Die Hallstein-Doktrin ist wohl das umstrittenste Instrument der Deutschlandpolitik. Es handelte sich hierbei um eine außenpolitische Regel, die besagt, dass die Bundesregierung die diplomatischen Beziehungen zu einem Staat abbrechen würde, wenn dieser die DDR anerkannt. Viele Staaten, die durchaus an einer diplomatischen Beziehung zur DDR interessiert waren, ließen sich von der Entweder-Oder-Drohung der Bonner Regierung beeinflussen und knüpften daher keine diplomatischen Beziehungen.
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Umstände und Gründe, die dazu geführt haben, dass die Hallstein-Doktrin entwickelt wurde. Um diesen Sachverhalt darzustellen wird zum einem auf die Moskaureise Adenauers eingegangen und die daraus resultierenden Konsequenzen. In diesem Zusammengang wird auch der Alleinvertretungsanspruch der Bundesregierung erläutert, da dies maßgeblich für die Hallstein-Doktrin ist. Die herausgearbeiteten Rahmenbedingungen führen zu der Leitfrage der Hausarbeit und ermöglichen somit einen inhaltlichen Zugang zu der aufgeworfenen Problematik: „Die Hallstein-Doktrin- Ein souveräner Fehlgriff?“. Um diesem Thema gerecht zu werden, werden zum einen Gründe angeführt, die diese Leitfrage bestätigen und zum anderen wird versucht die Hallstein-Doktrin als bewährtes politisches Mittel darzustellen. Es hierbei anzumerken, dass sich die Hausarbeit lediglich mit der Hallstein-Doktrin in ihrer ursprünglichen Form befassen wird und nicht auf die Erosion und Ablösung dieser eingehen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entstehung der Hallstein-Doktrin
2.1 Die Moskaureise Adenauers (Sept. 1955)
2.2 Der Alleinvertretungsanspruch
2.3 Die Konsequenz der Moskaureise: Die Hallstein-Doktrin
3 Die Hallstein-Doktrin- ein souveräner Fehlgriff?
3.1 Die Hallstein-Doktrin- ein souveräner Fehlgriff
3.2 Die Hallstein-Doktrin- ein bewährtes politisches Mittel
4 Resümme
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte, die politische Ausrichtung und die Auswirkungen der Hallstein-Doktrin auf die deutsche Außenpolitik der 1960er Jahre. Ziel ist es, die umstrittene Praxis des Alleinvertretungsanspruchs der Bundesrepublik Deutschland kritisch zu beleuchten und der Frage nachzugehen, ob es sich dabei um einen außenpolitischen Fehlgriff oder ein effektiv eingesetztes politisches Instrument zur Zeit des Kalten Krieges handelte.
- Historische Herleitung durch die Moskaureise Adenauers (1955)
- Rechtliche und moralische Fundierung des Alleinvertretungsanspruchs
- Internationale Isolationsstrategien gegenüber der DDR
- Die Hallstein-Doktrin als Instrument der Nichtanerkennungspolitik
- Kritische Bewertung von außenpolitischem Handlungsspielraum vs. Dogmatismus
Auszug aus dem Buch
Die Konsequenz der Moskaureise: Die Hallstein-Doktrin
Die vorangegangenen Kapitel der Hausarbeit haben deutlich gemacht, dass die Bonner Regierung nach der Moskaureise ein Konzept entwickeln mussten, dass den Alleinvertretungsanspruch weiterhin aufrechterhielt und die diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion als einen „singulären Akt“( zit. n. Killian 2001, S. 22) erscheinen zu lassen. Daher galt es zu verhindern, dass Drittstaaten diesen Vorgang als Vorlage nahmen, um die DDR diplomatisch anzuerkennen.
Diesen Tatbestand erörterte der Bundeskanzler am 22. September 1955 in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag. Hierbei stellte dieser Fest, dass die Bundesregierung „nach wie vor die einzige frei und rechtmäßig gebildete Regierung ist, die allein befugt ist, für das ganze Deutschland zu sprechen“ (zit. n. Ying-Feng 1997, S. 28). Weiterhin machte Adenauer deutlich:
„Auch dritten Staaten gegenüber halten wir unseren bisherigen Standpunkt bezüglich der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik aufrecht. Ich muß eindeutig festhalten, daß die Bundesregierung auch künftig die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der DDR durch dritte Staaten, mit denen sie offizielle Beziehungen unterhält, als einen unfreundlichen Akt ansehen würde, da er geeignet wäre die Spaltung Deutschlands zu vertiefen.“ (zit. n. Ying-Feng 1997, S. 28)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Hallstein-Doktrin als umstrittenes Instrument der deutschen Außenpolitik ein und definiert die Leitfrage nach ihrer Rolle als Fehlgriff oder politisches Mittel.
2 Die Entstehung der Hallstein-Doktrin: Das Kapitel analysiert die historischen Beweggründe, insbesondere die Moskaureise Adenauers und den daraus abgeleiteten Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik.
3 Die Hallstein-Doktrin- ein souveräner Fehlgriff?: Dieser Hauptteil setzt sich kritisch mit der Doktrin auseinander und wägt ihre Wirkung als gescheiterte Isolationspolitik gegen ihre Funktion als vermeintlich bewährtes Instrument zur Wahrung deutscher Interessen ab.
4 Resümme: Das Fazit stellt fest, dass die Doktrin zwar ihre Machtpotentiale voll ausschöpfte, jedoch durch dogmatischen Übereifer die Außenpolitik der BRD einschränkte und erst durch den Grundlagenvertrag abgelöst wurde.
Schlüsselwörter
Hallstein-Doktrin, Bundesrepublik Deutschland, DDR, Außenpolitik, Adenauer, Alleinvertretungsanspruch, Moskaureise, Kalter Krieg, Diplomatie, Nichtanerkennungspolitik, Wiedervereinigung, Souveränität, Ostblock, Isolation, Außenministerkonferenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Hallstein-Doktrin, ein außenpolitisches Instrument der Bundesrepublik Deutschland, das vorsah, diplomatische Beziehungen zu Staaten abzubrechen, die die DDR völkerrechtlich anerkannten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die historische Entstehung durch die Moskaureise 1955, die ideologische Begründung des Alleinvertretungsanspruchs und die Auswirkungen dieser Doktrin auf die internationale Stellung der beiden deutschen Staaten.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der kritischen Leitfrage nach: „Die Hallstein-Doktrin - ein souveräner Fehlgriff?“ und untersucht, ob sie als wirkungsvolles Mittel oder als irrwegige Politik zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Es handelt sich um eine historische Hausarbeit, die auf einer Literatur- und Quellenanalyse basiert, um die außenpolitischen Rahmenbedingungen und Argumentationsmuster der Bonner Regierung der 1950er und 60er Jahre zu rekonstruieren.
Welche Inhalte stehen im Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung der Doktrin aus der Moskaureise, die theoretische Unterfütterung des Alleinvertretungsanspruchs sowie eine duale Auseinandersetzung, die sowohl das Scheitern als auch die funktionalen Aspekte der Doktrin beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Wesentliche Begriffe sind Hallstein-Doktrin, Alleinvertretungsanspruch, Nichtanerkennungspolitik, Kalter Krieg und deutsche Außenpolitik.
Inwiefern hat die Moskaureise Adenauers 1955 die Hallstein-Doktrin maßgeblich beeinflusst?
Die Reise und der dortige Botschafteraustausch zwangen die Bonner Regierung dazu, ein Konzept zu entwickeln, um zu verhindern, dass Drittstaaten den Präzedenzfall der Sowjetunion kopieren und die DDR ebenfalls anerkennen.
Warum wird die Hallstein-Doktrin im Text teilweise als „dogmatischer Übereifer“ bezeichnet?
Weil die strikte Anwendung der Doktrin den außenpolitischen Handlungsspielraum der Bundesrepublik massiv einschränkte und notwendige Annäherungen sowie Entspannungsschritte gegenüber dem Ostblock über lange Zeit blockierte.
- Quote paper
- Sabina Babic (Author), 2012, Die Hallstein-Doktrin. Ein souveräner Fehlgriff?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230406