Die Antike war für den Klassizismus von entscheidender Bedeutung. Um aber ihren Einfluss richtig einordnen zu können, ist ein Blick auf ihre Bedeutung in den verschiedenen vorangegangenen Kunstströmungen nötig:
Im Humanismus und in der Renaissance wurde die Antike historisch erkannt und als goldenes Zeitalter präsentiert. Die Werke orientierten sich am neuen Vorbild, blieben jedoch größtenteils Ausdruck ihrer Zeit, und bewahrten damit ihren eigenen Stil.
Im Barock dienten antike Skulpturen und Gestalten vorrangig als Dekoration und wirkten im öffentlichen Leben, insbesondere in dem des Hofes.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts erfuhr die Bedeutung der Antike jedoch eine entscheidende Wende: Johann Joachim Winckelmann forderte ihre bedingungslose Nachahmung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hintergründe zum Verständnis der Eros-/Amor Darstellungen in der klassizistischen Plastik
2.1 Kunsttheoretische Voraussetzungen für die klassizistische Plastik
2.2 Eros und seine Einbettung in die griechische Mythologie
2.3 Der Mythos um Amor und Psyche
3. Beispiele für Eros-/Amor-Darstellungen in der klassizistischen Plastik
3.1 Bertel Thorvaldsen
3.2 Antonio Canova
3.3 Johann Heinrich Dannecker
3.4 Johann Gottfried Schadow
4. Abschließende Betrachtungen
5. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kunsttheoretischen Grundlagen und die künstlerische Umsetzung von Eros- und Amor-Darstellungen in der Plastik des Klassizismus. Ziel ist es, den Einfluss von Johann Joachim Winckelmanns Theorien auf bedeutende Bildhauer dieser Epoche anhand konkreter Fallbeispiele aufzuzeigen und die Varianz in der Interpretation des mythologischen Stoffes zu analysieren.
- Kunsttheoretische Einflüsse durch Johann Joachim Winckelmann
- Mythologische Hintergründe von Eros und Psyche
- Analyse der Skulpturen von Bertel Thorvaldsen
- Vergleichende Betrachtung der Werke von Antonio Canova, Johann Heinrich Dannecker und Johann Gottfried Schadow
- Entwicklung und Wandel des Schönheitsideals im Klassizismus
Auszug aus dem Buch
3.2 Antonio Canova
Der italienische Bildhauer Canova wurde am 1. November 1757 in Possagno bei Bassano geboren. Seine Ausbildung machte er in der Steinmetzewerkstatt seines Großvaters und bei einem Bildhauer in Venedig, wo er seit 1773 in einem eigenen Atelier arbeitete. 1779 ging Canova nach Rom, von wo sich sein Ruf bald in ganz Europa verbreitete. Seit 1802 übernahm der Italiener das Amt des Oberaufsehers der Kunstschätze des Kirchenstaates. Im Jahre 1815 sorgte er für die Rückführung der von Napoleon geraubten Kunstwerke. Antonio Canova starb am 13. Oktober 1822 in Venedig.
Canova, der führende Meister des italienischen Klassizismus, schuf zahlreiche Werke, unter denen die Gruppe „Amor und Psyche“, die heute in Paris zu sehen ist, wohl das berühmteste ist. Psyche ist in diesem Werk liegend dargestellt, ihr Schambereich lediglich mit einem schmalen Stofftuch bedeckt. Eros, hier wieder als geflügelter Jüngling zu sehen, umarmt Psyche von hinten.
Ohne intensivere Betrachtungen erkennt man, dass Canovas Interpretation der Liebenden eine völlig andere ist, als die Thorvaldsens, und sich somit auch sehr viel weiter von dem antiken Vorbild der Amor-Psyche-Gruppe entfernt. Der Bildhauer arbeitete jedoch genau wie der Künstler Thorvaldsen nach den Forderungen Winckelmanns, wie man zum Beispiel an der glatten Oberflächenbehandlung erkennen kann. Auch die zarte Verhaltenheit, die in Canovas Gruppe zu beobachten ist, weist auf Kenntnisse der Winckelmannschen Theorien hin.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Bedeutung der Antike für den Klassizismus und skizziert den notwendigen kunsthistorischen Kontext, um den Einfluss vergangener Epochen auf das neue Schönheitsideal zu verstehen.
2. Hintergründe zum Verständnis der Eros-/Amor Darstellungen in der klassizistischen Plastik: In diesem Kapitel wird der maßgebliche Einfluss von Johann Joachim Winckelmann sowie die mythologische Verankerung von Eros und dem Amor-Psyche-Mythos erarbeitet.
3. Beispiele für Eros-/Amor-Darstellungen in der klassizistischen Plastik: Hier werden die spezifischen Interpretationen des Themas durch die Bildhauer Thorvaldsen, Canova, Dannecker und Schadow detailliert analysiert und deren Anlehnung an antike Vorbilder untersucht.
4. Abschließende Betrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, wie die betrachteten Künstler trotz gemeinsamer theoretischer Grundlagen durch Winckelmann zu eigenständigen und vielfältigen Ausdrucksformen in ihren Skulpturen fanden.
5. Literaturangaben: Dieses Kapitel listet die für die Untersuchung herangezogenen Fachpublikationen, Kataloge und Dissertationen auf.
Schlüsselwörter
Klassizismus, Bildhauerei, Johann Joachim Winckelmann, Eros, Amor, Psyche, Antike, Kunsttheorie, Bertel Thorvaldsen, Antonio Canova, Johann Heinrich Dannecker, Johann Gottfried Schadow, Marmorplastik, Mythologie, Ästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung des Liebesgottes Eros bzw. Amor in der Skulptur des Klassizismus unter dem Einfluss der Kunsttheorie der damaligen Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rezeption der Antike, die Wirkung der Schriften Winckelmanns auf zeitgenössische Bildhauer sowie die ikonografische Gestaltung des Amor-Psyche-Mythos.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Bildhauer die theoretischen Vorgaben für klassizistische Kunst in individuelle, eigenständige Skulpturen übersetzten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und vergleichende kunsthistorische Analyse der Werke angewandt, gestützt auf die zeitgenössische Fachliteratur und kunsttheoretische Grundlagen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Voraussetzungen durch Winckelmann sowie vier ausgewählte Bildhauer und deren spezifische Amor-Darstellungen eingehend analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Klassizismus, antike Mythologie, Bildhauerei, Winckelmann, idealisierte Ästhetik und Amor/Eros charakterisiert.
Inwiefern unterscheidet sich die Interpretation des Amor durch Antonio Canova von der durch Bertel Thorvaldsen?
Während Thorvaldsen den Mythos teils stark an antiken Gruppen orientiert und variiert, neigte Canova zu einer stärkeren Heroisierung und einer naturalistischen Nachahmung, beeinflusst durch seine Bindung an barocke Elemente.
Welche Bedeutung kommt dem Gipsmodell des "Amor" von J.H. Dannecker für seine Zeitgenossen zu?
Das Modell löste ein großes Echo aus, da es die "zarte innere Haltung" eines Knaben darstellte, der sein sorgenfreies Alter hinter sich gelassen hat, was als psychologisch tiefgreifend empfunden wurde.
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- Lysann Hofmann (Author), 2003, Eros-/Amor-Darstellungen in der klassizistischen Plastik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23055