„Kirche in der Krise“ diese Worte hört und liest man in Zeiten der Missbrauchsfälle und der Debatten um die Abschaffung des Religionsunterrichts immer wieder. Immer weniger Katholiken in Deutschland besuchen regelmäßig den sonntäglichen Gottesdienst oder engagieren sich in einer kirchlichen Einrichtung.
Vor allem die jungen Generationen bleiben der Kirche fern. Sie identifizieren sich nicht mit ihr und auch nicht über sie. Kirche geht an den meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorbei. Worin liegt der Grund für diese Krise und wie kann die Kirche ihr entgegentreten?
Unter dem Titel „Wie ticken Jugendliche?“ veröffentlichte 2008 der BDKJ gemeinsam mit MISEREOR die Sinus–Milieustudie U27, die an die Erwachsenenstudie von 2005 anknüpft, jedoch Jugendliche und junge Erwachsene zum Fokus hat.
Die folgende Arbeit will diese Studie nun nutzen, um die Einstellungen junger Erwachsener zur katholischen Kirche herauszuarbeiten und sie will versuchen, Perspektiven aufzuzeigen, wie die Kirche auf die genannten Wünsche und Kritikpunkte reagieren kann.
Dazu sollen zunächst die einzelnen Lebenswelten der jungen Erwachsenen vorgestellt werden. Die 13-19-Jährigen, also die Jugendlichen, werden in dieser Arbeit immer wieder erwähnt werden, sollen jedoch nicht im Fokus stehen. Zentral soll es um die nächste Erwachsenengeneration, die 20-27-Jährigen gehen.
Eine Auswertung der Studienergebnisse erfolgt dann in den nächsten Kapiteln. Dabei soll es nicht nur konkret um die Kritikpunkte und die Wünsche der jungen Erwachsenen bezüglich der katholischen Kirche gehen, sondern auch um allgemeinere Überlegungen zur Überarbeitung und Organisation von Pastoral und Liturgie.
Selbstverständlich darf die folgende Arbeit nicht als Universalrezept für eine bessere Kirche verstanden werden, aber sie soll Anregungen geben, wie die katholische Kirche den Kontakt zu den jüngeren Menschen aufbauen und halten kann, wie sie ihnen erneut die Chance geben kann, zu Gott zu finden und sich in ihrem Glauben und ihrer Kirche zu Hause zu fühlen.
Table of Contents
1. Einführung
2. Wie ticken Jugendliche? Eine milieuorientierte Vorstellung
2.1 Die Lebenswelten, die die Kirche durch die Pfarrei erreicht
2.1.1 Traditionelle
2.1.2 Bürgerliche junge Erwachsene
2.1.3 Postmaterielle junge Erwachsene
2.2 Kirchendistanzierte
2.2.1 Hedonisten
2.3. Kirchenferne
2.3.1 Konsum-Materialisten
2.4 Die jungen Milieus
2.4.1 Moderne Performer
2.4.2 Experimentalisten
3. Die Aufgabe des katholischen Modernisierungskonzeptes
3.1 Ein Blick auf das territoriale Pfarrprinzip
3.2 Das Scheitern des territorialen Pfarrprinzips und ein neuer Ansatz…
3.3 Modernisierung als Ernstnehmen der jungen Generation
4. Das Experiment Jugendkirche als konkretes Beispiel, Jugendliche zu erreichen
4.1. Die Relevanz von Jugendkirchen und ihre Gründe
4.2. Mission durch Jugendkirchen!?
4.3. Kritik am Konzept der Jugendkirche
5. Auflösung des Pfarrprinzips, Jugendkirche und dann…
5.1 Liturgie und Gottesdienst
5.2 Transparenz und Marketing
5.3 Menschen in der Kirche
6. Zusammenfassung
Objectives and Topics
This work examines the reasons for the decreasing connection between young adults and the Catholic Church, utilizing the Sinus-Milieu-Study U27 to analyze different social milieus and their specific perspectives on the institution. It aims to develop approaches for the Church to modernize its pastoral care, improve communication, and better address the needs of the younger generation to revitalize their faith and congregational involvement.
- Analysis of youth milieus (Sinus-Milieu-Study U27)
- Critique of the traditional territorial parish system
- The role and potential of "Jugendkirchen" (youth churches)
- Challenges in liturgy, transparency, and marketing
- Strategies for modernizing pastoral care and personal engagement
Excerpts from the Book
2.1.1.1 Das Milieu
Das Lebensziel der traditionellen Jugendlichen ist es, einen angebrachten Status in der heutigen Gesellschaft durch Leistung und Zielstrebigkeit zu erreichen. An oberster Stelle der Werte der Traditionellen stehen Pflicht- und Akzeptanzwerte, die familiären Werte folgen sofort. Dem Namen nach werden traditionelle Werte und Institutionen bewahrt. Wichtig ist daher, dass gesellschaftlicher Fortschritt kritisch betrachtet wird. Immer wieder wird, wenn gegenwärtige Probleme betrachtet werden, die Vergangenheit reflektiert. Diese dient als legitimes Fundament. Zusammenhängend damit ist auch nachvollziehbar, dass die Jugendlichen hohe Achtung vor Eltern und Großeltern, also älteren Menschen haben. Das oberste Ziel dieses Milieu ist es, eine Familie zu gründen, die als Institution von Harmonie und Rückhalt dient.
Normalerweise wird das Milieu, das sich nun über alle drei Schichten erstreckt, aufgeteilt in die Konservativen A12 und die Traditionsverwurzelten A23. Wenn man diese Unterscheidung betrachtet, kann man sagen, dass sich die eher konservativen Jugendlichen zum Bildungsbürgertum zugehörig fühlen, einer elitären Schicht. Sie zeigen ein hohes Gefühl für gesellschaftliche Verantwortung und weisen teilweise, durch ihre angebliche gehobene Stellung in der Gesellschaft, eine rechtskonservative Haltung auf.
In der mittleren und unteren Mittelschicht bestimmt Bescheidenheit das Leben. Ihr Ziel ist es hier deutlich, den Lebensstandart, den sie sich erarbeitet haben, zu bewahren. Kennzeichnend für die Traditionsverwurzelten sind Werte wie Pflichterfüllung, Ordnung und Disziplin. Viele Ansichten teilen die Traditionellen mit der christlichen und katholischen Moral. Homosexualität oder auch Transsexualität wird als Sünde verschrien. Auch die Rollenmuster stehen fest; der Mann geht arbeiten und die Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt. Diese Rollen sind so festgelegt, dass Emanzipation und Feminismus als antichristlich angesehen wird. Wenn man die Berufsfelder der Traditionellen betrachtet, stellt man fest, dass meist kaufmännische Berufe ergriffen werden, oder auch die bodenständige Beamtenlaufbahn betreten wird. Diese Berufe bedeuten eine gewisse Sicherheit, was für dieses Milieu von großer Bedeutung ist. So kümmern sie sich auch bewusst um Altersvorsorge und ihre Versicherungen.
Summary of Chapters
1. Einführung: This chapter highlights the crisis of the Catholic Church regarding its reachability of young generations and introduces the Sinus-Milieu-Study U27 as the analytical basis for the research.
2. Wie ticken Jugendliche? Eine milieuorientierte Vorstellung: This section provides a detailed segmentation of seven youth milieus, examining their specific values, social backgrounds, and their often critical or distant relationship with the Church.
3. Die Aufgabe des katholischen Modernisierungskonzeptes: This chapter explores why the traditional parish model is failing to reach contemporary youth and argues for a necessity to adapt and modernize church structures.
4. Das Experiment Jugendkirche als konkretes Beispiel, Jugendliche zu erreichen: The concept of youth churches is analyzed as an innovative approach to overcome communication barriers and address the needs of young people through events and different aesthetic forms.
5. Auflösung des Pfarrprinzips, Jugendkirche und dann…: This section details specific recommendations for the Church, including liturgical reforms, improved digital transparency, marketing, and the fostering of personal, authentic relationships between the clergy and youth.
6. Zusammenfassung: The final chapter synthesizes the findings, reiterating that while no universal recipe exists, the Church must embrace the diversity of the postmodern world to stay relevant and fulfill its mission.
Keywords
Catholic Church, Sinus-Milieu-Study, Youth Ministry, Pastoral Care, Modernization, Postmodernity, Jugendkirche, Liturgy, Social Milieus, Religiousness, Transparency, Marketing, Communication, Values, Faith.
Frequently Asked Questions
What is the core issue addressed in this work?
The work focuses on the crisis of the Catholic Church in effectively reaching young adults, analyzing why the traditional parish system no longer connects with the diverse lifestyles of the younger generation.
What are the central thematic fields?
The core themes include social milieu theory, the modernization of church structures, the role of youth churches, liturgical adaptation, and the necessity of improved communication and transparency.
What is the primary objective of this research?
The objective is to utilize sociological data to understand young adults' attitudes toward the Church and to provide actionable perspectives for fostering a more relevant and accessible pastoral ministry.
Which scientific method is used?
The author uses a qualitative approach, primarily relying on the Sinus-Milieu-Study U27 to classify youth milieus and interpret their specific expectations and criticisms regarding the Catholic Church.
What is covered in the main section?
The main section details specific youth milieus, evaluates the failure of the territorial parish principle, analyzes the "Jugendkirche" concept, and discusses concrete measures like digital marketing and liturgical changes.
Which keywords characterize this work?
Key terms include Catholic Church, Sinus-Milieu-Study, Youth Ministry, Modernization, Pastoral Care, and Social Milieus.
How does the author evaluate the "territorial parish principle"?
The author argues that the territorial parish principle is largely outdated in the context of a mobile society and suggests that the Church must move towards a more flexible structure, such as a "Großpfarrei" (large parish), to accommodate individual needs.
What role does digital media play in the author's analysis?
The author emphasizes that the Church significantly underestimates the digital environment. To reach young adults, the Church must be present online, use modern communication channels, and increase transparency, as young people rely on digital platforms for information.
What does the author mean by "authentic" church leadership?
Authenticity is defined as the clergy being "real people" with lives and interests outside the church, who listen and engage with young adults' actual problems rather than acting as distant moral authorities.
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- Rebekka Bolz (Autor), 2010, Krisenbewältigung: Junge Erwachsene und die Krise der Kirche, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230175