Die Rolle der Großmutter für die russische Familie und Gesellschaft


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erwerbstätigkeit der Großmutter und finanzielle Unterstützung für die Jungfamilie

3. Die Rolle der Großmutter in der Kinderbetreuung
3.1. Der zeitliche Aspekt
3.2. Aspekt der Sozialisation

4. Beitrag zur Familie durch Subsistenzwirtschaft

5. Resümee

6. Quellen

1. Einleitung

In der soziologischen Literatur gibt es unzählige Beiträge, die sich mit der Rolle der Frau in der russischen Gesellschaft befassen. Ziemlich rasch kann jedoch - bei Beschäftigung mit diesem Thema - festgestellt werden, dass die Definition „Frau“ dabei nahezu immer Frauen umfasst, welche sich in reproduktiven und erwerbsfähigen Alter befinden. Das bedeutet nach Abschluss einer Pflichtschulausbildung oder eines Studiums, wenn der Eintritt in die Erwerbsfähigkeit stattfindet. Das Ende des reproduktiven Alters führt Stein-Redent mit 49 Jahren an (Stein-Redent 2008:286). In der Genderforschung beschäftigen sich somit die meisten Beiträge mit Frauen im Alter zwischen ungefähr 17 und 49 Jahren, was aber nicht bedeutet, dass Frauen im Alter darüber hinaus keine tragende Rolle mehr für die Gesellschaft hätten. Ähnlich ist es in der Familiensoziologie, hier liegt der Fokus vor allem auf Eltern- Kind-Beziehungen oder Geschwisterbeziehungen. Die Kontakte der Großeltern zu ihren Enkelkindern haben dabei keine so große Beachtung gefunden (Meischner 1997:265).

Das Alter der Mutter bei der ersten Geburt ist in Russland vergleichsweise niedrig. Es finden sich hier, je nach Autor, sehr unterschiedliche Zahlen. Die meisten Geburten finden sich jedoch bei Frauen zwischen 20 und 30.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1

Die Zahlen aus dem Jahr 2004 zeigen eine sehr ähnliche Tendenz. In diesem Jahr kamen auf 1000 Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren 37,7 Geburten. Auf 1000 Frauen, die jünger als 20 Jahre waren, kamen dabei 28,2 Geburten. Auf 1000 Frauen im Alter zwischen 20 und 24 kamen 93,4 Geburten; im Alter zwischen 25 und 29 80,2 Geburten; im Alter zwischen 30 und 34 45,9 Geburten; im Alter zwischen 35 und 39 17,6 Geburten; im Alter über 40 sinkt die Zahl der Geburten bei 1000 Frauen auf unter 3. Erkennbar wird daraus, dass die meisten Geburten in einem Alter der Mutter zwischen 20-24 Jahren stattfinden, ebenso wie im Alter zwischen 25-29 Jahren (Stein-Redent 2008:286). „Der Geburtenrückgang bleibt eine allgemeine Tendenz, ungeachtet dessen, dass der Alterszeitraum, in dem Frauen Kinder gebären, sich auf 15 bis 50 Jahre verbreitert hat. Allerdings werden etwa 75 Prozent aller Kinder von Frauen im Alter zwischen 19 und 26 Jahren geboren“ (Meshcherkina 2001:44). Es kann aus folgenden Zahlen geschlossen werden, dass ein Großteil der heutigen werdenden Mütter (bezogen auf 2012) in den 80ern oder Anfang der 90er geboren wurden. Daraus ergibt sich die Frage, wie alt die Großmütter waren, als sie selbst Mütter wurden, um Rückschlüsse auf das Alter der Großmutter bei der Geburt ihrer Enkel ziehen zu können.

In der Langzeitstudie von M. Titma & E.Saar waren die betroffenen Personen zu Beginn der Studie 1982 17-18 Jahre alt (Titma; Saar 1997:218). Im Bereich des heutigen Russlands wurde dabei der Raum Jekaterinburg untersucht. Dabei bekam das erste Viertel an Frauen durchschnittlich im Alter von 20,3 Jahren ihr erstes Kind. Das zweite Viertel Frauen im Alter von 22,3 und das dritte Viertel im Alter von 26,2 Jahren. Titma und Saar sehen mit einer Quote von 75% an Frauen, die bis zu diesem Alter Mütter geworden sind, den Prozess als weitgehend abgeschlossen. Es ergibt sich daraus ein durchschnittliches Alter der Mutter bei der Geburt ihres ersten Kindes von 22,02 im Raum Jekaterinburg (Titma; Saar 1997:229). Daraus kann geschlossen werden, dass russische Frauen, vorausgesetzt sie haben selbst Kinder, im Alter von 40 bis 50 Großmütter werden, und somit selbst in den Jahren zwischen 1972 und 1962 geboren wurden. Geht man davon aus, dass die Erziehung der Kinder 18 intensive Jahre in Anspruch nimmt, so sind Großmütter, die eventuell in die Erziehung ihrer Enkel mit eingebunden sind, zwischen 40 und 68 Jahren alt. Diese Zahlen sind selbstverständlich nur als Annäherungswerte zu betrachten, da für diese Arbeit keine noch detaillierteren Zahlen vorliegen.

Dies ist durchaus ein Alter, in dem viele Frauen fest im Berufsleben verankert sind, denn das aktuelle Pensionsantrittsalter für Frauen in Russland liegt derzeit bei 55 Jahren. „Durch solche demographischen und sozialen Veränderungen, wie die gestiegene allgemeine Lebenserwartung und der stets steigenden (sic!) Anteil berufstätiger Frauen, sind heutige ‚Großmütter‘ immer häufiger Frauen, die mitten im Leben stehen und deren Verhalten und

Bewusstsein sich dramatisch von den gängigen Großmütter-Klischees unterscheidet“ (Meischner 1997:267).

Im Weiteren soll nur die Rolle der Großmutter genauer betrachtet werden. Zum einen ist die Lebenserwartung der russischen Männer verhältnismäßig niedrig - sie liegt aktuell bei 63 Jahren, wohingegen die der Frauen bei 75 liegt (OECD 2012). Zum anderen waren russische Frauen über lange Zeit mit dem russischen Phänomen der ‚abwesenden Männer‘ konfrontiert (Arztmann 2008:78). Außerdem würde eine Behandlung der Rolle beider Großelternteile das Ausmaß der vorliegenden Arbeit übersteigen.

2. Erwerbstätigkeit der Großmutter und finanzielle Unterstützung für die Jungfamilie

Aufgrund des relativ jungen Alters der Mütter bei der ersten Geburt ihrer Kinder, sind auch Großmütter zu diesem Zeitpunkt oft noch recht jungen Alters und daher ganz oder zumindest zum Teil in die Erwerbstätigkeit eingebunden. Verdient die Generation der Großeltern ausreichend, um sich selbst zu erhalten oder sich sogar ein gewisses Maß an Wohlstand zu leisten, greift die ältere Generation ihren Kindern oftmals, wenn möglich, finanziell unter die Arme. Aber auch in die andere Richtung wird dieser Generationenvertrag wirksam, und erwerbsfähige Kinder erhalten ihre Eltern in höherem Alter. Alleinlebende Personen im Rentenalter hatten 2003 ein durchschnittliches Einkommen von 2.765,50 Rubel, wovon sie 3,7% dieses Einkommens von Geldern aus der Familie erhielten. Ein Rentnerehepaar hatte pro Kopf 2003 durchschnittlich ein Gesamteinkommen von 4.573,50 Rubel zur Verfügung, wobei davon nur 1,4% von Geldern aus der Familie bezogen und 3,2% aus dem Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten stammten. Ein Ehepaar mit einem Kind unter 18 Jahren im Haushalt hatte zum selben Zeitpunkt ein Pro-Kopf-Einkommen von 2.477,10 Rubel zur Verfügung, wobei 3,8% dieses Einkommens von Geldern aus der Familie kamen. Bei einem Ehepaar mit zwei oder mehr Kindern unter 18 Jahren war ein Gesamteinkommen von 2.736,80 Rubel pro Kopf zur Verfügung, wobei 4% der finanziellen Mittel aus der Familie kamen. Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren hatten ein Gesamteinkommen von 2.779,50 Rubel zur Verfügung, wobei 6,1% des Gesamteinkommens von Geldern aus der Familie stammten (Stein-Redent 2008:294).

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Details

Titel
Die Rolle der Großmutter für die russische Familie und Gesellschaft
Hochschule
Universität Wien  (Internationale Entwicklung/PoWi)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V230982
ISBN (eBook)
9783656469889
ISBN (Buch)
9783656470038
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, großmutter, familie, gesellschaft
Arbeit zitieren
Claudia Fallmann (Autor), 2012, Die Rolle der Großmutter für die russische Familie und Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230982

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