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„Emil und die Detektive“ von Erich Kästner. Zwischen Realität und Roman

Bildungshistorische Fragen zur Weimarer Republik

Title: „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner. Zwischen Realität und Roman

Seminar Paper , 2013 , 22 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Tobias Engfer (Author)

Pedagogy - History of Pedagogy
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Der erste Weltkrieg war zu Ende und das Deutsche Kaiserreich war geschlagen. Revolutionen bestimmten das Bild Ende 1918 in Deutschland. Der Kampf musste entscheiden, wie es weitergeht. Am Ende standen die Wahlen zu einer Verfassungsgebenden Nationalversammlung. Die Weimarer Republik nahm ihre Arbeit auf. Der Versailler Frieden wurde geschlossen und das deutsche Volk fühlte sich einer Schmach ausgesetzt. Die junge Republik hatte von Anfang an mit vielen Problemen zu kämpfen. Die Reparationszahlungen lasteten schwer und die Ausgaben für die Sozialpolitik ebenso. Die Inflation galoppierte voran und die Währung zerfiel Stück für Stück. Deflatorische Maßnahmen waren zu zaghaft. Erst eine Währungsreform und der Dawes-Plan der Amerikaner konnten Abhilfe schaffen und die Finanzlage von Deutschland wieder stabilisieren. In der Folge erholte sich die Wirtschaft und die Leute konnten sich wieder etwas leisten. Die prosperierende Zeit der 20er Jahre (1924-1929) setze ein, auch gerne ‚Die goldenen Zwanziger‘ genannt (vgl. Wehler, 2008, S. 174ff, 241ff, 244f, 250f, 252ff).
In dieser Zeit setzt das Buch von Erich Kästner ‚Emil und die Detektive‘ an. Genauer im Sommer 1929.
„Emil darf zum ersten Mal allein nach Berlin fahren. Im Zug wird ihm sein ganzes Geld gestohlen. Kaum ist Emil am Bahnhof ausgestiegen, heftet er sich dem Dieb an die Fersen. Zum Glück bekommt er bald Unterstützung von Gustav mit der Hupe und seinen Jungs, die Emil in einer aufregenden Verfolgungsjagd quer durch die große Stadt helfen, den Dieb zur Strecke zu bringen“ (Kästner, 2012, Buchrückseite).
Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit drei Fragen, die anhand des Buches bearbeitet werden sollen: Welches Familienideal herrscht vor? Wie erleben die Kinder Berlin? Wie wird mit Geld umgegangen? Auf diese Weise sollen 3 wichtige Aspekte betrachtet werden, die in der damaligen Zeit einen entscheidenden Einfluss auf die Vergesellschaftung und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder hatten.
Bezüglich des Familienideals sollen die unterschiedlichen Konstrukte herausgearbeitet werden, die Kästner vorstellt und in denen sich seine Charaktere bewegen. Wie sah die Realität zu diesem Zeitpunkt aus und wie wird dieser Aspekt im Buch umgesetzt? Gibt es Verbindungen zwischen dem Roman und der Wirklichkeit oder beschreibt Kästner ein divergierendes Modell, das in einem Spannungsverhältnis zur Realität steht?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Welches Familienideal herrscht vor?

3. Wie erleben die Kinder Berlin?

4. Wie wird mit Geld umgegangen?

5. Die Moral von der Geschicht‘

6. Anhang

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht bildungshistorische Fragen zur Zeit der Weimarer Republik anhand von Erich Kästners Roman „Emil und die Detektive“. Dabei werden gesellschaftliche Realitäten der 1920er Jahre mit der fiktiven Darstellung im Buch kontrastiert, um zentrale Aspekte der Vergesellschaftung und Persönlichkeitsentwicklung von Kindern in dieser Epoche zu analysieren.

  • Wandel des Familienideals nach dem Ersten Weltkrieg
  • Die Wahrnehmung und Erfahrung der Metropole Berlin durch Kinder
  • Stellenwert und Umgang mit Geld in Zeiten wirtschaftlicher Instabilität
  • Die pädagogische und moralische Intention des Autors Erich Kästner
  • Spannungsverhältnis zwischen historischer Realität und Romanhandlung

Auszug aus dem Buch

3. Wie erleben die Kinder Berlin?

In der Nachkriegszeit ab 1918 verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage zunehmend. Die Inflation schnellt mit großen Schritten voran und der Lohn von einem Tag, kann am nächsten schon wieder nicht mehr als die Hälfte wert sein. Ausweg aus diesem Dilemma boten der Dawes-Plan und die deutsche Währungsreform. Mit Einzug der neuen Währung, verbesserte sich die wirtschaftliche Lage rapide. Deutschland nahm Kredite zu extrem hohen Zinsen auf, was es für Anleger nur umso interessanter machte. Das Geld strömte förmlich in den immer noch anhaltenden Wiederaufbau und bekräftigte die Wirtschaft und das Vertrauen in die junge Republik (vgl. Wehler, 2008, S. 252f). „Das Wachstum der deutschen Industriewirtschaft beschleunigte sich in dieser Periode auf ein Tempo, das bisher nur in den zwei Vorkriegsjahrzehnten erreicht worden war. Diese Geschwindigkeit wurde jedoch ganz wesentlich durch ausländische, an allererster Stelle amerikanische Kredite ermöglicht, die nach der Verabschiedung des Dawes-Plans kontinuierlich nach Deutschland strömte“ (Wehler, 2008, S. 253). In diesem akzelerierenden Moment der Wirtschaftlichkeit Deutschlands, schwingt aber noch mehr mit. Die Leute verdienen durch ihre Erwerbstätigkeit genug Geld, als dass sie sich um das tägliche Auskommen keine Sorgen machen müssen.

Das führt dazu, dass sich eine ausgeprägte Kultur entwickelt. „Es ist die hochkunjunkturelle Mittelphase der Republik, mit der sich die Erinnerung an ihre «goldenen Jahre», an den Ausbruch hektischer Lebenslust, an einen jetzt auch materiell möglichen Lebensgenuß, an eine wahre Explosion künstlerischer Leistungen verbindet“ (Wehler, 2008, S. 253). Kunst und Kultur nehmen viele neue Wesenszüge an. Mit der Einführung des Rundfunk 1923 gab es ein weiteres Medium, dass sich im Laufe der Zeit zu einer unabdingbaren Sache ‚mausern‘ sollte. Der Stummfilm wurde nach Ende des Krieges noch berühmter. Ein erneuter Schub kam mit der Einführung des Tonfilms. Der Funkturm wurde errichtet und 1928 erstmals das Fernsehen vorgestellt auf der 5. Großen Deutschen Funkausstellung (vgl. Kolb, & Schumann, 2013, S. 215ff; Berlin.de, 2012).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung bettet das Werk in den historischen Kontext der Weimarer Republik ein und stellt die drei zentralen Untersuchungsfragen zu Familienideal, urbanem Erleben und Umgang mit Geld vor.

2. Welches Familienideal herrscht vor?: Dieses Kapitel analysiert die durch den Krieg veränderten Familienstrukturen und zeigt auf, wie Kästner verschiedene Erziehungsmodelle und Rollenverteilungen zwischen den Charakteren und ihren Eltern darstellt.

3. Wie erleben die Kinder Berlin?: Hier wird untersucht, wie die Protagonisten auf die moderne Großstadt mit ihrer technisierten Lebenswelt und Anonymität reagieren und welches Heimatverständnis sich daraus ableitet.

4. Wie wird mit Geld umgegangen?: Das Kapitel beleuchtet die finanzielle Notlage der Familie Tischbein sowie den verantwortungsvollen Umgang mit knappen Mitteln im Kontrast zu wohlhabenderen Charakteren des Romans.

5. Die Moral von der Geschicht‘: Abschließend werden die impliziten pädagogischen Lehren des Romans reflektiert, wobei Kästner als Autor weniger eine starre Moral vermittelt, als vielmehr Vorbilder für eigenverantwortliches Handeln bietet.

6. Anhang: Der Anhang enthält das Verzeichnis der verwendeten Abbildungen sowie das umfassende Literaturverzeichnis.

Schlüsselwörter

Weimarer Republik, Erich Kästner, Emil und die Detektive, Familienideal, Bildungsgeschichte, Kindheit, Großstadt, Inflation, Soziale Bedingungen, Rollenbilder, Vergesellschaftung, Persönlichkeitsentwicklung, Geld, Goldene Zwanziger, Heimatverständnis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Erich Kästners Roman „Emil und die Detektive“ unter bildungshistorischen Gesichtspunkten in Bezug auf die gesellschaftlichen Bedingungen der Weimarer Republik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen den Wandel von Familienidealen, die kindliche Wahrnehmung der Metropole Berlin sowie den Stellenwert von Geld in Zeiten wirtschaftlicher Instabilität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der historischen Realität der späten 1920er Jahre und der fiktiven Darstellung im Roman herauszuarbeiten und die pädagogische Bedeutung für die Leser zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, die primär textbasierte Belege aus dem Roman mit historischen Sekundärquellen zur Weimarer Republik verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei inhaltliche Kapitel, die das vorherrschende Familienideal, das urbane Erlebnis der Kinder in Berlin und den Umgang mit finanziellen Ressourcen detailliert untersuchen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Weimarer Republik, Familienideal, Großstadterfahrung, ökonomische Knappheit und die moralische Dimension von Kinderliteratur beschreiben.

Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Emil von der anderer Kinder im Roman?

Emil nimmt die Großstadt Berlin als fremd, beeindruckend und teils überfordernd wahr, während die Berliner Kinder sich in der technisierten Umgebung selbstverständlich bewegen.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des Umgangs mit Geld?

Der Autor zeigt auf, dass trotz finanzieller Knappheit durch verantwortungsvolles Planen und eine enge, liebevolle Eltern-Kind-Beziehung emotionale Stabilität und ein selbstbestimmtes Handeln möglich sind.

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Details

Title
„Emil und die Detektive“ von Erich Kästner. Zwischen Realität und Roman
Subtitle
Bildungshistorische Fragen zur Weimarer Republik
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg  (Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften)
Grade
2,0
Author
Tobias Engfer (Author)
Publication Year
2013
Pages
22
Catalog Number
V230412
ISBN (eBook)
9783656460879
ISBN (Book)
9783656461005
Language
German
Tags
Erich Kästner Emil und die Detektive Weimarer Republik Berlin Moral Geld Familienideal Historische Bildungsforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Engfer (Author), 2013, „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner. Zwischen Realität und Roman, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230412
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