Der Koran steht im Mittelpunkt des Islam. Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Muslime den Koran im Laufe der Zeit aus den verschiedensten Perspektiven untersuchten bzw. noch untersuchen. Die Anzahl der Wissensgebiete, die sich mit dem Koran beschäftigen, schätzte As-Siuty mit etwa einhundertzwei "Koranwissenschaften (vgl. as-Sīūtī Band 1, 1974, S. 23). In jeder einzelnen Wissenschaft davon wurden und werden noch mehrere Bücher verfasst. Z.B. findet man in einer dieser Wissenschaften, wie z.B. Koranauslegung, "tafsīr", hunderte von Werken, in einigen Fällen in der Größe von zweiunddreißig Bänden wie z.B. bei ar-rāzy-Auslegung. Darüber hinaus findet man auch Koranauslegungen in Fremdsprachen, die auch von Nicht-Muslime verfasst wurden, wie z.B. im Deutschen "Der Koran: erschlossen und kommentiert von Adel Theodor Khoury, Düsseldorf: Patmos, 2005. Das gibt es auch ab und zu für andere Koranwissenschaften.
Die Übersetzung des Koran hat eine lange Geschichte. Die muslimischen Gelehrten waren diesbezüglich uneins. Über diese Frage legte u.a al-Qatan ein ganzes Kapitel (vgl. al-Qatan 2000: 323 ff) vor. Auf jeden Fall haben viele versucht, den Koran in Fremdsprachen zu übersetzen. Im Deutschen findet man viele Übersetzungen des Koran, die sehr unterschiedlich ob ihrer Übersetzer, Übersetzungsmethoden, Texttreue u.Ä., sind. Probleme bei der Übersetzung sind normal. Ndayisinga hat in seinem Buch über Koranübersetzung ins Deutsche diese Probleme bestätigt, indem er sagte, es gebe linguistische Probleme (2006: 33) Auslegungsprobleme (2006: 41) und stilistische Probleme (2006: 49). Mansour (2002: 103) meint „Man muss übersetzen, damit man verstehen kann." Es ist auch zu sagen, dass man gut verstehen muss, damit man gut übersetzen kann. Damit man den Koran gut versteht, und demnach richtig übersetzt, müssen diese Probleme behandelt werden. Diese Hausarbeit soll einen Beitrag dazu bilden, eines dieser Probleme zu behandeln.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
0.1 Einführung
0.2 Fragestellung
0.3 Arbeitsmethode
0.4 Arbeitsziel
0.5 Arbeitsaufbau
1 Theoretische Einführung
1.1. Begriffserklärung
1.1.1 Polysemie
1.1.2 Homonymie
1.1.3 Monosemie
1.1.4 Koran
1.1.5 Übersetzung
1.2 Polysemie als Problematik der Arabisch-Deutsch-Übersetzung
1.3 Polysemie in Koran
1.3.1 Die wissenschaftliche Behandlung der Polysemie im Koran
1.3.2 Polysemie als Problematik der Koranübersetzung
1.4 Zur Auswahl der zu untersuchenden Koranübersetzungen
2 Zum Polysem ğihād
2.1 Erklärung des Wortes ğihād durch Lexika
2.2 Das Wort ğihād im Koran
3 Zur Analyse der Übersetzung von Polysem ğihād in den ausgewählten Koranübersetzung
3.1.1 Analyse vom Polysem ğihād mittels Worte anhand einer Koranstelle
3.1.2 Analyse vom Polysem ğihād mittels Waffe anhand einer Koranstelle
3.1.3 Analyse vom Polysem ğihād mittels Tate anhand einer Koranstelle
4 Fazit
5 Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das sprachliche Phänomen der Polysemie im Kontext der Koranübersetzung. Ziel ist es, den Einfluss von Mehrdeutigkeiten auf die Qualität und Richtigkeit deutscher Koranübersetzungen zu beurteilen und aufzuzeigen, wie das Fehlen einer kontextsensiblen Übersetzungspraxis bei kontroversen Begriffen zu Fehlinterpretationen führen kann.
- Analyse der Polysemie als lexikalisches Phänomen
- Untersuchung des Begriffs ğihād in arabischen Lexika und im Koran
- Evaluierung verschiedener deutscher Koranübersetzungen
- Diskussion der Bedeutung von Kontext und Offenbarungsanlässen für die Übersetzung
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Polysemie
Etymologisch gesehen stammt das Wort Polysemie aus dem Griechischen (πολυς (polys) ›viel‹, σημα (sēma) ›Zeichen) (Glück 2010: 520). Die Polysemie ist:„(Sprachw.): Vorhandensein mehrerer Bedeutungen bei einem Wort: z. B. Pferd = Tier, Turngerät, Schachfigur.“ (Duden Universalwörterbuch 2006: 1301)Metzler Lexikon Sprache gemäß besteht die Bedeutung der einzelnen Lexemen am meistens „aus einem Gefüge »zusammenhängender« Teilbedeutungen(Siehe Semem 3), die sich in einem oder mehreren Bedeutungsmerkmalen überschneiden bzw. mehrere ähnl. oder partiell ident. Referenzbereiche spezifizieren: z.B. Wurzel von Pflanzen, Zähnen, Haaren, Händen, Nasen, Entwicklungen, Persönlichkeiten, Zahlen, Wörtern u.a.“(Glück 2010: 520).
Dem Lexikon der Sprachwissenschaft von Hadumud Bußmann (2002: 524) gemäß bedeutet die Polysemie: „...Typ lexikalischer Ambiguität, bei der ein Ausdruck mehrere Bedeutungen aufweist, denen ein gemeinsamer Bedeutungskern zugrunde liegt.“
Aus den beiden oben erwähnten Definitionen der Polysemie ist zu verstanden, dass bei der Polysemie es um Ausdrücke handelt, die man als Polyseme (Singular Polysem) nennt, die mehrere Bedeutungen zum Ausdruck bringen können, wobei für sie einen "Referenzbereich" oder "Bedeutungskern" zu finden ist, der eine minimale gemeinsame Urbedeutung der verschiedenen Bedeutungen enthält. Das von Metzler Lexikon erwähnte Beispiel zeigt klar, dass das Wort "Wurzel" ein Polysem ist, das mehrere Bedeutungen hat: Haarwurzel, Zahnwurzel und Zahlwurzel. Der Bedeutungskern hier ist "Ursprung einer Sache"
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Einführung in die Thematik der Koranübersetzung und die Herausforderungen durch linguistische sowie inhaltliche Mehrdeutigkeit.
1 Theoretische Einführung: Definition grundlegender Begriffe wie Polysemie, Homonymie und Koranübersetzung sowie Darlegung der Problematik bei der Übertragung in eine andere Sprache.
2 Zum Polysem ğihād: Untersuchung des Begriffs ğihād in arabischen Lexika und Darstellung seiner verschiedenen Bedeutungsfacetten im Koran.
3 Zur Analyse der Übersetzung von Polysem ğihād in den ausgewählten Koranübersetzung: Praktische Untersuchung, wie verschiedene Übersetzer den Begriff ğihād in unterschiedlichen Kontexten übersetzt haben.
4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Plädoyer für eine kontextbewusste, kognitive Herangehensweise bei der Übersetzung koranischer Texte.
5 Anhang: Erläuterung des verwendeten Umschriftsystems für arabische Begriffe.
Schlüsselwörter
Polysemie, Koranübersetzung, ğihād, Sprachwissenschaft, Arabisch-Deutsch, Mehrdeutigkeit, Disambiguierung, Lexikologie, Koranauslegung, linguistische Ambiguität, Übersetzungstheorie, Übersetzungspraxis, Kontext, Bedeutungskern, Koranwissenschaften.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Problematik der Polysemie (lexikalische Mehrdeutigkeit) bei der Übersetzung des Koran ins Deutsche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Übersetzungstheorie, die semantische Analyse von Begriffen wie "ğihād" und die kritische Auseinandersetzung mit existierenden Koranübersetzungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu beurteilen, inwieweit das Phänomen der Polysemie den Erfolg oder das Scheitern einer Übersetzung beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine sprachanalytische Methode unter Einbeziehung von Lexika, Polysemie-spezifischer Literatur und Koranauslegungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Fundierung die verschiedenen Bedeutungen des Wortes "ğihād" anhand ausgewählter Koranverse analysiert und die Übersetzungsleistungen verschiedener Autoren bewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Polysemie, Koranübersetzung, ğihād, Mehrdeutigkeit, Disambiguierung und linguistische Ambiguität.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Polysemie und Homonymie?
Der Hauptunterschied besteht darin, dass bei der Polysemie ein gemeinsamer Bedeutungskern die verschiedenen Bedeutungen verbindet, was bei der Homonymie nicht der Fall ist.
Welche Rolle spielen die "Offenbarungsanlässe" (asbāb an-nuzūl) für die Analyse?
Der Autor schlägt diese Literatur als Lösungsansatz vor, um durch das Wissen über den historischen Anlass einer Offenbarung die Polysemie präziser in ein Monosem zu überführen.
Warum wird gerade der Begriff "ğihād" als Fallbeispiel gewählt?
Der Begriff ist aufgrund seiner kontroversen Verwendung im westlichen Diskurs und seiner vielfältigen Bedeutungen im Koran (Worte, Waffe, Taten) ein exemplarisches Beispiel für die Problematik der Koranübersetzung.
Wie lautet das Fazit zur Qualität der untersuchten Übersetzungen?
Die Analyse zeigt, dass etwa 40 % der untersuchten Übersetzungsversuche den Kontext nicht ausreichend berücksichtigen und als gescheitert bewertet werden können.
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- Muhammed Ragab Sayed Ahmed (Autor), 2013, Polysemie als Problematik der Koranübersetzung in das Deutsche, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230649