„Zukünftig wird auch die Integration des Kunden in den Auftragserfüllungsprozess erforderlich. Der Kunde kauft genau soviel, wie er braucht. Die Folge ist eine sinkende durchschnittliche Losgröße. Außerdem erwartet er die Lieferung zu seinem Wunschtermin, i.d.R. also genau dann, wenn er das Produkt verwenden will. Die zur Verfügung stehende Zeit ist oftmals nicht nur sehr kurz, sondern sie streut auch noch sehr stark.“
Diese Entwicklungen führen dazu, dass Produktionsunternehmen heutzutage starken Auftragsschwankungen unterliegen. Diese resultieren aus zunehmend kürzer werdenden Produktlebenszyklen, der anhaltenden Verringerung der Wertschöpfungstiefe, veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und damit einhergehenden kleiner werdenden Lagerbeständen. Zudem verstärken saisonale und konjunkturelle Effekte die Volatilität heutiger Absatzmärkte.
In besonderer Weise sind mittelständische Produktionsunternehmen von diesen Marktturbulenzen betroffen. Viele mittelständische Produktionsunternehmen sind Auftragsfertiger, die kundenindividuelle Produkte für oftmals marktmächtige Abnehmer herstellen. Für diese Unternehmen ergeben sich daher je nach aktueller Nachfrage unterschiedliche Auslastungen in der Produktion bzw. dem gesamten Auftragsabwicklungsapparat (z. B. Vertrieb, Arbeitsvorbereitung, Produktion, Versand).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufgabenstellung
1.3 Vorgehensweise
2 Mittelständische Produktionsunternehmen
2.1 Besonderheiten mittelständischer Produktionsunternehmen
2.2 Eigenschaften mittelständischer Produktionssysteme
2.2.1 Kapazität
2.2.2 Flexibilität
2.2.3 Kapazitätsflexibilität
3 Grundlagen der Produktionsplanung und -steuerung
3.1 Theoretische Grundlagen
3.1.1 Definition und Abgrenzung
3.1.2 Zielsystem der Produktionsplanung und -steuerung
3.1.3 Hauptelemente und Grobablauf der Produktionsplanung und -steuerung
3.2 Einordnung bestehender Planungskonzepte
3.3 Technische Umsetzung von PPS-Systemen
3.3.1 Grundlegende Modellansätze für PPS-Systeme
3.3.2 Konventionelle PPS-Systeme
3.3.3 Weiterentwicklungen der PPS-Systeme
3.4 Marktüberblick
3.5 Defizite der PPS-Systeme
4 Grundlagen der Termin- und Kapazitätsplanung
4.1 Definition der Termin- und Kapazitätsplanung
4.2 Terminplanung
4.2.1 Definition der Durchlaufzeit
4.2.2 Methoden der Terminplanung
4.2.3 Maßnahmen zur Durchlaufzeitverkürzung
4.3 Kapazitätsplanung
4.3.1 Grundlagen der Kapazitätsplanung
4.3.2 Ermittlung von Kapazitätsbedarf und -angebot
4.3.3 Maßnahmen zum Kapazitätsabgleich
4.4 Unterschiede zwischen Auftragsfertigung und Lagerfertigung
4.5 Defizite der Termin- und Kapazitätsplanung
5 Modell zur Planung der Kapazitätsverfügbarkeit in mittelständischen Produktionsunternehmen
5.1 Zielstellung und Einsatzgebiet des Modells
5.2 Anforderungen an das Modell
5.3 Funktionsweise und Aufbau des Modells
5.3.1 Arbeits- und Funktionsweise des Modells
5.3.2 Aufbau und Bausteine des Modells
5.4 Modellfunktionen
5.4.1 Planung des Kapazitätsbedarfs und Belastungsanpassung
5.4.2 Planung des Kapazitätsangebots und Kapazitätsanpassung
5.4.3 Auftragssimulation
5.5 Vorgehensweise
6 Prototypischer Einsatz des Modells
6.1 Vorstellung des Einsatzbereichs
6.1.1 Merkmale des Einsatzbereichs
6.1.2 Aufbau des Einsatzbereichs
6.2 Ablaufbeschreibung des Modelleinsatzes
6.3 Vorbereitung des Modelleinsatzes
6.3.1 Einstellen der Stammdaten
6.3.2 Prämissen für den Modelltestlauf
6.4 Ausgangslage im Einsatzzeitraum
6.4.1 Auftragsausgangslage
6.4.2 Normalkapazitätsangebot des Modells
6.5 Einsatz des Modells (Durchführung, Ergebnisse)
6.5.1 Kapazitätsplanung
6.5.2 Auftragssimulation: Beispiel 1 (Auftragsgröße klein)
6.5.3 Auftragssimulation: Beispiel 2 (Auftragsgröße groß)
6.6 Zusammenfassung und Bewertung des Modelleinsatzes
7 Zusammenfassung
8 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, ein Modell zur Planung der Kapazitätsverfügbarkeit in mittelständischen Produktionsunternehmen zu entwickeln, das eine belastbare und transparente Grundlage für Entscheidungen bei der Auftragsannahme bietet und durch gezielte Kapazitätsanpassung eine termingerechte Auftragsabwicklung unterstützt.
- Analyse der spezifischen Anforderungen und Eigenschaften mittelständischer Produktionssysteme.
- Untersuchung und Einordnung der Produktionsplanung und -steuerung sowie der Termin- und Kapazitätsplanung.
- Entwicklung eines flexiblen Kapazitätsplanungsmodells zur Simulation und Steuerung von Auftragsauslastungen.
- Einsatz von flexiblen Kapazitätsinstrumenten zur quantitativen und zeitlichen Kapazitätsanpassung.
- Prototypische Verprobung des Modells anhand realer Auftragsdaten und Szenario-Simulationen.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Zielsystem der Produktionsplanung und -steuerung
Der Hintergrund für die Produktionsplanung und -steuerung ist es den Zielkonflikt aus Markt- und Betriebszielen unter der Wahrung einer hohen Wirtschaftlichkeit des Unternehmens bestmöglich zu lösen (vgl. Abb. 3-2). Dabei stehen die zentralen Forderungen des Markts nach hoher Liefer- bzw. Termintreue sowie kurzen Liefer- und Durchlaufzeiten im Gegensatz zu den Forderungen des Betriebs nach einer hohen Auslastung der Produktion und gleichzeitig niedrigen Beständen. /83/, /71/ und /81/
Es liegt im Interesse des Kunden, dass die bestellten Produkte möglichst schnell geliefert werden und zugesagte Liefertermine eingehalten werden. Das produzierende Unternehmen muss dieser Kundenforderung bestmöglich entsprechen, um im Wettbewerb zu bestehen. In diesem Kontext muss das Unternehmen darauf achten dennoch wirtschaftlich zu agieren. Dies gelingt einerseits durch eine hohe Produktivität und damit zur Vermeidung von höheren spezifischen Produktionskosten infolge von Teilauslastung oder Stillstand der Betriebsmittel. Andererseits sollten die Bestände an Rohmaterial, Halbfabrikaten sowie fertigen Produkten so niedrig wie möglich gehalten werden, um das gebundene Kapital in Umlaufvermögen und die Kosten für den logistischen Aufwand, z. B. für Lagerhaltung und Transporte, zu minimieren. /83/
Aktuelle Herausforderungen von Produktionsunternehmen sind z. B. kürzer werdende Produktlebenszyklen, steigende Variantenvielfalt, kürzere Lieferfristen, kleinere Losgrößen, zunehmende Schwierigkeiten der Prognostizierbarkeit künftiger Bedarfe und eine steigende Bedeutung von Kundenwünschen /83/ und /39/. Mit dem Wandel vom Verkäufermarkt zum Käufermarkt, beginnend in den sechziger Jahren, waren die Unternehmen gezwungen sich intensiver auf die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kunden mit ihrem Leistungsangebot einzustellen. Es wurde also erforderlich ein Unternehmen nicht mehr rein betriebsbezogen, sondern verstärkt marktorientiert zu führen. Mit dieser Entwicklung ging auch eine Verschiebung der Zielgrößen einher. War früher eine gute Auslastung der Betriebsmittel primäres Ziel, so steht heutzutage die Einhaltung von Lieferterminen bei gleichzeitiger Vermeidung hoher Bestände im Vordergrund. Durch die Senkung der Bestände zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit kommt nun allerdings der Durchlaufzeit eine kritische Bedeutung zu, da die Lieferfähigkeit damit direkt von der Verlässlichkeit der geplanten Durchlaufzeiten abhängt. /39/
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Herausforderungen mittelständischer Produktionsunternehmen durch volatile Märkte und definiert das Ziel, ein Modell zur Kapazitätsplanung zu entwickeln.
2 Mittelständische Produktionsunternehmen: Erläutert die spezifischen Besonderheiten und Eigenschaften mittelständischer Produktionssysteme, insbesondere im Hinblick auf Kapazität, Flexibilität und Kapazitätsflexibilität.
3 Grundlagen der Produktionsplanung und -steuerung: Bietet einen Überblick über theoretische Grundlagen, Planungskonzepte und die technische Umsetzung in ERP-Systemen sowie eine kritische Defizitanalyse bestehender Systeme.
4 Grundlagen der Termin- und Kapazitätsplanung: Vertieft die Methoden der Termin- und Kapazitätsplanung, beleuchtet Maßnahmen zur Durchlaufzeitverkürzung und diskutiert Besonderheiten bei der Auftragsfertigung.
5 Modell zur Planung der Kapazitätsverfügbarkeit in mittelständischen Produktionsunternehmen: Stellt das entwickelte Modell detailliert vor, inklusive Anforderungen, Aufbau, Funktionen und Vorgehensweise zur Simulation von Kapazitätsbedarfen und Aufträgen.
6 Prototypischer Einsatz des Modells: Demonstriert die Funktionsfähigkeit und den Nutzen des Modells anhand eines praktischen Testlaufs mit realen und fiktiven Auftragsdaten sowie einer Bewertung der Ergebnisse.
7 Zusammenfassung: Fasst die Zielsetzung, die methodische Vorgehensweise und die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit kompakt zusammen.
8 Ausblick: Diskutiert künftige Potenziale des Modells, wie etwa die Erweiterung auf übergeordnete Planungsebenen und die Integration weiterer Produktionssysteme.
Schlüsselwörter
Produktionsplanung, Produktionssteuerung, Kapazitätsplanung, Kapazitätsverfügbarkeit, Mittelstand, Auftragsfertigung, Kapazitätsflexibilität, Durchlaufzeit, PPS-Systeme, ERP-Systeme, Auftragssimulation, Terminplanung, Belastungsanpassung, Liefertreue, Modellentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung und Erprobung eines Modells zur Planung der Kapazitätsverfügbarkeit in mittelständischen Produktionsunternehmen, um eine belastbare und transparente Kapazitätsplanung zu gewährleisten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Zentrale Themenfelder sind die Produktionsplanung und -steuerung (PPS), die Spezifika mittelständischer Produktionsbetriebe, die Kapazitäts- und Terminplanung sowie Methoden zur Kapazitätsanpassung und Flexibilitätssteigerung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Produktionsplanern und Vertriebsmitarbeitern ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie schnell und einfach die Kapazitätsverfügbarkeit für bestehende und neue Aufträge prüfen und fundierte Entscheidungen bei der Auftragsannahme treffen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung der Produktionsplanung und -steuerung sowie der Entwicklung und prototypischen Verprobung eines Modells in MS Excel 2007, das durch Szenariosimulationen validiert wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine tiefgehende Analyse der PPS-Grundlagen, der Kapazitäts- und Terminplanung, die detaillierte Beschreibung der Modellarchitektur sowie die Demonstration der Modellfunktionen anhand eines konkreten prototypischen Einsatzes.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Produktionsplanung, Kapazitätsauslastung, Durchlaufzeit, Auftragsfertigung, Kapazitätsflexibilität und Prozessoptimierung durch Simulation.
Wie unterscheidet sich dieses Modell von herkömmlichen PPS-Systemen?
Das Modell ist speziell für die Anforderungen mittelständischer Auftragsfertiger konzipiert, bietet durch Simulationsfunktionen eine höhere Transparenz bei der Auftragsannahme und erlaubt eine einfache, anwenderspezifische Anpassung der Kapazitätsparameter.
Wie werden Eskalationsmechanismen im Modell berücksichtigt?
Das Modell nutzt verschiedene Warnhinweise (Durchlaufzeit-, Eskalationslinien-, Datums- und Material-Warnung), um kritische Situationen bei der Auftragsplanung frühzeitig zu identifizieren und einen strukturierten Kommunikationsprozess zwischen Produktion und Vertrieb anzustoßen.
- Quote paper
- Tobias Strölin (Author), 2012, Entwicklung eines Modells zur Planung der Kapazitätsverfügbarkeit in mittelständischen Produktionsunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230035