Predigtlehre ist Lehre zur Freude
Der Prediger ist homo ludens (Prov. 8,30): Spiel
Er kann nicht „machen“, was die Predigt leisten soll.
Wagnis um Leben und Tod: Brandstifter zu sein, zu sagen „Gott“. In diesem Nichtkönnen wagen und im Wagen „können“.
Leiden(-schaft), Passion: Aus dem Predigtzwang (1.Kor 9,16) ergibt sich die Notwendigkeit der Predigtlehre
Predigthörer haben es auch schwer, zuhören ist schwerer als reden
Wunder ist und Wunder wird indem sich einer selbst wagt
Darauf warten die Gemeinden, auf eine Predigt in neuen Zungen.
Wir predigen den Kommenden, deswegen keine Passion ohne Freude!
[...]
Inhaltsverzeichnis
ERSTER TEIL: ANLÄUFE
§1 PREDIGEN ALS LEIDENSCHAFT
§2 VIER VERLEGENHEITEN
I Die Schwierigkeit mit Gott
II Von Gott reden in einer sprachlosen Welt
III Sprachlose Kirche
IV Die Schwierigkeit mit sich selbst
§3 VORFRAGEN
I Zur Definition der Predigt
II Zur Methode der Predigtlehre
III Aufgabe, Anlage und Aufbau der vorliegenden Homiletik
ZWEITER TEIL: DAS WOHER DER PREDIGT
§4 DER HEILIGE GEIST
I Begründung der Homiletik
II Die Bedeutung der Pneumatologie für die Homiletik
III Der Heilige Geist als Geber und Gabe des Wortes
§5 DER NAME
I Legitimation der Predigt im Namen
II Der Name als hermeneutisches Problem
III Der Dienst an der Identität
IV Hinweis auf KOHLBRÜGGE
V Keine Teufelspredigt
§6 DIE SCHRIFT
I Die Schrift als Ur-Kunde des Namens
II Die Schrift als Dokument des schenkenden Geistes
III Das Schriftganze
IV Text und Textwahl
V Alttestamentliche Predigt
VI Kleines Lob der Homilie
§7 WORT UND GEIST
I Einheit als Ereignis
II Hermeneutik als Erweiterung der Sprache
III Folgerungen für den Predigt-Stil
IV Zeitformen
§8 PREDIGT ZWISCHEN EXEGESE UND KOMMUNIKATIONSFORSCHUNG
I Vorüberlegung
II Exegese
III Kommunikationsforschung
DRITTER TEIL: DIE ZEITFORMEN DES WORTES ERINNERUNG – VERHEISSUNG – GEGENWART
A Predigt als Erinnerung
§9 DIE BEGRÜNDUNG DER PREDIGT IN GOTTES ERINNERUNG
I Biblisch-Theologische Meditation über die Erinnerung
II Erinnerung - historische Kritik - Sprache
III Der Dienst der Erinnerung
IV Abendmahl und predigendes Erzählen
§10 PREDIGT ALS ERZÄHLUNG
I Predigendes Erzählen
II Passionserzählung
III Kalendergeschichten
IV Legendarisches Erzählen
V Lehr-Erzählung
VI Interpretation der Existenz
VII Gefahren
§11 PREDIGT UND ZITAT
I Vorbesinnung
II Weisen des Zitierens
III Exkurs: Vom Gebrauch fremder Predigten
IV Die Collage
V Schriftbeweis und Montage
§12 ERINNERUNG AN DIE SÜNDE
I Menschlich von der Sünde reden!
II Laienpredigt von der Sünde der Väter
III Vom predigenden Erzählen eines anständigen Deutschen
B Predigt als Verheißung
§13 DIE AKTUALITÄT DER VERHEISSUNG
§14 PREDIGT DES KOMMENDEN RETTERS
I Fragmentarische Sprache
II Die Kooperation von Gott und Mensch hinsichtlich der Vollendung
III Das Problem der Naherwartung
IV Die Gestalt der Freude
V Exkurs über den Humor
§15 PREDIGT DES KOMMENDEN RICHTERS
I Problemlage
II Perversion der Gerichtspredigt zur Höllenpredigt
III Die Predigt vom kommenden Richter als Frage an unsere Predigt vom Kreuz
IV Gefährdung der Gerichtspredigt durch natürliche Theologie
V Die Gestalt der Furcht
§16 APOKALYPTISCHE PREDIGT
I Die Sprache der Apokalyptik und unser Sprechen
II Eine apokalyptische Laienpredigt
III Von der Notwendigkeit der Phantasie für den Prediger
C Predigt des Gegenwärtigen
§17 VIELFÄLTIGE GEGENWART
I Voraussetzung. Geistesgegenwart
II Predigt des Erhöhten und Predigt von der Himmelfahrt
III Predigt von der Gegenwart Christi im Armen
IV Predigt von dem als Gemeinde existierenden Christus und Pfingstpredigt
V Predigt von der Gegenwart des Weltschöpfers
§18 BINDEN UND LÖSEN
I Die Hochsprache der Predigt
II Neuer Heilstand
III Retention (Binden)
IV Exorzismus (Lösen)
§19 PREDIGT UND ZEICHEN
I Zeichen und Wunder
II Predigt als Wundererklärung
§20 PREDIGT UND ZUNGENREDE
I Plädoyer für die Zungenrede
II Zungenrede im Kontext moderner Sprachbemühung
III Predigt zwischen Zungenrede und moderner Poesie
VIERTEL TEIL: DER PREDIGER
§21 MEDITATION
I Meditation von Psalm 1
II Folgerungen für die Praxis der Meditation
III Moderne Kunst und Meditation
IV Predigt-Spiel
V Zur Predigtmeditation
§22 DER PREDIGER ALS VORBILD
I Meditation über das Vorbild
II Praktische Folgerungen
§23 LASTERKATALOG FÜR PREDIGER
I Moralpredigt über sieben sozusagen angeborene Laster der Prediger
II Das Laster im Detail
§24 STRUKTURFRAGEN
I Die Singularität des Predigers als Problem
II Das israelitische Zeugenrecht als Modell für eine künftige Gestaltung des Predigtdienstes
III Dialog- oder Trialogpredigt
IV Laienpredigt
V Wanderprediger
FÜNFTER TEIL: DER HÖRER
§ 25 DIE FRAGE NACH DEM HÖRER
I Predigt in Freiheit vom Hörer
II Predigt vom Hörer herausgefordert
III Der erste Hörer und der zweite Text
§26 DER SCHLÜSSEL ZUM HÖRER
I Die Erfindung des Hörers
II Der Hörer als Evangelium für den Prediger
§27 DER WEG ZUM HÖRER
I Der Dank
II Das Sehen
III Das Fragen
IV Das Hören
V Zu Herzen nehmen
VI Traum und Vision
VII Diakonie
VIII Verwandlung
§28 DAS HÖREN
I Die Frage nach dem Hören
II Unser Hören ist Stückwerk – oder die Selektion
III Das Hören in der Predigt
§29 DAS GESPRÄCH
I Die gegenseitige Zuordnung von Predigt und Gespräch
II Das Gödenrother Gespräch
§30 INFORMATION
§31 MODELLE
I Politisches Nachtgebet (SÖLLE u.a.)
II Der Regisseur als Liturg (HOLLENWEGER)
III Gottesdienst als Happening (EGGIMANN)
§32 PREDIGTKRITIK – HÖREN ALS LEIDENSCHAFT
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit "Predigtlehre" von Rudolf Bohren setzt sich zum Ziel, eine fundierte homiletische Methodik zu entwickeln, die das Predigen als ein durch den Heiligen Geist ermöglichtes Ereignis begreift. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie die Sprachlosigkeit des modernen Predigers überwunden werden kann, indem das Wort Gottes in Beziehung zu den Zeitformen Erinnerung, Verheißung und Gegenwart sowie zur Person des Predigers und des Hörers gesetzt wird.
- Die pneumatologische Begründung der Predigt als "Ereignis des Geistes".
- Die Strukturierung homiletischer Arbeit in Erinnerung, Verheißung und Gegenwart.
- Die kritische Reflexion der Rolle des Predigers zwischen Vorbildsein und Fehlverhalten.
- Die Neubewertung des Hörers als Gnadengabe und Partner im Predigtgeschehen.
- Die Integration von Exegese, Kommunikationsforschung und moderner Sprachreflexion.
Auszug aus dem Buch
§1 PREDIGT ALS LEIDENSCHAFT
Angesichts der heute herrschenden Müdigkeit auf der Kanzel plädiert der Verfasser für das Predigen aus Leidenschaft. Das Wort der Predigt – Wort Gottes, Menschenwort, Wort für Menschen in einem – wird zunächst als das Wort eines bestimmten Menschen gehört. Diese Predigtlehre beginnt damit, daß der Predigtlehrer sich selbst vorstellt als leidenschaftlicher Prediger.
Predigtlehre ist Lehre zur Freude. Der Prediger ist homo ludens (Prov. 8,30): Spiel. Er kann nicht „machen“, was die Predigt leisten soll. Wagnis um Leben und Tod: Brandstifter zu sein, zu sagen „Gott“. In diesem Nichtkönnen wagen und im Wagen „können“.
Leiden(-schaft), Passion: Aus dem Predigtzwang (1.Kor 9,16) ergibt sich die Notwendigkeit der Predigtlehre. Predigthörer haben es auch schwer, zuhören ist schwerer als reden. Wunder ist und Wunder wird indem sich einer selbst wagt. Darauf warten die Gemeinden, auf eine Predigt in neuen Zungen. Wir predigen den Kommenden, deswegen keine Passion ohne Freude!
Zusammenfassung der Kapitel
ERSTER TEIL: ANLÄUFE: Dieses Kapitel begründet das Predigen als leidenschaftlichen Akt und analysiert die aktuelle Sprachlosigkeit sowie die grundlegenden homiletischen Fragestellungen.
ZWEITER TEIL: DAS WOHER DER PREDIGT: Der Fokus liegt hier auf der pneumatologischen Legitimation des Predigens durch den Heiligen Geist und der Bedeutung von Name und Schrift für das Wort.
DRITTER TEIL: DIE ZEITFORMEN DES WORTES ERINNERUNG – VERHEISSUNG – GEGENWART: Dieser Teil strukturiert die Homiletik materiell entlang der biblischen Zeitdimensionen und ihrer jeweiligen Bedeutung für die Predigtgestaltung.
VIERTEL TEIL: DER PREDIGER: Hier wird der Prediger als Person betrachtet, inklusive der Bedeutung von Meditation, der Rolle als Vorbild und der kritischen Auseinandersetzung mit berufsspezifischen Fehlverhalten.
FÜNFTER TEIL: DER HÖRER: Das abschließende Kapitel widmet sich der dynamischen Beziehung zwischen Prediger und Hörer sowie der Notwendigkeit des Gesprächs und der Predigtkritik.
Schlüsselwörter
Predigtlehre, Heiliger Geist, Pneumatologie, Sprachlosigkeit, Homiletik, Prediger, Hörer, Erinnerung, Verheißung, Gegenwart, Gotteswort, Leidenschaft, Meditation, Predigtkritik, Gnadenwahl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende, pneumatisch orientierte Predigtlehre, die den Prozess des Predigens nicht als bloße Technik, sondern als ein vom Heiligen Geist getragenes Ereignis versteht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Begründung der Predigt im Heiligen Geist, die zeitlichen Dimensionen des Wortes, die Existenz des Predigers sowie die komplexe Rolle des Hörers.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Sprachlosigkeit des modernen Predigens zu überwinden und dem Prediger Wege aufzuzeigen, wie er das Wort Gottes authentisch und in "neuen Zungen" für seine Zeit verkündigen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Rudolf Bohren nutzt eine interdisziplinäre Methode, die biblische Exegese mit pneumatologischer Systematik, Kommunikationsforschung und moderner Sprachkritik verbindet.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Bereiche: Die Herkunft des Predigens (Geist, Name, Schrift), die zeitlichen Formen der Predigt (Erinnerung, Verheißung, Gegenwart) und die handelnden Personen (Prediger und Hörer).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Wichtige Begriffe sind pneumatologische Homiletik, theonome Reziprozität, Sprachlosigkeit, Meditation, Fragmentcharakter der Predigt und die geistliche Leidenschaft.
Wie wird das Verhältnis zwischen dem Prediger und dem Text definiert?
Der Prediger steht in einem notwendigen Meditationsprozess zum Text, in dem er durch das Wort selbst zur Sprache findet und das Wort Gottes in die menschliche Situation vermittelt.
Was bedeutet der Begriff "Lasterkatalog für Prediger"?
Hier reflektiert der Autor kritisch typische Fehlhaltungen von Pfarrern – wie Routine oder Kitsch – und führt diese nicht auf mangelnde Begabung, sondern auf eine unzureichende Meditation zurück.
- Quote paper
- Andreas Losch (Author), 2001, Zu: Rudolf Bohren, Predigtlehre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2301