Polysemie als Problematik der Koranübersetzung in das Deutsche

Analytische Studie anhand von ausgewählten Beispielen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

30 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung
0.1 Einführung
0.2 Fragestellung
0.3 Arbeitsmethode
0.4 Arbeitsziel
0.5 Arbeitsaufbau

1 Theoretische Einführung
1.1. Begriffserklärung
1.1.1 Polysemie
1.1.2 Homonymie
1.1.3 Monosemie
1.1.4 Koran
1.1.5 Übersetzung
1.2 Polysemie als Problematik der Arabisch-Deutsch-Übersetzung
1.3 Polysemie in Koran
1.3.1 Die wissenschaftliche Behandlung der Polysemie im Koran
1.3.2 Polysemie als Problematik der Koranübersetzung
1.4 Zur Auswahl der zu untersuchenden Koranübersetzungen

2 Zum Polysem ğihād
2.1 Erklärung des Wortes ğihād durch Lexika
2.2 Das Wort ğihād im Koran

3 Zur Analyse der Übersetzung von Polysem ğihād in den ausgewählten Koranübersetzung
3.1.1 Analyse vom Polysem ğihād mittels Worte anhand einer Koranstelle
3.1.2 Analyse vom Polysem ğihād mittels Waffe anhand einer Koranstelle
3.1.3 Analyse vom Polysem ğihād mittels Tate anhand einer Koranstelle

4 Fazit

5 Anhang

6 Literaturverzeichnis
6.1 Arabischsprachige Literatur
6.2 Deutschsprachige Literatur

0.1 Einführung

Der Koran steht im Mittelpunkt des Islam. Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Muslime den Koran im Laufe der Zeit aus den verschiedensten Perspektiven untersuchten bzw. noch untersuchen. Die Anzahl der Wissensgebiete, die sich mit dem Koran beschäftigen, schätzte As-Siuty mit etwa einhundertzwei "Koranwissenschaften (vgl. as-Sīūtī Band 1, 1974, S. 23). In jeder einzelnen Wissenschaft davon wurden und werden noch mehrere Bücher verfasst. Z.B. findet man in einer dieser Wissenschaften, wie z.B. Koranauslegung, "tafsīr", hunderte von Werken, in einigen Fällen in der Größe von zweiunddreißig Bänden wie z.B. bei ar-rāzy-Auslegung. Darüber hinaus findet man auch Koranauslegungen in Fremdsprachen, die auch von Nicht-Muslime verfasst wurden, wie z.B. im Deutschen "Der Koran: erschlossen und kommentiert von Adel Theodor Khoury, Düsseldorf: Patmos, 2005. Das gibt es auch ab und zu für andere Koranwissenschaften.

Die Übersetzung des Koran hat eine lange Geschichte. Die muslimischen Gelehrten waren diesbezüglich uneins. Über diese Frage legte u.a al-Qatan ein ganzes Kapitel (vgl. al-Qatan 2000: 323 ff) vor. Auf jeden Fall haben viele versucht, den Koran in Fremdsprachen zu übersetzen. Im Deutschen findet man viele Übersetzungen des Koran, die sehr unterschiedlich ob ihrer Übersetzer, Übersetzungsmethoden, Texttreue u.Ä., sind. Probleme bei der Übersetzung sind normal. Ndayisinga hat in seinem Buch über Koranübersetzung ins Deutsche diese Probleme bestätigt, indem er sagte, es gebe linguistische Probleme (2006: 33) Auslegungsprobleme (2006: 41) und stilistische Probleme (2006: 49). Mansour (2002: 103) meint „ Man mussübersetzen, damit man verstehen kann." Es ist auch zu sagen, dass man gut verstehen muss, damit man gut übersetzen kann. Damit man den Koran gut versteht, und demnach richtig übersetzt, müssen diese Probleme behandelt werden. Diese Hausarbeit soll einen Beitrag dazu bilden, eines dieser Probleme zu behandeln.

0.2 Fragestellung

Die Polysemie laut Bußmann (2002: 524) ist eine Art der lexikalischen Ambiguität. Diese Studie stellt demnach die Frage, ob die Polysemie zu den Schwierigkeiten bzw. Problematik, die bei der Koranübersetzung ins Deutsche auftauchen, gehört Außerdem stellt diese Studie die Frage, in welchem Umfang dieses Phänomen einen Einfluss auf die Richtigkeit der Koranübersetzung(sversuche) hat, insbesondere wenn es sich um kontroverse Begriffe wie ğihād handelt, der im Laufe der letzten Jahrzehnte ein Thema heftiger Diskussion über den Koran und Islam hervorgebracht hat. Der Begriff wurde zu einem Äquivalent der Gewalt und terroristischen Anschläge, die an unschuldige Leute geübt werden. Dieser Begriff wurde zu einer Norm innerhalb des westlichen gesellschaftlichen Diskurses.

0.3 Arbeitsmethode

Wie oben gesagt ist dieser Begriff zurzeit zu einer Norm in dem westlichen gesellschaftlichen Diskurs geworden. Dabei hilft die kognitive Herangehensweise, damit man die Norm kritisch angehen kann. In diesem Fall greift der Autor auf die sprachanalytische Methode zurück, um den Begriff kognitiv zu untersuchen. Die Literatur über Polysemie und ihre Rolle bei der Koranübersetzung sind im solchen Fall von großer Bedeutung. Polyseme weisen Pluralität an Interpretationen auf, die im Gegensatz zu einem normativen verengten Begriffsverständnis. Die Sprachanalyse erfolgt mithilfe Lexika, Polysemie spezifischen Bücher und Koranauslegungen.

0.4 Arbeitsziel

Die Arbeit setzt sich zum Ziel, das sprachliche Phänomen von Polysemie in Zusammenhang mit dem(der) Koran(Übersetzung) zu untersuchen. Sie setzt sich zum Ziel zu beurteilen, inwieweit dieses Phänomen einen Einfluss auf den Erfolg oder das Scheitern der Übersetzung hat.

0.5 Arbeitsaufbau

Diese Arbeit teilt sich wie folgt:

1- Das erste Kapitel ist eine theoretische Einführung, die Erklärung der wichtigsten Begriffe, Zusammenhang zwischen Polysemie und Koran, Polysemie als Problematik der Übersetzung und Informationen zu den in dieser Arbeit zur Anwendung gebrachten Koranübersetzungen, enthält.
2- Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Begriff ğihād. Der Begriff wird durch arabische Lexika und deutsche Literatur erklärt. Die Ursache zur Auswahl dieses Begriffs zur Untersuchung wird auch hier erklärt.
3- Das dritte Kapitel ist der praktische Teil der Arbeit. Hier werden verschiedene Übersetzungen des Begriffs ğihād innerhalb des koranischen Texts analysiert und bewertet.
4- In einem Fazit werden die Ergebnisse der Hausarbeit aufgezeigt.
5- Anhang der Umschrift arabischer Buchstaben in lateinischer Schrift. 6- Literaturverzeichnis.

1 Theoretische Einführung

1.1. Begriffserklärung

1.1.1 Polysemie

Etymologisch gesehen stammt das Wort Polysemie aus dem Griechischen(πολυς (polys) ›viel‹, σημα (sēma) ›Zeichen) (Glück 2010: 520). Die Polysemie ist:„(Sprachw.): Vorhandensein mehrerer Bedeutungen bei einem Wort: z. B. Pferd = Tier, Turngerät, Schachfigur. “ (Duden Universalwörterbuch 2006: 1301)Metzler Lexikon Sprache gemäß besteht die Bedeutung der einzelnen Lexemen am meistens „ aus einem Gefüge » zusammenhängender « Teilbedeutungen(Siehe Semem 3), die sich in einem oder mehreren Bedeutungsmerkmalenüberschneiden bzw. mehrereähnl. oder partiell ident. Referenzbereiche spezifizieren: z.B. Wurzel von Pflanzen, Zähnen, Haaren, Händen, Nasen, Entwicklungen, Persönlichkeiten, Zahlen, Wörtern u.a. “ (Glück 2010: 520).

Dem Lexikon der Sprachwissenschaft von Hadumud Bußmann (2002: 524) gemäß bedeutet die Polysemie: „... Typ lexikalischer Ambiguität, bei der ein Ausdruck mehrere Bedeutungen aufweist, denen ein gemeinsamer Bedeutungskern zugrunde liegt. “

Aus den beiden oben erwähnten Definitionen der Polysemie ist zu verstanden, dass bei der Polysemie es um Ausdrücke handelt, die man als Polyseme (Singular Polysem) nennt, die mehrere Bedeutungen zum Ausdruck bringen können, wobei für sie einen "Referenzbereich" oder "Bedeutungskern" zu finden ist, der eine minimale gemeinsame Urbedeutung der verschiedenen Bedeutungen enthält. Das von Metzler Lexikon erwähnte Beispiel zeigt klar, dass das Wort "Wurzel" ein Polysem ist, das mehrere Bedeutungen hat: Haarwurzel, Zahnwurzel und Zahlwurzel. Der Bedeutungskern hier ist "Ursprung einer Sache"

1.1.2 Homonymie

Die Polysemie ist gegen ein anderes Sprachphänomen zu begrenzen und zwar die Homonymie, die man als: „ Typ lexikalischer Ambiguität, der verschiedene Wörter zugrunde liegen. Homonyme Ausdrücke verfügenüber die gleiche Ausdrucksform ...bei unterschiedlicher Bedeutung und oft verschiedener etymologischer Herkunft."definiert(Bußmann 2002: 283) Dazu nennt Frau Bußmann (2002: 283) auch folgendes Beispiel: "Zug (>Eisenbahn<, >Gesicht<)." Zur Beziehung zwischen Polysemie und Homonymie erwähnt sie: "Homonymie unterscheidet sich (nach traditioneller Auffassung) von Polysemie dadurch, dass ein polysemer Ausdruck (z.B. grün) mehrere Bedeutungsvarianten aufweist, die im engen Zusammenhang stehen: >frisch>, >unerfahren<, >roh< u.a., während die Bedeutungen homonymer Ausdrücke nicht miteinander verbunden sind. (Bußmann 2002: 283). Dadurch kann zu Recht gesagt werden, dass der Hauptunterschied zwischen beiden Typen "lexikalischer Ambiguität" darin besteht, dass bei Polysemie den verschiedenen Bedeutungen des Ausdrucks ein Bedeutungskern zugrunde liegt, was nicht bei der Homonymie vorhanden ist.

1.1.3 Monosemie

Im Gegenteil zur Polysemie und Homonymie als Typ lexikalischer Ambiguität ist die Monosemie zu finden. Die Monosemie bedeutet:„ (griech. μοvόσημος (monosemos) › von einer Bedeutung ‹ . Engl. univocity) Eigenschaft von Sprachzeichen, nur eine Bedeutung (ein einziges Semem) zu besitzen. Für künstl. Spr. ist M. ein » zeichenkonstitutives Prinzip « ; in fachl. und wiss.

Terminologien wird M. angestrebt; … Monosemierung Disambiguierung. “ (Glück 2010: 440). Daraus kann verstanden werden, dass es bei monosemen Ausdrücken um eindeutige Ausdrücke handelt, die in wissenschaftlichen Texten und Terminologien angestrebt wird. Uns ist in diesem Zusammenhang wichtig, wie Polyseme "monosemiert" werden können. Eine große Hilfe kann uns den oben erwähnte Beitrag als Synonym für Monosemierung, nämlich "Disambiguierung" sein. Gemäß Metzler Lexikon Sprache bedeutet dieser Begriff bzw. Prozess: „ Beseitigung der lexikal. oder struktureller Mehrdeutigkeit Ambiguität, Polysemie, Homonymie) durch den au ß ersprachl. und sprachl. Kontext. “ (Glück 2010: 161) In dem Beitrag über Polysemie ist zu finden, dass ein Vorteil der Polysemie besteht darin, dass man diese Polyseme in unterschiedlichen Kontexten benutzen kann, wo ihrer Bedeutung in der Regel monosemiert wird. (Glück 2010: 520). Daraus ist festzulegen, dass sowie der sprachliche Kontext als auch außersprachliche Kontext - in der Regel-, bestimmen, welches Monsem in dem einen oder den anderen Text zu verstehen ist. Als Beispiel dafür können die folgenden Sätze dienen:

Polysem in einem Kontext Monosem Wurzel Aus Verbalwurzel *ghau stammt das Wort Gott. Wortwurzel Wurzel Zwei ist Quadratwurzel von Vier Zahlenwurzel

1.1.4 Koran

Über die Herkunft des arabischen Wort qurʾān gibt es eine Meinungsverschiedenheit, ob das Wort abgeleitet ist oder nicht. Einige Gelehrten, darunter ist aš-Šafiʿī am bekanntesten, vertreten die Meinung, dass es sich beim Wort qurʾān um einen Eigennamen handele, der nicht von einem anderen Wort abgeleitet sei, und als eine Benennung für das Buch Allahs, wie Thora oder Evangelium, diene. Andere Gelehrten vertreten die Meinung, dass das Wort qurʾān abgeleitet sei. Sie sagen, dass das Wort qurʾān eine Infinitivform sei. Wovon ist dieses Wort abgeleitet, ist aber unter dieser Gruppe bestritten. Al-ʾAšʿarī meinte, das Wort qurʾān sei aus dem Verb qarana= "etwas zu einander zusammenfügen" abgeleitet, da der Koran die Suren und die Verse zu einander zusammenfüge. Al-Luḥīanī meinte, es sei vom qaraʿ="lesen" abgeleitet. (Vgl. as-Sīūtī Band 1,1974: 181 f. )

Als Terminus technicus bedeutet der Koran: „ die schriftlich aufgezeichnete und in Buchform gesammelte Offenbarung als herausfordernde Worte Allahs, die Seinem gesandten Muhammad in arabischer Sprache herabgesandt und uns in ununterbrochener Weitergabeüberliefert wurde und deren Rezitation eine Handlung von Allahs Andacht (gottesdienstliche Handlung) darstellt. “ ( Ṭ an ṭā w ī 2001: 1125, zitiert nach Mansour 2002: 18)

1.1.5 Übersetzung

Unter dem Begriff Übersetzung befindet sich Folgendes in Metzler Lexikon Sprache: „ (auch: Sprachmittlung, Translation, Ü bertragung. Engl., frz. translation) Vorgang und Resultat der Wiedergabe sprachl. Ausdrücke (Wörter, Sätze, Texte) einer Sprache A in einer Sprache B. Dies kann im Aufstellen von Wortgleichungen (z.B. dt. Ü bersetzer = engl. translator = russ. prevodcik = ital. traduttore), von Satzgleichungen (z.B. ital. traduttore traditore = dt. Der Ü bersetzer (ist) ein Verräter) oder in der Herstellung von gr öß eren Texten bestehen, die in der Sprache B Bedeutung, Sinn und ggf. sprachl. Formen (z.B. bei der Ü . von Lyrik) der Textvorlage rekonstruieren. (Glück 2010: 730) Diese Definition sorgt dafür, die Arten der Übersetzung hinsichtlich der zu übersetzenden sprachlichen Strukturen, ob auf der Ebene der Wörter, Sätze oder Texte. In der Definition von Bußmann wird darauf betont, dass die Übersetzung sich sowie auf den Vorgang als auf das Ergebnis der Übersetzung bezieht. Sie spricht von der Übersetzung eines Textes aus einer Ausgangssprache (Sprache A bei Metzler) in eine Zielsprache (Sprache B bei Metzler). (Vgl. Bußmann 2002: 717). In dieser Studie ist die Übersetzung als Vorgang (das zu bestimmen, um welches Monosem es sich handelt, wenn das zu übersetzende Wort Polysem ist.) und als Resultat (die Bewertung, ob der Übersetzer Erfolg hätte, sich bei der Übersetzung eines Polysemes für das richtige Monosem zu entscheiden.) von großer Bedeutung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Polysemie als Problematik der Koranübersetzung in das Deutsche
Untertitel
Analytische Studie anhand von ausgewählten Beispielen
Hochschule
Al-Azhar Universität Kairo  (Sektion für islamische Studien in Deutsch (SiSD), Fakultät für Sprachen und Übersetzung)
Note
1
Autor
Jahr
2013
Seiten
30
Katalognummer
V230649
ISBN (eBook)
9783656470052
ISBN (Buch)
9783656470328
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Koran, Koranübersetzung, Polysemie, Islamwissenschaft, islamische Theologie, Koranauslegung, Koranexegese, Koranwissenschaften
Arbeit zitieren
Muhammed Ragab Sayed Ahmed (Autor), 2013, Polysemie als Problematik der Koranübersetzung in das Deutsche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230649

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