Die Bedeutung des Geldes im Prosaroman „Fortunatus“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Armut und die Welt des Geldes
2.1. Armut als Ausgangspunkt
2.2. Die Allmacht des Geldes
2.3. Die Ohnmacht des Geldes: Weisheit vs. Reichtum

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit dem Prosaroman Fortunatus beschäftigen. Der Prosaroman wurde 1509 von dem Apotheker Johannßen Heybler in Auftrag gegeben und wurde erstmals von Johann Otmar in Augsburg veröffentlicht. Der vermutlich in Augsburg ansässige Verfasser ist unbekannt. Inhaltlich handelt das Volksbuch von dem gesellschaftlichen Aufstieg eines Bürgersohns, dessen Errungenschaften von der nächsten Generation leichtfertig aufs Spiel gesetzt und schließlich verloren werden. Dem Geldthema kommt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Bedeutung zu. Es geht bei all den Abenteuern von Theodorus, Fortunatus und seiner Söhne immer wieder um Geld. Diese besondere Sicht auf Wert und Funktion des Geldes ist in dieser Häufung und Zuspitzung einzigartig in der deutschen Literatur des Spätmittelalters.[1]

Der Hauptgedanke ist, daß mit Geld alles auszurichten, für Geld alles zu haben ist: Freundschaft, Gunst der Schönen, Gewogenheit der Mächtigen, Ehre und Ansehen vor der Welt, ja auch ein Schein der Heiligkeit und die Fürbitten der Priester.[2]

Reichtum und Geld stehen jedoch im Wechselspiel mit Armut und Not. Demgemäß ist Armut im Fortunatus immer als Mangel an Geld und Gütern zu verstehen und ist dem Reichtum entgegengesetzt. Armut hat im Fortunatus die unterschiedlichsten Ursachen und trifft die unterschiedlichsten Personen und Gesellschaftsschichten.

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich zum einen mit der Frage nach den Ursachen von Armut, zum anderen mit der Frage nach der Bedeutung bzw. der Funktion des Geldes im Prosaroman Fortunatus auseinandersetzten. Da Armut den Ausgangspunkt der Handlung im Fortunatus darstellt, möchte ich zunächst auf die Ursache dessen, bei den von ihr betroffenen Personen, eingehen. Anschließend werde ich die Möglichkeiten und Grenzen des Geldes für seine Besitzer anhand einschlägiger Szenen aufzeigen. Dabei werde ich nicht dem chronologischen Verlauf der Handlung folgen, sondern versuchen mich systematisch mit den jeweiligen Aspekten auseinanderzusetzten.

2. Armut und die Welt des Geldes

2.1. Armut als Ausgangspunkt

Armut hat im Prosaroman Fortunatus die unterschiedlichsten Ursachen und trifft die unterschiedlichsten Personen und Kreise. Armut stellt demgemäß kein Standesproblem der unteren gesellschaftlichen Schicht dar, sondern zieht sich durch alle sozialen Schichten hindurch und kann Angehörige aller sozialen Schichten betreffen.[3]

So gerät Theodorus als edler purger[4] genauso in sie wie Lüpoldus, ein Vertreter des niederen Adels, den Armut zum Betteln zwingt. Und sogar der Hochadel bleibt nicht vor Armut verschont, wie die Beispiele der Grafen Ligorno und Nimian aufzeigen.

Auffällig ist jedoch, dass Armut für die meisten Menschen, denen sie widerfährt, keinen Dauerzustand darstellt, sondern bloß einen vorübergehenden Zustand. Die Betroffenen sind meist ein Leben in Wohlstand gewohnt und geraten erst durch Fehlverhalten in Armut.

Die Ursachen für den Abstieg, der in finanzielle Not geratenen Bürger, ist oft deren Großmanns-, Genuss- und Verschwendungssucht sowie Verantwortungslosigkeit und Egoismus.

Der Abstieg in die Armut erscheint im Roman oft als gerechte Strafe für Verschwendungssucht und das Herrschafts- bzw. Junkergebaren.[5]

Die Ursachen für die Armut des Helden Fortunatus sind in der unmäßigen Lebensführung seines Vaters begründet: Sein Vater Theodorus, ein in Famagusta lebender edler purger[6], verschwendet sein ererbtes Vermögen und verschleudert den Familienbesitz in kurzer Zeit durch die Imitation adeliger Lebensgewohnheiten und eine luxuriöse Lebensweise. Der finanzielle Zusammenbruch drängt Fortunatus‘ Familie an den Rand der Gesellschaft. Mit dem Verlust des Geldes büßt sein Vater Theodorus seinen guten Ruf am Hofe ein und verliert seine sozialen Kontakte, die er nur so lange halten konnte, solange er vermögend war. Als Theodorus verarmt, wird ihm bewusst, dass menschliche Beziehungen durch materiellen Besitz hergestellt und durch dessen Verlust wieder aufgelöst werden:

[…] das mich alle die verlassen haben, mit den ich mein guot so miltigklich getailt hab, den selben byn ich yetz ain unwerder gast.[7]

Theodorus entwickelt sich vom ruhmvollen Mann zum unwillkommenen Gast und rutscht soweit ab, dass seine Frau selber kochen und waschen muss, weil er sich keine Knechte und Mägde mehr leisten kann:

[…] hetsein junge tag unnützlich verzert / unnd ward so arm das er weder knecht noch maegt vermocht und muoßt die guot fraw Graciana selber kochen und waechenn als ain armes verkaufftes weib.[8]

Dieses Schicksal wiederholt sich auch bei Andolosia, des Enkels von Theodorus, dem der leicht gewonnene Reichtum zur Unbesonnenheit und zur Verschwendung verführt und letzten Endes zum Verhängnis wird. Fortunatus verfällt zunächst ebenfalls durch den unklugen Gebrauch von Geld in Armut und verliert mit dem Verlust des Geldes auch die damit geschaffenen sozialen Beziehungen: Nachdem Fortunatus bei seinem ersten Besuch in London sein weniges Geld mit liederlichen Gesellen und Weibern durchgebracht hat, wird er allein gelassen. Die Beziehungen zu den ihm zuvor wohl gesonnenen Prostituierten werden ihm sofort aufgekündigt. Fortunatus wird nicht mehr eingelassen und seine Bitte, trotz Zahlungsunfähigkeit eingelassen zu werden, wird ihm verwehrt und mit Spott beantwortet:

Der drit sprach zu Fortunatus: wie bist du ain narr do du nit meer dann fünffhundert Cronen hettest, dass du sy nit an andere kauffmannschatz gelegt hast, dann dass du sy der torechten frawen angehencket hast. Hettest du gemach gethan, sy waere bei dir gelegenn umb ainen stotter ist zwen bechmisch wert .[9]

In diesem Schicksal spiegelt sich die Struktur der Erzählung wieder, wonach auf den Aufstieg aus einfachen Verhältnissen zunächst der unweise Gebrauch von Geld folgt, der wiederum den Rückfall in die Armut bewirkt.

Doch Fortunatus lernt im Gegensatz zu seinem Vater aus seinem Fehler und lernt im weiteren Handlungsverlauf der Erzählung Geld verantwortungsvoll zu gebrauchen.

Der soziale Abstieg setzt bei Fortunatus einen Denkprozess in Gang: Fortunatus lernt, als ihm durch die Gabe der Fortuna Reichtum zuteil wird und vor allem nach dem Fehltritt, den er in der Szene mit dem Waldgrafen begeht, Geld wohlüberlegt als Werkzeug einzusetzen und es geschickt für seine Zwecke zu nutzen.

Es gelingt Fortunatus letztlich, sich mit seinem neu erworbenen Reichtum wieder in die adelige Gesellschaft einzugliedern und den, durch seinen Vater herbeigeführten, Verlust der Familienehre wieder herzustellen.

Im weiteren Verlauf der Ausführungen möchte ich auf die Rolle bzw. die Funktion des Geldes im Fortunatus eingehen und anhand einschlägiger Szenen exemplarisch aufzeigen, wie Geld dem Helden Fortunatus die erneute Integration in die Adelsgesellschaft ermöglicht.

2.2. Die Allmacht des Geldes

Die Fixiertheit der Erzählung auf Geld und Vermögen wird gleich zu deren Beginn deutlich. Der Anfang des Romans behandelt die Elterngeschichte des Fortunatus und führt dessen Vater Theodorus als Beispiel für finanziellen wie gesellschaftlichen Abstieg vor.[10]

Nahezu alle Episoden stehen in engem Zusammenhang mit Geld und nahezu alles wird in Bezug zu Geld gesetzt.[11] Der Autor beschreibt eine vom Geld abhängige, nach Geld begierige Welt. Geld bzw. der Mangel dessen ist der Motor, der die eigentliche Handlung der Erzählung erst in Gang setzt und vorantreibt. Wertbestimmend für den Menschen ist in jeder Phase der Handlung das Geld.[12] Es bestimmt nicht nur den Wert dessen, der über Geld oder Reichtum verfügt, sondern es modifiziert auch den Wert dessen, der alles daran setzt, an diesem Reichtum teilzuhaben oder gar in seinen Besitz zu nehmen.[13]

[...]


[1] Spiewok, Wolfgang: Das Volksbuch von Fortunatus und seinen Söhnen aus dem Jahre 1509. Greifswald: Reineke-Verlag , 1997. S. 50.

[2] Ebd.

[3] Ki-Hyang Lee, a.a.O., S.17.

[4] Fortunatus,, a.a.O., S.5

[5] Ki-Hyang Lee (2002), a.a.O., S.19f.

[6] Fortunatus, a.a.O., S.5.

[7] Fortunatus, S. 14ff.

[8] Fortunatus, a.a.O., S.6

[9] Fortunatus“, a.a.O., S.24

[10] H.G. Roloff (Hrsg.): „Fortunatus“ - Studienausgabe nach der editio princeps (1981), S.5.

[11] Ki-Hyang Lee: Armut als neue Qualität der Helden im „Fortunatus“ und im „Goldfaden“, hg. von Horst Brunner – GunterGrimm – Günter Hess etc., Würzburg: Königshausen & Neumann GmbH 2002, S.34.

[12] Wolfgang Spiewok: Fortunatus – Das Volksbuch von Fortunatus und seinen Söhnen aus dem Jahre 1509.Greifswald: Reineke-Verlag 1997, S. 50.

[13] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Geldes im Prosaroman „Fortunatus“
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für deutsche Literatur und ihe Didaktik- Ältere deutsche Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Prosaromane
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V229986
ISBN (eBook)
9783656455165
ISBN (Buch)
9783656456940
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutungs, geldes, prosaroman, fortunatus
Arbeit zitieren
Sabrina Ben-Djemmaa (Autor:in), 2013, Die Bedeutung des Geldes im Prosaroman „Fortunatus“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229986

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