Arbeit ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Wer einer regelmäßigen Tätigkeit nachgeht,
kann nicht nur seine Bedürfnisse und Wünsche befriedigen, sondern erfährt auch in der Gesellschaft
ein höheres Ansehen. Allerdings gilt dies nicht für alle Personen. In vielen Staaten, insbesondere
in Industrienationen, ist die Arbeit von Kindern mit einem negativen Image behaftet. Die
Verurteilung der Kinderarbeit erfolgt oftmals aus dem Affekt und ist selten auf wissenschaftliche
Erkenntnisse gestützt.
In dieser Arbeit soll die ökonomische Analyse der Kinderarbeit erfolgen. Es sollen Gründe für
die Existenz von Kinderarbeit aufgezeigt und die Frage, ob Kinderarbeit effizient sein kann, beantwortet
werden. Diese Erkenntnisse sollen es ermöglichen, das Thema Kinderarbeit auf einer
wissenschaftlichen Ebene zu diskutieren.
Nach der Einleitung im ersten Kapitel, wird in Kapitel 2 die aktuelle und historische Situation
der Kinderarbeit verdeutlicht. Im Anschluss daran werden in Kapitel 3 die Ebenen, auf denen
Interventionen gegen Kinderarbeit erfolgen können, vorgestellt. Darüber hinaus werden Alternativen
aufgeführt, die zur Eindämmung der Kinderarbeit genutzt werden.
Um die Grundlage für eine Diskussion zu schaffen, wird im vierten Kapitel mit dem Modell von
Basu ein möglicher Grund für die Entstehung von Kinderarbeit erörtert. Basu, Chefökonom der
Weltbank, veröffentlichte im Jahr 1999 ein Modell, in dem untersucht wird, ob sich das Einkommen
der Eltern auf die Kinderarbeit auswirken kann. Anhand des Modells von Baland und
Robinson, beides Ökonomen die sich intensiv mit der Thematik Kinderarbeit befassen, wird im
Kapitel 5 festgestellt, ob das von den Eltern gewählte Niveau der Kinderarbeit effizient sein
kann.
In Kapitel 6 werden die Ergebnisse der beiden Modelle zusammengefasst und diskutiert. Die
möglichen Unterschiede der Modellwelten werden bearbeitet und gegebenenfalls Ansätze zur
Erweiterung der Theorien vorgestellt.
Während in Kapitel 2 und 3 der empirischer Hintergrund zur Kinderarbeit anhand der Daten behandelt
wird, die maßgeblich von Diallo et al. (2010) und Cunningham und Viazzo (1996)
stammen, sind in Kapitel 4 und 5 die theoretischen Modelle von Baland/Robinson und Basu Gegenstand
der Arbeit.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Empirischer Hintergrund
2.1. Heutige Situation
2.2. Historische Entwicklung
3. Interventionen gegen Kinderarbeit
3.1. Intranationale Interventionen
3.2. Supranationale Interventionen
3.3. Extranationale Interventionen
3.3.1. Labeling
3.3.2. Verhaltenskodex
4. Modellwelt Basu
4.1. Grundmodell: Multiple Arbeitsmarktgleichgewichte
4.1.1. Ansatz
4.1.2. Mechanismus
4.1.3. Ergebnis
4.2. Erweitertes Grundmodell
4.2.1. Ansatz
4.2.2. Mechanismus
4.2.3. Ergebnis
5. Modellwelt Baland und Robinson
5.1. Grundmodell: Einseitige Fürsorge
5.1.1. Ansatz
5.1.2. Mechanismus
5.1.3. Ergebnis
5.2. Erweitertes Grundmodell: Gegenseitige Fürsorge
5.2.1. Ansatz
5.2.2. Mechanismus
5.2.3. Ergebnis
6. Vergleich der Modellwelten
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, Kinderarbeit einer ökonomischen Analyse zu unterziehen, um die Ursachen für ihre Entstehung zu identifizieren und die Frage nach ihrer ökonomischen Effizienz zu beantworten.
- Empirische Einordnung der historischen und aktuellen Situation der Kinderarbeit.
- Analyse verschiedener Interventionsmöglichkeiten zur Eindämmung von Kinderarbeit.
- Untersuchung des Entstehens von Kinderarbeit anhand des Modells von Basu.
- Bewertung der Effizienz von Kinderarbeit durch das Modell von Baland und Robinson.
- Vergleichende Diskussion der theoretischen Modellwelten.
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Ansatz
In dem Modell wird von einem wohlwollenden Verhalten der Eltern gegenüber deren Kindern ausgegangen. Dieses Verhalten der Eltern bedeutet, dass ihre Kinder grundsätzlich nicht arbeiten sollen, außer sie sind auf das Einkommen der Kinder angewiesen. Diese Gegebenheit macht klar, dass es für die Eltern eine Art kritisches Einkommen bzw. Mindesteinkommen geben muss, welches sie beim Unterschreiten zwingt, ihre Kinder arbeiten zu lassen. Umgekehrt werden Kinder nicht arbeiten müssen, wenn Eltern diese kritische Vergütung übertreffen und somit nicht auf die Kinderarbeit angewiesen sind. Dieser Umstand beschreibt die „Luxusgut-Annahme“, welche einer der beiden Grundpfeiler in dem von Basu verwendeten Modell ist. Die zweite wichtige Eigenschaft ist die Substitutionsannahme. Basu geht davon aus, dass die Kinderarbeit von den Eltern substituiert werden kann. Mit anderen Worten, können Tätigkeiten, die von Kindern ausgeübt werden, von den Eltern übernommen werden. In der Regel gilt auf einem Markt, dass zu einem bestimmten Preis eine gewisse Menge nachgefragt bzw. angeboten wird. Diese Verhältnisse werden durch die Angebots- und Nachfragekurve dargestellt. Die beiden Akteure (Anbieter und Nachfrager) werden nun auf dem Markt aktiv und in dem Punkt, indem die angebotene mit der nachgefragten Menge übereinstimmt, findet sich der Markt in einem Gleichgewicht wieder und es ergibt sich daraus der markträumende Preis. Einfach formuliert, haben sich Anbieter und Nachfrager auf einen Preis geeinigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung des Themas und der ökonomischen Zielsetzung der Untersuchung.
2. Empirischer Hintergrund: Definition der Begriffe und statistische Darstellung der Situation sowie historischer Rückblick am Beispiel Großbritanniens.
3. Interventionen gegen Kinderarbeit: Einordnung der Bekämpfung von Kinderarbeit in intranationale, supranationale und extranationale Maßnahmen.
4. Modellwelt Basu: Analyse der Entstehung von Kinderarbeit und multiplen Gleichgewichten basierend auf dem Modell von Basu.
5. Modellwelt Baland und Robinson: Untersuchung der Effizienz von Kinderarbeit anhand von Modellen zur einseitigen und gegenseitigen Fürsorge.
6. Vergleich der Modellwelten: Gegenüberstellung und kritische Diskussion der Ergebnisse aus den untersuchten Modellen.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ursachen und Effizienz von Kinderarbeit sowie Ausblick.
Schlüsselwörter
Kinderarbeit, Ökonomische Analyse, Basu, Baland, Robinson, Luxusgut-Annahme, Arbeitsmarkt, Gleichgewicht, Humankapital, Effizienz, Intervention, Kapitalmarkt, Einkommen, Mindestvergütung, Modellwelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Kinderarbeit aus einer ökonomischen Perspektive, um Gründe für ihre Existenz sowie Fragen ihrer Effizienz zu klären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen der empirische Hintergrund der Kinderarbeit, politische Interventionsmöglichkeiten und die theoretische Modellierung der Ursachen sowie der Effizienz von Kinderarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die ökonomischen Beweggründe für Kinderarbeit aufzuzeigen und zu untersuchen, ob das gewählte Niveau der Kinderarbeit aus ökonomischer Sicht als effizient betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Modellanalyse (u.a. Basu, Baland/Robinson), die durch die Auswertung empirischer Daten zur globalen Situation von Kinderarbeit ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die empirischen Grundlagen und Interventionsformen erörtert, gefolgt von einer tiefgehenden theoretischen Untersuchung der Entstehung und Effizienz von Kinderarbeit anhand der Modelle von Basu sowie Baland und Robinson.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Kinderarbeit, ökonomische Effizienz, multiple Gleichgewichte, Luxusgut-Annahme und unvollkommene Kapitalmärkte.
Wie beeinflusst das Einkommen der Eltern die Kinderarbeit laut Basu?
Basu beschreibt, dass Eltern Kinderarbeit als "Luxusgut" behandeln; bei einem Einkommen unter einer kritischen Schwelle sind sie gezwungen, ihre Kinder arbeiten zu lassen, um das Familieneinkommen zu sichern.
Warum untersuchen Baland und Robinson die Effizienz von Kinderarbeit?
Die Autoren gehen der Frage nach, ob Kinderarbeit ineffizient hoch ist, wenn sie als Substitut für fehlende Kapitalmarktzugänge oder als Ausgleich für fehlendes Erbe genutzt wird, was zukünftige Einkommensmöglichkeiten des Kindes negativ beeinträchtigt.
- Arbeit zitieren
- Jan Wettengel (Autor:in), 2013, Ökonomische Analyse von Kinderarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230795