Generation "Sex and the City"

Das Frauenbild einer modernen Fernsehserie


Fachbuch, 2013

57 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Frauenbilder in Sex and the City von Sabine Wipperfürth
Einleitung
Zur Serie Sex and the City
Die Hauptfiguren
Die Männer in Sex and the City
Inhaltsanalysen zweier Episoden
Fazit
Literaturverzeichnis

Sex and the City – Vier emanzipierte Frauen auf der Suche nach Mr. Right von Stefanie Brunn
Einführung
Die Serie
Die Charaktere
Frauenrollen
Der Idealmann
Beziehungen
Fazit
Rezeption
Bibliografie

Die (De-)Konstruktion von Geschlecht bei Sex and the City nach Paula Villa von Sebastian Heinrichs
Einleitung
Paula Villas Theorie über ‚Doing Gender‘
Fazit
Bibliografie

Frauenbilder in Sex and the City von Sabine Wipperfürth

2009

Einleitung

Vor dem Start der Serie Sex and the City[1] in den USA 1998, war das Frauenbild in Serien noch recht traditionell.[2] Es gab zwar schon starke Frauen in Fernsehserien, jedoch wurde ihre Stärke in der Regel durch ihren Beruf, wie zum Beispiel Anwältin oder Kriminalbeamtin, kennzeichnet, wobei ihr Privatleben meistens außen vor blieb.[3] Sex and the City skizziert ein neues Frauenbild, welches so vorher nicht im Fernsehen zu sehen war. Es stellen sich nun einige Fragen, die es in dieser Arbeit zu beantworten gilt: Welche Frauenbilder werden in Sex and the City vermittelt? Was haben die Frauen für Berufe und Probleme und wie gehen sie damit um? Und wie sind die Männer in der Serie gekennzeichnet? Nach einer Darstellung der Serie und der verschiedenen Charaktere, werden zwei Episoden analysiert, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

Zur Serie Sex and the City

Die Serie Sex and the City, gehört dem Comedy-Genre an, hat aber auch einige Merkmale eines Dramas. Sie wurde nach dem gleichnamigen Roman von Candace Bushnell entworfen. In diesem Buch veröffentlichte Bushnell ihre wöchentlichen Kolumnen, die sie ab 1994 zwei Jahre für den New York Observer verfasste. Der Produzent Darren Star erwarb daraufhin die Fernsehrechte und entwickelte die Geschichte um die Journalistin Carrie Bradshaw und ihre drei Freundinnen, der PR-Agentin Samantha Jones, der Galeristin Charlotte York und der Rechtsanwältin Miranda Hobbes, vier New Yorker Single-Frauen Mitte Dreißig.[4] Zwischen 1998 und 2004 wurden sechs Staffeln mit insgesamt 94 Episoden gedreht und ausgestrahlt.[5] Im Jahre 2008 folgte, aufgrund des großen Erfolgs, der Kinofilm zur Serie mit Namen Sex and the City: Der Film.[6] Der offene und humorvolle Umgang mit dem Thema Sexualität sorgte sowohl in den USA als auch in Deutschland nach dem Sendestart für Aufregung, brachte aber auch neuen Wind in die Fernsehlandschaft. Die Rahmenhandlung bildet in jeder Episode eine Frage, die sich Carrie zum Thema ihrer Kolumne Sex and the City stellt und diese mit Hilfe ihrer Freundinnen und ihren Erfahrungen zu beantworten versucht. Dabei geht es meistens um die Themen Sex, Männer, Affären und Beziehungen, die offen und sehr direkt untereinander diskutiert werden.

Die Hauptfiguren

Die Serie zeichnet vier ganz unterschiedliche Frauenbilder. Für die Frauen ist es kein Problem, dass jede von ihnen andere Vorstellungen von Männern, Beziehungen und ihrer Zukunft hat. Sie akzeptieren sich so wie sie sind und verurteilen einander nicht. Was sie verbindet ist Freundschaft, ihr Alter von Mitte Dreißig, und ihr Single-Dasein. Sie wollen den Mann ihrer Träume finden, dabei aber keine Kompromisse eingehen, unabhängig bleiben und glücklich werden.[7] Egal welche Männer in das Leben der Frauen treten, ihre Freundschaft bleibt immer bestehen und zeigt großen Zusammenhalt.[8] Im Folgenden werden die vier Charaktere der Serie dargestellt und es wird deutlich gemacht, welches Frauenbild sie jeweils verkörpern.

Carrie Bradshaw

Carrie (gespielt von Sarah Jessica Parker) ist die Hauptfigur der Serie und Autorin der Zeitung New York Star. Sie schreibt eine Kolumne namens Sex and the City, in der sie Themen wie Sex, Dates und das Liebesleben von New Yorker Singlefrauen analysiert und dazu ihr Privatleben, mit Hilfe ihrer drei Freundinnen, als Vorlage nimmt. Da sie von zuhause aus arbeitet und sich ihre Zeit selbst einteilen kann, hat sie einen eher chaotischen Lebensstil und lebt in den Tag hinein ohne erkennbare Struktur.[9] Die meiste Zeit schreibt sie in einem Coffeeshop, in dem ihr viele Menschen begegnen, die sie für ihre Recherche hinzuziehen kann. Sie ist gerne unter Menschen, geht viel aus und ist bekannt im New Yorker Nachtleben. Carrie ist der vielseitigste Charakter der vier Frauen, da sie jede Eigenschaft der Frauen in sich vereint: Sie kann abenteuerlustig und sexhungrig sein wie Samantha, treu und romantisch wie Charlotte und zynisch wie Miranda.[10] Sie liebt teure Schuhe, schöne, ausgefallene Kleider und Handtaschen. Dafür gibt sie sehr viel Geld aus, was sie aber glücklich macht. In ihrem Liebesleben gibt es viele Höhen und Tiefen. Schon in der ersten Folge trifft sie ihre große Liebe John James Preston, der nur Mr. Big genannt wird, mit dem sie ein paar Mal eine Beziehung eingeht und sich aus verschiedenen Gründen immer wieder von ihm trennt. Sie genießt jedoch die Zeiten, in denen sie Single ist und hat einige One-Night-Stands. Sie legt viel Wert auf ihre Eigenständigkeit und Selbstverwirklichung, wünscht sich aber dennoch eine feste und funktionierende Beziehung.[11] Sie lässt sich immer wieder auf Beziehungen ein, welche jedoch immer scheitern. Sie ist die ganze Zeit auf der Suche nach der großen, bedingungslosen Liebe, die sie letztendlich in der letzten Staffel in Mr. Big findet.

Samantha Jones

Samantha (gespielt von Kim Cattrall) ist PR-Agentin und führt ihre eigene Agentur. Sie ist sehr selbstbewusst, weiß was sie will und hat gute Kontakte in die High Society von New York. Dadurch wird sie auf viele hochklassige Partys eingeladen und kommt so in Kontakt mit gut situierten Männern. Ihr ist Ansehen, gesellschaftlicher Status und Macht sehr wichtig.[12] Sie braucht viel Anerkennung, welche sie durch ihre Männereroberungen erlangt. Sie liebt und braucht Abwechslung und spielt mit ihren weiblichen Reizen, die ihr durchaus bewusst sind, nutzt Männer dabei gerne aus und nimmt keine Rücksicht auf Gefühle. Samantha ist die älteste der vier Freundinnen, was sie manchmal deprimiert. Sie will deshalb ihr Leben so gut es geht genießen. Sie liebt One-Night-Stands und geht ganz offen mit ihrer Sexualität um. Von der wahren Liebe und Hochzeiten hält sie nicht viel, da sie Männer als reine Sexobjekte ansieht. Sie berichtet ihren Freundinnen gerne über ihre Liebhaber und ihre sexuellen Experimente und geht dabei sehr ins Detail. Sie liebt ihr Single-Dasein und ist nicht wirklich interessiert an einer festen Beziehung. Sie verliebt sich wenige Male, für eine längere Partnerschaft reicht es jedoch nie. In der letzten Staffel hat sie eine Affäre mit dem Schauspieler Smith Jerrod, der eine feste Beziehung mit ihr möchte. Sie kann sich jedoch erst öffnen und lässt sich darauf ein, als sie an Brustkrebs erkrankt und die Krankheit zusammen mit Smith durchsteht. Sie erkennt die wahre Liebe und ist am Ende auch mit nur einem Mann in ihrem Leben glücklich.

Charlotte York

Charlotte (gespielt von Kristin Davis) ist Galeristin, hoffnungslos romantisch, schüchtern und die konservativste der vier Freundinnen. Sie glaubt an die wahre Liebe und möchte unbedingt heiraten und eine Familie gründen. Sie ist recht optimistisch, obwohl es für sie ab und zu ein Problem darstellt, dass sie mit über 30 Jahren noch ledig ist.[13] Doch ihren Traum zu heiraten, gibt sie auch nach dem Rückschlag einer gescheiterten Ehe nicht auf. Charlotte kommt oft nicht damit klar wie offen ihre Freundinnen in der Öffentlichkeit über Sex reden. Sie ist der Kontrast zu Samantha und meist auch zu Miranda. Besonders wenn es um Männer geht, ist sie oft anderer Ansicht. Meist nimmt sie die Stellung des guten Gewissens der Gruppe ein und versucht ihre Freundinnen von ihren konservativen Ansichten zu überzeugen. Sie ist jedoch nicht immer die unschuldige, brave Frau, sondern lebt auch ab und an ihren Sexualtrieb aus, wenn auch nicht so experimentell wie Samantha. Trotzdem ist sie immer auf der Suche nach dem perfekten Mann, der gut aussehend, reich und aufmerksam sein soll. Am Ende findet sie diesen in Harry, obwohl sie ihn nicht für perfekt hält. Sie geht Kompromisse ein, überwindet die Oberflächlichkeiten und wird glücklich mit ihm. In der letzten Staffel adoptieren die beiden ein Kind, da sie Schwierigkeiten hatten, selbst eines zu bekommen. Dies macht das Leben für Charlotte perfekt. Sie bekommt am Ende das, was sie sich immer gewünscht hat.

Miranda Hobbes

Miranda (gespielt von Cynthia Nixon) ist Rechtanwältin und verkörpert die starke und toughe Karrierefrau.[14] Sie ist sehr zynisch, wirkt oft gestresst und wendet sich von dem klassischen Frauenbild ab. Sie hat keine romantischen Vorstellungen von Liebe und Männern, so wie ihre Freundinnen und unterscheidet sich damit von ihnen. Männer sind für sie eigentlich nur dazu da, um Sex zu haben. Sie tritt ihnen immer sehr misstrauisch gegenüber und reagiert auf Komplimente meist sehr harsch und glaubt, sie würden es nicht ernst meinen.[15] Miranda trägt in ihrem Job enge Hosenanzüge, was sie in ihrer Freizeit dadurch kompensiert, dass sie sich gehen lässt und eher lockere Kleidung trägt.[16] Sie wird in der ersten Staffel durch ihre sehr kurzen Haare als eher männlich gekennzeichnet, doch im Laufe der Staffeln entwickelt sie sich und wird weicher und weiblicher. Auch ändert sich ihre Meinung gegenüber Männern, als sie sich in Steve Brady, einen Barkeeper, verliebt. Sie gehen immer wieder eine Beziehung ein, trennen sich dann aber wieder bis Miranda schwanger wird. Nach langen Überlegungen bekommt Miranda letztendlich das Baby und tauft es Brady. Erst überfordert mit ihrer ungewohnten Mutterrolle, erkennt sie am Ende, dass sie Steve liebt und zieht sogar mit ihm zusammen. Sie hat eine komplette Wandlung durchgemacht und am Ende das bekommen, was sie eigentlich nie wollte. Ein Kind und eine feste Beziehung.

Die Männer in Sex and the City

Männer sind das Hauptthema der vier New Yorker Frauen. Sie erzählen sich alle Details und beraten sich gegenseitig, wenn sie einen neuen Mann gefunden haben und es zu Problemen kommt. Da Frauen die Subjekte der Handlung in Sex and the City sind, werden Männer oft wie Objekte dargestellt. Manche werden nicht einmal beim Namen genannt sondern bekommen Namen wie Mr. Big, Mr. Dildo oder Mr. Muschi.[17] Der einzige Mann, der eine platonische Freundschaft zu den Frauen hat, ist der schwule beste Freund von Carrie, Stanford Blatch (gespielt von Willie Garson). Er geht genau wie Carrie gerne auf Partys und genießt das Leben. Dabei ist er immer für Carrie da und ist der einzige Mann in der Serie, der Frauen wirklich versteht. Er wäre der perfekte Mann, wenn er nicht schwul wäre.[18] Das unterstreicht die Ansicht der vier Frauen, dass Männer sie nie richtig verstehen werden und es keine perfekten Männer gibt. Jeder Mann hat seine Fehler und man muss Kompromisse eingehen, um mit ihnen glücklich werden zu können.

Ein weiterer Mann, der von der ersten bis zur letzten Episode mitspielt, ist Carries große Liebe Mr. Big (gespielt von Chris Noth). Er verkörpert den reichen, gutausehenden und erfolgreichen Geschäftsmann, in den sich Carrie schon in der ersten Episode verliebt. Er scheint am Anfang unerreichbar, doch mit der Zeit treffen sie sich immer wieder und Mr. Big signalisiert Gefühle für Carrie. Sie trennen sich ein erstes Mal als Carrie merkt, dass der bindungsscheue Mr. Big seine Gefühle nicht richtig zeigen kann. Er will sich nicht hundertprozentig auf Carrie einlassen. Er ist ein Lebemann und hat einige Affären und heiratet sogar in der dritten Staffel eine andere Frau. Trotzdem geht er zu der Zeit mit Carrie fremd. In seinem Inneren weiß er, dass Carrie für ihn bestimmt ist, aber letztendlich finden sie doch erst in der letzten Folge zueinander, in der er ihr endlich seine Gefühle offenbaren kann. Ein weiterer wichtiger Mann in Carries Leben ist ihr Ex-Verlobter Aidan Shaw (gespielt von John Corbett). Er erweist sich als Gegenstück zu Mr. Big, da er einfühlsam und romantisch ist und eine langfristige Beziehung sucht. Der Möbeldesigner ist, im Gegensatz zu Mr. Big, der lässige und treue Typ. Er sieht gut aus und entspricht einem zweiten Männertyp, welchen sich Carrie meist aussucht. Bis auf wenige Ausnahmen, sind die Männer in Sex and the City entweder wie Mr. Big, erfolgreiche Geschäftsmänner oder wie Aidan, einfühlsame und nette Männer von nebenan.

Besonders Samantha sucht sich immer die gut aussehenden und reichen Männer für ihre Affären aus. Wohingegen Miranda eher für den erfolgreichen Part in einer Beziehung steht und sich meist auf kindliche, unreife und nicht ehrgeizige Männer einlässt, wie beispielsweise den Barkeeper Steve Brady (gespielt von David Eigenberg), von dem sie sogar ein Kind bekommt und mit ihm am Ende glücklich wird. Steve ist das genaue Gegenteil von Miranda. Er ist romantisch, unordentlich und nicht an einer Karriere interessiert.[19] Er ist das Gegenteil von dem Standardtyp von Mann in der Serie.

Auch Charlotte lässt sich nach ihrer Ehe mit dem erfolgreichen und gut situierten Arzt Trey MacDougal (gespielt von Kyle MacLachlan) auf das Gegenteil von ihrem Traumtyp ein: den glatzköpfigen, stark behaarten und mit schlechten Manieren erzogenen Harry Goldenblatt (gespielt von Evan Handler). Sie kann sich kaum eingestehen verliebt zu sein, dennoch wird sie mit ihm glücklich und konvertiert für ihn sogar zum Judentum, damit sie heiraten können. Das zeigt, dass am Ende der Charakter mehr zählt, als der gesellschaftliche Status und Äußerlichkeiten. Damit vermittelt die Serie auch Moral und ist nicht nur als Comedy-Serie anzusehen.

Inhaltsanalysen zweier Episoden

Sex wie ein Mann

Die erste Episode sex and the city (Sex wie ein Mann)[20] behandelt die Frage, inwieweit es noch möglich ist mit Mitte Dreißig einen Mann zum Heiraten zu finden und ob Frauen, wenn sie keinen finden, Sex wie Männer haben können. Carrie holt dabei Meinungen von ihren Freundinnen ein, wobei ihre unterschiedlichen Ansichten deutlich werden. Charlotte sagt dazu: „Die meisten Männer haben Angst vor Frauen, die Erfolg haben. Wer sich so einen angeln will, sollte brav den Mund halten und die Spielregeln befolgen.“[21] Das verdeutlich Charlottes konservative Ansicht, dass Frauen, wenn sie in ihrem Alter noch einen Mann finden wollen, das Heimchen am Herd spielen sollten. Sie denkt, dass Männer nicht mit Frauen, die unabhängig und erfolgreich sind, umgehen können und so jemanden auch nicht heiraten wollen. Deshalb pflegt sie ein Image als liebes und braves Mädchen, der Erfolg nicht wichtig ist.

Miranda hingegen ist der Meinung, dass wenn man irgendwann aufwacht und 40 Jahre alt ist, keine Chance mehr auf einen Mann hat und irgendwann zurück zu seiner Mutter zieht, um dort alt zu werden. „Glauben Sie mir, dass ist keine Geschichte, die Männern Kopfschmerzen macht.“ Sie zeigt damit, dass sie es als hoffnungslos ansieht jemals einen Ehemann zu finden, da sie sich schon als zu alt dafür ansieht und sowieso nicht an die wahre Liebe glaubt.[22] Wenig später sagt sie: „Ich war schon mit ein paar von diesen Typen aus. Den kleinen fetten, armen Männern. Es macht absolut keinen Unterschied aus. Die sind genauso egoistisch und undankbar wie die gut aussehenden Männer.“[23] Von der ersten Episode an, wird Miranda als männerverachtend dargestellt, der es immer schwer fällt, sich auf Männer einzulassen und ihnen zu vertrauen. Sie sieht immer das Schlechte in ihnen und glaubt permanent von ihnen belogen und betrogen zu werden. Carrie bringt dies in folgendem Gedanken über Miranda, die sie mit einem Freund namens Skipper verkuppeln will, auf den Punkt: „Sie würde glauben, dass er sich mit seiner lieben Art über sie lustig machen wollte und ihn für ein Arschloch halten. So wie sie vom Grundsatz her eigentlich alle Männer für Arschlöcher hielt.“[24]

In der nächsten Szene wird Mirandas Geburtstag gefeiert und Samantha sagt ihren ersten Satz in der Serie, der sie sehr gut charakterisiert: „Hör zu, wenn du als Frau Erfolg im Geschäftsleben dieser Stadt hast, bleiben dir zwei Möglichkeiten: entweder rennst du mit dem Kopf gegen die Wand auf der Suche nach einer Beziehung oder du sagst scheiß drauf und ziehst einfach los und hast Sex wie ein Mann.“[25] Das führt zu einer Diskussion, ob dies für Frauen möglich ist oder nicht. Das Klischee, dass Frauen im Gegensatz zu Männern, Sex und Liebe nicht trennen können wird damit aufgehoben. Die Frauen beweisen, dass dies sehr wohl möglich ist, besonders Samantha und Miranda beweisen dies nicht nur in dieser Episode. Sie unterwandern damit die traditionellen Erwartungen, die an Frauen in Bezug auf Sexualität gestellt werden.[26] Dies ist ein neues Frauenbild, das im Fernsehen kreiert wird. Sie fordern Gleichheit von Frauen und Männern auch in sexueller Hinsicht. Samantha führt dieses Frauenbild noch einmal in folgendem Zitat deutlich aus: „Es ist wahrscheinlich das erste Mal in der Geschichte von Manhattan, dass wir Frauen über soviel Geld und Macht verfügen wie die Männer, obendrein erlauben wir uns den Luxus, Männer wie Sexobjekte zu behandeln.“[27] Charlotte ist von Samanthas und Mirandas Einstellung nicht überzeugt und empfindet das Gegenteil als richtig, nämlich dass Sex und Liebe zusammengehören und man nur auf den richtigen Mann warten muss. Jedoch wird Carrie von dieser Diskussion angeregt, das erste Mal Sex wie ein Mann zu haben, ohne Gefühle und ohne sich verpflichtet zu fühlen dem Mann ebenfalls Vergnügen zu bereiten. Als sie zufällig in einer Bar ihre alte Affäre Kurt wieder trifft, verabredet sie sich kurzerhand mit ihm. Sie lässt sich von ihm befriedigen, steht dann aber auf und geht mit den Worten: „Oh entschuldige, ich muss wieder an die Arbeit.“[28] Nun ist sie glücklich, denn sie hatte Sex ganz ohne emotionale Bindung, wie sie es vorher nie geschafft hat. Später jedoch begegnet sie auf der Straße zum ersten Mal ihrer großen Liebe Mr. Big. Nachdem sie ihn später in einem Club noch mal wieder sieht, sich jedoch nicht traut mit ihm zu reden, erkennt sie, dass ihr Sex ohne Gefühle doch keine Genugtuung eingebracht hat. Am Ende der Episode haben die Frauen bewiesen, dass Sex ohne Gefühle auch für Frauen möglich ist, jedoch manche, wie zum Beispiel Charlotte, sich trotzdem einen festen Partner wünschen und Sex und Liebe nicht trennen wollen.

Alles oder nichts

In der Episode all or nothing (Alles oder Nichts)[29] geht es um das Thema, ob man in seinem Leben alles haben kann. Charlotte steht kurz vor der Hochzeit mit ihrem Freund Trey MacDougal, Miranda hat sich gerade wieder von Steve getrennt und Carrie ist mit ihrem Freund Aidan zusammen, betrügt ihn aber mit ihrem Exfreund Mr. Big. Samantha lädt ihre Freundinnen in ihre neue Wohnung ein, wo sie das Thema diskutieren:

Samantha: Wir haben doch einfach alles, großartige Spitzenwohnungen, tolle Jobs, tolle Freunde, tollen Sex.

Miranda: Wir können uns unsere Baby-Quiches holen lassen wann wir wollen. […]

Charlotte: Wisst ihr, ich finde alles zu haben bedeutet im Grunde auch, dass man es mit einem Menschen teilt, den man liebt.

Samantha: Ich bitte dich, das klingt wie aus dem Kinderfernsehen.

Charlotte: Mein Leben fühlt sich erst erfüllt an, seit ich Trey kenne.[30]

Dieses Zitat verdeutlicht die verschiedenen Auffassungen von alles haben. Samantha ist der Ansicht, dass sie mit materiellen Werten, ihren Freundinnen und gutem Sex alles hat was sie braucht, um glücklich zu sein. Eine Beziehung gehört da nicht dazu. Im Gegensatz zu Charlotte, die unterstreicht, dass sie nur alles haben kann, wenn sie auch einen Mann an ihrer Seite hat, den sie liebt und mit dem sie, das was sie hat, teilen kann. Miranda ist wieder mit Samantha einer Meinung, indem sie ihr nicht widerspricht und noch hinzufügt, dass man sich Essen bestellen kann, wann man will. Ihr sind materielle Werte auch sehr wichtig und die Liebe eines Mannes braucht sie nicht unbedingt, um glücklich zu sein. Nur Carrie beteiligt sich nicht mit einer Meinung an der Diskussion, sinniert aber etwas später in einem Voice-Over-Kommentar für ihre Kolumne folgendermaßen:

Von ihrer Geburt an, wird der modernen Frauen erzählt, dass sie alles sein und tun können, was sie wollen. Sie können Astronautin werden, Chefin einer Internetfirma, Hausfrau und Mutter. Es gibt keine Regeln mehr und die Möglichkeiten sind unbegrenzt und offensichtlich kann man sie sich alle nach Hause liefern lassen.[31]

Die Zeit in der die Frauen leben, ist eine Zeit in der Frauen emanzipiert sind und machen können, was sie wollen. Männer und Frauen sind gleichgestellt und sie können sowohl einen Beruf ausüben und sind dabei nicht eingeschränkt in der Berufswahl und können aber auch gleichzeitig Mutter werden.[32] Sie können alles haben, wenn sie wollen. Aber es stellt sich die Frage, ob sie auch alles gleichzeitig haben können. Denn die Frauen haben in dieser Episode alle mit einem Problem zu kämpfen, dass ihre Entscheidung erfordert. Carrie muss sich zwischen ihrem Freund Aidan und ihrer Affäre Mr. Big entscheiden. Und obwohl sie weiß, dass sie mit Aidan eine glückliche Zukunft haben könnte und er ihr in der Episode das erste Mal sagt, dass er sie liebt, betrügt sie Aidan immer wieder. Sie hätte gerne beides, guten Sex mit Mr. Big und eine feste Beziehung mit Aidan. Aber sie weiß, dass sie nicht beides haben kann.

Samantha hat eine Grippe und braucht einen Mann, der ihren Vorhang wieder aufhängt. Nach erfolglosen Telefonaten, erkennt sie, dass sie keinen Mann hat, der sich um sie kümmert, es sei denn, er bekäme Sex mit ihr. Samantha sagt zu Carrie, die sie tröstet: „Hätt’ ich doch bloß irgendwann geheiratet, dann hätt’ ich jetzt einen Vorhang der zugeht. Es ist gar nicht wichtig wie viel wir haben, wenn nicht irgendwo einer da ist, der uns liebt, ist alles nur’n Scheiß.“[33] Carrie erwidert darauf in einem Voice-Over-Kommentar: „Drei Tage Schlafentzug hatten aus Samantha eine ganz neue Frau gemacht: Charlotte. Für jemanden der alles hatte, hat sie sich noch nie so einsam gefühlt.“[34] Das zeigt, dass selbst Samantha in manchen, wenn auch seltenen Momenten nicht glücklich ist ohne einen Mann, der sie liebt. Jedoch verfliegt diese Einstellung schnell wieder sobald ihre Grippe vorüber ist und der Vorhang wieder an der richtigen Stelle hängt. Aber an diesem Punkt sieht man, dass Samantha auch nicht alles gleichzeitig haben kann: Sex mit verschiedenen Männern und eine feste Beziehung mit einem Mann, der sich um sie kümmert, wenn sie krank ist.

Miranda „hatte das Gefühl sie hätte alles, ihr unabhängiges Leben und einen tollen Freund auf den sie sich verlassen kann.“[35] Der unabhängige Freund entpuppt sich jedoch als untreu, da er mit Miranda und gleichzeitig mit anderen Frauen Telefonsex hat. Sie trennt sich von ihm und hat am Ende doch wieder nur ihr unabhängiges Leben.

Charlotte hat das Problem, dass Trey ihr einen Ehevertrag gibt, den sie unterschrieben soll. Charlotte ist empört, als sie liest, dass sie nur 500.000 Dollar wert sein soll. Ohne den Ehevertrag würde die Hochzeit jedoch nicht stattfinden. Sie entscheidet sich, den Ehevertrag höher auszuhandeln und unterschreibt dann doch den Vertrag, damit der Hochzeit nichts mehr im Wege steht.

Am Ende der Episode, stellen die Frauen fest, dass sie nicht alles gleichzeitig haben können. Und da Charlotte bald heiraten wird, sagt Carrie passend folgenden Kommentar: „An diesem Punkt begriffen wir drei, dass wir nicht alles hatten, denn wir hatten Charlotte nicht mehr.“[36]

Fazit

Die Frauenbilder in Sex and the City haben sich im Laufe der Staffeln verändert. Jede der vier Frauen wird am Ende mit einem Mann und damit einer festen Beziehung glücklich. Miranda und Charlotte haben Kinder und sogar aus dem Dauer-Single Samantha wird eine treue Frau, die die wahre Liebe doch noch findet, wovon sie immer der Meinung war, dass sie gar nicht existiert. Damit siegt im Endeffekt das traditionelle Frauenbild, in dem Frauen nur glücklich werden können, wenn sie heiraten und Kinder bekommen, über das anfangs unabhängige, promiskuitive, experimentelle Bild der Frauen.

Literaturverzeichnis

Hilke Dahinten: Das Fernsehen auf dem Weg zu einem neuen Frauenbild? Das Beispiel "Sex and the City, Norderstedt 2007.

Karin Lenzhofer: Chicks rule!: die schönen neuen Heldinnen in US-amerikanischen Fernsehserien, Bielefeld 2006.

Judith Schoenen: Das Image der Frau: Wege zu einem neuen Selbstbild. Opladen 2008.

Sex and the City, USA 1998 – 2004, R: Darren Star, Erstausstrahlung USA: 06.06.1998 (Deutsche Erstausstrahlung: 18.09.2001).

Sex and the City, USA 1998 – 2004. sex and the city (Sex wie ein Mann) Staffel 1, Episode 1, R: Darren Star, Erstausstrahlung USA: 06.06.1998 (Deutsche Erstausstrahlung: 18.09.2001).

Sex and the City, USA 1998 – 2004. all or nothing (Alles oder Nichts), Staffel 3, Episode 10, R: Darren Star, Erstausstrahlung USA: 13.08.2000 (Deutsche Erstausstrahlung: 19.11.2002).

Sex and the City ‒ The Movie (Sex and the City: Der Film), USA 2008, R: Michael Patrick King.

Alexander Trost: Sex and the City - das Geheimnis ‘ihres’ Erfolgs, URL: http://alexander-trost.de/Trost%20-%20Sex%20and%20the%20City%20-%20Analyse%20_D_.pdf (07.09.2009).

URL: http://www.myfanbase.de/index.php?mid=292&pid=701 (02.07.2009).

URL: http://www.myfanbase.de/index.php?mid=292&pid=702 (07.09.2009).

URL: http://www.myfanbase.de/index.php?mid=292&pid=1347 (03.09.2009).

URL: http://www.prosieben.de/spielfilm_serie/sex_and_the_city/maenner/eigenberg/ (09.09.2009).

URL: http://www.prosieben.de/spielfilm_serie/sex_and_the_city/maenner/garson/ (09.09.2009).

URL: http://www.serienjunkies.de/SexAndTheCity/ (07.09.2009).

[...]


[1] Sex and the City, USA 1998 – 2004, R: Darren Star, Erstausstrahlung USA: 06.06.1998 (Deutsche Erstausstrahlung: 18.09.2001).

[2] Vgl. Hilke Dahinten: Das Fernsehen auf dem Weg zu einem neuen Frauenbild? Das Beispiel "Sex and the City, Norderstedt 2007, S. 2.

[3] Vgl. Ebd.

[4] Vgl. Ebd.

[5] Vgl. URL: http://www.serienjunkies.de/SexAndTheCity/ (07.09.2009).

[6] Sex and the City - The Movie (Sex and the City: Der Film), USA 2008, R: Michael Patrick King.

[7] Vgl. Dahinten, Hilke: Das Fernsehen auf dem Weg zu einem neuen Frauenbild? Das Beispiel “Sex and the City”, Norderstedt 2007, S. 48.

[8] Vgl. Schoenen, Judith: Das Image der Frau: Wege zu einem neuen Selbstbild. Opladen 2008, S. 28.

[9] Vgl. Dahinten, Hilke: Das Fernsehen auf dem Weg zu einem neuen Frauenbild? S. 49.

[10] Vgl. URL: http://www.myfanbase.de/index.php?mid=292&pid=1347 (03.09.2009).

[11] Vgl. Trost, Alexander: Sex and the City - das Geheimnis ‘ihres’ Erfolgs, URL: http://alexander-trost.de/Trost%20-%20Sex%20and%20the%20City%20-%20Analyse%20_D_.pdf (07.09.2009) [S. 10].

[12] Vgl. Ebd.

[13] Vgl. URL: http://www.myfanbase.de/index.php?mid=292&pid=701 (02.07.2009).

[14] Vgl. URL: http://www.myfanbase.de/index.php?mid=292&pid=702 (07.09.2009).

[15] Vgl ebd.

[16] Vgl. Dahinten, Hilke: Das Fernsehen auf dem Weg zu einem neuen Frauenbild?, S. 54.

[17] Vgl. Dahinten, Hilke: Das Fernsehen auf dem Weg zu einem neuen Frauenbild?, S. 46.

[18] Vgl. URL: http://www.prosieben.de/spielfilm_serie/sex_and_the_city/maenner/garson/ (09.09.2009).

[19] Vgl. URL: http://www.prosieben.de/spielfilm_serie/sex_and_the_city/maenner/eigenberg/ (09.09.2009).

[20] Sex and the City, USA 1998 – 2004. sex and the city (Sex wie ein Mann) Staffel 1, Episode 1, R: Darren Star, Erstausstrahlung USA: 06.06.1998 (Deutsche Erstausstrahlung: 18.09.2001).

[21] Sex and the City, sex and the city (Sex wie ein Mann), TC: 00:05:38.

[22] Sex and the City, sex and the city (Sex wie ein Mann), TC: 00:05:34.

[23] Ebd. TC: 00:06:33.

[24] Ebd. TC: 00:14:35.

[25] Ebd. TC: 00:07:06.

[26] Karin Lenzhofer: Chicks rule!: die schönen neuen Heldinnen in US-amerikanischen Fernsehserien, Bielefeld 2006, S 122.

[27] Sex and the City, sex and the city (Sex wie ein Mann), TC: 00:07:45.

[28] Sex and the City, sex and the city (Sex wie ein Mann), TC: 00:12:20.

[29] Sex and the City, USA 1998 – 2004. all or nothing (Alles oder Nichts), Staffel 3, Episode 10, R: Darren Star, Erstausstrahlung USA: 13.08.2000 (Deutsche Erstausstrahlung: 19.11.2002).

[30] Sex and the City, all or nothing (Alles oder Nichts), TC: 00:03:00.

[31] Sex and the City, all or nothing (Alles oder Nichts), TC: 00:11:15.

[32] Vgl. Dahinten, Hilke: Das Fernsehen auf dem Weg zu einem neuen Frauenbild?, S. 45.

[33] Sex and the City, all or nothing (Alles oder Nichts), TC: 00:18:14.

[34] Sex and the City, all or nothing (Alles oder Nichts), TC: 00:18:35.

[35] Ebd. TC: 00:15:08.

[36] Ebd. TC: 00:22:21.

Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Generation "Sex and the City"
Untertitel
Das Frauenbild einer modernen Fernsehserie
Autoren
Jahr
2013
Seiten
57
Katalognummer
V229932
ISBN (eBook)
9783656448778
ISBN (Buch)
9783956870149
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
generation, city, frauenbild, fernsehserie
Arbeit zitieren
Sabine Wipperfürth (Autor)Stefanie Brunn (Autor)Sebastian Heinrichs (Autor), 2013, Generation "Sex and the City", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229932

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