Boulevardisierung der Sprache im Qualitätsjournalismus

Am Beispiel der Berichterstattung über den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney


Hausarbeit, 2012

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Allgemeine Anmerkungen

1. Begriffsdefinitionen
1.1 Qualitätsjournalismus
1.2 Boulevardjournalismus
1.3 Boulevardisierung

2. Sprachliche Mittel der Boulevardisierung
2.1 Syntax der Boulevardsprache
2.2 Rhetorische Figuren
2.3 Umgangssprache

3. Boulevardisierung der Sprache bei Spiegel Online
3.1 Vergleich der Syntax vonBild.de und Spiegel-Online
3.2 Der Gebrauch rhetorischer Mittel bei Bild.de und Spiegel-Online
3.3 Umgangssprache bei Bild.de und Spiegel Online

4. Fazit zur Boulevardisierung der Sprache bei Spiegel Online

Quellenverzeichnis

Allgemeine Anmerkungen

„Im Seichten kann man nicht ertrinken“[1]. Mit diesen Worten beschrieb der Österreicher Prof. Dr. Helmut Thoma, früherer Alleingeschäftsführer von RTL, das Phänomen des Boulevardjournalismus und seines Erfolgs. Seichte Themen und eine einfache sprachliche Gestaltung der Nachrichten, die für den „Normalbürger“ gut verständlich sind. Es ist das Erfolgsrezept, das dem Boulevardjournalismus über alle medialen Plattformen hinweg um Erfolg verhalf und dafür sorgt, dass ein Blatt wie die Bild die auflagenstärkste Zeitung Deutschlands ist.[2] In Zeiten der Zeitungskrise Verkaufszahlen von über zwei Millionen Exemplaren zu erreichen, kann als Bestätigung des Erfolgskonzepts „Boulevard“ gesehen werden. Konträr zu dieser Gattung des Journalismus existiert der sogenannte Qualitätsjournalismus. Frei assoziiert wird er mit Attributen wie Objektivität und Kompetenz verbunden. Doch auch Qualitätsmedien sind den Gesetzten des Marktes unterworfen. Wenn Helmut Thoma mit seiner Aussage recht behält, ist die Masse der Leser also vor allem für seichte und simpel aufgearbeitete Themen zu gewinnen. Die Vermutung liegt nahe, dass auch Qualitätsmedien versuchen könnten, sich dem Interesse der breiten Lesermasse an zu nähern, indem sie die Prinzipien des Boulevardjournalismus in ihre Arbeit einfließen lassen. Diese Arbeit wird sich zunächst der Unterscheidung der beiden Gattungen Boulevard- und Qualitätsjournalismus widmen um dann zu klären, wie genau eine Vermischung der zwei Richtungen aussehen könnte. Anschließend wird anhand einer praktischen Untersuchung von sprachlichen Mitteln in Artikeln von Bild.de und Spiegel Online untersucht, inwiefern eine Boulevardisierung Spiegel Onlines vorliegt. Als exemplarischer Untersuchungsgegenstand dient die politische Berichterstattung über Mitt Romney, einen konservativen Anwärter auf das Amt des amerikanischen Präsidenten.

1. Begriffsdefinitionen

Um eine präzise Untersuchung des Forschungsgegenstandes zu ermöglichen, müssen zunächst die beiden Gattungsbegriffe des Qualitätsjournalismus und Boulevardjournalismus sowie der Begriff Boulevardisierung genauer definiert werden.

1.1 Qualitätsjournalismus

Den übergeordneten Rahmen für die Gattung der Qualitätsmedien bilden die Massenmedien, die auf oberster Ebene der öffentlichen Kommunikation die Vermittlerposition der Kommunikation in einer Gesellschaft aus üben. Laut der gängigen Definition von Maletzke verbreiten sie „ihre Botschaften einseitig, indirekt, d.h. technisch vermittelt, an ein disperses Publikum […], das nur begrenzte Rückkopplungsmöglichkeiten besitzt“[3]. Des Weiteren charakterisieren sich Massenmedien durch die Kennzeichen der Aktualität, Periodizität, Universalität, allgemeinen Verfügbarkeit und Zugänglichkeit.[4] Qualitätsmedien stellen innerhalb dieses allgemeinen Rahmens eine speziellere Ausformung der öffentlichen Kommunikation dar. Sie heben sich vor allem durch das Merkmal der Glaubwürdigkeit von der restlichen Medienlandschaft ab. Dieses Kriterium wird ihnen subjektiv durch die Rezipienten zugeschrieben.[5] Desweiteren werden sie mit „gesellschaftsweiter publizistisch-journalistischer Relevanz sowie […] allgemeine[r] wie auch spezifisch publizistische[r] Kompetenz“[6] in Verbindung gebracht. Bourdieus formuliert eine Theorie, laut der Qualitätsjournalismus sich „am autonomen, intellektuellen, mit hohem kulturellen Kapital ausgestatteten Pol des journalistischen Feldes positioniert“[7]. Konkrete Beispiele für Qualitätsjournalismus sind im Rundfunk die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, im überregionalen Printbereich sind unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Die Welt“ aber auch das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ Garanten für qualitativ hochwertigen Journalismus.[8] Im Rahmen dieser Arbeit wird der Online-Auftritt des Nachrichtenmagazins Spiegel, Spiegel Online, als Quelle für Artikel des Qualitätsjournalismus dienen.

1.2 Boulevardjournalismus

Raabe definiert im Lexikon für Kommunikations- und Medienwissenschaft Boulevardpresse als

„einen Zeitungstyp, der in Aufmachung, Textteil und Gestaltung durch plakativen Stil, große Balkenüberschriften mit reißerischen Schlagzeilen, zahlreiche, oft großformatige Fotos sowie eine einfach, stark komprimierte Sprache gekennzeichnet ist, mit denen er Blickfang bzw. Kaufanreiz für potentielle Leser sein will.“[9]

Gemeint sind damit Blätter wie die Bild oder die tz, aber auch die B.Z. In dieser Arbeit wird davon ausgegangen, dass die durch Raabe formulierten formalen Charakteristika auch auf Online-Erzeugnisse der Boulevardpresse übertragbar sind. Als Beispiel für boulevardeske Sprache werden daher Artikel des Online Auftritts der Bild Zeitung (Bild.de) angeführt. Besonderheiten im Aufbau von Boulevardblättern bestehen darin, dass der Fokus auf Service und Unterhaltung liegt und Reportagen und längere Berichte oft fehlen.[10] Weiterhin kann man die Gattung des Boulevardjournalismus ausdifferenzieren, indem man ihr den Qualitätsjournalismus gegenüber stellt. Dadurch kristallisiert sich heraus, dass boulevardeske Medien Unterhaltungsjournalismus statt Informationsjournalismus betreiben.[11] Das heißt, dass in der journalistischen Praxis nach den Nachrichtenfaktoren Dramatik, Devianz, Prominenz, Negativität, Sex and Crime aber auch Celebrity etc. ausgewählt wird. Gleichzeitig ist die Vielfalt der veröffentlichten Neuigkeiten insgesamt nicht so groß, wie bei qualitativ hochwertigen Medien. Außerdem nutzen „Qualitätsmedien […] eine größere Varianz bei ihren journalistischen Formen als Boulevardmedien“[12].

1.3 Boulevardisierung

Qualitätsjournalismus und Boulevardjournalismus stellen also zwei Pole der Medienlandschaft dar, die an komplett unterschiedlichen Enden des journalistischen Spektrums zu liegen scheinen. Allerdings soll im Rahmen dieser Arbeit untersucht werden, ob eine Vermischung dieser beiden Sphären bei Spiegel Online - die so genannte Boulevardisierung- stattfindet. Laut Landmeier und Daschmann, bedeutet „Boulevardisierung [im] allgemeinen […], dass die Eigenschaften und Merkmale des Boulevardjournalismus auch in anderen Mediengattungen zu finden sind“[13]. Dies kann auf drei Ebenen der Fall sein: Auf inhaltlicher, formaler oder sprachlicher Ebene. Inhaltliche Boulevardisierung meint die Konzentration auf „soft news“ wie Service und Prominenz beziehungsweise das Persönliche und Familiäre („Human Interest“)[14]. Es tritt also „Information hinter Unterhaltung“[15] zurück. Auf formaler Ebene sorgt besonders das Merkmal der Visualisierung durch mehr Bilder bzw. Farben und insgesamt weniger Text für boulevardisierende Effekte. Dies dient der Ansprache eines Publikums, das in Zeiten von Informationsflut und Dominanz der Bilder durch das Fernsehen an die visuelle Vermittlung von Wissen gewohnt ist.[16] Die für diese Arbeit bedeutende Ebene ist aber die der Sprache. „Sprachlich zeichnet sich die Boulevardisierung durch die journalistische Aufbereitung mit Hilfe diskursiver Strategien aus“[17]. Die am häufigsten verwendeten Strategien sind die Simplifizierung, die Personalisierung und die Emotionalisierung. Simplifizierung meint „die Konstruktion übersichtlicher Weltbilder, das einseitige Beziehen normativer Positionen und eine Reduktion komplexer Vorgänge auf Personen und Einzelfakten“[18]. Von Personalisierung ist die Sprache, wenn bewusst die „Nähe zur privaten Erfahrungswelt der Rezipienten“[19] gesucht wird. Dies findet vorrangig über die Schilderung persönlicher Erlebnisse von sowohl Prominenz als auch „normalen“ Leser statt.[20] Die letzte Strategie der Emotionalisierung liegt immer dann vor, wenn Gefühle angesprochen werden, bzw. diese den Informationsgehalt einer Meldung dominieren. Dabei kommt eine „besonders affektive, wertende Sprache“[21] zum Einsatz, die dem Leser Ereignisse vermitteln soll, die er selbst gar nicht erlebt hat.

2. Sprachliche Mittel der Boulevardisierung

Bei der Umsetzung der genannten Strategien bedient sich die boulevardeske Sprache vorrangig folgenden Prinzipien: Umgangssprache, kurze und unkomplizierte Syntax und gezielter Einsatz rhetorischer Mittel, um die Sprache besonders malerisch wirken zu lassen.[22] Diese Methoden sollen im Folgenden kurz erläutert werden.

[...]


[1] Mueller-Zantop, Susanne (2008)

[2] Endl, Jonas (2012)

[3] Schenk, Michael, (2009), S. 65.

[4] vgl. Jarren, Otfried, Vogel, Martina,(2011), S. 23.

[5] vgl. ebd.

[6] ebd.

[7] Blöbaum, Bernd,(2011), S.51.

[8] vgl. Raabe, Johannes, (2006), S. 236, vgl. Blum, Roger,(2011), S. 7.

[9] Raabe, Johannes,(2006), S.26.

[10] vgl. Dulinski, Ulrike,(2003), S. 92.

[11] vgl. Blöbaum, Bernd,(2011), S. 52.

[12] ebd. S. 52.

[13] Landmeier, Christine, Daschmann, Gregor, (2011), S.177.

[14] vgl. ebd. S. 179.

[15] ebd. S 179.

[16] vgl. ebd. S. 178.

[17] ebd. S. 178.

[18] ebd. S. 179.

[19] ebd. S. 178.

[20] vgl. ebd. S. 178.

[21] ebd. S. 179.

[22] vgl. ebd. S. 178.

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Details

Titel
Boulevardisierung der Sprache im Qualitätsjournalismus
Untertitel
Am Beispiel der Berichterstattung über den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney
Hochschule
Universität Passau
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V230918
ISBN (eBook)
9783656485247
ISBN (Buch)
9783656485605
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
boulevardisierung, sprache, qualitätsjournalismus, beispiel, berichterstattung, präsidentschaftskandidaten, mitt, romney
Arbeit zitieren
Simone Stern (Autor:in), 2012, Boulevardisierung der Sprache im Qualitätsjournalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230918

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