Im September des vergangenen Jahres veröffentlichte der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ein Positionspapier mit dem Titel „Vertrauen zurückgewinnen: Ein neuer Anlauf zur Bändigung der Finanzmärkte“. „Die Finanzmärkte haben Maß und Mitte verloren“, kritisierte Steinbrück. Um diesen Zustand zu ändern, schlägt er verschiedene Maßnahmen zur Regulierung des Bankensystems wie zum Beispiel eine Finanztransaktionssteuer, Regulierungen bei verschiedenen Handelsaktivitäten und die Stärkung europäischer Aufsichts- und Kontrollinstanzen vor. Daneben fordert er auch eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken. Mit diesem Vorschlag steht Steinbrück nicht alleine da. Auch die EU-Expertengruppe unter Führung des ehemaligen finnischen Notenbankchefs Erkki Liikanen schlägt vor, riskante Investmentaktivitäten vom Privatkundengeschäft zu trennen. Des Weiteren befürworteten die französische Regierung und die Bundesregierung anlässlich des 50. Jahrestags des Élysée-Vertrags eine rechtliche Trennung von für Kunden und Wirtschaft wichtigen Geschäften und riskanten Bankgeschäften.
Doch was für Auswirkungen hätte eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken? Und ist es überhaupt eine effektive Möglichkeit, um neuen Krisen vorzubeugen?
Die vorliegende Arbeit geht diesen Fragen nach. Dazu werden im ersten Schritt das Universal- und das Trennbankensystem mit ihren Vorteilen erläutert. Anschließend werden die gegenwärtigen Entwicklungen beleuchtet; dabei wird gezeigt, welche Maßnahmen aktuell diskutiert werden und welche sich bereits in Umsetzung befinden. Im letzten Schritt werden die Auswirkungen einer Einführung des Trennbankensystems untersucht und überlegt, ob dadurch die Stabilität des Finanzsystems tatsächlich effektiv erhöht wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Funktionsweise
2.1 Universalbankensystem
2.2 Trennbankensystem
3 Umstellung vom Universalbankensystem in das Trennbankensystem
3.1 Gegenwärtige Entwicklungen
3.2 Auswirkungen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Einführung eines Trennbankensystems eine effektive Methode zur Prävention künftiger Finanzkrisen darstellt. Hierzu werden die Funktionsweisen von Universal- und Trennbankensystemen analysiert sowie aktuelle politische Reformvorschläge zur Regulierung des Bankensektors kritisch bewertet.
- Analyse des Universalbankensystems und seiner Vorteile für Kunden und Wirtschaft.
- Untersuchung der historischen und konzeptionellen Grundlagen des Trennbankensystems.
- Evaluierung aktueller Reformansätze, wie der Volcker Rule und der Empfehlungen der Liikanen-Gruppe.
- Kritische Würdigung der Stabilitätsgewinne gegenüber potenziellen Wettbewerbsnachteilen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Universalbankensystem
In einem Universalbankensystem ist es grundsätzlich jeder Bank möglich, alle Bankgeschäfte zu betreiben, es besteht jedoch keine Verpflichtung dazu. Deshalb gibt es in dem Universalbankensystem neben den Universalbanken auch Spezialbanken. Das System ist vor allem in Europa verbreitet, aber auch in Teilen von Asien.
Universalbanken entstanden, weil spezialisierte Institute ihre Geschäfte ausweiteten, um neue Kunden erschließen zu können, oder weil sie ihre Kompetenzen erweitern mussten, um den gestiegenen Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht zu werden. Beispiele hierfür sind asiatische Geschäftsbanken, die im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs ins Investmentbanking expandierten, oder französische und niederländische Banken, die Kapitalmarkt-Expertise aufbauten, weil sich deren Kunden aus der Landwirtschaft stärker schwankenden globalen Rohstoffmärkten ausgesetzt sahen.
Das Universalbankensystem bietet viele Vorteile:
1. Für den Kunden, der eine Hausbank wünscht, ist eine Universalbank von Vorteil, da sie ihm alle Produkte aus einer Hand bieten kann. Die Beziehung zwischen Kunden und Bank dürfte in der Regel engere sein und die Bank hat ein genaueres Profil des Kunden, was für eine bedarfsorientierte Beratung sowie für eine genaue Risikoeinschätzung von großer Bedeutung ist. Das Ergebnis ist eine geringere Informationsasymmetrie.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Debatte um die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking ein und benennt die Zielsetzung der Arbeit sowie den methodischen Aufbau.
2 Funktionsweise: Das Kapitel erläutert die Definition und die systemischen Vorteile sowohl des Universalbankensystems als auch des Trennbankensystems in Bezug auf Stabilität und Risikomanagement.
3 Umstellung vom Universalbankensystem in das Trennbankensystem: Hier werden aktuelle politische Reformvorhaben, wie die Volcker Rule und die Liikanen-Vorschläge, detailliert untersucht und hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit bewertet.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ein Trennbankensystem allein keine Krisen verhindern kann und betont die Bedeutung weiterführender Maßnahmen zur Stabilitätssicherung.
Schlüsselwörter
Universalbankensystem, Trennbankensystem, Investmentbanking, Finanzkrise, Bankenregulierung, Volcker Rule, Liikanen-Gruppe, Bankstabilität, Einlagensicherung, Kapitalmarktexpertise, Risikoasymmetrie, Bankenaufsicht, Bankreform, Finanzintermediation, Eigenkapital.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der grundlegenden Frage, ob eine strukturelle Trennung von klassischem Bankgeschäft und Investmentbanking – das sogenannte Trennbankensystem – ein geeignetes Instrument zur Vermeidung künftiger Finanzkrisen darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Funktionsweisen beider Bankensysteme, der Auswertung aktueller internationaler Regulierungsinitiativen sowie der Untersuchung der Stabilitätseffekte einer solchen Reform.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Evaluation, ob ein Trennbankensystem tatsächlich zur effektiven Erhöhung der Stabilität des Finanzsystems beiträgt oder ob durch die Regulierung neue Herausforderungen entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen wissenschaftlichen Praxis-Transferbericht, der auf einer fundierten Literaturanalyse basiert, um aktuelle politische Konzepte und Reformvorschläge theoretisch zu durchdringen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Vorteile des Universalbankensystems dargestellt, gefolgt von einer Analyse der aktuellen politischen Bestrebungen zur Implementierung von Trennbankenkonzepten in den USA und Europa.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Universalbankensystem, Trennbankensystem, Bankenregulierung, Stabilität und Risikomanagement bestimmt.
Was zeichnet die sogenannte Volcker Rule im Kontext der Arbeit aus?
Die Volcker Rule ist ein zentraler Regulierungsansatz aus den USA, der darauf abzielt, spekulative Eigenhandelsaktivitäten von Banken, die Einlagen annehmen, einzuschränken, um staatliche Einlagensicherungssysteme zu schützen.
Welche Rolle spielt die Liikanen-Gruppe in den Reformüberlegungen?
Die von der EU-Kommission eingesetzte Liikanen-Gruppe entwickelte Konzepte zur strukturellen Trennung, wobei sie insbesondere verschiedene Varianten zur Separierung riskanter Handelsaktivitäten vom klassischen Bankgeschäft vorschlägt.
Warum wird das Universalbankensystem laut Arbeit oft als Vorteil gesehen?
Ein zentraler Vorteil ist die Diversifikation der Erträge über verschiedene Marktsegmente hinweg sowie die Möglichkeit, Kunden umfassende Finanzdienstleistungen aus einer Hand anzubieten, was Informationsasymmetrien reduziert.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Krisenprävention?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass eine reine strukturelle Trennung allein kein Allheilmittel gegen Krisen ist, sondern durch ergänzende Maßnahmen, wie striktere Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften, flankiert werden muss.
- Quote paper
- Lennart Benedict Wagner (Author), 2013, Trennbanken statt Universalbanken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230508