Kontinuierlicher Ressourcenverbrauch, globaler Klimawandel, steigende Transparenzanforderungen, demographische Veränderungen, Energieknappheit und hohe Risiken in der Finanz- und Wirtschaftsbranche- Konzepte, Ideen und Initiativen, wie diesen Missständen und Veränderungen seitens der Unternehmen entgegengewirkt werden kann, werden als Teil der jährlichen Berichterstattung in den Nachhaltigkeitsberichten veröffentlicht. Das Erkennen von ökologischen, gesellschaftlichen, geopolitischen und langfristigen ökonomischen Herausforderungen ist die Voraussetzung einer an Nachhaltigkeit orientierten Unternehmensstrategie, von der Gesellschaft sowie Stake- und Shareholder profitieren. Die Komplexität des Themas Nachhaltigkeit erschwert ein einheitliches Verständnis, was zur Folge hat, dass auch die Berichterstattung darüber deutliche Unterschiede in bspw. Umfang, Qualität, Aktualität und Relevanz aufweist und somit durch Rezipienten nur schwer qualitativ einstufbar ist. Für Nachhaltigkeitsberichte fehlen vergleichbare gesetzliche Vorgaben. Ein Großteil der Nachhaltigkeitsberichterstattung erfolgt in Deutschland nach wie vor auf freiwilliger Basis. Zwar existieren unterschiedliche Richtlinien, wie die der Global Reporting Initiative oder die der AccountAbility Organisation, diese sind aber völlig unverbindlich. Die genannten Richtlinien, geben zudem nur einen groben Rahmen vor oder nennen Grundsätze nach denen die Berichterstattung erfolgen sollte.
Für die Qualität eines Nachhaltigkeitsberichts lassen sich nur sehr schwer ISO-Normen oder Ähnliches festlegen. Wie jedoch bereits die Vorstudie (genauere Erläuterung in Kapitel 2.1) zu dieser Arbeit zeigt, lassen sich durchaus Unterschiede in der Nachhaltigkeitsberichterstattung ausmachen und durch genaue Analyse unverzichtbare Inhalte und Qualitätsmerkmale identifizieren. Ziel dieser Arbeit ist es genau diese, für Qualität und Glaubwürdigkeit, maßgeblichen Merkmale ausfindig zu machen und in Form eines Bewertungsinstruments zu operationalisieren. Wie es der Titel dieser Arbeit bereits ausdrückt, soll das Evaluationstool dabei unterstützen die berichteten Werte der Nachhaltigkeitsberichte beurteilen bzw. besser einschätzen zu können. Weiterhin soll es durch dieses Instrument Investoren ermöglicht werden, Nachhaltigkeitsberichte qualitativ zu vergleichen. Die Berichterstattung der Unternehmen zu nachhaltigem Engagement soll künftig in den Investitionsentscheidungen berücksichtigt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Leitendes Anliegen
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Vorstudie
2.1.1 Leitendes Anliegen
2.1.2 Verfahren
2.1.3 Ergebnisse
2.2 Ökologisch-ethische Finanzanlage
2.2.1 Definition
2.2.2 Produkte
2.3 Glaubwürdigkeit von Kommunikation
2.3.1 Inhaltsorientierte Glaubwürdigkeitsbeurteilung
2.3.2 Quellen- und kontextorientierte Glaubwürdigkeitsbeurteilung
2.4 Qualitätsmerkmale von Kommunikation
2.5 Anwendbarkeit der Schlüsselindikatoren in der Nachhaltigkeitsberichterstattung
3. Entwicklung einer ersten Version des Instruments
3.1 Methodik
3.1.1 Kriterienentwicklung
3.1.2 Kriterienstruktur
3.1.3 Ziel der Evaluation
3.1.4 Bewertung
3.2 Operationalisierung der Thesen/ Kriterienset
3.2.1 Branchenübergreifende Kriterien
3.2.1.1 Allgemeine Informationen
3.2.1.2 Inhaltliche Evaluation
3.2.2 Branchenspezifische Kriterien
4. Theoretical Sampling
4.1 Stichprobe
4.2 Bewertungsgegenstand
5. Dokumentation der Analyse
5.1 Empirische Aussagen über Berichte
5.1.1 Quantifizierung der qualitativen Ergebnisse
5.1.2 Inhaltliche Dichte
5.1.3 Anwendung des Bewertungsinstruments
5.1.4 Ergänzende Feststellungen
5.1.4.1 Allgemein
5.1.4.2 Kritikpunkte an einzelnen Berichten
5.2 Erweiterung des Instruments
5.2.1 Verbesserungen/Veränderungen
5.2.2 Erweiterungen
5.2.3 Zukünftige Aktualisierung/ Fazit
6. Aussagen zu Thesen der Vorstudie
7. Implikationen für die Unternehmenspraxis
8. Zusammenfassung, Kritische Würdigung, Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit verfolgt das Ziel, ein valides Bewertungsinstrument zu entwickeln, das es Investoren und anderen Stakeholdern ermöglicht, Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen qualitativ zu vergleichen und deren Glaubwürdigkeit fundiert einzuschätzen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Operationalisierung von Qualitäts- und Glaubwürdigkeitsmerkmalen in einem volatilen Umfeld ohne standardisierte gesetzliche Vorgaben.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Nachhaltigkeitsberichterstattung und Glaubwürdigkeitskonzepten.
- Ableitung von Schlüsselindikatoren für die Qualität von Unternehmensberichten (Relevanz, Vergleichbarkeit, Nachprüfbarkeit etc.).
- Entwicklung und erste praktische Erprobung eines Bewertungsschemas an einer Stichprobe von DAX-Unternehmen.
- Diskussion der Einstellungsbeeinflussung bei Rezipienten und der Rolle von ökologisch-ethischen Finanzanlagen.
- Ableitung von Empfehlungen für die Unternehmenspraxis zur Optimierung zukünftiger Berichterstattung.
Auszug aus dem Buch
Glaubwürdigkeit von Kommunikation
Mit Hinblick auf das zu erstellende Evaluationswerkzeug, ist es notwendig zu klären, was Glaubwürdigkeit in Kommunikation ausmacht bzw. wie man beurteilen kann, ob ein Bericht glaubwürdig ist. Dabei ist es schwer, in der existierenden Literatur konkrete förmliche Definitionen oder wissenschaftliche Untersuchungen zu finden, da diese oftmals direkt zur Operationalisierung übergehen, ohne den Begriff an sich exakt zu erläutern. Grundsätzlich kann sich die Beurteilung der Glaubwürdigkeit jedoch entweder auf Personen oder auf Aussagen beziehen.
Weiterhin kann man zwischen der kommunikatororientierten Perspektive, d.h. Einschätzung der Glaubwürdigkeit anhand der Absicht des Kommunikators und der rezipientenorientierten Sicht, d.h. Betrachtung der Wahrnehmung des Rezipienten, unterschieden. Für das vorliegend zu erstellende Bewertungsinstrument scheint eine rezipientenorientierte Sicht angemessen. Bei der Frage, worauf Glaubwürdigkeit gründet, spielt die Glaubwürdigkeitsbeurteilung eine wichtige Rolle.
Diese Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Kommunikation lässt sich in zwei weitere Fragestellungen unterteilen. Frage eins möchte ermitteln, inwieweit „Täuschung und Wahrheit anhand bestimmter mehr oder weniger objektiv zu erfassender Symptome erkannt werden kann“ (Köhnken, 1990, S. 20) und Frage zwei geht auf die Glaubwürdigkeitsattribution ein, d.h., unter welchen Umständen kommt Glaubwürdigkeit zustande und welche Mechanismen wirken auf Seiten des Rezipienten. Zur Beantwortung dieser Fragestellungen haben sich im Wesentlichen drei Forschungsgebiete entwickelt, die die jeweils unterschiedlichen Aspekte der Glaubwürdigkeitsbetrachtung untersuchen (Nawratil, 2006, S. 19ff):
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die Notwendigkeit von Nachhaltigkeitsberichterstattung angesichts globaler Herausforderungen und begründet die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen: Bietet einen Überblick über Vorstudien, ökologisch-ethische Finanzanlagen sowie wissenschaftliche Theorien zu Glaubwürdigkeit und Qualität in der Kommunikation.
3. Entwicklung einer ersten Version des Instruments: Beschreibt die methodische Herleitung der Kriterien und die Struktur des ersten Entwurfs für das Evaluationswerkzeug.
4. Theoretical Sampling: Detailliert die Auswahl der untersuchten Unternehmen für die Stichprobe und definiert den Bewertungsgegenstand.
5. Dokumentation der Analyse: Präsentiert die empirischen Ergebnisse der Berichtsanalysen, die Anwendung des Instruments sowie notwendige Erweiterungen.
6. Aussagen zu Thesen der Vorstudie: Überprüft die Validität früherer Hypothesen vor dem Hintergrund der neuen Analyseergebnisse.
7. Implikationen für die Unternehmenspraxis: Leitet konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen zur Verbesserung ihrer Nachhaltigkeitsberichte ab.
8. Zusammenfassung, Kritische Würdigung, Ausblick: Führt die Ergebnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Bedeutung des Instruments.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeitsberichterstattung, CSR, Glaubwürdigkeit, Qualität, Bewertungsinstrument, Finanzanlage, Stakeholder, Unternehmensführung, Transparenz, Inhaltsanalyse, Indikatoren, Berichterstattung, Unternehmenskommunikation, Nachhaltigkeitsmanagement, Unternehmenserfolg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Entwicklung eines strukturierten Bewertungsinstruments, um Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen qualitativ zu beurteilen und deren Glaubwürdigkeit zu prüfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSR), die Theorie der Glaubwürdigkeit von Kommunikation sowie die Qualitätssicherung in Unternehmensberichten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist die Operationalisierung von Qualitäts- und Glaubwürdigkeitsmerkmalen, um für Investoren und andere Rezipienten ein objektives Vergleichsinstrument zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse, ergänzt um Elemente des „Theoretical Sampling“ für die Auswahl der untersuchten Berichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung, die methodische Konstruktion des Bewertungsinstruments, die Analyse einer Stichprobe von zehn Nachhaltigkeitsberichten sowie die darauf basierende Evaluation und Weiterentwicklung des Tools.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind CSR (Corporate Social Responsibility), Nachhaltigkeitsberichterstattung, Glaubwürdigkeitsattribution, Transparenz und die Operationalisierung von Kriterien.
Wie unterscheiden sich die untersuchten Nachhaltigkeitsberichte qualitativ?
Die Analyse zeigt erhebliche Unterschiede im Detailgrad, der Transparenz der Kennzahlen und der Innovationskraft der berichteten CSR-Initiativen zwischen den Unternehmen.
Welchen Mehrwert bietet das entwickelte Instrument für Unternehmen?
Es dient Unternehmen als Leitfaden, um durch den Vergleich mit anderen DAX-Unternehmen neue Inspirationen zu gewinnen und die Transparenz sowie Glaubwürdigkeit der eigenen Berichterstattung gezielt zu erhöhen.
- Quote paper
- Laura Schütt (Author), 2011, Werte bewerten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230316