„Wir verlieben dich“ (Friendscout.de), „Liebe ist kein Zufall“ (Elitepartner.de), „Echte Menschen. Echte Liebe“ (eDarling.de) usw. versprechen die meisten Dating Seiten.
Heutiges Lebensrhythmus, Karriereorientierung, permanenter Zeitmangel verändern auch personelle Beziehungen und stellen neue Anforderungen. Partnersuche ist keine Ausnahme. Effiziente und zielgerichtete Suche nach einer romantischen Beziehung oder sogar nach einem Lebenspartner bzw. nach einer Lebenspartnerin, aber auch Ratio statt Emotio machen Online Partnersuche aus.
Anonymität und Unverbindlichkeit zählen zu den Stärken sowie zu den Schwächen einer Dating Seite (vgl. Bühler-Ilieva 2006, 237-239). Weitere Charakteristika einer Partnersuche Online sind eine große Auswahl potenzielle Kandidaten, örtliche Ungebundenheit und zeitliche Flexibilität (24 Stunden erreichbar), was automatisch die Erfolgschancen bei der Partnersuche vergrößern soll.
Popularität der Dating Seiten und immer wachsende Anzahl der Nutzer macht sie zu einem sehr erfolgreichen Geschäft und entsprechend zum interessanten Forschungsfeld. Wegen der großen Auswahl von Partnersuche Diensten werden neue Anbieter nur dann konkurrenzfähig, wenn sie die neuen vielleicht auch provokativen Ideen auf den Markt bringen.
Aus diesem Grund beschäftigt sich die folgende Arbeit mit einer Untersuchung der ausschließlich für schöne Menschen vorgesehene Seite Beautifulpeople.com. Dieser Plattform wurde aufgrund der hohen Resonanz in der Öffentlichkeit und Behauptung der Einzigartigkeit ausgewählt. Als Basis liegt die gleiche Idee wie bei etwas ältere Seite HotorNot.com zugrunde, dass die Menschen nach dem Attraktivitätsgrad benotet bzw. beurteilt werden.
Trotz der Selbstdeffinition als „beautiful community“ wird BeautifulPeople.com in der Presse auch als Dating oder Sozial Networking Seite dargestellt (s. CNN, BBC, Spiegel Online). Daher ist die Frage, ob BeautifulPeople.com wirklich eine Dating Seite oder eine nur auf dem Aussehensfaktor und Social Networking sich basierende Community ist, Gegenstand dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Analyse der Seite Beautifulpeople.com
2.1 Selbstkonstruktion durch das Profil
2.2 Face Control. Foto als Zugangskriterium
2.3 Demokratie des Wählens. Problematik
2.4 Kostenfaktor
3 Empirische Studie
3.1 Aufbau des Fragebogens
3.2 Auswertung de Umfrageergebnisse
3.2.1 Allgemeine Informationen über die Teilnehmer
3.2.2 Funktion und Aktivitäten der Webseite
3.2.3 Gründe für die Anmeldung bei BeautifulPeople.com
3.2.4 Erfahrungsberichte: Vorteile und Nachteile der Seite
3.2.5 Zusammenfassung der Ergebnisse
4 Fazit
5 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Dating-Plattform BeautifulPeople.com mit dem Ziel, zu verifizieren, ob es sich dabei tatsächlich um eine Dating-Seite handelt oder primär um eine Social-Networking-Community, die auf einem strengen Attraktivitätsfilter basiert. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie das Selektionsverfahren und die spezifische Ausrichtung des Portals das Nutzerverhalten und die Wahrnehmung beeinflussen.
- Analyse der Mechanismen zur digitalen Selbstkonstruktion durch Nutzerprofile
- Untersuchung des "Face Control"-Prinzips als exklusives Zugangskriterium
- Kritische Beleuchtung der heteronormativen Strukturen im Bewertungssystem
- Empirische Erhebung zur Nutzerschaft, deren Motivationen und Zufriedenheit
- Diskussion der ökonomischen Ausrichtung und Zukunftsfähigkeit der Plattform
Auszug aus dem Buch
2.1 Selbstkonstruktion durch das Profil
Es lassen sich zwei Typen von Dating Seiten unterscheiden. Zum Typ eins gehören die Webseiten, die einen wissenschaftlichen Persönlichkeitstest den Nutzern anbieten, der dabei helfen soll über das eigene Selbst mehr zu erfahren und dadurch die Chancen einen richtigen Partner oder Partnerin finden zu steigern. Anhand der Testergebnissen wird zusätzlich auch eine Matchings-Technologie genutzt um den Nutzern konkrete Partnervorschläge zu vorstellen. Zum Typ zwei gehören Dating Seiten, die sich auf einer freie Profilsuche basieren (Schmitz 2009, abgerufen am 5.04.2011). Der Nutzer bzw. die Nutzerin konstruiert das eigene Profil selbstständig. Man versucht ohne psychologische Tests objektiv die Fragen: wer bin ich? und was ich will? zu beantworten (Illouz 2007, 117-118). Seiten des zweiten Types funktionieren ähnlich wie Social Communities oder Social Networking Seiten, z.B. Facebook, StudiVZ usw. Aber die Nutzer haben andere Ziele und zwar Social Networking nicht als Selbstziel, sondern als Mittel zum Erreichen des Endzwecks einen Partner zu finden.
Im Gegensatz zur Face-to-Face-Kommunikation stellt Online-Kommunikation bzw. Online Partnersuche ein breites Feld für eine Selbstkonstruktion. Das heißt, eine Person abhängig von dem situativen Kontext verschiedene Selbstbilder kreieren kann. „Ein Individuum [verfügt] über alternative Sichtweisen der eigenen Person, die sich von dem öffentlichen oder aktuellen Selbst […] unterscheiden.“ (Renner 2005, 179).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Online-Partnersuche ein und formuliert die zentrale Hypothese, dass BeautifulPeople.com eher eine Marketing-orientierte Community als eine klassische Dating-Plattform ist.
2 Analyse der Seite Beautifulpeople.com: Dieses Kapitel untersucht die funktionalen Aspekte der Website, einschließlich der Möglichkeiten zur Selbstpräsentation, des restriktiven Auswahlprozesses per Foto ("Face Control"), des demokratisch inszenierten, aber problematischen Wahlsystems sowie des Kostenmodells.
3 Empirische Studie: Hier werden Aufbau und Ergebnisse einer Online-Umfrage unter BP-Nutzern präsentiert, die Einblicke in Soziodemografie, Nutzungsverhalten, Anmeldegründe sowie wahrgenommene Vor- und Nachteile der Plattform geben.
4 Fazit: Das Fazit bestätigt die Hypothese, dass es sich um eine Nischenseite handelt, und empfiehlt ein strategisches Umdenken im Management, um die Funktionalität und Nutzerbindung langfristig zu sichern.
5 Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
BeautifulPeople.com, Online-Dating, Social Networking, Selbstkonstruktion, Attraktivität, Face Control, Heteronormativität, empirische Untersuchung, Nutzerschaft, Dating-Plattform, Profilgestaltung, digitale Partnersuche, Selektionsverfahren, Online-Umfrage, Nischen-Dating.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Website BeautifulPeople.com, die für ihren exklusiven Zugang basierend auf physischer Attraktivität bekannt ist, und hinterfragt deren tatsächliche Funktion und Ausrichtung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Selbstinszenierung der Nutzer, dem "Face Control"-Auswahlmechanismus, der Kritik am Bewertungssystem sowie den Beweggründen der Mitglieder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu überprüfen, ob die Seite primär eine Dating-Plattform ist oder ob es sich bei der Bezeichnung als "beautiful community" um eine Marketingstrategie handelt, die eher soziale Netzwerkeigenschaften aufweist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Untersuchung kombiniert eine theoretische Analyse der Plattform-Struktur mit einer empirischen Online-Umfrage unter 238 Mitgliedern der Website.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung der Profilgestaltung, des Abstimmungsprozesses und der Kostenstruktur sowie die Auswertung der Umfrageergebnisse zu den Motiven der Nutzer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Online-Dating, Attraktivitätsforschung, Selbstkonstruktion, soziale Netzwerke und der exklusive Zugang durch Foto-Abstimmungen.
Wie bewerten die Nutzer den Abstimmungsprozess?
Der Prozess wird ambivalent gesehen: Einerseits liefert er ein Machtgefühl und bestätigt die eigene Attraktivität, andererseits wird er wegen seiner heteronormativen Ausrichtung und der Unfairen Behandlung bestimmter Gruppen kritisiert.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Zukunft der Seite?
Die Autorin stellt fest, dass die Seite aufgrund ihrer Gewinnorientierung und der irritierenden Positionierung zwischen Dating und Social Networking bei vielen Nutzern das Interesse verliert, was ihre langfristige Zukunft in Frage stellt.
- Citar trabajo
- Olena Mykhaylychenko (Autor), 2011, BeautifulPeople.com. Where beautiful relationships begin., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230071