Das Frauen- und Männerbild in Heinrich Heines "William Ratcliff"


Hausarbeit, 2013
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Die Frauen
1.1 Maria oder die das Paradies beendet
1.2 Margaretha die Botin und Freundin

2. Die Männer
2.1 William, die Krankheit des Wahnsinns und der Sinn des Todes
2.2 Tom, die große Suppenfrage und William
2.3 Douglas und die Ironie des Schicksals
2.4 Mac-Gregor der Taktiker

3. Das Frauen- und Männerbild im Vergleich

Schluss

Literatur

Einleitung

In drei Tagen eine Tragödie zu schreiben ist sicher nicht einfach und ob es überhaupt so war ist unsicher. Trotzdem behauptet Heinrich Heine (1797-1856), dass er den „William Ratcliff“1 in so kurzer Zeit geschrieben hat.2 Auch wenn Windfuhr beschreibt, dass das Stück mit „atemloser Schnelligkeit“3 abläuft, wirkt die Aussage unglaubwürdig, da ein schneller Handlungsablauf, und wenn es auch so wirkt, nicht einer schnellen Produktion gleichkommt. Diese Begebenheiten ändern jedoch nichts daran, dass das Stück und seine Figuren, auch wenn es „zwiespältig aufgenommen“4 wurde, Interessantes beinhaltet.

Heine knüpft mit dem Ratcliff an seine Vorbilder und an eine Modegattung an. Wie schon sein Vorbild Adolf Müllner schreibt auch er eine Schicksalstragödie.5 Weiter fällt sofort auf, dass der Name seines Titelhelden auf sein anderes Vorbild William Shakespeare hindeutet.6 Er ordnet sich also medienpolitisch zu. Genau so medienstrategisch ist vielleicht auch die Aussage zu werten, dass das Drama in drei Tagen entstanden sei. Es soll aber nicht der Medienstratege Heine betrachtet werden, sondern sein Stück.

In dieser Arbeit möchte ich das Frauen- und Männerbild des Ratcliff näher betrachten. Dazu werden zunächst die Personen getrennt voneinander charakterisiert um sie im Anschluss daran, ein Stück weit, gegenüber zu stellen. Haben Männer und Frauen im Stück Gemeinsamkeiten oder sind sie gar grundverschieden?

Auch wird, an gebotener Stelle, ein kurzer Blick auf Heines Biographie zu werfen sein. Gibt es hier Parallelen? Im Stück lehnt Maria William ab. Amalie lehnte Heine zeitnah zur Produktion des Ratcliff ab. In Verbindung hiermit steht die Frage, in wie fern das Männerbild des Ratcliff dem Mann Heinrich Heine nahekommt. Hierbei wird besonders William zu betrachten sein („Es scheint, dass Heine in diesem Drama seine eigene unglückliche Liebe und sein Bonner Lotterleben symbolhaft verarbeitete. Mit der symbolisch-dramatischen

Ermordung der Geliebten war das Thema Liebesleid künstlerisch bewältigt.“7). Auch wird, in Ansätzen, Amalie mit Maria zu vergleichen sein.

Ferner wird die Tatsache das William und Maria am Ende sterben eine Analyse wert sein. Sterben sie einfach nur aus tragödientechnischen Gründen, oder hat ihr Tod eine Funktion? Grundsätzlich wichtig ist, dass „Liebe und Tod, gelegentlich ergänzt durch den Wahnsinn [...] bei Heine bis zuletzt untrennbare Gewalten“8 bleiben. Was den Wahnsinn betrifft wird zu prüfen sein, wie er konzipiert ist. Ist er einfach nur verrückt oder hat William eindeutige Symptome? Damit einhergehend ist zu analysieren ob der Wahnsinn ein Ende hat.

Ein weiteres Themenfeld, grundsätzlich bei Heine, aber auch im Stück, ist die große Suppenfrage. Das sie ohne Konsequenz bleibt, bzw. zu relativieren ist9, wurde oft erwähnt. Aber warum ist das so?

Beachtenswert für Heines Frühwerk ist die Tatsache, dass auch sein erstes Stück Almansor ähnliche Motive verwendet, wie zum Beispiel Traum und Tod.10 Wenn man sich mit Heines Frühwerk beschäftigt kommt man also eigentlich um den Ratcliff nicht herum. Auch deshalb, weil sich im Ratcliff Dinge darstellen, die Heine ein Leben lang beschäftigen und die immer wieder auftauchen, sollte man das Stück betrachten. Diese Tatsache ist besonders spannend, da die Forschung sich oft von diesem Drama distanziert hat. Hieraus entsteht auch meine Intention sich mit dem Drama zu beschäftigen.

1. Die Frauen

Zunächst sollen die Frauen (Maria, die Tochter von Mac-Gregor und Margaretha, ihre Amme) betrachtet und charakterisiert werden. Vorab ist anzumerken, dass die Anzahl der Frauen im Stück, im Gegensatz zu den Männern, sehr gering ist.

1.1 Maria oder die das Paradies beendet

Um die Figur der Maria komplett zu verstehen, ist zunächst die Vorgeschichte des Dramas aufzuzeigen. Diese stellt Manfred Windfuhr sehr anschaulich dar.

Die Vorgeschichte hängt mit den Eltern von Maria und William zusammen. Marias Mutter Schön-Betty wurde von Williams Vater Edward geliebt, entschied sich aber für Marias Vater Mac-Gregor. Aus seiner Verzweiflung heraus heiratet Edward Jenny Camphel. Die zwei bekommen den Sohn William. Aus diesen beiden Beziehungen gehen also die weibliche Hauptfigur Maria und der Titelheld William hervor. Edward kann seine Schön-Betty aber nicht vergessen und wirbt weiter um sie. Mac-Gregor wird eifersüchtig und erschlägt Edward. Die Kinder erfahren zunächst nichts davon.

Zwanzig Jahre später kommt William auf Mac-Gregors Schloss und verliebt sich in Maria. Diese weist ihn jedoch ab. Daraufhin geht er nach London und versucht sich mit anderen Frauen zu trösten. Da ihn das nicht zur Ruhe kommen lässt, kommt er zurück und beschließt Marias andere Bewerber zu ermorden. Immer wenn eine Hochzeit bevorsteht, tötet er vorher den Bräutigam. Zu Beginn von Heines Drama sind bereits zwei Bewerber umgebracht worden (Philipp Macdonald und Lord Duncan). Den dritten Bewerber (Douglas) verpasst William jedoch. Die erste Szene des Stücks beinhaltet die Hochzeit von Douglas und Maria.11

Zwischen William und Maria existiert also die gleiche unerfüllte Liebe des Mannes zur Frau wie bei ihren Eltern Edward und Schön-Betty. Hiervon werden ihre Schicksale bestimmt. Sie sind gefangen durch die Vorgeschichte im Sinne des Schicksalsdramas. Die Figur Maria funktioniert also grundsätzlich als Gefangene ihres Schicksals (im Sinn einer Schicksalstragödie). Ihre Person wird aber noch durch mehr ausgemacht bzw. gestaltet.

Weiter ist sie mit weiblicher Zerbrechlichkeit ausgestattet.12 Als Douglas berichtet, dass er von Räubern überfallen worden ist, wirkt sie äußerst empfindlich. Sicher beschreibt Douglas den Angriff recht dramatisch und spannend. „Pif! Paf! Erweckten mich aus meinen Träumen/

Die Kugeln, die mir um die Ohren Pfiffen.“13, berichtet und beschreibt er. Doch Maria steht der Dramatik in nichts nach.

O Weh! Marie erbleicht,

Und wankt, und sinkt-

(Margarethe springt hastig auf, und hält die in Ohn-

Macht fallende Maria in ihren Armen.)14

Durch die Beschreibung Douglas und das Aufspringen und Auffangen der Amme, wird eine tragische Ohnmacht inszeniert. Sicherlich denkt Maria, dass Ratcliff etwas damit zu tun hatte, da sie schon zwei mal vorher tote Verlobte zu beklagen hatte. Es überkommt sie einfach so, und nicht zuletzt um das Wissen ihrer und Williams Vorgeschichte.

Kurz vorher war sie noch standhaft und stark, als sie Margarethe beschützte („Laßt ruhn die arme, gute Margarethe.“15). Mac-Gregor, der die Amme aus dem Schloss werfen wollte, konnte es wegen Maria nicht tun.16 Maria ist also kein Stereotyp. Sie hat verschiedene Züge und das nicht nur über lange Zeiträume, sondern auch sehr kurzfristig wechselnd.

Eine besondere Rolle kommt Maria jedoch durch Fremdkommentar in ihrer Abwesenheit zu.

Ratcliff.

(Wild ausbrechend.)

Verfluchte Schlang´! Mit seltsam scheuen Blicken,

Und Widerwillen fast, sah sie mich an,

Und höhnisch knixend sprach sie frostig: Nein!

Noch hör` ich`s lachen unter mir: Nein! nein!

Noch hör` ich`s seufzen über mir: Nein! nein!

Und klirrend schlagen zu des Himmels Pforte!17

So beschreibt Ratcliff die Reaktion und Situation, als Maria im eröffnete, dass sie ihn nicht liebt. Diese Stelle bietet unglaublich viel Inhalt. Hier ist zunächst an die Analyse von Peter von Matt anzuknüpfen. „Eine Schilderung nämlich ist es vom Verlust des Paradieses...Die Signale des mythischen Berichts vom Untergang des Paradieses finden sich unverkennbar im Text.“18 Das Auseinenderbrechen der Liebe fällt hier mit dem zerbrechen des Paradieses zu-sammen. Die Schlange wird mit der Frau gleichgesetzt und das Urwort des Satans, sagt die Frau. Das Wort Nein hat, im mythischen Bericht, Luzifer erst zum Satan gemacht. Das alles entsteht unter dem Begriff „Urgeheimniß“,so Matt.

[...]


1 Heine, Heinrich: William Ratcliff. Tragödie in einem Akte, in: ders.: Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke, hg. v. Manfred Windfuhr, Band 5: Almansor. William Ratcliff. Der Rabbi von Bacherach. Aus den Memoiren der Herren von Schnabelewopski. Florentinische Nächte, Hamburg 1994, S. 69- 105. (Im Folgenden abgekürzt als: Düsseldorfer Ausgabe Band 5).

2 Vgl. Kircher, Hartmut: Heinrich Heine, Marburg 2012, S. 90.

3 Windfuhr, Manfred: Heinrich Heine. Revolution und Reflexion, Stuttgart 1969, S. 46.

4 Kircher: Heinrich Heine, 2012, S.93.

5 ebd. S. 91.

6 Vgl. Matt, Peter von: Der Mythos vom Mord an der Liebe. Heines „Ratcliff“, in: Das Jerusalemer Heine-Symposium. Gedächtnis, Mythos, Modernität, hg. v. Klaus Briegleb u. Itta Shedletzky, Hamburg 2001, S. 79.

7 Albrecht, Wilma Ruth: Harry Heine, Aachen 2007, S. 12-13.

8 Kruse, Joseph Anton: Heinrich Heine, Frankfurt am Main 2005, S. 86.

9 Vgl. Kircher: Heinrich Heine, 2012, S.93.

10 Vgl. Hessing, Jakob: Der Traum und der Tod. Heinrich Heines Poetik des Scheiterns, Göttingen 2005, S. 176.

11 Vgl. zur Vorgeschichte: Windfuhr: Heinrich Heine, 1969, S. 45.

12 Vgl. Düsseldorfer Ausgabe Band 5, S.73-74.

13 Düsseldorfer Ausgabe Band 5, S.73.

14 Ebd. S. 73.

15 Ebd. S. 72.

16 Vgl. ebd. S. 72.

17 Ebd. S. 86.

18 Matt: Heines „Ratcliff“, 2001, S. 80.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Frauen- und Männerbild in Heinrich Heines "William Ratcliff"
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V230974
ISBN (eBook)
9783656464594
ISBN (Buch)
9783656469223
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich Heine, William Ratcliff, Ratcliff, Frühwerk, Literatur, Tod, Schicksalstragödie, Heine, Romantik, der letzte Fabelkönig der Romantik
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Markus Stettner (Autor), 2013, Das Frauen- und Männerbild in Heinrich Heines "William Ratcliff", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230974

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