Was nützt der beste Standpunkt, wenn man ihn nicht plausibel darlegen kann? In nahezu allen Lebenslagen brauchen wir die richtigen Argumente, um unsere Ansichten und Standpunkte überzeugend zu vermitteln. Für unser tägliches Zusammenleben stellt Argumentationsfähigkeit, als Teil einer allgemeinen Gesprächskompetenz, „[…] eine wesentliche Schlüsselkompetenz [dar], die es im Laufe der schulischen Ausbildung zu erwerben gilt […].“ (Grundler 2006: 77). In diesem Zusammenhang gehört es zu einer der zentralen Aufgaben der Schule, und insbesondere des Deutschunterrichts, zum einen argumentative Fertigkeiten nachhaltig zu fördern, und zum anderen den Wert des Argumentierens zu verdeutlichen.
Das Seminar Textformen im Deutschunterricht im Sommersemester 2012 hat sich im Rahmen einer Kurseinheit eingehender mit dem Bereich des Mündlichen Argumentierens befasst, welches mein Interesse aufgrund der Vielfältigkeit der didaktischen Umsetzungsmöglichkeiten wecken konnte. Die vorliegende Arbeit wird sich daher vertiefend mit dem Thema des mündlichen Argumentierens in der Schule beschäftigen. Dabei wird versucht, herauszufinden, wie und in welchem Umfang im schulische Unterricht, und insbesondere im Deutschunterricht der Sekundarstufe I und II, die spezifischen Fertigkeiten gefördert werden können, welche Voraussetzung für das mündliche Argumentieren sind.
Im Folgenden wird sich die Arbeit unter Einbezug verschiedener Publikationen, wie jene von Grundler & Vogt (2012), Pabst-Weinschenk (2006), oder Vogt (2007), dem mündlichen Argumentieren in der Schule zuwenden....
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Mündliches Argumentieren
2.1 Begriffsbestimmung - Enges und erweitertes Argumentationsverständnis
2.2 Anforderungen beim mündlichen Argumentieren
3 Förderung der mündlichen Argumentationsfähigkeit im schulischen Unterricht
3.1 Curriculare Vorgaben
3.2 Formate zur Förderung
3.2.1 Die Plenumsdiskussion
3.2.2 Die Podiumsdiskussion
3.2.3 Die Amerikanische Debatte
3.2.4 „Jugend debattiert“
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Möglichkeiten zur gezielten Förderung der mündlichen Argumentationskompetenz im schulischen Unterricht, insbesondere im Fach Deutsch. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie und in welchem Umfang argumentative Fertigkeiten in der Sekundarstufe I und II nachhaltig entwickelt werden können, um den komplexen Anforderungen mündlicher Auseinandersetzungen zu begegnen.
- Grundlagen des mündlichen Argumentierens (enges vs. erweitertes Verständnis)
- Verfahrensspezifische Anforderungen und notwendige Teilfertigkeiten
- Analyse curriculare Vorgaben für den schulischen Kontext
- Vergleich verschiedener Argumentationsformate (Plenums- und Podiumsdiskussion, Amerikanische Debatte)
- Vertiefende Untersuchung des Projekts „Jugend debattiert“
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsbestimmung - Enges und erweitertes Argumentationsverständnis
Mündliches Argumentieren kann als thematisch festgelegter und zwischen mehreren Interaktanten sprachlich realisierter Austausch von Begründungen verstanden werden (vgl. Spiegel 2006: 64). Weiter sind Argumentationen stets in komplexere sprachliche Situationen, wie alltägliche Gespräche oder Debatten und Diskussionen – als prominentester Ort des Argumentierens (vgl. 1)1 -, integriert.
Grundler & Vogt (2012: 487) unterscheiden in ihrem Aufsatz zwischen einem engen und einem erweiterten Argumentationsverständnis, welche weniger als zwei konträre Sichtweisen, denn als verschiedene Ausprägungen einer Auffassung interpretiert werden sollten. Da beide Konzepte Einfluss auf die Realisierung mündlicher Argumentationen im schulischen Kontext haben, sollen sie nachfolgend umfassend dargestellt werden.
Der engen Perspektive von Argumentieren nachgehend, findet beim mündlichen Argumentieren ein Austausch von Argumenten mit dem Ziel der Anerkennung des Geltungsanspruchs einer ungesicherten Behauptung statt (vgl. ebd.; Pabst-Weinschenk 2011: 115). Geht es beim mündlichen Argumentieren lediglich darum, den Gegenüber von einer strittigen These zu überzeugen, so vertreten die einzelnen Argumentationsteilnehmer bereits zu Beginn der argumentativen Auseinandersetzung vorgefestigte Haltungen, welche „auf allgemein anerkannte Werte, Überzeugungen oder Tatsachen rückbezogen werde[n]“ (Grundler & Vogt 2012: 488). Im schulischen Unterricht kommt dies der weit verbreiteten Pro-Kontra-Diskussion gleich, bei welcher auf der einen Argumentationsseite die Stützung und auf der anderen Seite die Widerlegung der These ohne angestrebte Veränderung der Standpunkte fokussiert wird (vgl. Kotthoff 2009: 48). Doch, wie Grundler & Vogt (2012: 488) diesbezüglich anmerken, verfügen die Gesprächsteilnehmer in real existierenden Argumentationen zumeist nicht über fertige Positionen zur Fragestellung. Sie entfalten ihre Standpunkte häufig erst in der argumentativen Auseinandersetzung mit den Interaktanten. In dieser erweiterten Auffassung wird den Teilnehmern folglich eine gewisse Offenheit hinsichtlich ihrer Haltungen zugesprochen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung des mündlichen Argumentierens als Schlüsselkompetenz heraus und skizziert das Ziel der Arbeit, die Förderung dieser Fertigkeit im schulischen Deutschunterricht zu untersuchen.
2 Mündliches Argumentieren: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Argumentierens durch die Unterscheidung eines engen und erweiterten Verständnisses und beleuchtet die komplexen Anforderungen und Rahmenbedingungen an die Sprecher.
3 Förderung der mündlichen Argumentationsfähigkeit im schulischen Unterricht: Hier werden curriculare Vorgaben analysiert und verschiedene Formate wie Plenums- und Podiumsdiskussionen, die Amerikanische Debatte sowie das Projekt „Jugend debattiert“ auf ihre Wirksamkeit hin untersucht.
4 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die untersuchten Formate im Hinblick auf ihre Eignung zur Förderung argumentativer Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern.
Schlüsselwörter
Mündliches Argumentieren, Gesprächskompetenz, schulischer Unterricht, Deutschunterricht, Argumentationsfähigkeit, Plenumsdiskussion, Podiumsdiskussion, Amerikanische Debatte, Jugend debattiert, Didaktik, Kompetenzförderung, Sprachförderung, Argumentationsverständnis, Gesprächsfähigkeit, Perspektivübernahme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung des mündlichen Argumentierens im schulischen Kontext und untersucht, wie die Argumentationskompetenz von Schülerinnen und Schülern durch didaktische Formate gezielt gefördert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Begriffsbestimmung von Argumentation, die verfahrensspezifischen Herausforderungen an Lernende sowie die Analyse verschiedener schulpraktischer Diskussions- und Debattenformate.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie und in welchem Umfang im schulischen Unterricht – vor allem im Deutschunterricht der Sekundarstufen – spezifische Fertigkeiten für das mündliche Argumentieren erfolgreich gefördert werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Einbezug relevanter didaktischer Publikationen sowie der Auswertung von Rahmenlehrplänen für Berlin und spezifischer Projektunterlagen zu „Jugend debattiert“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen des Argumentierens, Anforderungen an Sprecher, curriculare Vorgaben sowie eine detaillierte Analyse von Formaten wie der Plenums- und Podiumsdiskussion, der Amerikanischen Debatte und dem Projekt „Jugend debattiert“ dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere mündliches Argumentieren, Argumentationskompetenz, Deutschdidaktik, Gesprächsführung, Perspektivübernahme und schulisches Debattieren.
Warum wird zwischen einem „engen“ und „erweiterten“ Argumentationsverständnis unterschieden?
Die Unterscheidung verdeutlicht den Unterschied zwischen einer rein konsensorientierten, oft realitätsfernen Pro-Kontra-Diskussion und einem offenen Austausch, der zur Toleranz und zum Verstehen verschiedener Sichtweisen beiträgt.
Welche Rolle spielen die „Redemittelkarten“ bei „Jugend debattiert“?
Sie dienen als wichtiges „Handwerkszeug“ für die Schülerinnen und Schüler, um sie beim Strukturieren ihrer Beiträge zu unterstützen und ihnen durch verschiedene Kompetenzstufen eine gezielte, individuelle Förderung zu ermöglichen.
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- Master of Education Babette Treptow (Author), 2013, Mündliches Argumentieren im schulischen Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230319