Solons Rechtsreformen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Überlieferungsgeschichte der solonischen Gesetze
2.1 Gesetzesträger im archaischen Griechenland
2.2 Die Darstellung bei Aristoteles
2.3 Weitere literarische Darstellungen
2.4 Gesamtbewertung der Überlieferung

3. Der εὐνομία-Gedanke

4. Überblick über die Rechtsreform Solons
4.1 Die Popularklage
4.2 Das sogenannte Anti-Neutralitätsgesetz
4.2.1 Die ἀτιμία
4.2.2 Forschungskontroverse über dieses Gesetz
4.2.3 Exkurs: Vorbeugen gegen Tyrannis
4.3 Gesetzgebung im Rahmen der σεισάχθεια
4.4 Das Privatstrafrecht
4.5 Das Nachbarschafts- und Familienrecht

5. Historizität der verfassungsrechtlichen InstitutionenS
5.1 Der Areopag
5.2 Die ἡλιαία
5.3 Der Rat der Vierhundert

6. Fazit

7. Anhang

1. Einleitung

In der Solon-Biographie von Ivan M. LINFORTH heißt es plakativ: „If Louis XIV could say, ‘I am the State‘, Solon might with equal truth say, ‘I am the Revolution.’”[1] Ein sehr gewagter Vergleich, fast schon zu gewagt, und doch wiederum völlig zutreffend – ein Vergleich also, der einen zum Nachdenken bringt. Geradezu revolutionär nämlich war das, was Solon geschaffen hat – und doch sollte es eben nicht revolutionär erscheinen, sondern nach dem Referenzpunkt der εὐνομία ausgerichtet sein. Gerade die Revolutionäre aus den 1790ern in Frankreich schauten jedoch zu Solon als den „Prototyp[…] des Gesetzgebers“[2] schlechthin auf, als den sie ihn verklärten. Gerade diese Revolutionäre stellten eine Solon-Büste in ihrem Nationalkonvent auf, neben „den Büsten von Camillus, Poplicola, Cincinnatus, sowie denen von […] Lykurg, Platon und Demosthenes.“[3] Dieser Gedanke dürfte zu einiger Verwirrung führen, zumal Solon nach opinio communis keinen regelrechten Umsturz herbeiführen wollte, sondern genau das Gegenteil davon intendierte, nämlich die „Stabilisierung des durch στάσεις bedrohten Gemeinwesens“[4] intendierte, wie es WELWEI auf den Punkt bringt.

Solon – Revolutionär oder Reaktionär? Wenn man genauer darüber nachdenkt, sind das anachronistische Begriffe, die auf diese frühe Zeit der griechischen Geschichte allerhöchstens mit größter Vorsicht und sprichwörtlich cum grano sale anwendbar sind. Trotzdem muss aber irgendein tieferer Sinn hinter diesen Gedanken stecken. Warum verklären und vergöttern neuzeitliche Revolutionäre einen Mann, der vor über zwei Jahrtausenden in einem völlig anderen Kulturkreis lebte? Oder, um einen solchen Epochensprung zu vermeiden: Warum entwickelte sich bei den Römern die Legende von einer Gesandtschaft, die bei der Abfassung des Zwölftafelgesetzes nach Athen ging, um die Gesetze Solons abzuschreiben, wovon uns Livius in seinem Werk Ab urbe condita berichtet?[5] Womöglich liegt es im Sinne von Max Weber an der charismatischen Persönlichkeit dieses διαλλακτής, der „als Prototyp des weisen Gesetzgebers […] für spätere Generationen [zur] unbestrittenen Autorität“ avancierte.[6]

Wie dem auch sei, gerade die Rechtsreformen, die Solon in Rechnung gestellt werden, sind in ihrer Konglomeration einzigartig. Der historische Laie ist dazu geneigt, Solons Wirken auf diese Rechtsreformen zu reduzieren, denn „in modern times Solon is known chiefly as a legislator. His legislative activities have so far overshadowed all other circumstances in his life.“[7] Gerade aufgrund dieser immensen Bedeutung von Solons Rechtsreformen, sollen sie auch in dieser Arbeit im Zentrum des Interesses stehen. Nach einem Überblick über die Überlieferungsgeschichte der Gesetze Solons werden die wichtigsten solonischen νόμοι schlaglichtartig beleuchtet. Als solche sind zu nennen: die Popularklage, das Anti-Neutralitäts-Gesetz, das Amnestie-Gesetz, sowie Regelungen im Privatstrafrecht, Familien- und Nachbarschaftsrecht. Auch soll aufgezeigt werden, dass sich das Prinzip der εὐνομία wie ein roter Faden durch Solons gesamtes Gesetzeswerk zieht. Abschließend werde ich mich mit verfassungsrechtlichen Institutionen befassen, deren Entstehung Solon attestiert wird.

Wer sich mit griechischer Geschichte des frühen sechsten Jahrhunderts v.Chr. befasst, sollte generell eine skeptische Grundhaltung an den Tag legen. Wir besitzen nur sehr rudimentäre Kenntnisse über diese Zeit. Daher bildet mehr denn je akribische Quellenarbeit für den Historiker das A und O, während bei allen Spekulationen höchste Behutsamkeit gefragt ist.[8] Doch auch bei sämtlichen späteren Darstellungen antiker Autoren ist mit anachronistischen Konstruktionen zu rechnen. So ist es eine Binsenweisheit, dass eine Arbeit über Solon ähnlich wie ein gut geschriebener Krimi mehr Fragen als Antworten liefern wird. Denn immerhin wusste auch Wittgenstein schon: Worüber man nicht reden kann, davon muss man schweigen.

2. Überlieferungsgeschichte der solonischen Gesetze

Bevor wir eine genauere Analyse der einzelnen Gesetze Solons vornehmen, ist es lohnend, dass wir zunächst einmal der Quellenlage und Überlieferung von Solons Gesetzeswerk unsere ungeteilte Aufmerksamkeit widmen. Allein das eklatant magere Konvolut an Quellentexten wird uns klarmachen, auf welch schwieriges Terrain wir uns hier begeben müssen.

2.1 Gesetzesträger im archaischen Griechenland

Die solonischen Gesetze sollen auf sogenannten ἂξονες beziehungsweise κύρβεις abgefasst gewesen sein.[9] In der Forschung gibt es eine rege Diskussion über die differentia specifica zwischen ἂξονες und κύρβεις, die uns hier nicht weiter interessieren soll. Die genaue Unterscheidung zwischen diesen archaischen Gesetzesträger können wir an dieser Stelle getrost den Archäologen überlassen – mit all den damit verbundenen haarsträubenden Spekulationen. Es ist schlichtweg kaum mehr nachweisbar, was das eigentliche distinguierende Kriterium dieser Gesetzesträger war: ob sie sich dem Inhalt nach[10], dem Material nach[11] oder der Konstruktion[12] nach unterschieden haben – oder vielleicht doch identisch waren und die Begriffe ἂξονες und κύρβεις synonym sind. Der Vollständigkeit halber sei hier auf eine Monographie von STROUD aus dem Jahr 1979 verwiesen[13], in der er sich mit dieser Unterscheidung zwischen ἂξονες und κύρβεις mit mäßigem Erfolg befasst.

2.2 Die Darstellung bei Aristoteles

Unsere wichtigste Quelle über die solonischen Gesetze ist und bleibt Aristoteles. Aus seiner Πολιτικά geht hervor, dass im Peripatos eine Kollektion aller griechischen Gesetze vorgenommen worden ist.[14] Die Bedeutung dieser Schrift für die Überlieferung der solonischen Gesetze kann nicht hoch genug geschätzt werden: Aristoteles konnte die Gesetzträger wohl noch persönlich anschauen, während späteren Autoren nach der Zerstörung der ἂξονες bzw. κύρβεις – RUSCHENBUSCH datiert sie vorsichtig „in die Zeit von etwa 200 bis 130 bzw. 50 v.Chr.“[15] – diese Möglichkeit nicht mehr hatten. In der dem Aristoteles attestierten Schrift Ἀθηναίων πολιτεία[16] fanden die solonischen Gesetze ebenfalls Eingang. Diese Schrift enthält zahlreiche Anachronismen aus dem fünften und vierten Jahrhundert v.Chr. Ferner werden die πολιτείαι Athens im Spiegel der peripatetischen Verfassungstheorie dargestellt.[17] Die Textpassage über Solon bildet hier keine Ausnahme, wie wir im weiteren Verlauf meiner Ausführungen noch feststellen werden.

2.3 Weitere literarische Darstellungen

Werfen wir nun einen Blick auf weitere Darstellungen der solonischen Gesetze neben der Ἀθηναίων πολιτεία. Darüber gibt uns RUSCHENBUSCH einen guten Überblick, dem ich hier im Wesentlichen folge.[18] Bei Diogenes Laertios finden sich zahlreiche Anachronismen vor – kein Wunder: ein ca. 800 Jahre später entstandenes Werk kann man wohl kaum als unmittelbare Quelle bezeichnen. Dass Diogenes Laertios eine authentische Ausgabe der solonischen Gesetze verwendet hat, lässt sich mit Fug und Recht bezweifeln. Weiterhin haben die attischen Redner aufs Geratewohl Gesetzen ihrer Zeit eine solonische Herkunft nachgesagt, wenn ihnen das opportun erschien. Sie legten die Gesetze Solons sozusagen ad libitum aus und verkannten damit das kategoriale Wesen von Solons Wirken. Lysias, Demosthenes und Aristides können folglich nur bedingt als Quelle für die solonischen Gesetze herangezogen werden.[19] Weiterhin ist Diodor nur fragmentarisch überliefert. Es ist davon auszugehen, dass er auch keine authentische Ausgabe des Gesetzestexts verwendete.

So bleibt uns noch Plutarch und seine Solon-Biographie, die zunächst eine hervorragende Überlieferung der solonischen Gesetze suggeriert. Allerdings stellt RUSCHENBUSCH fest, dass Plutarch mehrfach über die Autorschaft Solons an bestimmten Gesetzen[20] unsicher ist und er zieht den Schluss, dass „diese Ausgabe nicht alle Gesetze der Axones enthalten hat.“[21] Angesichts der Tatsache, dass Plutarch sieben Jahrhunderte später lebte als Solon, wäre eine vollständige Überlieferung der solonischen Gesetze bei ihm auch sehr erstaunlich. Man muss ferner in diesem Kontext auch das gattungsspezifische Proprium der Biographie und ihren literarischen Anspruch bedenken. Dennoch lässt sich unter Beachtung dieser Einschränkungen und Unvollständigkeiten als Minimalkonsens festhalten, dass Plutarchs Solon-Biographie eine gute Ergänzung zur Ἀθηναίων πολιτεία als Quelle über Solons Gesetze und Reformen ist.

2.4 Gesamtbewertung der Überlieferung

Im entsprechenden RE-Artikel über Solon stellt ALY treffend fest, dass die Quellenlage eine fehlerfreie Rekonstruktion der Gesetze Solons und der damaligen Verfassungsstrukturen einfach nicht hergibt.[22] Die Person des Gesetzgebers Solon wird von einem ominösen Schleier des Unwissens umgeben, den zu lüften uns aufgrund der schlechten Überlieferungslage schwer fällt. Einzig und allein der Autor der Ἀθηναίων πολιτεία dürfte dürfte mit großer Sicherheit die ἂξονες bzw. κύρβεις selbst gesehen haben. Die Schrift Ἀθηναίων πολιτεία unterliegt jedoch anachronistischen Konstruktionen und philosophischen Idealen, die auf die Verfassungsgeschichte Athens projiziert wurden. Ergänzend dazu ist Plutarchs Solon-Biographie zu nennen: Auch wenn diese Biographie mit frappierender Genauigkeit und Präzision über Solons Gesetze Aufschluss gibt, sollten wir uns nicht dazu verleiten lassen, uns auf ihre Vollständigkeit und Fehlerfreiheit zu verlassen. Alle weiteren Quellen, vor allem Diogenes Laertios, Diodor und die attischen Redner Lysias, Demosthenes und Aristides sind grundsätzlich kritisch zu sehen. Daher ist Behutsamkeit mit der Analyse der Rechtsreformen Solons an den Tag zu legen, um sich diesbezüglich nicht aufs Glatteins führen zu lassen.

3. Der εὐνομία-Gedanke

Haben wir uns bislang allgemeiner gehalten und über die Darstellung Solons en général in den Quellen gesprochen, so befasse ich mich im Folgenden konkret mit den Gesetzen Solons, die unter die Kategorie Rechtsreformen fallen. Zunächst soll aber ein zentrales Motiv Solons betrachtet werden, das sich wie ein roter Faden durch alle seine Gesetze zieht: die εὐνομία.

Die εὐνομία hat eine lange Tradition. Auch Homer und Hesiod verwendeten den Begriff εὐνομία in durchaus häufiger Frequenz.[23] Im Unterschied zu Homer und Hesiod ist für Solon jedoch „Eunomia […] nicht nur die göttliche Personifikation eines abstrakten Begriffes“[24], sondern „[das] wohlwollende Regiment der Gesetze und [der] Gehorsam der Bürger ihnen gegenüber“[25] Wie das zu verstehen ist, zeigt uns ostentativ ein kurzer Ausschnitt aus Solons berühmter Eunomia-Elegie.

Ὠς κακὰ πλεῖστα πὸλει Δυσνομίη παρέχει.

Εύνομίη δ‘ εὔκοσμα καὶ ἂρτια πὰντ‘ ἀποφαίνει καὶ θαμὰ τοῖς ἀδίκοις‘ ἀμφιτίθησι πέδας.[26]

Εὐνομία ist hier also Subjekt und wird darüber hinaus auch noch personifiziert. Es handelt sich nicht um ein instrumentum, sondern, anthropomorphistisch gesprochen, um einen ποιητικός, um einen Handelnden. Zugleich ist εὐνομία keine Gottheit wie bei Hesiod[27], sondern im wahrsten Sinne des Wortes ein Ideal[28]: „Solons Ideal einer neuen Ordnung“.[29]

Die εὐνομία wird der δυσνομία antithetisch gegenübergestellt. Εὐνομία verschafft εὒκοσμα, δυσνομία verschafft κακά. Εὐνομία ist der Idealzustand, den Solons Gesetze schaffen sollen: in heutiger Terminologie ein Rechtsstaat. Δυσνομία ist die pessimistische dichterische Ausgestaltung[30] des status quo vor Solons Archontat: in einem einzigen Wort also στάσις. Εὐνομία und δυσνομία sind zwei Antipoden, in effrigie zwei völlig verschiedene „Welten“, wie L’HOMME-WERY treffend schreibt: „Dans cette élégie, deux panneaux, deux ,mondes‘: celui de la Dysnomie que vit Athènes en conséquence de son injustice et celui de l’Eunomie qui, si elle se trouve réalisée, mettra fin aux malheurs qui accablent le cité.“[31]

Der εὐνομία-Gedanke wirkt zunächst sehr abstrakt und es tut sich die Frage auf, was dieses Ideal eines Rechtsstaates mit Solons Gesetzgebung zu tun hat. Bei jedem Ideal muss man seine Dimension beachten: Die Realität distinguiert notwendigerweise vom Ideal – und trotzdem finden sich ständig Anklänge an das Ideal, nach dem sich das individuelle Streben der Menschen richtet. Auch Solons Streben fußt auf diesem Gedanken der εὐνομία. Die εὐνομία ist so etwas wie ein Archimedischer Punkt: Anders ist die Einführung der Popularklage ebenso wenig zu erklären wie sein Amnestie-Gesetz. Auch das Privatstrafrecht hätte ohne diese εὐνομια keine wirkliche Legitimationsgrundlage und wäre doch sehr willkürlich. Wenn wir im folgenden Kapitel uns mit den einzelnen Rechtsreformen Solons befassen, werden wir immer wieder auf den εὐνομία-Gedanken zurückkommen und seine kategoriale Bedeutung für Solons Gesetzgebung erkennen.

4. Überblick über die Rechtsreform Solons

Nachdem anhand eines kurzen Exkurses über die Überlieferung der solonischen Gesetze und der Vorstellung des sogenannten εὐνομία-Gedankens die Präliminarien zu Genüge abgearbeitet wurden, können wir uns nun ganz speziell den Rechtsreformen Solons widmen. Mögen wir heute auch Solons Rechtsreform beckmesserisch von seinen Wirtschafts- und Verfassungsreformen trennen, so muss uns dennoch bewusst sein, dass es sich dabei stets um eine künstlerische Trennung handelt und seine Reformen ineinander vernetzt und voneinander abhängig waren.[32] Daher kann an einzelnen Stellen der nun folgenden Darstellung keine strikte Beschränkung auf Solons Rechtsreformen erfolgen, die nicht an einzelnen Stellen nolens volens seine Verfassungs- und Wirtschaftsreformen tangiert.

4.1 Die Popularklage

Werfen wir einen Blick auf das Gesetz, das man am allerehesten mit Solon in Verbindung bringt: die Popularklage. In der Ἀθηναίων πολιτεία, unserer zuverlässigsten Quelle über Solon, wird die Popularklage nur in nuce in einem einzigen Satz abgehandelt, gleichzeitig aber zu den wichtigsten Neuregelungen Solons gerechnet. Dort steht geschrieben:

Δοκεῖ δὲ τῆς Σόλωνος πολιτείας τρία ταῦτ‘ εἶναι τὰ δημοτικώτατα […]Ἒπειτα τὸ ἐξεῖναι τῷ βουλομένῳ τιμωρ[εῖ]ν ὑπερ τῶν ἀδικουμένων.[33]

Jedes einzelne Wort ist hier entscheidend: Aristoteles schreibt weder von θεσμοί noch von νόμοι[34], sondern von πολιτεία – ein schillernder Begriff! Weiterhin ist die Kategorisierung δημοτικώτατα[35] eine peripatetische Konstruktion. Es folgt die Nennung von drei πολιτείαι Solons, eine davon ist die Popularklage – in einer unmissverständlichen Periphrase: Jeder, der wolle, dürfe Klage erheben[36], stellvertretend für einen ἀδικούμενος.

[...]


[1] Vgl. Ivan Linforth, Solon the Athenian, in: Classical Philology, hrsg. v. William Augustus Merrill, u.a., Band 6, Berkeley 1919, S.86. [Künftig: Linforth, Solon the Athenian, mit Seitenangaben].

[2] Vgl. Wilfried Nippel, Die Antike in der amerikanischen und französischen Revolution, in: Populo e potere nel mondo antico. Atti del convegno internazionale Cividale del Friuli, hrsg. v. Gianpaolo Urso, Pisa 2005, S.259-269, hier: S.265.

[3] Ibidem, S.265.

[4] Vgl. Karl-Wilhelm Welwei, Athen. Von den Anfängen bis zum Beginn des Hellenismus, Darmstadt 2011, S.164. [Künftig, Welwei, Athen, mit Seitenangaben].

[5] Vgl. Titus Livius, Ab urbe condita, hrsg. v. Robert Feger, Stuttgart 2003, 3.31.8.

[6] Vgl. Welwei, Athen, S.169.

[7] Vgl. Linforth, Solon the Athenian, S.88.

[8] Um altphilologischen Ansprüchen gerecht zu werden, wird im Fließtext auf Altgriechisch zitiert. Eine eigene Übersetzung ist jeweils in einer Fußnote beigefügt, damit die Arbeit auch Leuten zugänglich ist, die des Altgriechischen nicht mächtig sind, und dadurch der Lesefluss erleichtert wird.

[9] Vgl. Plutarch, Lives. Theseus and Romulus, Lycurgus and Numa, Solon and Publicola, hrsg. v. Bernadotte Perrin, London 1914, hier: Solon 25. [Künftig: Plutarch, Solon, mit Textstellenangabe].

[10] Aristophanes behauptet, ἂξονες seien Gesetzesträger und κύρβεις Träger von Opferfasten. Vgl. Eberhard Ruschenbusch, ΣΟΛΟΝΟΣ ΝΟΜΟΙ, Die Fragmente des Solonischen Gesetzeswerkes mit einer Text- und Überlieferungsgeschichte, in: Historia. Zeitschrift für Alte Geschichte, Heft 9, 1966, S.15 und S.18. [Künftig: Ruschenbusch, Fragmente, mit Seitenangaben].

[11] In Anlehnung an Apollodor, demzufolge κύρβεις aus Stein oder Holz und ἂξονες ausschließlich aus Holz seien. Ibidem, S.19f.

[12] Zurückgehend auf Eratosthenes respective Polemon, die jeweils von viereckigen ἂξονες und dreieckigen κύρβεις sprechen. Ibidem, S.16-17 und S.19.

[13] Vgl. Ronald Stroud, Axones and Kyrbeis of Drakon and Solon, Berkeley 1979.

[14] Vgl. Aristoteles, Politik, hrsg. v. Alois Dreizehnter, München 1970, 1274a 23ff. [Künftig: Aristoteles, Politik, mit Textstellenangabe].

[15] Vgl. Ruschenbusch, Fragmente, S.37-38.

[16] Die Autorenfrage wird hier bewusst offen gelassen und nicht weiter geklärt.

[17] Hierzu gehören auch Unterscheidungen wie „demokratisch“, „aristokratisch“ und „oligarchisch“ sowie der Terminus τυραννίς, die mehrfach in der Ἀθηναίων πολιτεία vorkommen werden, aber erst durch Aristoteles näher geprägt wurden. Vgl. Aristoteles, Politik, Buch 4-6. In der Ἀθηναίων πολιτεία wird ein durchwegs geradliniges und stringentes Geschichtsbild postuliert, was natürlich unrealistisch ist. Davon zeugt auch die Zusammenfassung von Teil 1 Vgl. Aristoteles, Ἀθηναίων πολιτεία, hrsg. v. Hans Oppermann, Stuttgart 1968, 41. [Künftig, Ἀθηναίων πολιτεία, mit Textstellenangabe].

[18] Vgl. Ruschenbusch, Fragmente, S.42-50 und S.53-56.

[19] RUSCHENBUSCH verweist darauf, dass auch die hellenistischen Biographen sich in erster Linie auf die Überlieferung der attischen Redner gestützt haben könnten. Dementsprechend hoch muss man ihre Bedeutung für die Überlieferung von unsolonischen Gesetzen ansiedeln. Ibidem, S.54.

[20] Als solche zu nennen sind der ἐπιθάφιος λόγος und der νόμος ἀργίας, sowie die Erfindung der ἓνη καὶ νέα, deren Herkunft aus der Komödie heute nachgewiesen ist. Weiterhin verwendet Plutarch sehr kritisch zu bewertende Geldangaben, die eher aus seiner eigenen Zeit als aus der solonischen Zeit stammen. Hierzu sei verwiesen auf Ruschenbusch, Fragmente, S.46f.

[21] Ibidem, S.47.

[22] Vgl. Wolfgang Aly, Solon, in: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, hrsg. v. Georg Wissowa, Band III A 1, Stuttgart 1919, Sp. 946-978, hier: passim.

[23] Vgl. Karl Hönn, Solon. Staatsmann und Weiser, Wien 1948, S.68. [Künftig: Hönn, Solon, mit Seitenangaben]. HÖNN macht weiterhin darauf aufmerksam, dass Solon direkt in die Fußstapfen des Tyrtaios von Sparta tritt, der auf seine Kampfparänesen ebenfalls ein elegisches Eunomia-Gedicht folgen ließ, das zur Schaffung innerer Ordnung aufforderte. Ibidem, S.68f.

[24] Ibidem, S.70

[25] Ibidem, S.68.

[26] Vgl. Solon, Dichtungen. Sämtliche Fragmente, hrsg. v. Eberhard Preime, München 1945, D3. [Künftig: Preime, Fragmente, mit Textstallenangabe]. Deutsche Übersetzung: Weil die δυσνομία der πόλις sehr viele Übel verschafft. Eὐνομία bereitet aber Wohlordnung und Heilempfinden für alle Tätigkeiten und legt die Füße der gesetzlosen Menschen in Fesseln.

[27] Bei Hesiod ist Eunomie die Tochter der Themis und zählt zu den sogenannten alten Horen. Vgl. Hönn, Solon, S.68.

[28] Zu ähnlichem Ergebnis gelangt auch Michael STAHL, der sich in einem Aufsatz aus dem Jahr 1992 intensiv mit Solons Eunomia-Elegie befasst hat. Bereits der Untertitel des Aufsatzes, „Die Geburtsstunde des Demokratischen Gedankens“, ist Programm und gibt eine bestimmte Richtung vor, die natürlich keineswegs falsch ist, aber dennoch unseren Interpretationsfreiraum dieses frappierenden und facettenreichen Gedichts einengt und in eine konkrete Richtung ablenkt. Vgl. Michel Stahl, Solon F3D. Die Geburtsstunde des demokratischen Gedankens, in: Gymnasium , Band 99, 1992, S.385-408.

[29] Vgl. Hönn, Solon, S.68.

[30] Gerade dies sollte hier bedacht werden, dass es sich um keine objektive Beschreibung eines reellen Staates handelt, sondern um eine poetische Darstellung Solons. Als solche müssen wir damit rechnen, dass Solon zu hyperbolischen Schilderungen neigt und eine konkrete Intention verfolgt: die Notwendigkeit seines Eingriffs in die Gesetzgebung Athens zu rechtfertigen.

[31] Vgl. Louise Marie L’Homme-Wéry, La perspective éleusinienne dans la politique de Solon, Liège 1996, S.197. [Künftig: L’Homme-Wéry, La perspective éleusinienne, mit Seitenangaben].

[32] Wir sollten uns insbesondere nicht dazu verleiten lassen, eine strikte inhaltliche Trennung von Solons Gesetzen auf seinen ἂξονες beziehungsweise κύρβεις in Form von Abschnitten zu Wirtschaftsreformen, Rechtsreformen und Verfassungsreformen anzunehmen. RUSCHENBUSCH hat sich auch mit der Gliederung des solonischen Gesetzeswerkes befasst, kommt allerdings zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis, was aufgrund der schlechten Überlieferungslage nicht sehr verwunderlich ist. Vgl. Ruschenbusch, Fragmente, S.27-31.

[33] Vgl. Aristoteles, Ἀθηναίων πολιτεία, 9.1. Deutsche Übersetzung: Scheinbar sind aber diese drei Innovationen Solons die demokratischsten […] Dann zweitens das Gesetz, dass es jedem beliebigen freistünde, für einen, der Unrecht erlitten hat, Bestrafung einzuklagen.

[34] LINFORTH ist generell der Meinung, dass diese akribische Unterscheidung zwischen θεσμοί und νόμοι völlig überzogen ist und Solon selbst in seinen Fragmenten beide Begriffe verwendet habe. Vgl. Lintorth, Solon the Athenian, S.275.

[35] Vgl. Aristoteles, Politik, 4.4.

[36] Dabei ist τιμωρ[εῖ]ν ein höchst bedeutungsgeladener Begriff, der den Aspekt Rache impliziert.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Solons Rechtsreformen
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
Athen vor der Demokratie
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V230908
ISBN (eBook)
9783656465485
ISBN (Buch)
9783656467595
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Solon, Popularklage, Atimie, Heliaia, Rat der Vierhundert
Arbeit zitieren
Domenic Schäfer (Autor), 2013, Solons Rechtsreformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230908

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