Chinas ökonomischer Aufstieg und sein steigendes Engagement in Afrika stoßen gerade im Westen auf viel Skepsis und Kritik. Die Darstellung Chinas ist stellenweise schon fast dämonisierend und auch in der Politik wird die Rolle Chinas sehr kritisch betrachtet. Ein Vorwurf, der häufig formuliert wird, ist der des Neokolonialismus. Selbst angesehene Politiker vertreten diese Position: „Wir haben es doch in der Kolonialzeit gesehen, wie leicht das geht: reinkommen, die Ressourcen zu räubern, die Herrscher zu bezahlen und wieder zu verschwinden." (Spiegel 28.07.2011) Mit diesen Worten wird zum Beispiel Hillary Clinton zu diesem Thema zitiert.
Aber stimmt dieses Bild? Die chinesische Rhetorik allein lässt darüber keinen Schluss zu. China stellt sich selbst als Entwicklungsland dar, das den Aufstieg, den es selbst geschafft hat, auch anderen Ländern ermöglichen will. Die Ressourcen sind für China notwendig, aber es bietet dafür großzügig Hilfe an. Auch diese Darstellung ist einseitig und greift zu kurz. Der chinesische Einfluss auf Afrika ist größer und läuft nicht nur über Ressourcenhandel und Entwicklungshilfe.
Wie sieht das chinesische Engagement aus? Und ist es wirklich so weit entfernt vom westlichen Handeln in Afrika. Dies ist die Frage, die diese Arbeit beantworten möchte.
Um die Unterschiede zwischen Chinas und der westlichen Art der Zusammenarbeit herauszuarbeiten ist es notwendig, beide Seiten zu beleuchten. Das erste Kapitel gibt deshalb einen knappen Abriss der Historie der Entwicklungshilfe des „Westens“. Danach soll die jüngere Geschichte betrachtet werden, um genau zu sein die Beziehungen zwischen China und Afrika in den letzten sechzig Jahren. China zählt zwar als „Neuer Geber“, ist aber genauso lange an Entwicklungshilfeprojekten beteiligt wie der Westen – wenn auch unter anderen Vorzeichen. Das gegenwärtige chinesische Engagement wird ab dem vierten Kapitel genau betrachtet, inklusive der beteiligten Akteure und der ergriffenen Maßnahmen. Schließlich soll noch einmal dargestellt werden, was das chinesische Engagement für die Politik des Westens in Afrika bedeutet.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Literatur und Quellenlage
1.2 Anmerkung zu sprachlichen Elementen
2. Die Entstehung der westlichen Ausprägung von Entwicklungshilfe
2.1 Die Kolonialhilfe als Ursprung der Entwicklungshilfe
2.2 Der Wiederaufbau Europas als Blaupause der Entwicklungspolitik
2.3 Die Vorphase der öffentlichen Entwicklungshilfe
2.4 Die erste Entwicklungsdekade (1961 – 1970) – Modernisierung & Industrialisierung
2.5 Die zweite Entwicklungsdekade (1971 – 1980) – Dependenztheorie & Grundbedürfnisstrategie
2.5.1 Definition der ODA-Entwicklungshilfe
2.6 Die dritte Entwicklungsdekade (1981 – 1990) – Das verlorene Jahrzehnt
2.7 Die vierte Dekade (1991 – 2000) – Neuorientierung und nachhaltige Entwicklung
2.8 Die gegenwärtige Situation der Entwicklungshilfe
2.8.1 Die „Neuen Geber“
3. Ein alter „neuer“ Akteur – die sino-afrikanische Verbindung
3.1 Chinas Afrikapolitik in den fünfziger und sechziger Jahren – Revolutionäre Phase und Zwischenzonentheorie
3.2 Von Bandung bis zur Kulturrevolution
3.3 Die siebziger und achtziger Jahre – Reform und Stabilität
3.4 Die neunziger Jahre – Re-Orientierung nach Afrika
4. Chinas Engagement in Afrika
4.1 Schlüsselfaktoren
4.1.1 Die Energie- und Ressourcensicherung:
4.1.2: Neue Absatzmärkte:
4.2 FOCAC - Forum für chinesisch-afrikanische Kooperation
4.2.1 FOCAC 2000 und 2003
4.2.2 Eine neue strategische Partnerschaft - Das dritte FOCAC und das Pekinger Gipfeltreffen 2005
4.2.3 Das FOCAC als Steuerungsinstrument der sino-afrikanischen Beziehungen
5. Die chinesische Entwicklungszusammenarbeit
5.1 Organisation der Entwicklungszusammenarbeit
5.2 Formen der chinesischen Entwicklungshilfe
5.2.1 Die finanzielle Grundformen
5.2.2 Die Finanzierungsprogramme
5.2.3 Die Schwerpunktbereiche der chinesischen Entwicklungshilfe
5.2.4 Die Gewährung chinesischer Zuschüsse
5.2.5 Die Gewährung von Concessional loans
5.2.6 Ressourcen für Infrastruktur – das Angola-Model
5.3 Das Volumen chinesischer Entwicklungshilfe
5.3.1. Zahlen für das chinesische Entwicklungshilfevolumen
5.3.2 Die Empfänger der Entwicklungshilfe
5.3.3 Entwicklungshilfe über multilaterale Systeme
6. Chinas Handel mit Afrika
6.1 Chinas Erdölimporte
6.1.1 Ölfördernde Staatsunternehmen
6.1.2 production-sharing agreements und package deals
6.2 Direktinvestitionen (FDI)
6.2.1 Der chinesisch-afrikanische Entwicklungsfond
6.2.2 Special Trading Zones
7. Profitiert Afrika?
7.1. The Dutch Disease – die holländische Krankheit
7.2 Steigender Konkurrenzdruck
7.3 Chance und Risiko in gleichem Maße
8. China in Afrika und die Folgen für die Politik des Westens
8.1. Schurkenhilfe und Eigeninteresse
8.2…der werfe den ersten Stein
9. Anders und doch gleich
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das chinesische Engagement in Afrika im Kontext der Entwicklungshilfe und des Handels und geht der Forschungsfrage nach, inwieweit sich dieses Handeln tatsächlich von der westlichen Politik unterscheidet, insbesondere unter dem Vorwurf des „Neokolonialismus“.
- Historische Entwicklung der westlichen Entwicklungshilfe
- Die Evolution der sino-afrikanischen Beziehungen seit den 1950er Jahren
- Struktur und Strategien der chinesischen Entwicklungszusammenarbeit
- Handelsinteressen und Direktinvestitionen Chinas in Afrika
- Auswirkungen des chinesischen Einflusses auf die afrikanische Wirtschaft und Politik
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Chinas ökonomischer Aufstieg und sein steigendes Engagement in Afrika stoßen gerade im Westen auf viel Skepsis und Kritik. Die Darstellung Chinas ist stellenweise schon fast dämonisierend und auch in der Politik wird die Rolle Chinas sehr kritisch betrachtet. Ein Vorwurf, der häufig formuliert wird, ist der des Neokolonialismus. Selbst angesehene Politiker vertreten diese Position: „Wir haben es doch in der Kolonialzeit gesehen, wie leicht das geht: reinkommen, die Ressourcen zu räubern, die Herrscher zu bezahlen und wieder zu verschwinden." (Spiegel 28.07.2011) Mit diesen Worten wird zum Beispiel Hillary Clinton zu diesem Thema zitiert.
Aber stimmt dieses Bild? Die chinesische Rhetorik allein lässt darüber keinen Schluss zu. China stellt sich selbst als Entwicklungsland dar, das den Aufstieg, den es selbst geschafft hat, auch anderen Ländern ermöglichen will. Die Ressourcen sind für China notwendig, aber es bietet dafür großzügig Hilfe an. Auch diese Darstellung ist einseitig und greift zu kurz. Der chinesische Einfluss auf Afrika ist größer und läuft nicht nur über Ressourcenhandel und Entwicklungshilfe.
Wie sieht das chinesische Engagement aus? Und ist es wirklich so weit entfernt vom westlichen Handeln in Afrika. Dies ist die Frage, die diese Arbeit beantworten möchte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die westliche Kritik am chinesischen Engagement in Afrika und formuliert das Ziel der Arbeit, die Unterschiede zwischen dem chinesischen und dem westlichen Handeln zu analysieren.
2. Die Entstehung der westlichen Ausprägung von Entwicklungshilfe: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss der Entwicklungshilfe des Westens, von der Kolonialzeit bis zur gegenwärtigen Ausrichtung.
3. Ein alter „neuer“ Akteur – die sino-afrikanische Verbindung: Die historische Beziehung zwischen China und Afrika wird über sechs Jahrzehnte hinweg betrachtet, mit Fokus auf die verschiedenen politischen Phasen.
4. Chinas Engagement in Afrika: Hier wird die chinesische Strategie in Afrika analysiert, inklusive der Schlüsselfaktoren der Ressourcen- und Absatzmarktinteressen sowie der Rolle des FOCAC.
5. Die chinesische Entwicklungszusammenarbeit: Das Kapitel erläutert die komplexen Institutionen und Instrumente der chinesischen Entwicklungshilfe, wie Zuschüsse und Konzessionskredite.
6. Chinas Handel mit Afrika: Fokus auf die Handelsbeziehungen, insbesondere den chinesischen Bedarf an Erdölimporten sowie Direktinvestitionen in Afrika.
7. Profitiert Afrika?: Kritische Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken für den afrikanischen Kontinent, inklusive Phänomenen wie der holländischen Krankheit.
8. China in Afrika und die Folgen für die Politik des Westens: Analyse der politischen Implikationen des chinesischen Engagements für die westliche Afrikapolitik.
9. Anders und doch gleich: Fazit zur Vergleichbarkeit der Motive von westlichen Geberländern und China.
Schlüsselwörter
Entwicklungshilfe, China, Afrika, Außenpolitik, Neokolonialismus, FOCAC, Rohstoffhandel, Direktinvestitionen, Entwicklungszusammenarbeit, Süd-Süd-Kooperation, Modernisierungstheorie, Handelsvolumen, Geopolitik, Infrastrukturprojekte, Good Governance
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das wachsende Engagement Chinas auf dem afrikanischen Kontinent und untersucht, ob dieses Handeln als „Neokolonialismus“ zu bezeichnen ist oder ob es sich grundlegend von der bisherigen westlichen Entwicklungspolitik unterscheidet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der westlichen Entwicklungshilfe, die Entwicklung der sino-afrikanischen Beziehungen seit den 1950er Jahren, Chinas Strategien zur Ressourcensicherung, Handelsinteressen sowie die Institutionen chinesischer Entwicklungszusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel bzw. die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Unterschiede zwischen chinesischer und westlicher Kooperation in Afrika herauszuarbeiten und zu prüfen, ob das chinesische Engagement lediglich wirtschaftliche Eigeninteressen verfolgt oder einen alternativen, tragfähigen Entwicklungspfad bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und ökonomische Analyse, die auf einer umfassenden Literaturstudie, der Untersuchung offizieller Dokumente (Weißbücher) und der kritischen Reflexion empirischer Daten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Beziehungen, die Darstellung der komplexen chinesischen Akteursstruktur in der Entwicklungshilfe, eine Analyse der Wirtschaftsinteressen (Handel und FDI) sowie eine Bewertung der Folgen für Afrika und die westliche Politik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben „China“ und „Afrika“ sind „Entwicklungszusammenarbeit“, „FOCAC“, „Rohstoffhandel“, „Neokolonialismus“ und „Süd-Süd-Kooperation“ die prägenden Begriffe.
Welche Rolle spielt das Angola-Modell in der chinesischen Finanzierung?
Das Angola-Modell ist eine besondere Kreditform, bei der China Kredite für den Infrastrukturaufbau gewährt, die nicht durch Garantien, sondern durch zukünftige Öllieferungen getilgt werden.
Wie unterscheidet sich Chinas Politik von westlichen Good Governance-Anforderungen?
Im Gegensatz zum Westen, der seine Hilfe oft an politische Konditionen wie Demokratisierung oder Menschenrechte bindet, setzt China primär auf das Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten und betont eine „Win-Win-Rhetorik“.
Welche Rolle spielen Staatsunternehmen bei Chinas Afrikapolitik?
Chinesische Staatsunternehmen, wie CNPC oder CNOOC, sind zentral für die Umsetzung der Strategie, da sie einerseits wirtschaftlich agieren, andererseits aber staatlich gesteuert sind und oft „Package Deals“ anbieten, die Infrastrukturprojekte mit Rohstoffzugängen verknüpfen.
Wie bewertet der Autor die Auswirkungen auf Afrika?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Engagement sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Afrika muss eine eigene, kohärente Strategie entwickeln, um auf Augenhöhe mit China zu verhandeln und so den maximalen Nutzen aus der Partnerschaft zu ziehen.
- Arbeit zitieren
- Stefan Lorenz (Autor:in), 2013, Chinesische und westliche Entwicklungshilfe in Afrika im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230379