Diese Arbeit setzt sich mit der Fangewalt im deutschen und niederländischen Profifußball auseinander. Insbesondere der Umgang der niederländischen Sicherheitsbehörden mit Fußballfans könnte eine Lösung für die Problematik der Fangewalt in deutschen Stadien und auf den Reisewegen sein. Hierzu werden in der Arbeit die aktuellen Statistiken des jewiligen Landes verglichen und eine kurze rechtliche Einschätzung zur Umsetzbarkeit in Deutschland formuliert. Der Autor begleitete zwei polizeiliche Einsätze bei Fußballspielen in den Niederlanden um die Systeme des personalisierten Ticketings und der verpflichteten An- und Abreise der Fans vor Ort zu erleben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lageübersicht über das Fanverhalten und Sicherheitsmaßnahmen im niederländischen Profifußball
2.1 Allgemeine Lage
2.2 Das Sicherheitssystem bei Profifußballspielen in den Niederlanden
2.3 Das System „Combiregelung“ (Kombiregelung) für Gästefans in den Niederlanden
2.4 Aktuelle Lage
2.4.1 Begriffserklärungen
2.4.2 Auswertung „Jaaroverzicht seizoen 2011-2012“ des CIV
2.5 „Kader voor beleid – Voetbal en Veiligheid“ (Rahmenkonzeption für die (Durch)Führung - Fußball und Sicherheit) des niederländischen Ministeriums für Sicherheit und Justiz
2.5.1 Vorbereitung auf eine Saison und/oder ein Spiel
2.5.2 Während des Spiels
2.5.3 Nach dem Spiel und/oder der Saison
2.6 „Uitsupporters Centraal“ - (Gästefans im Mittelpunkt) Eine Umfrage des „Auditteam Voetbal en Veiligheid“ unter Gästefans im niederländischen Profifußball
2.7 Zusammenfassung
2.8 Erfahrungen des Autors mit dem Sicherheitssystem bei Fußballspielen in den Niederlanden
3. Die Situation in Deutschland
3.1 Allgemeine Lage
3.2 Jahresbericht Fußball für die Saison 2011/12 der ZIS
4. Rechtliche Einschätzungen bezüglich der „Kombiregelung“ und personalisiertem Ticketing
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das niederländische Sicherheitsmodell – bestehend aus personalisiertem Ticketing und verbindlichen Anreisewegen für Gästefans (Kombiregelung) – eine geeignete Lösung zur Reduzierung von Fangewalt im deutschen Profifußball darstellen könnte. Hierbei werden die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie praktische Erfahrungen aus den Niederlanden analysiert, um Übertragbarkeit und Potentiale für deutsche Sicherheitsbehörden und Vereine zu bewerten.
- Analyse des niederländischen Sicherheitssystems (Clubcard & Kombiregelung)
- Vergleich der Fangewalt-Problematiken in den Niederlanden und Deutschland
- Untersuchung der rechtlichen Möglichkeiten und Grenzen einer Übertragung auf deutsche Verhältnisse
- Evaluation der Bedeutung von Fankomfort und Transparenz für die Akzeptanz von Sicherheitsmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
2.3 Das System „Combiregelung“ (Kombiregelung) für Gästefans in den Niederlanden
Bei Spielen im niederländischen Profifußball gibt es seit Ende der 90er Jahre das System der sogenannten „Kombiregelung“ für die Fans der auswärtigen Mannschaft. Dieses System wird bei Spielen mit mittlerem oder hohem Risiko angewandt und regelt die An- und Abreise der Gästefans zum Stadion. Wurde eine Kombiregelung ausgesprochen, so beinhaltet dieses automatisch, dass es den Gästefans verboten ist, sich an anderen Orten in der Stadt aufzuhalten.
Hierbei wird zwischen folgenden Varianten der Kombiregelung unterschieden (von leicht bis schwer):
„Autocombi“:
Wenn eine „Autocombi“ festgelegt wurde, dürfen die Gästefans selbstständig zu einem zuvor festgelegten Parkplatz fahren, wo sie ihren Voucher (Wertbon für eine Eintrittskarte) in eine gültige Eintrittskarte für das Spiel umtauschen und von dort aus das Stadion aufsuchen können. Der Vorteil dieser leichtesten Version der Kombiregelung liegt für die Sicherheitskräfte darin, dass alle auswärtigen Fans von einem bestimmten Platz und in einem bestimmten Zeitkorridor den Weg zum Stadion beschreiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor thematisiert die Herausforderungen durch Gewalt im Fußball und führt seine Motivation sowie die Fragestellung bezüglich einer Übertragbarkeit niederländischer Sicherheitsmodelle ein.
2. Lageübersicht über das Fanverhalten und Sicherheitsmaßnahmen im niederländischen Profifußball: Dieses umfangreiche Kapitel analysiert das niederländische Sicherheitssystem, inklusive Risikokategorisierung, der Kombiregelung, der Clubcard-Pflicht sowie Rahmenkonzeptionen des Ministeriums.
3. Die Situation in Deutschland: Es erfolgt eine Bestandsaufnahme der deutschen Sicherheitslage, die durch steigende Straftaten und die Verlagerung von Auseinandersetzungen auf sogenannte "Drittorte" geprägt ist.
4. Rechtliche Einschätzungen bezüglich der „Kombiregelung“ und personalisiertem Ticketing: Eine Analyse der rechtlichen Möglichkeiten und Hürden für die Einführung dieser Systeme auf Basis deutscher Gesetze und des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass das niederländische Modell zwar nicht eins zu eins übertragbar ist, aber wertvolle Ansätze wie Transparenz und täterorientierte Maßnahmen für deutsche Behörden bietet.
Schlüsselwörter
Fußball, Sicherheit, Kombiregelung, Fanverhalten, Fangewalt, Stadionverbot, Personalisierung, Clubcard, Prävention, Risikokategorisierung, Polizei, Profifußball, Gastfreundschaft, Hooligans, Sicherheitsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Sicherheitskonzepte aus dem niederländischen Profifußball, wie das personalisierte Ticketing und die verpflichtende Kombiregelung für Gästefans, zur Eindämmung von Fangewalt in Deutschland beitragen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Sicherheitsarchitektur im niederländischen Fußball, die Rolle von Fanbeziehungen und die rechtliche Machbarkeit ähnlicher Ansätze innerhalb des föderalen Systems Deutschlands.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den mit hohen Kosten und Personalaufwand verbundenen Polizeieinsätzen bei deutschen Fußballspielen durch die Analyse praxiserprobter niederländischer Alternativen eine effektivere und präventive Strategie entgegenzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus Literaturanalyse (Jahresberichte der ZIS und des CIV), persönlichen Interviews mit Experten der Polizei in Enschede und Rotterdam sowie eigenen Beobachtungen bei sicherheitsrelevanten Fußballspielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das niederländische Sicherheitssystem im Detail (Kategorisierung, Kombiregelung, Clubcard-Pflicht), die aktuelle Sicherheitslage in Deutschland sowie die rechtliche Würdigung der Übertragbarkeit beider Systeme dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Fußball, Sicherheit, Kombiregelung, Fanverhalten, Fangewalt, Stadionverbot, Personalisierung, Clubcard und Prävention.
Was unterscheidet die „Autocombi“ von anderen Kombiregelungen?
Bei der „Autocombi“ können Gästefans individuell mit dem Auto zu einem festgelegten Treffpunkt fahren und von dort das Stadion aufsuchen, während bei der strengeren „Buscombi“ eine gemeinsame Reise in durch den Gastverein organisierten Bussen verpflichtend ist.
Welche Bedeutung haben die „Drittortbegegnungen“ für die Polizei?
Drittortbegegnungen, also abgesprochene Schlägereien abseits der Stadien, verlagern die polizeiliche Herausforderung, da sie oft keinen direkten Bezug zum Spielort mehr haben und schwerer zu überwachen sind.
Warum wird im Fazit von einer „Normalisierung“ des Umgangs mit Fans gesprochen?
Der Autor stellt fest, dass sowohl die niederländischen Behörden als auch der Fußballverband KNVB danach streben, übermäßige und routinemäßige Freiheitsbeschränkungen abzubauen, um durch mehr Gastfreundschaft eine bessere Atmosphäre zu schaffen.
- Citar trabajo
- Nils Pilgrim (Autor), 2013, Personalisiertes Ticketing und verbindliche Anreisewege zu Auswärtsspielen (Kombiregelung) als Lösung für Fangewalt?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230822