Die Lexikologie und ihre Möglichkeiten zur Strukturierung des Wortschatzes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Lexikologie

2. Der Wortschatz

3. Die Klassifizierung
3.1 Einteilung von Christof Heinz
3.2 Einteilung von Thomas Bruns:

4. Die formale Einteilung
4.1 Nach grammatischen Kriterien: Wortarten
4.2 Nach derivativen/lexikalische Kriterien: Wortfamilien, abgeleitete, nicht abgeleitet,lpräfigiert/suffigiert
4.2.1 Kategorie - präfigiert/suffigiert
4.2.2 Die Wortfamilie

5. Die stilistische Einteilung

6. Semantische Einteilung
6.1 Polysemie und Homonymie
6.2 Synonymie und Antonymie
6.3 Paronymie
6.4 Hyponymie und Hyperonomie

7. Der Fremdwortschatz, Lehnwortschatz und Etymologie
7.1 Fremdwortschatz
7.2 Lehnwortschatz

8. Probleme bei der Einteilung nach Heinz

1. Die Lexikologie

Beschäftigt man sich im Rahmen der Sprachwissenschaften mit der Disziplin der Lexikologie, so fällt auf, dass die Lexikologie in bestimmten Punkten einige Besonderheiten und Merkmale aufweist, welche sie von anderen Disziplinen der Sprachwissenschaft wesentlich unterscheidet. So hat die Lexikologie in ihrer Anwendung eine andere Rolle inne als beispielsweise die Morphologie oder Phonologie. Sie findet in der kommunikativen Praxis keine konkrete Anwendung und bleibt somit eine Wissenschaftsdisziplin die sich im Wesentlichen auf die Theorie beschränkt. Freidhof beschreibt dieses Phänomen sehr treffend:

„[I]m Zentrum stehen jeweils die W ö rter (Lexeme) einer Sprache, die im Gegensatz zu anderen sprachlichen Einheiten (wie Phonemen, grammatischen Morphemen) eine offene Klasse bilden, da der Bestand an Lexemen ständig den Bedürfnissen und der Entwicklung einer Gesellschaft und ihrer Sprecher angepasst werden muss. Diese Offenheit der Klasse ist der Grund dafür, dass die beiden Disziplinen in der Regel nicht in grammatische Darstellungen einer Sprache mit einbezogen werden“ (Freidhof 1984: 143).

Heinz definiert die Lexikologie folgendermaßen: „Lexikologie ist der Teil der Sprachwissenschaft, der sich mit dem Wortschatz beschäftigt. Sie untersucht die Strukturen innerhalb des Wortschatzes und die regelmäßigen Beziehungen zwischen den lexikalischen Einheiten“(Heinz 2007:130).In der Definition von Kubišta und Kuße wird die Beschäftigung mit der Struktur des Wortschatzes jedoch in den Hintergrund gestellt, nicht die Beziehung der der Worte steht im Vordergrund, sondern die Erforschung des Wortbestandes an sich. Der Zugang von Kubišta und Kuße zur Lexikologie besteht in der semantischen und lexikalischen Bedeutung der Worte: „Lexikologie ist die Lehre von der Erforschung des Wortbestandes (Wortschatzes, Lexikons) einer Sprache. [Ihr] Objekt [ist das] Wort als Träger lexikalischer Bedeutung (das Wort als sprachliche Einheit, Lexem, Lemma)“ (Kubišta; Kuße o.J.:68). Im Gegensatz zu den bereits genannten Autoren ist die Definition von Thomas Bruns allumfassender:

„ Lexikologie ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ) ist die Lehre von der Bedeutung der Wörter, wie sie im Wortschatz einer Sprache organisiert sind. Sie beschäftigt sich mit der Lexik, dem Lexikon (d.h. dem Wortschatz) einer Sprache. Lexik ist die Gesamtheit aller Wörter einer Sprache, bestehend aus dem Grundwortschatz (Primär- und Sekundärstammwörter) und einem beweglicheren Teil (Neologismen, Fremdwörter, Sondersprachen etc.). Man kann sie auch beschreiben als den Gesamtinhalt von Elementen (d.h. nicht nur von ganzen Wörter), die Bedeutung tragen“ (Bruns 2007:123).

Die Lexikologie an sich beschäftigt sich mit der Klassifizierung des gesamten Wortschatzes einer Sprache. Diesbezüglich kann jedes Wort in Betracht gezogen werden, und einer oder mehreren bestimmte n Klassifizierungen zugeteilt werden. Die Klassifizierungskriterien in der Lexikologie sind durchaus nicht einheitlich und werden je nach Literatur unterschiedlich strukturiert. Im Folgenden werden einige der wichtigsten möglichen Klassifizierungen in der Lexikologie wiedergegeben. Diese Arbeit gibt jedoch keinen vollständigen Überblick über alle möglichen Klassifizierungskriterien, da dies das Ausmaß und den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde. Es sollen jedoch die wichtigsten Ansätze zur Klassifizierung von Lexemen aufgezeigt werden, dabei wird der grundsätzlichen Einteilung aus Heinz‘ „Einführung in die slavische Sprachwissenschaft - Skriptum zum Grundkurs“ gefolgt, wobei dies um weitere Beiträge ergänzt werden wird. Auf einen großen Bereich der Lexikologie - der Wortbildung und Derivaten von Worten - wird in dieser Arbeit nur insofern eingegangen, als es für die Strukturierung des Wortschatzes relevant ist. Trotzdem soll auch der Bereich des Fremd und Lehnwortschatzes als Klassifizierungskriterium nicht außer Acht gelassen werden. Auf den Bereich der Semantik wird im Kapitel der semantischen Einteilung eingegangen, jedoch wird die Semantik als Thema an sich nicht genauer behandelt werden, als für das Verständnis der Einteilung des Wortschatzes notwendig ist.

2. Der Wortschatz

„Der Wortschatz einer Sprache stellt keine unstrukturierte Menge von lexikalischen Einheiten dar. Vielmehr können zwischen den Elementen des Wortschatzes Beziehungen verschiedenster Art festgestellt werden“ (Heinz 2007:130). Bevor jedoch eine grobe Einteilung des Wortschatzes getroffen wird, ist es notwendig eine Begriffsdefinition des Begriffes „Wort“ heranzuziehen, um im weiteren Verlauf das Verständnis zu erleichtern. „L. BLOOMFLIED definiert in seinem Werk Language das Wort als minimum free form: «a word, then, is a free form which does not consist entirely of (two or more) lesser free forms; in brief, a word is a minimum free form»” (Burns 2007:123 zit.nach Bloomfield 1933).

An dieser Einteilung wird auch im weiteren Verlauf der Arbeit festgehalten, jedoch werden andere Möglichkeiten zur Klassifizierung miteinbezogen bzw. dem gegenübergestellt.

3. Die Klassifizierung

3.1 Einteilung von Christof Heinz

- „formale Einteilung:
- nach grammatischen Kriterien: Wortarten. (sic!)
- nach derivativen Kriterien: Wortfamilien, abgeleitete / nicht abgeleiteteWörter
- stilistische Einteilung:
- nach stilistischen Kriterien: stilistisch unmarkierter (neutraler) / stilistischmarkierter Wortschatz
- nach der Art und Weise der Verwendung von Wörtern: regionale, soziale oderfunktionale Kriterien: Regiolekte, Soziolekte, Funktiolekte
- semantische Einteilung:
- nach inhaltlichen Kriterien: Verhältnis der Bedeutungen zueinander:Homonyme und Polyseme; Synonyme und Antonyme; Hyperonymeund Hyponyme“ (Heinz 2007:130).

3.2 Einteilung von Thomas Bruns:

- „Nomina appelativa (Sachbezeichnungen - Nomina propria (Eigennamen)
- Autosemantika (offene Klassen) - Synsemantika (geschlossene Klassen)
- Wortarten (morphologisch)
- Wortfelder (semantisch, wortartenspezifisch; z. B. Farben, Verwandtschaftsbezeichnungen Altersangaben)
- Sachgruppen (semantisch, wortartenübergreifend; z.B. Belebtes - Unbelebtes, Flora - Fauna)
- Funktional-semantische Felder (FSF). Drücken wortartenübergreifend allgemeine semantische Kategorien wie Temporalität oder Lokalität aus
- Wortfamilien/Wortnester (wurzelidentische Wörter, wortartenübergreifend)
- Diachroner, etymologischer-wortgeschichtlicher Aspekt (Herkunft der Wörter: genuin- eigensprachlicher Wörter - Erbwörter - Lehnwörter - Fremdwörter; Archaismen/Historismen, Neologismen)
- Synchroner, stilistisch-funktionaler Aspekt (Trennung nach Stilebenen: gehoben - neutral - niedrig) Gebrauchssphäre (Allgemeinsprache - Fachsprache, Hochsprache - Dialekt, Hochsprache - Umgangssprache, Jargon, …)
- Quantitativer Aspekt (Vorkommensfrequenz: Grundwortschatz - Aufbauwortschatz; insbesondere für fremdsprachendidaktische Fragestellungen interessant“ (Bruns 2007: 133).

4. Die formale Einteilung

In der formalen Einteilung des Wortschatzes unterscheidet Heinzzwei Kriterien grammatische, lexikalische-derivative Kriterien. Bei der Zuordnung zu grammatischen Kriterien ist Folgendes möglich: Wortarten - flektierbar - nicht flektierbar sowie Flexionsklassen. Ebenso kann formal nach lexikalischen Kriterien unterteilt werden - abgeleitet/ nicht abgeleitet und präfigiert/ suffigiert. Bei den derivativen Kriterien sind die Wortfamilie sowie das Kriterium „abgeleitet/ nicht abgeleitet“ ausschlaggebend (Heinz 2007:130).Bereits hier wird ersichtlich, dass eine Einteilung des Wortschatzes nicht einfach ist, da das Kriterium „abgeleitet/ nicht abgeleitet“ sowohl lexikalischen als auch derivativen formalen Kriterien unterliegt. Überschneidungen sind demnach nicht auszuschließen. Bei Kubišta und Kuße wird die Kategorie der formalen Einteilung als Kategorie der epidigmatischen Beziehungen dargestellt (Kubišta, Kuße o.J.:70). Eine weitere Kategorie, welche Kubišta und Kuße für ihre Einteilung heranziehen, ist jene der syntagmatischen Beziehungen. Dies sind „Beziehungen der linearen Verknüpfbarkeit und Anordnung der Sprachelemente. Lexeme haben eine bestimmte, eingeschränkte lexikalisch-semantische Verbindbarkeit Kollokation“ (Kubišta; Kuße o.J.:70). Lexeme sind nur in bestimmten Reihenfolgen aneinander anordenbar, um ihre Aussagekraft, Konnotation und Bedeutung nicht zu verlieren. Diese syntagmatischen Beziehungen finden sich gewissermaßen in der morphologischen Kategorie „flektierbar/ nicht flektierbar“ von Heinz wieder. Eine genauere Betrachtung weicht jedoch zu stark vom Kern dieser Arbeit ab, da es eine genauere Beschäftigung mit dem Thema der Dependenzgrammatik erfordern würde.

Auch die Kategorie der paradigmatischen Beziehungen von Kubišta und Kuße fällt im morphologischen Sinne in die formale Kategorie von Heinz, denn ein Paradigma ist „in der Morphologie [die] Bezeichnung für eine Menge von Flexionsformen, die nach demselben Konjugations-, Deklinations- oder Komparationsmuster gebildet sind, man spricht dann von einem Flexionsparadigma bzw. einem Konjugations-, Deklinations- oder Komparationsparadigma“ (Kubišta; Kuße o.J.:74).

4.1 Nach grammatischen Kriterien: Wortarten

Wird eine Unterscheidung nach Wortarten getroffen können zwei grundsätzliche Unterschiede festgestellt werden: Zum einen die flektierbare Gruppe der Lexeme, zu welche Substantive, Verben, Adjektive, Numerale, Determinativa (im Russischen weniger relevant), Pronomen und Quantoren zählen. Im Gegensatz zur Gruppe der flektierbaren Worte steht die Gruppe der nicht-flektierbaren, dazu zählen Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen, Interjektionen und Partikel. Oftmals wird für einen genauere Untersuchung des Wortschatzes jedoch nur die Gruppe der flektierbaren Lexeme herangezogen, was dazu führt, dass der doch recht großen Gruppe der nicht-flektierbaren Worte keine Weitere Aufmerksamkeit geschenkt wird, allen voran deswegen, da nicht-flektierbare Lexeme meist nicht die eigentliche bedeutungstragende Einheit innerhalb einer Äußerung darstellen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Lexikologie und ihre Möglichkeiten zur Strukturierung des Wortschatzes
Hochschule
Universität Wien  (Slawistik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V230983
ISBN (eBook)
9783656474241
ISBN (Buch)
9783656474449
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lexikologie, möglichkeiten, strukturierung, wortschatzes
Arbeit zitieren
Claudia Fallmann (Autor), 2012, Die Lexikologie und ihre Möglichkeiten zur Strukturierung des Wortschatzes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230983

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