Das Kastenwesen im Hinduismus

Seine Auswirkungen auf das Leben in Indien


Hausarbeit, 2013
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung des Hinduismus und des Kastenwesens
2.1. Entstehung des Hinduismus
2.2. Die Entstehung des Kastenwesens

3. Das Kastenwesen
3.1. Die Struktur des Kastenwesens
3.2. Die vier Varnas und die Dalit
3.3. Die Jatis im sozialen Leben

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Kaste, […] ist das kennzeichnendste Merkmal,

das der indische Kulturkreis hervorgebracht hat;

im Kastenwesen findet der Hinduismus, weniger Religion

als solzialkulturelles System, Form und Ausdruck“

(Dirk Bronger[1])

Indien ist mit einer Gesamteinwohnerzahl von mindestens 1,24 Milliarden Einwohnern[2] das zweit stärkst besiedelte Gebiet der Erde. Auf einer Landmasse von ca. 3,28 Millionen Km²[3] treffen verschiedenste Kulturen, Religionen und Bedürfnisse aufeinander. 30% der Bevölkerung leben in den riesigen Ballungszentren und Großstädten wie z.B. Delhi, Kalkutta oder Mumbai. Die restlichen 70%, immerhin noch ca. 860 Millionen Menschen, leben in Dörfern und ländlichen Gemeinschaften zusammen.[4] Die Lebensbedingung der Bevölkerungen reichen dabei von High-Speed DSL Internet und Sattelitengestütztem TV Empfang der reichen Städter bis hin zum Wunsch nach fließendem Frischwasser oder einem uneingeschränktem Brunnenzugang bei den Dörflern. Was hält dieses Land zusammen und wo sind seine Gemeinsamkeiten? Das eingangs von Bronger erwähnte Zitat gibt uns bei der Klärung dieser Frage einen Anhaltspunkt: Dass Kastenwesen. Es ist ein ausschließlich in Indien vorkommendes kulturelles Phänomen. Obwohl die indische Gesellschaft zum Großteil vom britischen Kolonialismus ab dem 17. Jahrhundert geprägt wurde, geht das Kastensystem auf eine über drei bis vier tausend Jahre alte Tradition und einen entsprechenden Entwicklungszeitraum und demnach tief verwurzeltes Kulturgut zurück.

In der Arbeit geht es darum, einen Überblick über das Kastenwesen zu geben und seine sozialen Auswirklungen auf das Leben der sich in ihm befindlichen Menschen aufzuzeigen. Neben der Darstellung des kulturellen Hintergrundes und der geschichtlichen Entwicklung spielen die Struktur, der Aufbau sowie die Organisation im täglichen Leben der indischen Bevölkerung eine Rolle.

Der Forschungsstand über Indien, die dort vorherrschenden Stände und sozialen Schichten ist sehr zahlreich und äußerst heterogen. Unzählige Publikationen sind zu diesem Thema erschienen. Um den Überblick nicht zu verlieren bezieht sich diese Arbeit maßgeblich auf die Forschung und Erkenntnisse von Dirk Bronger, Bernhard Kölver und Helmuth von Glasenapp. Bei der Analyse und Betrachtung der indischen Kultur wird versucht eine möglichst neutrale und wertfreie Position außerhalb des westlichen Moralverständnisses einzunehmen.

Ziel dieser Arbeit ist es also nicht, neue Erkenntnisse über das Kastenwesen zu gewinnen, sondern seine Entstehung und seine Auswirkungen unkommentiert aufzuzeigen. Die gegenwartsbezogenen Beispiele dienen dabei lediglich der Wiedergabe der aktuellen kulturellen Bewegung innerhalb des indischen Soziallsystems.

2. Die Entstehung des Hinduismus und des Kastenwesens

Im folgenden Kapitel geht es darum, zwei gängige Theorien wie das Kastenwesen entstanden sein könnte, aufzuzeigen. Nach dem historischem Überblick folgt eine Erläuterung der einzelnen Kasten und ihren spezifischen Besonderheiten.

2.1. Entstehung des Hinduismus

Um das Kastenwesen zu verstehen, muss man sich darüber im klaren sein, was der so genannte Hinduismus ist und wie er auf die indische Gesellschaft wirkt. Der Sammelbegriff Hinduismus beschreibt die älteste der 5 großen Weltreligionen und befindet sich hinter dem Christentum und dem Islam aufgrund seiner Anhängerzahl auf Platz drei. Im Gegensatz zu den großen monotheistischen Glaubensrichtungen ist er jedoch eine polytheistische Religion mit über 300.000 Göttern und gottähnlichen Erscheinungen.[5] Die Grundlagen des Hinduismuses bilden dabei die Veden. Sie entstanden zwischen 1500 und 800 v. Chr. und leiten sich von Wort Veda, welches soviel wie „heiliges Wissen“ bedeutet, ab. Diese Texte umfassen diverse kultische Handlungen und Lobpreisungen der verschiedenen Götter. Einen Abschluss erhalten die Veden in den 600 v. Chr. vollendeten Upanischaden, welche das Schriftgut des Hinduismus vollenden. Jedoch kommt diesem Schriftgut verglichen mit dem Christentum und dem Islam eine eher untergeordnete Rolle zu, da im Hinduismus kein einheitliches Glaubensbekenntnis existiert, sowie kein Religionsstifter oder zentraler Kultort. Vielmehr kann man den Hinduismus als ein Sammelbegriff für lokale Gottheiten bzw. als „Kollektiv von Religionen“ verstehen.[6] Wie kam es also zu dem Synonym Hinduismus für den indischen Pantheon?

Das Wort „Hindu“ leitet sich von dem persischen Sanskritwort „Sindhu“ ab und war ursprünglich eine griechische Bezeichnung (Ἰνδός) für die Ureinwohner des heutigen Indiens, nämlich die Menschen, welche an dem Fluss „Indus“ lebten.[7] Daraus ergibt sich, dass Hindus im eigentlich gemeinten Sinn des Wortes Inder sind. Folglich bezeichnet das Wort Hindu nicht zwingend eine Glaubensrichtung, sondern nur die Menschen die in einer Gegend leben, wo Religionen indischen Ursprungs zu finden sind. Es wäre also inkorrekt vom Hinduismus als eine Religion zu sprechen, etwa wie dem Judentum. Der Einfachheit halber wird jedoch in dieser Arbeit das Wort Hinduismus als Ober- und Sammelbegriff für die indischen Religionen genutzt.

So unterschiedlich und individuell in seiner Auslebung der Hinduismus auch scheinen mag, gibt es doch Gemeinsamkeiten. Neben dem bereits erwähnten Schriftgut, auf den der Hinduismus zurückgreift, gibt es auch die sogenannte Trimurti. Sie bezeichnet die Götter Brahma, Vishnu und Shiva, welche eine Art „Dreieinigkeit“ bilden.[8]

Brahma nimmt dabei die Rolle des Weltenschöpfers ein. Er hat laut hinduistischem Denken die Welt und alle in ihr lebenden Wesen geschaffen. Wird er abgebildet, so hat er in der Regel 4 Köpfe, welche die 4 Himmelsrichtungen symbolisieren sollen und 4 Arme. Sein Tier ist die Gans bzw. der Schwan. Ihm verdanken die Brahmanen ihren Namen, denn sie sind die „Kenner des Brahma“. Obwohl Brahma als Schöpfer des Lebens gilt, wird er seit Beginn der hinduistischen Götterlehre im Volksglauben nicht so stark verehrt wie seine Gefährten Vishnu und Shiva.

[...]


[1] D. Bronger: „Indien: größte Demokratie der Welt zwischen Kastenwesen und Armut“, 1. Auflage, Gotha, 1996, S. 109.

[2] Stand Volkszählung von 2011, siehe http://data.worldbank.org/ Zugriff: 21.05.2013.

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Indien#cite_note-indiaataglance-1.

[4] I. Eversmeyer: „Hinduismus und Kastenwesen in Indien - früher und heute“, Vechta, 2005, S. 47.

[5] D. Bronger: „Indien: größte Demokratie der Welt zwischen Kastenwesen und Armut“, 1. Auflage, Gotha, 1996, S. 36.

[6] I. Eversmeyer: „Hinduismus und Kastenwesen in Indien - früher und heute“, Vechta, 2005, S. 5.

[7] K. Karttunen in: „Birll´s new Pauly“ online unter: http://emedien.sub.uni-hamburg.de/han/BrillsEncyclopediaofHinduism/referenceworks.brillonline.com/entries/brill-s-new-pauly/indus-e524310?s.num=4&s.q=sindhu Zugriff am: 23.05.2013.

[8] A. Michaels: „Der Hinduismus: Geschichte und Gegenwart“, München, 1998, S. 227.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Kastenwesen im Hinduismus
Untertitel
Seine Auswirkungen auf das Leben in Indien
Hochschule
Universität Hamburg  (Theologie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V229998
ISBN (eBook)
9783656454267
ISBN (Buch)
9783656455066
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ziel dieser Arbeit ist es das Kastenwesen, seine Entstehung und seine Auswirkungen unkommentiert aufzu-zeigen. Die gegenwartsbezogenen Beispiele dienen dabei lediglich der Wiedergabe der aktuellen kulturellen Bewegung innerhalb des indischen Soziallsystems.
Schlagworte
kastenwesen, hinduismus, seine, auswirkungen, leben, indien
Arbeit zitieren
Oliver Salewski (Autor), 2013, Das Kastenwesen im Hinduismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229998

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