Inhaltlich handelt das Volksbuch von dem gesellschaftlichen Aufstieg eines Bürgersohns, dessen Errungenschaften von der nächsten Generation leichtfertig aufs Spiel gesetzt und schließlich verloren werden. Dem Geldthema kommt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Bedeutung im Roman zu. Es geht bei all den Abenteuern von Theodorus, Fortunatus und seiner Söhne immer wieder um Geld. Diese besondere Sicht auf Wert und Funktion des Geldes ist in dieser Häufung und Zuspitzung einzigartig in der deutschen Literatur des Spätmittelalters.
Der Hauptgedanke ist, dass mit Geld alles auszurichten, für Geld alles zu haben ist: Freundschaft, Gunst der Schönen, Gewogenheit der Mächtigen, Ehre und Ansehen vor der Welt und sogar auch ein Schein der Heiligkeit und die Fürbitten der Priester.
Reichtum und Geld stehen jedoch im Wechselspiel mit Armut und Not. Demgemäß ist Armut im Fortunatus immer als Mangel von Geld und Gütern zu verstehen und ist dem Reichtum entgegengesetzt. Armut hat im Fortunatus die unterschiedlichsten Ursachen und trifft die unterschiedlichsten Personen und Gesellschaftsschichten.
In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich einerseits mit der Frage nach den Ursachen von Armut, andererseits mit der Frage nach der Bedeutung bzw. der Funktion des Geldes im Prosaroman Fortunatus. Da Armut den Ausgangspunkt der Handlung im Fortunatus darstellt, gehe ich zunächst auf die Ursache dessen, bei den von ihr betroffenen Personen, ein. Anschließend zeige ich die Möglichkeiten und Grenzen des Geldes für seine Besitzer anhand einschlägiger Szenen auf. Dabei folge ich nicht dem chronologischen Verlauf der Handlung, sondern setze mich systematisch mit den jeweiligen Aspekten auseinander.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Armut und die Welt des Geldes
2.1. Armut als Ausgangspunkt
2.2. Die Allmacht des Geldes
2.3. Die Ohnmacht des Geldes: Weisheit vs. Reichtum
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung und Funktion des Geldes im spätmittelalterlichen Prosaroman „Fortunatus“. Dabei wird analysiert, wie Geld als Motiv den sozialen Aufstieg und Abstieg der Protagonisten steuert, menschliche Beziehungen beeinflusst und welche moralischen sowie gesellschaftlichen Konsequenzen die Fixierung auf materiellen Reichtum nach sich zieht.
- Die Darstellung und Ursachen von Armut im Roman
- Die ambivalente Funktion des Geldes als Türöffner und Instrument der Macht
- Der Einfluss von Reichtum auf soziale Beziehungen und Identität
- Die korrumpierende Wirkung des Geldes auf Individuen und Institutionen
- Das Spannungsverhältnis zwischen materieller Gier und dem Wert der Weisheit
Auszug aus dem Buch
2.2. Die Allmacht des Geldes
Die Fixiertheit der Erzählung auf Geld und Vermögen wird gleich zu deren Beginn deutlich. Der Anfang des Romans behandelt die Elterngeschichte des Fortunatus und führt dessen Vater Theodorus als Beispiel für finanziellen wie gesellschaftlichen Abstieg vor. Nahezu alle Episoden stehen in engem Zusammenhang mit Geld und nahezu alles wird in Bezug zu Geld gesetzt. Der Autor beschreibt eine vom Geld abhängige, nach Geld begierige Welt. Geld bzw. der Mangel dessen ist der Motor, der die eigentliche Handlung der Erzählung erst in Gang setzt und vorantreibt. Wertbestimmend für den Menschen ist in jeder Phase der Handlung das Geld. Es bestimmt nicht nur den Wert dessen, der über Geld oder Reichtum verfügt, sondern es modifiziert auch den Wert dessen, der alles daran setzt, an diesem Reichtum teilzuhaben oder gar in seinen Besitz zu nehmen.
Beispiele für diese wertsetzende Funktion des Geldes stellen etwa die Beziehungen des Fortunatus und seines Sohnes Andolosia zu den Königen, deren Gunst sie nur durch Geld gewinnen können.
Geld fungiert sozusagen als Türöffner in Alexandria, wo der Sultan Fortunatus den Zugang zu den, für die Weltreise so wichtigen, Passierscheinen nur deshalb gewährt, weil er vorher ankündigt, er bringe ein Geschenk. Diese türöffnende Funktion des Geldes wird exemplarisch an der folgenden Aussage des Autors deutlich:
als noch an aller herren hoefe beschicht; wer brinngt, wirt bald eingelassen. Wer aber haben will, der muoß lang vor der thür ston.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Prosaroman „Fortunatus“ vor, skizziert die Bedeutung des Geldthemas als zentrales Motiv und formuliert die Zielsetzung, die Ursachen von Armut sowie die Funktion des Geldes zu untersuchen.
2. Armut und die Welt des Geldes: Dieses Kapitel analysiert Armut als sozialen Ausgangspunkt und untersucht die mächtige, teils korrumpierende Wirkung des Geldes auf zwischenmenschliche Beziehungen, bevor die Grenzen dieser Macht aufgezeigt werden.
2.1. Armut als Ausgangspunkt: Hier wird Armut als vorübergehender Zustand beschrieben, der durch Fehlverhalten entsteht und den Protagonisten sowie seinen Vater in soziale Isolation treibt.
2.2. Die Allmacht des Geldes: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie Geld zum zentralen Motor der Handlung wird, als „Türöffner“ dient und die soziale Identität sowie den Status der Charaktere maßgeblich bestimmt.
2.3. Die Ohnmacht des Geldes: Weisheit vs. Reichtum: Das Kapitel thematisiert die Grenzen finanzieller Macht, insbesondere im Angesicht von Naturgewalten und dem Tod, und kontrastiert Reichtum mit dem moralischen Wert der Weisheit.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Geld zwar den sozialen Aufstieg ermöglicht, jedoch gleichzeitig zur Isolation führt und der Roman als Plädoyer gegen ein rein materielles Lebenskonzept gelesen werden kann.
Schlüsselwörter
Fortunatus, Prosaroman, Geld, Reichtum, Armut, soziale Identität, Macht, Mittelalter, Geldgier, Kapitalismus, soziale Beziehungen, Weisheit, Didaktik, Materielles, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die fundamentale Rolle des Geldes im spätmittelalterlichen Volksbuch „Fortunatus“ und dessen Auswirkungen auf das Leben der Protagonisten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen das Wechselspiel von Reichtum und Armut, die soziale Integration durch Geld, die Korruption menschlicher Beziehungen und die didaktische Gegenüberstellung von Weisheit und Materiellem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Geld im Roman sowohl als Mittel zur sozialen Etablierung als auch als Ursache für Entfremdung und moralischen Verfall fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt einen systematischen Ansatz, um das Thema „Geld“ anhand einschlägiger Textstellen und literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Armut als Ausgangspunkt, die Analyse der „Allmacht“ des Geldes als sozialer Türöffner und die darauffolgende Dekonstruktion dieser Macht im Kontext von Weisheit und Tod.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Fortunatus, Reichtum, soziale Identität, Geldgier, Materielles und die didaktische Intention des Romans.
Wie verändert Geld die Wahrnehmung des Adels im Roman?
Geld ermöglicht bürgerlichen Aufsteigern wie Fortunatus den Erwerb adeliger Besitztümer und Status, wodurch die traditionellen Standesschranken herausgefordert und der Geburtsadel deklassiert wird.
Warum wird Geld im Roman auch als „Scheidemittel“ bezeichnet?
Geld führt zur Isolation, da es den Besitzer aufgrund der Gier seiner Mitmenschen dazu zwingt, sein Geheimnis zu wahren und sich von seiner sozialen Umgebung zu trennen.
- Citation du texte
- Sabrina Ben-Djemmaa (Auteur), 2013, Die Bedeutung des Geldes im Prosaroman „Fortunatus“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229986