Theodor Herzl und seine diplomatischen Bemühungen um ein deutsches Protektorat


Hausarbeit, 2010

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theodor Herzl - eine kurze biografische Skizze und die Wende seines
Lebens
2.1 Eine kurze biografische Skizze
2.2 Die Wende seines Lebens

3 Die ersten diplomatische Bemuhungen von Herzl
3.1 Publikation des „Judenstaat“, die Fuhrungsposition und der erste Kongress
3.2 Bemuhungen um ein deutsches Protektorat

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen des Seminars Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich mochte ich mit der vorliegenden Arbeit Theodor Herzl und seine diplomatischen Bemuhungen um ein deutsches Protektorat einen kurzen Einblick in die diplomatischen Bemuhungen von Theodor Herzl darstellen (Abschnitt 3). Um die Grunde fur sein auBergewohnliches Engagement zu verstehen, soll zuvor im Abschnitt 2 eine kurze Biografie von Herzl mit den wichtigsten Ereignissen vorgestellt werden.

Die Informationen, die wir heute uber das Leben und Wirken von Theodor Herzl haben, sind dank seiner Tagebuchfuhrung, dank der schriftlichen Korrespondenzfuhrung und das geordnete Zusammentragen von Briefen und Notizen durch seinen Vater fur die Nachwelt erhalten geblieben.[1]Im Herbst 1982 wurden erstmalig von A. Bein und seinen Kollegen eine siebenbandige Edition „Briefe und Tagebucher - Theodor Herzl“ herausgegeben, die fur die Forschung Herzls einen enormen Beitrag leistet.[2]

Theodor Herzl, ein judischer Journalist und promovierter Jurist ergriff mit hoher Intensitat das Problem der Judenfrage auf, das sich im gesamten Europa in diversen Formen des Antisemitismus im 19. Jh. auBerte. Er legte grundlegende Bausteine fur die Errichtung des Staates Israel 1948 in Palastina und wird bis heute als einer der wichtigsten Grundungsvater verehrt, das sich in verschiedenen Aufmerksamkeiten auBert; z. B. die Benennung eines Hugels und Nationalfriedhofs in Jerusalem.[3] Die Losung der Judenfrage, fur die Herzl sein Leben investierte, brachte viel Konfliktstoff, sodass seine Krafte schnell verzehrt waren. Seine letzten acht Lebensjahre sind von auBerordentlichen diplomatischen Bemuhungen gekennzeichnet. Als Journalist beobachtete er prazise die politischen Entwicklungen in Europa und suchte nach einer akzeptablen Losung der Judenfrage.

Zuletzt mochte ich auch die Frage nach seinem Erfolg stellen. Waren seine diplomatischen Bemuhungen erfolgreich, obwohl er das deutsche Protektorat fur Palastina nicht erhielt, oder nicht? Um diese Frage beantworten zu konnen, soll die vorliegende Hausarbeit eine Hilfe bieten.

2 Theodor Herzl - eine kurze biografische Skizze und die Wende seines Lebens

2.1 Eine kurze biografische Skizze

Theodor Herzl wurde am 2. Mai 1860 im heutigen Budapest als Sohn eines judischen Kaufmanns geboren. Seine Eltern waren assimilierte osterreichische Juden, die sich an der Sprache und Kultur ihres Landes orientierten. In Budapest besuchte er eine judische Vorschule, danach eine evangelische Realschule und ein humanistisches Gymnasium.[4]Auf Wunsch seiner Eltern studierte er Rechtswissenschaft in Wien, das er 1984 mit einer Promotion absolvierte. Als Jude musste er bereits in seiner Studienzeit Erfahrungen mit Antisemitismus machen. Nachdem sich auch die akademische Burschenschaft Albia der antisemitischen Bewegung „Vereins Deutsche Studenten“ angeschlossen hatte, verlieB Herzl die Organisation.[5]

Seine juristische Tatigkeit war von kurzer Dauer. In seiner Selbstbiografie druckt er die aussichtslose Hoffnung auf eine Karriere als Jude im Staatsdienst folgend aus:

In Salzburg brachte ich einige der glucklichsten Stunden meines Lebens zu. Ich ware auch gerne in der schonen Stadt geblieben; aber als Jude ware ich nie zur Stellung eines Richters befordert worden. Deshalb nahm ich damals von Salzburg und der Rechtsgelehrsamkeit Abschied.[6]

Darauf wandte Herzl sich der schriftstellerischen Laufbahn zu. Im Fruhjahr 1887 trat er als Feuilletonredakteur in die "Wiener Allgemeine Zeitung" ein und wurde vor allem als Dramatiker und Feuilletonist bekannt.[7] Ende 1891 wurde er von der Wiener „Neuen Freien Presse“ als Korrespondent nach Paris berufen, wo er bis zu seinem Tod 3. Juli 1904 als Feuilletonredakteur beschaftigt blieb.

2.2 Die Wende seines Lebens

Als Korrespondent erlebte er die Dreyfus-Affare in Paris, von der Verhaftung des judisch-franzosischen Offiziers im Dezember 1894 bis zu dessen Verurteilung im Januar1895. Die Verurteilung, die mit hoher Aufmerksamkeit von der Offentlichkeit mit verfolgt wurde, beeinflusste sein Leben, wie er spater selbst in der Zeitschrift North American Review berichtet: „ Zum Zionisten hat mich der Prozess Dreyfus gemacht“.[8] Das war zwar nicht die einzige Ursache fur die Wende seiner Sicht bezuglich der „Judenfrage“, aber wohl der Ausloser, der den Rest seines Lebens beeinflusste.

Die Dreyfus-Affare musste fur Herzl ein Beweis dafur erbracht haben, dass jegliche Assimilation eines Juden fehlschlug. Denn Alfred Dreyfus war ein assimilierter Jude, der in die Armee wegen seinen Patriotismus und den Glauben an den Rechten von 1789 eingetreten war. Er lehnte die traditionelle Haltung eines franzosischen Juden ab, der seine Andersartigkeit und den Antisemitismus wie eine Dauererscheinung ihres Lebens als gegeben hinnahmen.[9]Da der Antisemitismus auch in einigen Dienststellen des franzosischen Generalstabs vorherrschte, wurde Dreyfus ein Opfer einer Verschworung, die uber ihn am 15. Oktober 1894 hinein brach.[10]Somit verurteilte die franzosische Justiz einen jungen unschuldigen Offizier zur lebenslangen Verbannung wegen ausgeubten Hochverrats an sein Land. Obwohl der Hochverrat nicht eindeutig aufgeklart werden konnte, denn die Experten waren sich bei der Untersuchung der Indizien nicht einig, hielten die Richter ihn fur schuldig.[11]Die bizarren Gerichtsverhandlungen und die offentliche Degradierung am 5. Januar 1895, wahrend des Vollzugs der Degradierung schrie Dreyfus laut in die Menge „Ich bin unschuldig!“[12], haben einen Journalisten wie Herzl grundlegend in seinem Denken verandert.[13] Hatte er zuvor ohne besonders intensives Engagement fur mehr oder weniger radikale und spekulative Formen der Assimilation pladiert, so trat nun die „Judenfrage“ in den Mittelpunkt seines Denkens. Die Errichtung eines unabhangigen Judenstaates erschien ihm jetzt als die einzige Losung der Judenfrage.[14]

3 Die ersten diplomatische Bemuhungen von Herzl

3.1 Publikation des „Judenstaat“, die Fuhrungsposition und der erste Kongress

Nachdem die ersten Versuche die einflussreichen Juden - Marice de Hirsch und Albert Rotschild - von zionistischen Ideen zu uberzeugen scheiterten, entschloss sich Herzl sein zionistisches Konzept zu publizieren.[15]Seine Idee zur Losung der Judenfrage, die er im „Judenstaat“ prasentierte, war nichts Neues fur einen Juden. In seinem Tagebuch vom 9. Juli und 20. September 1885, nachdem sein Werk geschrieben war, nahm er Notiz davon.[16]Denn in einem Gesprach mit Leven erfuhr Herzl, dass ahnliches Gedankengut vor seiner Zeit in Russland von Pinsger [17]verbreitet wurde. Daher fanden seine Losungsvorschlage bei den Juden in Russland eine hohe Zustimmung.

Herzl meinte in seiner Publikation „Der Judenstaat“ eine gelungene Losung fur das europaische Judenproblem gefunden zu haben. Nach seiner Einschatzung des politischen Weltgeschehens, lag seine Losung zu Gunsten der machtigsten europaischen Machte. Daher konnte er schreiben:

Fur Europa wurden wir [Juden] dort [in Israel] ein Stuck des Walles gegen Asien bilden, wir wurden den Vorpostdienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen. Wir wurden als neutraler Staat im Zusammenhange bleiben mit ganz Europa, das unsere Existenz garantieren muBte.[18]

Die publizierten Absichten im „Judenstaat“ bildeten eine Grundlage fur seine diplomatischen Bemuhungen. Herzl lebte nur noch acht Jahre nach der Veroffentlichung des „Judenstaats“. Das waren die hektischsten Jahre, die voll von diplomatischen und organisatorischen Tatigkeiten gefullt waren.[19]Er war kein auBergewohnlicher Mensch, aber er unterschied sich von seinen Mitstreitern zum wesentlichen Teil darin, dass er bereit war weiter zu Kampfen, wo andere sich mutlos zuruckzogen. Diese Eigenschaft berechtigte ihn, seiner Aussage nach, als Anfuhrer der zionistischen Bewegung tatig zu sein.[20] Genauso hatte er aber auch Schwachen, die bei der Menschenfuhrung negativ zum Vorschein kamen.

[...]


[1]Vgl. Kallner, Rudolf: Herzl und Rathenau. Wege judischer Existenz an der Wende des 20. Jahrhunderts, Stuttgart, 1973, S. 91.

[2]Vgl. Bein, Alexander: Einfuhrung, in: Theodor Herzl: Briefe und Tagebucher, A. Bein u. a. (Hg.), Bd. 1, Berlin, 1983, S. 9.

[3]Vgl. Ohne Autor: http://de.wikipedia.org/wiki/Herzlberg, abgerufen am 30.08.2010.

[4]Vgl. Bautz, Friedrich Wilhelm: Herzl, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Friedrich Wilhelm Bautz (Hg.), Bd. 2, Herzberg, 1990, Sp. 778.

[5]Vgl. Ebd.

[6]Herzl, Theodor: http://www.zionismus.info/herzl/selbstbiographie.htm, abgerufen am 10.08.2010.

[7]Vgl. Ebd.

[8]Zit. nach Rahe, Thomas: Fruhzionismus und Judentum. Untersuchungen zu Pragmatik historischem Kontext des fruhen Zionismus bis 1897, in: Johann Maier (Hg.), Judentum und Umwelt, Frankfurt am Main, 1988, S. 296.

[9]Vgl. Vincert, Duclert: Dreyfus Alfred, in: Wolfgang Benz (Hg.), Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Bd. 2,1, Berlin, 2009, S. 183.

[10]Vgl. Ebd.

[11]Vgl. Dreyfus, Alfred: Funf Jahre meines Lebens, Berlin, 1901, S. 34.

[12]Vgl. Dreyfus, S. 58.

[13]Vgl. Bein, S. 54.

[14]Vgl. Rahe, S. 296.

[15]Vgl. Herzl, Theodor: Briefe und Tagebucher, in: Alexander Bein u. a. (Hg.), Berlin, 1983, Bd. 2, S. 140.

[16]Vgl. Herzl: Briefe und Tagebucher, Bd. 2, S. 212, 250.

[17]Vgl. Herzl: Briefe und Tagebucher, Bd. 2, S. 250-251.

[18]Herzl, Theodor: Der Judenstaat, The Jewish Publishing House LTD, Jerusalem, 131975, S. 28.

[19]Vgl. Laqueur, Walter: Der Weg zum Staat Israel. Geschichte des Zionismus, Wien, 1972, S. 114.

[20]Vgl. Herzl: Briefe und Tagebucher, Bd. 2, S. 690.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Theodor Herzl und seine diplomatischen Bemühungen um ein deutsches Protektorat
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V229983
ISBN (eBook)
9783656451815
ISBN (Buch)
9783656452768
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theodor, herzl, bemühungen, protektorat
Arbeit zitieren
Andreas Schellenberg (Autor), 2010, Theodor Herzl und seine diplomatischen Bemühungen um ein deutsches Protektorat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229983

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