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Regionale Integration in Südostasien

Die Entwicklung des ASEAN zum institutionellen Pendant der EU?

Titel: Regionale Integration in Südostasien

Essay , 2013 , 6 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Enrico Günther (Autor:in)

Politik - Thema: Europäische Union
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Aus der eigenen Erfahrung heraus versucht die Europäische Union (EU) seit dem Ende des Kalten Krieges in ihren Außenbeziehungen, regionale Zusammenarbeit und Integrati-on zu fördern (vgl. Börzel/ Risse 2009: 10). In Europa wird zwischenstaatliche Kooperation in einer geographischen Region als Katalysator für Stabilität, Sicherheit und ökonomisches Wachstum betrachtet. Im Rahmen der Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik versucht die EU, regionale Kooperation zu unterstützen, um ihre direkte Nachbarschaft zu stabilisieren und zu befrieden (vgl. ebd.: 16ff.). Auch in ihren weiterreichenden Außenbeziehungen motiviert die Union regionale Kooperationen zu schaffen bzw. bestehende Verbindungen auszu-bauen und zu vertiefen. Diese Tendenzen lassen sich subsumieren unter dem Ansatz ‚new regionalism‘, der Regionen als widerstandsfähig gegenüber globalen Herausforderungen beschreibt und deren Entstehung, Reaktivierung oder Vertiefung in den letzten zwanzig Jah-ren beobachtet (vgl. Telò 2007: 4).
Das interessanteste Pendant zur EU in Asien ist der Verband südostasiatischer Nationen (ASEAN – Association of Southeast Asian Nations), der bereits 1967 gegründet wurde. Aus welchen Gründen kam es in den 1960er-Jahren zu einer regionalen Zusammenarbeit im südostasiatischen Raum? Ziel dieses Essays ist einerseits, die Motivlage der Entwicklung des ASEAN zu beschreiben, auch vor dem Hintergrund der Theorie regionaler Sicherheitskomplexe. Andererseits soll nach der ASEAN-Charta neue institutionelle Design vergleichend mit dem der EU betrachtet werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Motive für die regionale Zusammenarbeit in Südostasien

3. Südostasien als regionaler Sicherheitskomplex

4. Regionale Zusammenarbeit im Vergleich zur EU

5. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung des Verbandes südostasiatischer Nationen (ASEAN) und analysiert, inwieweit die Organisation als institutionelles Pendant zur Europäischen Union betrachtet werden kann, wobei insbesondere die sicherheitspolitische Motivlage und die Übernahme institutioneller Designs im Fokus stehen.

  • Historische Entwicklung und Gründungsgeschichte des ASEAN
  • Analyse der regionalen Sicherheitskomplexe nach Buzan und Wæver
  • Vergleichende Untersuchung der institutionellen Strukturen von ASEAN und EU
  • Die Rolle der nationalen Souveränität bei der institutionellen Integration

Auszug aus dem Buch

Südostasien als regionaler Sicherheitskomplex

Buzan und Wæver (2003: 6-26) argumentieren, dass sowohl neorealistische als auch globalistische Theorien den internationalen Beziehungen, insbesondere nach dem Ende des Kalten Krieges, nicht gerecht werden, da diese Ansätze immer nur „one dominant story to impose on the whole international system“ (ebd.: 26) suchen würden. Dies sei eine zu kurzsichtige Strategie, da es „distinct stories at several levels with none holding the master key to a full interpretation“ (ebd.: 26) gebe. Die Autoren sprechen von einer „1+4+regions“-Struktur des internationalen Systems nach dem Ende des Kalten Krieges bestehend aus der Supermacht USA, den Großmächten Russland, China, Japan und der EU sowie mehreren regionalen Sicherheitskomplexen (vgl. ebd.: 27-39). Ihre „regional security complex theory (RSCT)“ (ebd.: 40) verstehen Buzan und Wæver nicht als konkurrierend, sondern als komplementär zu und interoperabel mit den meisten klassischen realistischen oder liberalen Theorien der Internationalen Beziehungen. Dieser Ansatz betrachtet historische Kontinuitäten verschiedener Regionen und bezieht Freundschaft und Feindschaft sowie akteurszentrierte Interpretationen innerhalb einer Region als konstruktivistische Elemente mit ein.

Regionale Sicherheitskomplexe schafften somit eine Substruktur des internationalen Systems (vgl. ebd.: 40). Staaten fürchteten ihre Nachbarn und verbündeten sich daher mit anderen Staaten in ihrer Region, zwischen zwei regionalen Sicherheitskomplexen gebe es kaum Interaktionen, aber zum Teil isolierende Staaten („insulator“ (ebd.: 41)), die wie beispielweise die Türkei die schwierige Aufgabe haben, die Implikationen beider Regionen auszuhalten.

Daher sei die Region die Ebene, in der die Sicherheitspolitiken der Staaten die größten Auswirkungen haben und interdependent miteinander verbunden sind (vgl. ebd.: 43). Regionale Sicherheitskomplexe werden als „a set of units whose major processes of securitisation, de-securitisation, or both are so interlinked that their security problems cannot reasonably be analyzed or resolved apart from another“ (ebd.: 44) definiert, die anhaltende Muster von Freundschaft und Feindschaft aufweisen und sich in subglobalen, geographisch kohärenten Strukturen von Sicherheitsinterdependenz manifestieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz regionaler Kooperationen und definiert die Zielsetzung des Essays, die Entwicklung des ASEAN unter sicherheitstheoretischen Aspekten und im Vergleich zur EU zu beleuchten.

2. Motive für die regionale Zusammenarbeit in Südostasien: Hier werden die drei Motivgruppen der Regionalisierung – Unabhängigkeitsmanagement, Interdependenzmanagement und interregionale Beziehungen – angewandt, um die Entstehung und Transformation des ASEAN zu erklären.

3. Südostasien als regionaler Sicherheitskomplex: Dieses Kapitel nutzt die Theorie von Buzan und Wæver, um Südostasien als Sicherheitskomplex zu analysieren, der durch historische Rivalitäten, den Einfluss des Kalten Krieges und die spätere Einbindung neuer Mitglieder geprägt wurde.

4. Regionale Zusammenarbeit im Vergleich zur EU: Hier erfolgt eine kritische Gegenüberstellung des institutionellen Settings des ASEAN mit den Organen der EU, wobei die selektive Übernahme von Strukturen unter Wahrung nationaler Souveränität hervorgehoben wird.

5. Fazit: Die Schlussfolgerung fasst zusammen, dass trotz der Nachahmung institutioneller Formen der intergouvernementale Charakter des ASEAN erhalten bleibt und eine supranationale Kompetenzübertragung derzeit nicht stattfindet.

Schlüsselwörter

ASEAN, Europäische Union, Regionale Integration, Sicherheitspolitik, Sicherheitskomplex, Interdependenzmanagement, Institutionelles Design, Souveränität, Südostasien, Multilateralismus, Regionalismus, ASEAN-Charta, Politische Kooperation, Internationale Beziehungen, Bipolarität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Genese und der institutionellen Entwicklung des ASEAN sowie der Frage, inwieweit das Modell der Europäischen Union als Vorbild für die südostasiatische Regionalorganisation dient.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit verbindet politikwissenschaftliche Theorien zur Regionalisierung und Sicherheitspolitik mit einer konkreten Analyse des institutionellen Aufbaus des ASEAN seit seiner Gründung bis zur ASEAN-Charta 2007.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Motivlage der ASEAN-Entwicklung vor dem Hintergrund der Theorie regionaler Sicherheitskomplexe zu beschreiben und das institutionelle Design des Verbandes im Vergleich zur EU kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine analytische und vergleichende Untersuchung, die auf politikwissenschaftlicher Fachliteratur und theoretischen Ansätzen des "new regionalism" sowie der "regional security complex theory" basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Motive für regionale Zusammenarbeit, die Einordnung Südostasiens in die Sicherheitskomplex-Theorie und den direkten Vergleich der Institutionen von ASEAN und EU.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Regionale Integration, ASEAN, EU-Vergleich, Sicherheitskomplex und intergouvernementale Zusammenarbeit charakterisiert.

Warum wird der ASEAN derzeit nicht als echtes Pendant zur EU angesehen?

Dem ASEAN fehlen supranationale Kompetenzen, ein judikatives Organ zur Rechtsdurchsetzung und eine demokratisch legitimierte parlamentarische Versammlung, da das Prinzip der nationalstaatlichen Souveränität stets im Vordergrund steht.

Welche Rolle spielte der Kalte Krieg für die Entstehung des ASEAN?

Der Kalte Krieg fungierte als wesentlicher Treiber für die Gründung, da das Bedürfnis nach sicherheitspolitischer Stabilisierung und die Abwehr kommunistischer Bewegungen die Mitgliedsstaaten zur Kooperation bewegte.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Regionale Integration in Südostasien
Untertitel
Die Entwicklung des ASEAN zum institutionellen Pendant der EU?
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)  (Professur für Europa-Studien)
Veranstaltung
Internationale Beziehungen und Sicherheit aus europäischer Perspektive
Note
1,3
Autor
Enrico Günther (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
6
Katalognummer
V230878
ISBN (eBook)
9783656465102
Sprache
Deutsch
Schlagworte
regionale integration südostasien entwicklung asean pendant
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Enrico Günther (Autor:in), 2013, Regionale Integration in Südostasien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230878
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Leseprobe aus  6  Seiten
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