Ironie, der Synekdoche, der Metonymie, der Hyperbel und der Metapher, um diesen Verfremdungseffekt zu garantieren.[14]

2.1.2. Die Satire im 16. Jahrhundert

Da nun der eigentliche Begriff der Satire zumindest versuchsweise geklärt ist, folgt nun die konkrete Betrachtung derselben im deutschsprachigen Raum des 16. Jahrhunderts.

Das 16. Jahrhundert war durchweg geprägt von literarischen Kampfschriften und Satiren aller Art. In keinem Jahrhundert vorher oder nachher ist der Anteil solcher Schriften an der Gesamtliteratur höher gewesen als hier. Einige wichtige historische Ereignisse tragen dazu selbstverständlich in besonderem Maße bei.

Die Erfindung des Buchdrucks in den fünfziger Jahren des vorhergegangenen Jahrhunderts ist ein solches Ereignis. Niemals zuvor war man in der Lage gewesen, so eine breite Öffentlichkeit anzusprechen. Wenn auch die Anfänge des Drucks eher schleppend verliefen, kam diese Technik in den Kampfjahren der Reformation zwischen 1520 und 1525 so richtig zur Entfaltung. Flugblätter wurden zum bevorzugten Medium „der schriftlichen und auch der im engerem Sinne literarischen Kommunikation“.[15] Zwar war das 16. Jahrhundert noch geprägt von einer hypoliteralen Gesellschaft, also einer Gesellschaft von Menschen, die zwar Buchstaben erkennen konnten, jedoch textuelle Sinnzusammenhänge nicht verstanden, jedoch nahm dies im Laufe des Jahrhunderts durch die energische Förderung des Schulwesens immer weiter ab.[16] Durch Luthers Übersetzung der Bibel im Jahre 1522 war schließlich gänzlich der Boden für den Kampf gegen die alte Kirche geebnet. Denn nun sah sich die Römische Kirche sogar vom gemeinen Mann überführt, christliche Lehren zu eigenem Gunsten verfälscht zu haben.

Hauptangriffsziel der reformatorischen Satiren war also die Römische Kirche und jeder, der ihr in irgendeiner Form anhing.[17]

[...]


[1] Vgl. Neuhaus, Helmut: „31. Oktober 1517: Der Bastillesturm der Protestanten“. In: Eckhart Conze und Thomas Niklas (Hrsg.): Tage deutscher Geschichte, München 2004, S. 57-72.

[2] Opitz, Martin: „Buch von der Deutschen Poeterey (1624)“. Herbert Jaumann (Hrsg.). Stuttgart 2002, S. 30.

[3] Becker-Cantarino, Barbara: „Zur Satire in der deutschen Literatur der frühen Neuzeit“. In: Barbara Becker-Cantarino (Hrsg.): Satire in der frühen Neuzeit. Amsterdam 1985, S. 605-613; hier: S. 605f. Im Folgenden zitiert als: „Becker: Satire“.

[4] Könneker, Barbara: „Satire im 16. Jahrhundert“. München 1991, S. 14. Im Folgenden zitiert als: „Könneker: Satire“.

[5] Becker: Satire, S. 606.

[6] Könneker: Satire, S. 14.

[7] Ebd.

[8] Gaier, Ulrich: „Satire“. Tübingen 1967, S. 350. Im Folgenden zitiert als: „Gaier: Satire“.

[9] Schönert, Jörg: Roman und Satire im 18. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Poetik, Stuttgart 1969, S. 17.

[10] Gaier: Satire, S. 346f.

[11] Könneker: Satire, S. 15.

[12] Könneker: Satire, S. 18.

[13] Gaier: Satire, S. 394.

[14] Könneker: Satire, S. 19.

[15] Könneker: Satire, S. 39.

[16] Könneker: Satire, S. 42.

[17] Könneker: Satire, S. 41.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Satirische Überformung in polemischen Texten der Reformationszeit
Untertitel
Am Beispiel von Willibald Pirckheimers "Eckius dedolatus"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistik)
Veranstaltung
Dramatische Literatur der Reformationszeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V229922
ISBN (eBook)
9783656452966
ISBN (Buch)
9783656453697
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eckius, Eckius dedolatus, dedolatus, Willibald Pirckheimer, Pirckheimer, Satire, Polemik, Luther, Reformation, Johannes Maier, Johannes Eck, Satyra, satyra illudens, Der enteckte Eck, Drama, Schauspiel, Dramen, Schähschrift, Dunkelmänner, Dunkelmänner Briefe
Arbeit zitieren
B.A. Alexander Batzke (Autor), 2008, Satirische Überformung in polemischen Texten der Reformationszeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229922

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